{"id":207860,"date":"2025-06-21T13:11:09","date_gmt":"2025-06-21T13:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207860\/"},"modified":"2025-06-21T13:11:09","modified_gmt":"2025-06-21T13:11:09","slug":"russlands-krieg-in-der-ukraine-vielleicht-kann-es-ende-des-jahres-echte-verhandlungen-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207860\/","title":{"rendered":"Russlands Krieg in der Ukraine: &#8222;Vielleicht kann es Ende des Jahres echte Verhandlungen geben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Putin sei zurzeit nur an einer Imitation von Friedensgespr\u00e4chen interessiert, damit der Kontakt zu Trump nicht abbricht, sagt der ukrainische Politologe Wolodymyr Fessenko. Voraussetzung f\u00fcr echte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sei ein Scheitern der russischen Sommeroffensive. Mehr als einen Waffenstillstand zu erreichen, werde allerdings nicht gelingen. Ein Problem sei, dass ein effektiver Vermittler fehle.<\/p>\n<p><b>ntv.de: Herr Fessenko, Pr\u00e4sident Selenskyj ist vor allem zum G7-Gipfel in Kanada gereist, um US-Pr\u00e4sident Trump zu treffen. Der ist dann jedoch vorzeitig abgereist und es kam zu keinem Treffen. Hatte die Selenskyj-Reise aus ukrainischer Sicht trotzdem ein Ergebnis?<\/b><\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/wolodymyr-fessenko.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Wolodymyr Fessenko ist einer der f\u00fchrenden ukrainischen Politikexperten. Seit 2003 ist der Politikwissenschaftler Chef des Zentrums f\u00fcr angewandte politische Forschung Penta in Kiew. Fessenko ist auch als Politikberater t\u00e4tig.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/wolodymyr-fessenko.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Wolodymyr Fessenko ist einer der f\u00fchrenden ukrainischen Politikexperten. Seit 2003 ist der Politikwissenschaftler Chef des Zentrums f\u00fcr angewandte politische Forschung Penta in Kiew. Fessenko ist auch als Politikberater t\u00e4tig.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: privat)<\/p>\n<p>Wolodymyr Fessenko: Nat\u00fcrlich hat die ukrainische Seite auf ein Treffen gehofft. Jetzt ist die Hoffnung gro\u00df, dass dies n\u00e4chste Woche beim Nato-Gipfel in Den Haag passiert. Selenskyj will diesen pers\u00f6nlichen Kontakt mit Trump. Er m\u00f6chte den Verhandlungsstand nach den bisherigen Gespr\u00e4chen [zwischen der Ukraine und Russland] in Istanbul sowie die aktuelle milit\u00e4rische Lage pers\u00f6nlich darstellen. Denn in den USA h\u00e4ngen die Entscheidungen derzeit letztlich von einer einzigen Person ab. Nach Kanada w\u00e4re er aber wohl auf jeden Fall geflogen, weil ein Panel des Gipfels der Ukraine gewidmet war und die G7 nicht nur aus den USA bestehen.<\/p>\n<p>Entt\u00e4uschend ist, dass sich die G7-L\u00e4nder wieder auf kein gemeinsames Statement bez\u00fcglich des russisch-ukrainischen Krieges einigen konnten. Das ist eine Tendenz, die sich seit Trumps Amtseintritt abzeichnet. Schon um den Jahrestag der russischen Aggression am 24. Februar hat sich das bemerkbar gemacht. Erfreulich ist das keinesfalls.<\/p>\n<p><b>Trump hat in Kanada angedeutet, dass der Ausschluss Russlands aus den G8 zum Krieg gef\u00fchrt habe.<\/b><\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr Trump keine neue Position. \u00c4hnliches war von ihm schon in seiner ersten Amtszeit zu h\u00f6ren. Das ist leider eine Folge der Tatsache, dass Wladimir Putin vermutlich der Staatschef ist, mit dem Trump am meisten redet. Putin wei\u00df, wie man solche Gespr\u00e4che f\u00fchrt. Im Prinzip geht es ihm darum, Trump zu vermitteln: &#8218;Schau mal, <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Fuer-Trump-ist-Selenskyj-eine-permanente-Erinnerung-an-2019-article25602960.html\" rel=\"Follow nofollow noopener\" target=\"_self\">wir wurden beide beleidigt<\/a>, auf unterschiedliche Art und Weise. Wenn du verstehst, warum ich beleidigt bin, denn ich verstehe dich.