{"id":205009,"date":"2025-06-20T11:04:10","date_gmt":"2025-06-20T11:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/205009\/"},"modified":"2025-06-20T11:04:10","modified_gmt":"2025-06-20T11:04:10","slug":"schauspieler-fabian-hinrichs-was-lesen-sie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/205009\/","title":{"rendered":"Schauspieler Fabian Hinrichs: Was lesen Sie?"},"content":{"rendered":"<p>Was lesen Sie?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e9f390a5=\"\" data-v-d588441d=\"\">Zum einen Georges Batailles \u201eDie H\u00f6hlenbilder von Lascaux oder die Geburt der Kunst\u201c. Bataille schreibt von Unbeschreibbarem \u2013 \u00fcber Atmosph\u00e4re und Kraft der drei\u00dfigtausend Jahre alten H\u00f6hlenbilder und \u00fcber Kunst. Die Bilder sind, so Bataille, aus Gem\u00fctsbewegungen geboren, und sie wenden sich auch unmittelbar an das Gem\u00fct. Sie sind verf\u00fchrerisch nutzlose Zeichen inmitten eines Meeres aus N\u00fctzlichkeit, ein Meer, so gro\u00df wie der Atlantik und so flach wie die Berner Au. Das ist ein kleiner stinkender Bach in Hamburg-Bramfeld, wo ich aufgewachsen bin. Bauwerken und Berufen kann man nicht entfliehen. Aber man kann in die unbekannte Tiefe der Kunst fliehen und so den Weg hinaus antreten, Richtung Atlantischer Ozean. Gleichzeitig lese ich Rolf Dieter Brinkmanns Gedichte \u201eWestw\u00e4rts 1&amp;2\u201c, und zwar nicht in der bisherigen verst\u00fcmmelten, sondern in der neu herausgegebenen, ungek\u00fcrzten Form. Ich lese es, weil ich darin Zeilen wie diese finde: \u201eEs ist Zeit, dass wir einander mehr Geschichten \/ erz\u00e4hlen, wo man nicht mit dem R\u00fccken zur \/ Wand steht, sondern in der offenen T\u00fcr, im \/ Tageslicht, das nicht zerf\u00e4llt\u201c. Nebenbei lese ich auch immer ein paar Seiten in Agnes Hellers \u201eTheorie der Gef\u00fchle\u201c, einem postmarxistischen Analyseversuch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Gef\u00fchl und Denken, der \u201eFragestellung unserer Zeit\u201c. Dem einheitlichen, nicht gespaltenen Menschen stehen die Lebenstatsachen der \u201eb\u00fcrgerlichen Weltepoche\u201c entgegen, die auf der Auffassung von \u201eVerstand\u201c und \u201eGef\u00fchl\u201c als gegens\u00e4tzlichen Prinzipien fu\u00dfen. Das ist das Thema, mit dem ich mich seit L\u00e4ngerem besch\u00e4ftige, ich schreibe an einem \u201epers\u00f6nlichen Sachbuch\u201c, haupts\u00e4chlich dar\u00fcber. Und ich bl\u00e4ttere in \u201eDie Unsterblichkeit der Sterne\u201c, dem Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum \u00adSolingen im Jahr 2010. Der Antiquar Herbert Blank hat jahrelang daran gearbeitet, die Bibliothek Benjamins nachzubauen, wiederherzustellen. Polgar, Ringelnatz, Benn, M\u00e4rchen von Amelie Godin, Kant, Adorno, Heidegger, Luk\u00e1cs, Mendelssohn, Balzac und Baudelaire. Dazu gesellen sich im Katalog Goyas Bilder und einiges andere mehr, man sieht die Buchdeckel und sp\u00fcrt, was B\u00fccher f\u00fcr die Leser waren. Und was sie nie mehr sein werden.<\/p>\n<p>Welches Buch haben Sie im B\u00fccherschrank, das Sie bestimmt nie lesen werden?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e9f390a5=\"\" data-v-d588441d=\"\">Es gibt ein Buch, von dem ich bef\u00fcrchte, dass ich es nie lesen werde, hoffe aber inst\u00e4ndig, dass diese Bef\u00fcrchtung nicht zur Tatsache wird.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e9f390a5=\"\" data-v-d588441d=\"\">Es ist \u201eAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u201c von Marcel Proust. Irgendwann hatte ich angefangen, es zu lesen, aber dann hatte ich das Gef\u00fchl, zu wenig Zeit zu haben f\u00fcr die f\u00fcnftausend Seiten. Ich sehne mich aber danach, jemand zu sein, der nicht mehr eben jenes st\u00e4ndige Gef\u00fchl des Verlusts empfindet. Jemand, der selbst nicht mehr soviel Zeit darauf verwendet, auf der Jagd nach der verlorenen Zeit zu sein. Ein Mensch, der einfach f\u00fcnf Seiten lesen kann oder f\u00fcnfzig oder f\u00fcnfhundert oder f\u00fcnftausend, ohne die vergehende Zeit zu f\u00fchlen, der sich einfach hingibt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e9f390a5=\"\" data-v-d588441d=\"\">Jedes Mal, wenn ich in Griechenland war und die alten M\u00e4nner und Frauen am Rand eines kleinen Dorfplatzes sah, einfach sitzend, redend, schweigend, auch lesend, w\u00fcnschte ich mir f\u00fcr mich selbst genau so eine Subjektkomposition.<\/p>\n<p><strong>Der Schauspieler <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Fabian Hinrichs\" data-rtr-id=\"77892cba18451f41168b86c8100b0517e11e0aa0\" data-rtr-score=\"150.19755182288117\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/fabian-hinrichs\" title=\"Fabian Hinrichs\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fabian Hinrichs<\/a> <\/strong>studierte erst Jura, bevor er an die Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste wechselte. Er feierte 2005 mit dem f\u00fcr einen Oscar nominierten Film \u201eSophie Scholl \u2013 Die letzten Tage\u201c in der Rolle des Hans Scholl seinen Durchbruch. Als Kommissar im Franken-Tatort ist er einem gro\u00dfen Publikum bekannt und hat im Theater viel mit Ren\u00e9 Pollesch gearbeitet und mit ihm auch Regie gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>In der Sonntagszeitung vom 22. Juni<\/strong> finden sich zus\u00e4tzlich die Antworten von Fabian Hinrichs auf die Fragen, was er sieht, was er h\u00f6rt \u2013 und wann er zuletzt seine Meinung ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was lesen Sie? Zum einen Georges Batailles \u201eDie H\u00f6hlenbilder von Lascaux oder die Geburt der Kunst\u201c. Bataille schreibt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":205010,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-205009","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114715365641144808","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=205009"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205009\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/205010"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=205009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=205009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=205009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}