{"id":207237,"date":"2025-06-21T07:22:09","date_gmt":"2025-06-21T07:22:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207237\/"},"modified":"2025-06-21T07:22:09","modified_gmt":"2025-06-21T07:22:09","slug":"lotsen-auf-schattentanker-beklagen-gefaehrliche-maengel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207237\/","title":{"rendered":"Lotsen auf Schattentanker beklagen gef\u00e4hrliche M\u00e4ngel"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 21.06.2025 08:16 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Jeden Tag fahren \u00d6ltanker der sogenannten russischen Schattenflotte an der deutschen K\u00fcste vorbei. Niemand bekommt mit, was auf den Schattentankern vor sich geht &#8211; mit einer Ausnahme.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Lennart Banholzer und Simon Hoyme, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich f\u00fchle mich wie ein Teil der russischen Kriegsmaschine&#8220;, erz\u00e4hlt uns Bjarne C\u00e6sar Skinnerup. Dabei will der erfahrene d\u00e4nische Seelotse mit seiner Arbeit eigentlich etwas ganz anderes erreichen: dass d\u00e4nische und deutsche K\u00fcsten vor Schiffsunf\u00e4llen und deren Folgen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeine Schichten beginnen auf einem orangefarbenen Lotsenboot, das ihn vom d\u00e4nischen Festland aus raus auf die Ostsee bringt, in den Fehmarnbelt oder den Gro\u00dfen Belt. In voller Fahrt geht das Boot l\u00e4ngsseits bei gro\u00dfen Handelsschiffen. Skinnerup muss eine Strickleiter an der Bordwand hochklettern. Oben nimmt ihn die Crew in Empfang und bringt ihn auf die Kommandobr\u00fccke.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWo die Schiffe herkommen und was sie transportieren, ist f\u00fcr das Lotsenunternehmen egal. Und so kommt es, dass Skinerrup sogar auf \u00d6ltanker klettert, auf die nach einer gemeinsamen Recherche von NDR und dem d\u00e4nischen Medium Danwatch niemand in der Europ\u00e4ischen Union oder anderen westlichen Staaten mehr einen Einblick bekommt: Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte, die Roh\u00f6l &#8211; mutma\u00dflich sanktionswidrig &#8211; in alle Welt transportieren. Die Begleitung durch die Lotsen ist in den d\u00e4nischen Transitstrecken zwar keine Pflicht; da die Seepassagen aber schmal, seicht und vielbefahren sind, nehmen die meisten Schiffe die Hilfe in Anspruch.<\/p>\n<p>    Zweifel an Qualifikation der Crews<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich wei\u00df: Alles, was aus russischen H\u00e4fen exportiert wird &#8211; das Geld, das damit verdient wird -, damit finanziert Russland seinen Krieg gegen die Ukraine&#8220;, sagt der Lotse. &#8222;Deshalb mache ich meine Arbeit nat\u00fcrlich mit sehr gemischten Gef\u00fchlen. Und das ist ehrlich gesagt echt traurig.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch ihn treiben nicht nur die Gewissensbisse um, sondern auch das, was er an Bord der Schattentanker erlebt. Da ist zum einen das Alter dieser Schiffe. Bis vor ein paar Jahren seien in der Ostsee keine Tanker aufgetaucht, die \u00e4lter als 20 Jahre sind, so Skinnerup. Gr\u00f6\u00dfere \u00d6lkonzerne setzen nach NDR-Informationen keine Tanker mehr ein, die \u00e4lter als 18 Jahre sind. Nun passiert das t\u00e4glich, wie auch in Schiffstrackern wie Marine Traffic ersichtlich ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Lotse bem\u00e4ngelt die technischen und hygienischen Zust\u00e4nde an Bord. Auch seien die Crews &#8222;nicht so qualifiziert&#8220;, um zu verstehen, weshalb sie die Gew\u00e4sser &#8222;nicht so durchqueren k\u00f6nnen, wie sie denken&#8220;. Mitunter sei es &#8222;wirklich so, als w\u00e4re ihnen alles egal&#8220;, so Skinnerup weiter. &#8222;Und manchmal, wenn ich von Bord gehe, frage ich mich: Wie um Himmels Willen schaffen die es sicher an ihr Ziel?