&#8216; Leider funktioniert das. In Wahrheit war der Ausschluss Russlands aus den G8 eine Folge der russischen Krim-Annexion &#8211; nicht umgekehrt. Russlands R\u00fcckkehr in diese Gruppe ist nicht m\u00f6glich, weil andere G7-Staaten eine solche Verletzung des V\u00f6lkerrechts nicht dulden. Aber es ist besorgniserregend, dass aus G7 langsam de facto G6 wird.<\/p>\n<p><b>Noch ist unklar, ob Selenskyj zum Nato-Gipfel nach Den Haag f\u00e4hrt und dann dort auf Trump trifft. Sind solche pers\u00f6nlichen Kontakte nach dem Eklat im Oval Office im Februar nicht auch gef\u00e4hrlich? Nato-Generalsekret\u00e4r Rutte soll entsprechende Sorgen ge\u00e4u\u00dfert haben.<\/b><\/p>\n<p>Die Gefahren sind selbstverst\u00e4ndlich da. Wir haben aber neben dem Konflikt im Wei\u00dfen Haus auch ein positives Beispiel &#8211; das konstruktive Gespr\u00e4ch der beiden in Rom. Insgesamt ist es eine gute Idee, gr\u00f6\u00dftenteils auf der niedrigen Ebene zu sprechen, auf der die Egos der beiden Staatschefs keine wirkliche Rolle spielen. So wie bei den amerikanisch-ukrainischen Verhandlungen in Saudi-Arabien, die durchaus gut verliefen. Weil Trump aber reichlich direkten Kontakt mit Putin hat, ist man gezwungen, dem quasi entgegenzuwirken. Daher ist Selenskyj nat\u00fcrlich sehr daran interessiert, Trump pers\u00f6nlich zu \u00fcberzeugen. Ob die US-Seite aber wirklich an einem Treffen interessiert ist, bleibt eine offene Frage.<\/p>\n<p><b>Was ist das Maximale, was die Ukraine und Selenskyj mit Blick auf die USA derzeit erreichen k\u00f6nnen?<\/b><\/p>\n<p>Es geht darum, die USA mit aller Kraft zumindest in Teilen als eine Art Partner f\u00fcr diese Amtszeit zu behalten. Das Minimale w\u00e4re, dass die Amerikaner wenigstens weiter Aufkl\u00e4rungsdaten mit der Ukraine teilen. Das realistische &#8211; und auch notwendige &#8211; Maximum w\u00e4ren dagegen neue Waffen- und Munitionslieferungen, denn die unter Joe Biden bewilligten Hilfspakete laufen aus. Nat\u00fcrlich diesmal gegen Geld und wohl \u00fcber Europa. Der Konflikt zwischen Israel und Iran macht es aber nicht einfacher. Bei der Versch\u00e4rfung der Sanktionen gegen Russland sieht es im Moment schlecht aus. Hier muss die ukrainische Seite kommunikativ klug agieren. Es w\u00e4re besser, wenn der Druck dazu haupts\u00e4chlich aus den USA selbst und aus anderen L\u00e4ndern k\u00e4me. Die Initiative des republikanischen Senators Lindsey Graham ist hier eine gute Vorlage.<\/p>\n<p><b>An der Front l\u00e4uft derzeit die russische Sommeroffensive, im Hinterland gibt es mehr Luftangriffe gegen zivile Ziele. Dutzende Zivilisten sind am Dienstagmorgen bei einem massiven Angriff auf Kiew gestorben. Hat sich die Lage seit Trumps Amtsantritt am 20. Januar trotz aller Verhandlungsversuche gar nicht ver\u00e4ndert?<\/b><\/p>\n<p>Wir sollten uns nichts vormachen. Dass es Gespr\u00e4che gibt, ist per se nicht schlecht. Ein Ergebnis ist die Verst\u00e4rkung der Gefangenenaustausche. Das ist nicht unwichtig. Es gibt jedoch mehrere Probleme. Das Wichtigste: Russland ist zurzeit nur an Verhandlungsimitationen interessiert, damit der Kontakt zu Trump nicht abbricht. In Expertenkreisen gibt es einen klaren Konsens: Wenn die russische Sommeroffensive scheitert und Russland wirklich mit viel zu starken Verlusten zu k\u00e4mpfen hat, kann man vielleicht Ende des Jahres zu echten Verhandlungen \u00fcber einen Waffenstillstand \u00fcbergehen. Mehr als einen Waffenstillstand zu erreichen, wird sowieso nicht gelingen, weil zentrale russische Forderungen f\u00fcr die Ukraine v\u00f6llig unannehmbar sind. Ein anderes Problem sehe ich darin, dass direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, die die Amerikaner schon als gro\u00dfen Erfolg verkaufen, wenig vielversprechend sind. Man braucht einen effektiven Vermittler. Sonst kommt man nicht voran.