{"id":207795,"date":"2025-06-21T12:37:11","date_gmt":"2025-06-21T12:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207795\/"},"modified":"2025-06-21T12:37:11","modified_gmt":"2025-06-21T12:37:11","slug":"kathleen-reinhardt-der-ostdeutsche-pavillon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207795\/","title":{"rendered":"Kathleen Reinhardt: Der ostdeutsche Pavillon"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/kathleen-reinhardt-kunstbiennale-venedig-deutscher-pavillon-ostdeutsch\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Der ostdeutsche Pavillon<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/kathleen-reinhardt-kunstbiennale-venedig-deutscher-pavillon-ostdeutsch\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 2&#8243;Ein Museum mit Geschichte leiten ist halt was anderes&#8220;<\/p>\n<p>                <\/a><\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/kathleen-reinhardt-kunstbiennale-venedig-deutscher-pavillon-ostdeutsch\/seite-3\" data-ct-label=\"3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 3In mehreren Systemen verortet<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Februar 1990 titelte der Spiegel: &#8222;Wieso kommen die noch? In Westdeutschland kocht Ha\u00df auf die DDR-\u00dcbersiedler hoch.&#8220; Es war ein Jahr, in dem sich der Zorn auf zugezogene Ostdeutsche entlud. Sie wurden auf der Stra\u00dfe beschimpft, Notunterk\u00fcnfte angegriffen, Kinder in Schulen angefeindet, Zeitungen \u00fcberschlugen sich mit Schreckensmeldungen. Die gro\u00dfe Angst: Diejenigen, die nun Woche f\u00fcr Woche zu Tausenden die offenen Grenzen passieren, w\u00fcrden das westdeutsche Sozialsystem sprengen und den Wohnungs- und Arbeitsmarkt zum Kollabieren bringen. Der Zustrom, so der Tenor, m\u00fcsse einged\u00e4mmt werden.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">1990 war auch das Jahr, in dem Kathleen Reinhardt und ihre Eltern von Th\u00fcringen nach Bayern zogen. Reinhardt kam in die dritte Klasse einer Ingolst\u00e4dter Schule. Ihre Klassenkameraden sagten, daran erinnert sie sich noch genau: &#8222;Ihr kommt und nehmt uns die Arbeitspl\u00e4tze weg. Ihr wisst nicht, wie man richtig arbeitet.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es war ein krasser Wechsel, der sie und ihre Arbeit als Kuratorin bis heute pr\u00e4gt. Denn wer so etwas erlebt hat, wird im besten Fall sensibel f\u00fcr Ausschl\u00fcsse, f\u00fcr Schieflagen, f\u00fcr das, was nicht miterz\u00e4hlt wird. Vor diesem Hintergrund ist es umso bemerkenswerter, dass Kathleen Reinhardt vor wenigen Wochen zur Kuratorin des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale 2026 in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/venedig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Venedig<\/a> berufen wurde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kathleen Reinhardt, geboren in Sonderhausen, leitet das Georg Kolbe Museum in Berlin. Dass sie nun Deutschlands Beitrag zu einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt kuratiert, ist eine aufregende Nachricht, so kann man das wohl sagen. Aufregend auch gleich die Wahl der beiden K\u00fcnstlerinnen, die ihre Arbeiten pr\u00e4sentieren werden im kommenden Jahr: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/23\/deutscher-pavillon-2026-biennale-venedig-henrike-naumann-sung-tieu\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henrike Naumann und Sung Tieu<\/a>. Beide haben ebenfalls eine ostdeutsche Geschichte.\n<\/p>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/index?utm_campaign=wall_abo&amp;utm_content=premium_packshot_cover_zesa&amp;utm_medium=fix&amp;utm_source=zeitde_zonpme_int&amp;wt_zmc=fix.int.zonpme.zeitde.wall_abo.premium.packshot.cover.zesa\" title=\"Zur Ausgabe 26\/2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--landscape\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/original__120x85.jpeg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"86\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26\/2025. Hier k\u00f6nnen Sie die gesamte Ausgabe lesen.<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auf den ersten Blick scheint Reinhardt, das erz\u00e4hlt ihre bisherige Karriere, gut darin zu sein, neues Gebiet zu betreten, dorthin zu gehen, wo es unbequem ist. In einer polarisierten Welt, in der sicher geglaubte Gesellschaftssysteme pl\u00f6tzlich ins Wanken geraten, ist das vielleicht nicht die schlechteste Eigenschaft. Was hat sie vor als Ausstellungsmacherin? Und ist sie tats\u00e4chlich die Richtige, um diesen monstr\u00f6sen Ort zu bespielen \u2013 den 1938 von den Nazis umgebauten, seither umstrittenen Deutschen Pavillon in Venedig?