&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBisher kann die mutma\u00dflich gef\u00e4hrlichen Tanker niemand aufhalten. Laut dem UN-Seerechts\u00fcbereinkommen darf kein Staat ein Schiff vor seiner K\u00fcste stoppen, das sich in &#8222;friedlicher Durchfahrt&#8220; befindet. Und so k\u00f6nnen auch staatliche Akteure wie etwa die deutsche Marine die Schiffe lediglich beobachten.<\/p>\n<p>    Schattentanker von russischen Kriegsschiffen begleitet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm April begleitet ein NDR-Team einen deutschen Marineverband, der an einem internationalen Man\u00f6ver vor der d\u00e4nischen Insel Bornholm teilnimmt &#8211; in einem Seegebiet, in dem t\u00e4glich Tanker der Schattenflotte verkehren. Es geht darum, die NATO-Operation &#8222;Baltic Sentry&#8220; gegen die Schattenflotte zu unterst\u00fctzen, allein schon durch erkennbare Pr\u00e4senz. In der Vergangenheit gab es immer wieder F\u00e4lle, in denen Schattenschiffe mit Sabotageakten in der Ostsee in Verbindung gebracht wurden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Man\u00f6ver wird vom Stabsschiff &#8222;Mosel&#8220; befehligt. Bei Tagesanbruch eine Durchsage an Bord: Das Deck ist gesperrt. Schattentanker und russische Kriegsschiffe seien in der N\u00e4he. Die Crew an Bord der &#8222;Mosel&#8220; beobachtet einen Geleitzug aus einem Schattentanker, einem Frachter und zwei russischen Korvetten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie deutschen Soldatinnen und Soldaten h\u00e4tten dabei festgestellt, dass auf den russischen Kriegsschiffen offenbar Waffen einsatzbereit waren, so der deutsche Kommandeur Mario Bewert im Nachgang. Auf einer Plattform neben den Kommandobr\u00fccken der Schiffe, den sogenannten Nocken, seien Soldaten gewesen. &#8222;Da befinden sich dann auch Maschinengewehre, die waren scheinbar besetzt&#8220;, so Fregattenkapit\u00e4n Bewert. Sp\u00e4ter werden die deutsche K\u00fcstenwache und die d\u00e4nische Marine den Konvoi Schiff vorbei an der deutschen K\u00fcste geleiten.<\/p>\n<p>    Kampfflugzeug besch\u00fctzt Schattentanker vor Estland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass solche Begegnungen auch eskalieren k\u00f6nnen, zeigte sich zuletzt Mitte Mai vor der K\u00fcste Estlands. Die estnische K\u00fcstenwache f\u00e4hrt an einen Schattentanker heran; offenbar, um ihn zu kontrollieren. Daraufhin schickt Russland &#8211; mutma\u00dflich zur Abschreckungen &#8211; einen Kampfjet. Nach estnischen Angaben dringt er dabei in den Luftraum des baltischen Staates ein. Au\u00dfenminister Margus Tsahkna best\u00e4tigt den Vorfall sp\u00e4ter und spricht von einer &#8222;sehr ernsten&#8220; Situation auf der Ostsee.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEiner der renommiertesten Analysten der Sanktionen gegen Russland ist Robin Brooks, Senior Fellow der amerikanischen Denkfabrik Brookings Institution. Die Schattenflotte sei als Reaktion auf westliche Gegenma\u00dfnahmen nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aufgebaut worden. Die G7-Staaten &#8211; also Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, das Vereinigte K\u00f6nigreich und die USA &#8211; hatten einen \u00d6lpreisdeckel verh\u00e4ngt. Russland sollte sein \u00d6l zwar noch exportieren k\u00f6nnen, aber nur zu einem vom Westen bestimmten Preis. Legalen Tankschiffen drohen seitdem Konsequenzen, wenn sie russisches Roh\u00f6l zum Marktpreis transportieren. Das habe die Kaufkraft Russlands bedroht, so Brooks. &#8222;Die ganze russische Wirtschaft h\u00e4tte kollabieren k\u00f6nnen&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls Reaktion, um also vom legalen Markt unabh\u00e4ngig zu sein, habe Russland deshalb die Schattenflotte aufgebaut. Dabei seien vor allem alte Schiffe aufgekauft worden, die sonst mutma\u00dflich verschrottet worden w\u00e4ren. Wer die Schiffe betreibt, wird offenbar gezielt verschleiert, um westlichen Sanktionen m\u00f6glichst wenig Angriffsfl\u00e4che zu bieten. Wie viele Schattentanker es heute gibt, ist unklar. Der ukrainische Think Tank Kyiv School of Economics z\u00e4hlt etwa 650 Schiffe zur russischen Schattenflotte.