{"id":207589,"date":"2025-06-21T10:41:24","date_gmt":"2025-06-21T10:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207589\/"},"modified":"2025-06-21T10:41:24","modified_gmt":"2025-06-21T10:41:24","slug":"schneiden-dir-die-haare-ab-als-ein-bundesligaprofi-aus-angst-vor-den-eigenen-fans-untertauchte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207589\/","title":{"rendered":"&#8222;Schneiden dir die Haare ab!&#8220;: Als ein Bundesligaprofi aus Angst vor den eigenen Fans untertauchte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor drei\u00dfig Jahren spielte sich in der Bundesliga Dramatisches ab. Der Profi des MSV Duisburg, Peter K\u00f6zle, l\u00f6ste seinen Vertrag auf und tauchte unter, weil er vor den eigenen Fans fl\u00fcchten musste. <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich habe ein ungutes Gef\u00fchl, wenn ich in meine Wohnung gehe, weil ich Angst habe. Denn zurzeit ist es nicht gut, irgendwo zu sein, wo die Fans wissen: Da k\u00f6nnen wir ihn kriegen!&#8220; Das waren die schockierenden Worte des damaligen Bundesligaprofis des MSV Duisburg, Peter K\u00f6zle, im Sommer vor drei\u00dfig Jahren. 27 Jahre jung war der geb\u00fcrtige Oberbayer damals, als er &#8222;untertauchte und f\u00fcr niemanden greifbar&#8220; war, weil er den &#8222;Hass&#8220; der eigenen Anh\u00e4nger f\u00fcrchtete. Es ist eine der traurigsten Geschichten, die die Bundesliga je erlebt hat!<\/p>\n<p>Dabei hatte alles so gl\u00fccklich begonnen. Die Fans des MSV Duisburg hatten ihren St\u00fcrmer nach der R\u00fcckkehr des Vereins in die erste Liga zur Saison 1993\/94 gefeiert. Der Klub bestritt danach eine furiose Spielzeit und der neue Angreifer Peter K\u00f6zle schoss 13 Tore f\u00fcr seinen Verein. Der Mann mit den langen Haaren und dem freundlichen L\u00e4cheln fiel auf. Peter K\u00f6zle wurde schnell zum Gesicht einer Mannschaft, die k\u00e4mpfte, spielte und ihre Fans stolz machte. Platz 9 nach der Saison war der verdiente Lohn. <\/p>\n<p>Und zwischendurch hatte der MSV sogar f\u00fcr ein echtes Kuriosum in der Bundesligageschichte gesorgt, als man am 22. Spieltag die Tabellenf\u00fchrung \u00fcbernahm &#8211; erstmals in der Ligahistorie mit einem negativen Torverh\u00e4ltnis von minus einem Treffer. Ganz Duisburg war damals gl\u00fcckselig. Und mittendrin der sympathische Fu\u00dfballer Peter K\u00f6zle, der sich wie selbstverst\u00e4ndlich unters Volk mischte.<\/p>\n<p>&#8222;S\u00fcndenbock&#8220; f\u00fcr die verkorkste Saison<\/p>\n<p>&#8222;Ich wollte ein ganz normales Leben f\u00fchren und mich nicht abschotten. Als Fu\u00dfballer bin ich doch nicht ein besonderer Mensch. Ich wollte einer von vielen sein&#8220;, sagte er damals auf der Flucht, als ihn eine gro\u00dfe deutsche Sportillustrierte ausfindig gemacht hatte und ihn nach seinen schrecklichen Erlebnissen befragte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Blatt bereits komplett gewendet. Denn in der zweiten Saison in der ersten Liga stand der MSV von Beginn an im Tabellenkeller und Peter K\u00f6zle traf bei weitem nicht mehr so h\u00e4ufig, wie in seiner ersten Spielzeit f\u00fcr die Meidericher. All das Positive, das sie im ersten Jahr in seine Person hineinprojiziert hatten, wich nun dem Negativen. <\/p>\n<p>Peter K\u00f6zle meinte sp\u00e4ter einmal, dass man in Duisburg einen &#8222;S\u00fcndenbock&#8220; f\u00fcr die verkorkste Saison gesucht habe &#8211; da bot sich der auff\u00e4llige Mann mit den langen Haaren, der sich anfangs auch in den nicht so erfolgreichen Tagen unters Volk mischte und ausging, bestens an. &#8222;Zuerst lagen sie mir zu F\u00fc\u00dfen, dann haben sie mich mit F\u00fc\u00dfen getreten&#8220;, hat Peter K\u00f6zle gesagt &#8211; und meinte das &#8222;Treten&#8220; nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne. Die Angst vor k\u00f6rperlicher Gewalt war am Schluss f\u00fcr den geb\u00fcrtigen Oberbayer, der das Leben im Ruhrgebiet eigentlich zu sch\u00e4tzen gelernt hatte, allgegenw\u00e4rtig. Die Fans standen am Ende vor seiner Wohnung und schrien: &#8222;Komm raus, du Sau!&#8220; und &#8222;Wir schneiden dir die Haare ab!&#8220;. Ein Zustand, der nicht mehr tragbar war.<\/p>\n<p>Weg aus Duisburg. Aus Angst.<\/p>\n<p>K\u00f6zle entschied zu fliehen. Vor den eigenen Fans. Weg aus Duisburg. Aus Angst, eines Tages k\u00f6nnten sie ihn tats\u00e4chlich einmal erwischen. Und K\u00f6zle machte keine halben Sachen. Er l\u00f6ste seinen Vertrag auf und verzichtete auf viel Geld. Er tauchte unter. Erst war er f\u00fcr niemanden greifbar. Dann nach einiger Zeit gab es wieder erste Bilder von ihm. Auf Vermittlung von Alain Sutter durfte er bei den Bayern mittrainieren. Sich fithalten. Die Saison lief w\u00e4hrenddessen weiter. Denn K\u00f6zle hatte seine Entscheidung auch f\u00fcr den Verein und seine Mitspieler getroffen. Er hoffte, &#8222;Druck&#8220; von seiner Mannschaft nehmen zu k\u00f6nnen, wenn der vermeintliche &#8222;S\u00fcndenbock&#8220; nicht mehr da w\u00e4re. Denn die Pfiffe gegen ihn waren indirekt ja auch immer Pfiffe gegen das ganze Team.<\/p>\n<p>Doch es half alles nichts. Der MSV Duisburg stieg aus der Bundesliga ab. Und Peter K\u00f6zle? Der hatte das Gl\u00fcck, dass ihn Klaus Toppm\u00f6ller zum VfL Bochum holte. Toppm\u00f6ller sagte man damals nach, ein Faible f\u00fcr schwierige Charaktere zu haben. Ob K\u00f6zle in diese Kategorie passte oder nicht, sei dahingestellt, aber in jedem Fall kam der geb\u00fcrtige Oberbayer wieder zur\u00fcck ins Ruhrgebiet &#8211; und lebt dort noch heute. Auch mit dem MSV Duisburg und seinen Fans hat sich Peter K\u00f6zle l\u00e4ngst wieder vers\u00f6hnt. Nur f\u00fcnf Jahre nach seiner Flucht aus Meiderich kehrte er sogar f\u00fcr eine Spielzeit zum MSV zur\u00fcck. Doch die Erinnerungen an dieses dunkle Kapitel in seinem Leben aus dem Jahr 1995 hat K\u00f6zle bis heute nicht vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor drei\u00dfig Jahren spielte sich in der Bundesliga Dramatisches ab. 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