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ich treffe Kathleen Reinhardt im Georg Kolbe Museum. Seit 2022 ist sie die Direktorin in dem Haus, das einst Wohn- und Arbeitsst\u00e4tte des gleichnamigen deutschen Bildhauers war. Die Stra\u00dfe dorthin ist gr\u00fcn, lang gezogen, ges\u00e4umt von Villen. Typisch westdeutsch. Eine dieser Gegenden in der Hauptstadt, in denen sich seit 1989 gef\u00fchlt nichts ver\u00e4ndert hat. Wobei, es hat sich schon einiges getan: Fr\u00fcher war das Museum nostalgisch verschlafen, ein Ausflugsziel f\u00fcr Sonntage ohne Plan. Heute pilgert die Kunstszene her \u2013 wegen des progressiven Programms. Und wegen Reinhardt, die das Haus zwischen Moderne und Gegenwart navigiert.\n<\/p>\n<p>             Kunstbiennale in Venedig        <\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/kunst\/2024-01\/biennale-venedig-kunst-deutscher-pavillon-yael-bartan-ersan-mondtag\" data-ct-label=\"Kunst-Biennale in Venedig: Yael Bartana und Ersan Mondtag vertreten Deutschland bei Biennale 2024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Kunst-Biennale in Venedig:<br \/>\n                        Yael Bartana und Ersan Mondtag vertreten Deutschland bei Biennale 2024<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/kunst\/2024-04\/kunstbiennale-venedig-2024-deutscher-pavillon\" data-ct-label=\"Kunstbiennale in Venedig: Selten hat der deutsche Pavillon so \u00fcberw\u00e4ltigt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Kunstbiennale in Venedig:<br \/>\n                        Selten hat der deutsche Pavillon so \u00fcberw\u00e4ltigt<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es ist zehn Uhr morgens, im Garten des Museums stehen Skulpturen nackter Frauen, drinnen wartet Reinhardt in Plisseehose und Brokatbluse. Reinhardt will, statt \u00fcber sich selbst zu reden, durch die aktuelle Jubil\u00e4umsausstellung Tea and dry biscuits f\u00fchren. Das Museum wird dieses Jahr 75, und Reinhardt nutzt das zum Aufr\u00e4umen.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                    Newsletter<\/p>\n<p>                    Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags den US-Sonderletter &#8222;Was jetzt, America?&#8220; sowie das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kolbe, einer der bekanntesten K\u00fcnstler seiner Zeit, hat in den Drei\u00dfiger- und Vierzigerjahren f\u00fcr das Regime gearbeitet, Auftr\u00e4ge angenommen, den Markt bedient. War kein gl\u00fchender Nazi, aber auch kein Widerst\u00e4ndler. Hat sich rausgehalten \u2013 und doch mitgespielt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Reinhardt will diese Ambivalenz zeigen. Ohne moralischen Zeigefinger, aber auch ohne Verkl\u00e4rung. Skulpturen mit Mullbinden, das Zusammengeflickte, das Abgebl\u00e4tterte \u2013 die Ausstellung mit Werken von Kolbe, historischen Dokumenten und internationalen zeitgen\u00f6ssischen Positionen setzt auf Br\u00fcche statt Glanz. Im Erdgeschoss liegen vergammelte Orangen des spanischen K\u00fcnstlers \u00c1lvaro Urbano neben den Bronzen nackter Kolbe-Frauen. An der Wand h\u00e4ngen bissige Schwarz-Wei\u00df-Bilder des ostdeutschen Fotografen Christian Borchert, der 1987 den Auftrag bekam, Arbeiten des Bildhauers im \u00f6ffentlichen Raum zu dokumentieren. Im Untergeschoss erz\u00e4hlen zwei W\u00e4nde, recherchiert von der t\u00fcrkischen K\u00fcnstlerin Hande Sever, was Kolbe eigentlich w\u00e4hrend seines Kriegsdiensts im Ersten Weltkrieg in Istanbul tat und was das mit dem Genozid an den Armeniern zu tun hat. &#8222;Die meisten Leute wollen am Wochenende einfach einen sch\u00f6nen Ausflug machen und Kunst sehen&#8220;, sagt Reinhardt. &#8222;Aber das hei\u00dft ja nicht, dass wir nicht auch erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was wirklich war.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Der ostdeutsche Pavillon Seite 2&#8243;Ein Museum mit Geschichte leiten ist halt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":207796,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,28031,29,214,30,67382,2075,1794,4200,16,215,13239],"class_list":{"0":"post-207795","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-biennale","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-kathleen-reinhardt","14":"tag-kunst","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-ostdeutschland","17":"tag-politik","18":"tag-unterhaltung","19":"tag-venedig"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114721393446267449","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=207795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207795\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/207796"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=207795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=207795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=207795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}