{"id":203958,"date":"2025-06-20T01:11:13","date_gmt":"2025-06-20T01:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/203958\/"},"modified":"2025-06-20T01:11:13","modified_gmt":"2025-06-20T01:11:13","slug":"wir-gehen-nicht-zurueck-ins-private-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/203958\/","title":{"rendered":"\u00bbWir gehen nicht zur\u00fcck ins Private\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Reichskriegsflaggen in Bautzen, junge Neonazis am Leipziger Hauptbahnhof: Die Bilder der letztj\u00e4hrigen CSDs in Sachsen gingen durch die Medien. Wie damit umgehen? Das fragen wir Jasmin Gr\u00e4wel, Vorstandsmitglied und Pressesprecherin des CSD Leipzig.<\/p>\n<p><strong>Wie pr\u00e4sent sind die Ereignisse rund um verschiedene CSDs in Sachsen im letzten Jahr bei der diesj\u00e4hrigen Planung des Leipziger CSD?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das im Hinterkopf und wir hoffen alle, dass der Gegenprotest von 2024 nicht das neue Normal wird. Wir wollen, dass der CSD wieder Menschen zusammenbringt, die sich austauschen und auch ein bisschen feiern k\u00f6nnen. Das geh\u00f6rt neben dem Protest dazu.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wird der CSD nun politischer?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns noch nie als unpolitisch verstanden, sondern wollen darauf aufmerksam machen, was uns aktuell bedroht. Wenn Sie so wollen: Ja, wir sind jetzt politischer denn je. Aber wir sind schon immer einer der CSDs, der da besonderen Wert drauflegt.<\/p>\n<p><strong><br \/>Sind andere CSDs unpolitischer?<\/strong><\/p>\n<p>Ich unterstelle keinem CSD, dass es nur darum geht, miteinander Spa\u00df zu haben. Es stehen immer die Forderungen unserer Community im Mittelpunkt. In welcher Form die pr\u00e4sent sind, das entscheidet jedes Team f\u00fcr sich. <\/p>\n<p><strong><br \/>Bemerken Sie da einen Unterschied zwischen CSDs im Osten und im Westen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man diese pauschale Unterscheidung machen will: Es ist tats\u00e4chlich so, dass wir im Osten viel mehr konfrontiert sind mit Ablehnung. Als ich vor einigen Jahren mal beim CSD in K\u00f6ln war, war dort die ganze Stadt auf der Stra\u00dfe. In kleinen Orten in Sachsen stehst du Menschen vom ganz rechten Rand gegen\u00fcber. Die wissen dann: \u00bbAha, du geh\u00f6rst auch dazu, ich wei\u00df, wo du wohnst, und sehe dich morgen auf Arbeit.\u00ab Aber die CSDs in Westdeutschland haben mitbekommen, dass bei uns die Vorzeichen leider andere sind. Wir sind inzwischen besser vernetzt, zum Beispiel \u00fcber den Verein CSD Deutschland. Die haben dort etwa im Vorfeld der Bundestagswahlen auch eine bundesweite Kampagne gemacht.<\/p>\n<p><strong>Ist durch die pr\u00e4sente Bedrohung die Unterst\u00fctzung gewachsen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben gemerkt, dass das manche echt noch mal motiviert zu sagen: Jetzt unterst\u00fctze ich euch erst recht! Wir versuchen, uns auch mit den CSDs im Umland auszutauschen, die zu uns einzuladen oder eine Gruppe von uns hinzuschicken.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie privilegiert ist man in Leipzig eigentlich noch im Vergleich zum Umland? <\/strong><\/p>\n<p>Allein aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe schon. In den letzten Jahren sind bei uns 20.000 Menschen mitgelaufen. Aber auch hier hat sich die Stimmung ge\u00e4ndert. Wir sehen das an den Ergebnissen der Landtags- und Bundestagswahlen. Es hei\u00dft immer, Leipzig sei die Insel im blauen Meer. Aber auch hier werden Menschen in der Stra\u00dfenbahn bl\u00f6d angemacht, nur weil sie in einem Drag-Outfit unterwegs sind. Das ist kein Ph\u00e4nomen, das nur im Umland existiert, wo jeder jeden kennt.<\/p>\n<p><strong><br \/>Haben Sie als Veranstalter irgendwelche Konsequenzen gezogen aus dem letzten Jahr?<\/strong><br \/>Es gibt grunds\u00e4tzlich immer eine Feedbackrunde, da geht es um Themen von der K\u00fcnstler:innenauswahl bis zur Sicherheit. Wir versuchen, auch mit anderen Gruppen in Verbindung zu stehen, um fr\u00fchzeitig mitzubekommen, wenn sich etwa auf Telegram Gegenprotest formiert. Viele Menschen reisen aus dem Umland an und sitzen dann im Zweifel in der Bahn mit ihrer Pride Flag jemandem vom rechten Rand gegen\u00fcber. Deshalb sagen wir: Reist zusammen an! Und sonst stehen wir nat\u00fcrlich mit den Beh\u00f6rden im Austausch. <\/p>\n<p><strong><br \/>Sind denn in Sachsen CSDs nur mit einem massiven Polizeiaufgebot denkbar?