<\/p>\n<p>    Bis zu 40 Millionen Dollar pro Jahr?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie lukrativ das Betreiben von Schiffen der Schattenflotte offenbar ist, berichtete dem NDR nun ein anonymer Insider aus Schifffahrtskreisen, der seinen Namen nicht ver\u00f6ffentlicht sehen m\u00f6chte. Mit einem einzigen Schiff lie\u00dfen sich im russischen \u00d6lhandel in nur einem Jahr 30 bis 40 Millionen Dollar verdienen. Die gebrauchten \u00d6ltanker w\u00fcrden in der Branche als &#8222;Rosteimer&#8220; gelten und kosteten die Besitzer seiner Einsch\u00e4tzung nach beim Kauf etwa zw\u00f6lf Millionen Dollar. Die meisten von ihnen s\u00e4\u00dfen im Mittleren Osten, in Indien oder in anderen s\u00fcdasiatischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;In der Regel hat jeder Besitzer nur ein Schiff. So versuchen sie, Sanktionen aus dem Weg zu gehen&#8220;, so der Insider weiter. Dadurch sei der Schaden begrenzt, wenn ein Schiff erkannt, sanktioniert und dadurch unbrauchbar w\u00fcrde. Die EU hat bisher 342 Schattentanker auf ihre Sanktionsliste gesetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie westlichen Gegenma\u00dfnahmen gegen einzelne Schiffe der Schattenflotte sind einer Analyse von \u00d6konom Robin Brooks wirksam. Er hat sich angeschaut, ob \u00d6ltanker weiterhin russisches \u00d6l transportieren, wenn sie durch die EU oder durch die USA sanktioniert wurden. Und tats\u00e4chlich sei das nicht der Fall: Die Aktivit\u00e4t breche zusammen. Dass die Sanktionen deshalb ein Erfolg sind, sieht Brooks jedoch nicht: &#8222;Wir haben die Mittel, wir wissen genau, was wir h\u00e4tten machen sollen, wir haben es aber nicht getan.&#8220; Die Sanktionen w\u00fcrden nach mehr als drei Jahren Krieg gegen die Ukraine viel zu z\u00f6gerlich verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>    EU-Abstimmungen \u00fcber Sanktionen &#8222;ineffizient&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEiner Berechnung des Kyiv School of Economics Institute zufolge konnte Russland trotz der westlichen Gegenma\u00dfnahmen allein im vergangenen Jahr mehr als 230 Milliarden Dollar mit dem Export von \u00d6l und Gas verdienen. Die Kommission der Europ\u00e4ischen Union will die russischen Einnahmen jetzt durch weitere Sanktionen mindern und hat am 11. Juni die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/vor-g7-treffen-100.html\" title=\"Europa und Trump bei G7: Mit niedrigen Erwartungen nach Kanada\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leitlinien f\u00fcr ein 18. Sanktionspaket<\/a> vorgestellt. Es geht unter anderem um weitere Sanktionen gegen Tanker der Schattenflotte. Verabschieden m\u00fcssen das Paket die Mitgliedsstaaten &#8211; doch ihre Zustimmung ist alles andere als gewiss.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Au\u00dfenministerin von Lettland, Baiba Bra\u017ee, sagte dem NDR, ihr Land sei daf\u00fcr, mehr Schattentanker zu sanktionieren, aber die Abstimmung unter den Mitgliedern sei &#8222;nicht sehr effizient&#8220;. F\u00fcr jedes einzelne Schiff m\u00fcssten Beweise vorgelegt werden. In einer Abstimmung m\u00fcsse dann einstimmig beschlossen werden, es auf die EU-Sanktionsliste zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 21.06.2025 08:16 Uhr Jeden Tag fahren \u00d6ltanker der sogenannten russischen Schattenflotte an der deutschen K\u00fcste vorbei. 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