<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tten Sie mich das vor 2024 gefragt, w\u00e4re meine Antwort wohl gewesen: Das muss nicht unbedingt sein. Dass Polizist:innen in voller Montur die ganze Demo begleiten, habe ich noch nie erlebt. Aber jetzt wird es h\u00f6chstwahrscheinlich zur Normalit\u00e4t. So bl\u00f6d wie das ist, weil Menschen auch aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden Probleme mit der Polizei haben, aufgrund schlechter Erfahrungen. Gerade wenn man bedenkt, wo die Bewegung herkommt: Bei Stonewall ging es darum, sich gegen Polizeigewalt zu wehren.<\/p>\n<p><strong>Gibt es denn Alternativen?<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00fcrde sich dann \u00e4ndern, wenn sich die politischen Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern. Wenn wir Mittel und Wege finden \u2013 nicht nur die queere Community, sondern alle Menschen \u2013, uns gegen die Stimmung zu wehren, die von Parteien wie der AfD gemacht wird. Wenn die mit ihren Ideen durchkommen, geht es zuerst gegen marginalisierte Gruppen, aber dann fallen auch alle anderen.<\/p>\n<p><strong>Das Motto des diesj\u00e4hrigen CSD lautet \u00bbWir bleiben hier!\u00ab \u2013 zweifeln Sie manchmal selbst daran, sich f\u00fcr queeres Leben in Sachsen zu engagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt schon Gespr\u00e4che unter meinen Freund:innen, bei denen man sagt: \u00bbDas kann nicht wahr sein, jetzt sind wir hier und alles ist blau. Wir gehen.\u00ab Das ist eine super individuelle Entscheidung. Aber wir k\u00f6nnen nicht alle einpacken. Wenn das passiert, kommen die anderen und das d\u00fcrfen wir nicht zulassen. Das Motto ist eine bewusste Reaktion auf 2024. F\u00fcr uns ist es keine Option, zur\u00fcck ins Private zu gehen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Sie stellen mit dem Motto auch einen Bezug zum Herbst 89 her. Ist das auch der Versuch, das Thema den Rechten wegzunehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine Lesart, war aber nicht unser Fokus. Bei uns im Plenum sind Menschen dabei, die die Friedliche Revolution erlebt haben. Die haben gesagt: Das ist doch eine gute Verbindung, die wir versuchen, herzustellen. Au\u00dferdem gibt es dieses Jahr auch eine internationale Verbindung. Unser Demotag ist der 28. Juni, der Tag der Stonewall-Aufst\u00e4nde, die 1969 in New York einen Wendepunkt im Kampf der queeren Community darstellten. <\/p>\n<p><strong><br \/>Was sind die diesj\u00e4hrigen H\u00f6hepunkte der CSD-Woche?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben \u00fcber 40 Veranstaltungen dieses Jahr. Die Demo ist der H\u00f6hepunkt! Aber f\u00fcr uns super wichtig ist auch die Er\u00f6ffnung im Rathaus. Wir ziehen die Regenbogenflagge gemeinsam hoch. Unser Botschafter Sebastian Krumbiegel ist dabei.<\/p>\n<p>&gt; Programmwoche: 20.\u201328.6., Demonstration &amp; Stra\u00dfenfest: 28.6., 11.30 Uhr, Augustusplatz, <a href=\"http:\/\/www.csd-leipzig.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.csd-leipzig.de<\/a>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reichskriegsflaggen in Bautzen, junge Neonazis am Leipziger Hauptbahnhof: Die Bilder der letztj\u00e4hrigen CSDs in Sachsen gingen durch die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":203959,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[30546,66492,3364,29,30,71,859],"class_list":["post-203958","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-csd","tag-csd-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-leipzig","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114713033823969380","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=203958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203958\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/203959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=203958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=203958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=203958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}