<\/p>\n<p><b>Sie sagten es schon, der Konflikt zwischen Israel und dem Iran macht es nicht einfacher. Welchen Einfluss hat der israelisch-iranische Krieg auf die Ukraine?<\/b><\/p>\n<p>Einen \u00fcberwiegend negativen. Hier gibt es gleich mehrere Punkte. Der Wichtigste ist der steigende \u00d6lpreis. Denn Russland finanziert diesen Krieg mit dem Geld aus \u00d6lverk\u00e4ufen. Ohne eine Schw\u00e4chung der russischen Wirtschaft wird Moskau weiterhin wenig Interesse an einem Waffenstillstand haben. Dass sich die internationale Aufmerksamkeit nun weniger der Ukraine widmet, ist ebenfalls nicht gut, auch wenn ich dies nicht als katastrophal ansehe. Hinzu kommt aber, dass die Ukraine aufgrund der massiven russischen Angriffe einen riesigen Bedarf in Sachen Flugabwehr hat &#8211; und wenn Flugabwehrraketen aus den USA nach Israel statt in die Ukraine gehen, kostet das letztlich hier Menschenleben. Sollte sich Putin erfolgreich als Vermittler zwischen Israel und Iran zeigen, was ich nicht glaube, w\u00e4re das auch nicht gut. Sollte sich aber Israel einen schnellen Sieg sichern, w\u00e4re dies aus ukrainischer Perspektive nicht schlecht. Schlie\u00dflich ist Iran ein Verb\u00fcndeter Russlands.<\/p>\n<p><b>Das hei\u00dft, die Ukraine ist vor allem an einem schnellen Ende des Konflikts interessiert.<\/b><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p><b>Kommen wir noch kurz zur ukrainischen Innenpolitik. Seit vielen Jahren gibt es den Konflikt zwischen Selenskyj und dem Kiewer B\u00fcrgermeister Vitali Klitschko. Der seit Ende Dezember amtierende Leiter der Kiewer Milit\u00e4rverwaltung, der formell \u00fcber Klitschko steht, legt gegen viele Entscheidungen Klitschkos sein Veto ein. Umgekehrt ignoriert das Team des B\u00fcrgermeisters \u00f6fters seine Befehle. Wie ist das in einer Lage zu bewerten, in der die Luftangriffe gegen Kiew immer st\u00e4rker werden?<\/b><\/p>\n<p>Den politischen Konflikt zwischen Selenskyj und Klitschko gibt es seit 2019, als Selenskyj Pr\u00e4sident wurde. Er hat unterschiedliche Gr\u00fcnde. Tats\u00e4chlich gibt es reichlich Vers\u00e4umnisse in der Arbeit Klitschkos, aber es geht nat\u00fcrlich auch um Machtkonzentration auf der Seite der Pr\u00e4sidentenkanzlei. Was diesmal neu ist: Es gibt mehrere Korruptionsverfahren gegen Personen aus der Umgebung von Klitschko, die vor allem mit illegaler Bebauung zu tun haben. Die Masse dieser Verfahren hat die Hauptstadt ersch\u00fcttert und das Image des B\u00fcrgermeisters stark besch\u00e4digt. Das nutzen der aktuelle Leiter der Milit\u00e4rverwaltung und der Pr\u00e4sident nat\u00fcrlich aus.<\/p>\n<\/p>\n<p><b>Schon \u00f6fters gab es in den vergangenen Jahren Ger\u00fcchte, dass der ukrainische Ministerpr\u00e4sident Denys Schmyhal, der seit Anfang 2020 im Amt ist, abgesetzt werden k\u00f6nnte. Bewahrheitet haben sie sich nicht. Diesmal k\u00f6nnte der Wechsel an der Regierungsspitze Medienberichten zufolge aber tats\u00e4chlich umgesetzt werden. Was w\u00fcrde das f\u00fcr die Ukraine bedeuten?<\/b><\/p>\n<p>Komischerweise gab es solche Ger\u00fcchte ausgerechnet im Juni 2024 und im Juni 2023 ebenfalls. Wirkliche Beschwerden \u00fcber Schmyhals Arbeit gibt es kaum. Er ist kein schlechter Technokrat und agiert vor allem als eine Art Manager der Regierung, ohne sich zu sehr in die Politik einzumischen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diesmal wirklich gehen muss, ist aber h\u00f6her als fr\u00fcher. Das hat wohl auch damit zu tun, dass seine erste Stellvertreterin, Julija Swyrydenko, f\u00fcr die Verhandlungen mit den USA zum Rohstoff-Abkommen verantwortlich war und sich dabei erfolgreich gezeigt hat. In Zeiten, in denen die Durchf\u00fchrung von Wahlen in absehbarer Zeit unm\u00f6glich ist, braucht man mitunter Erneuerung in den Machtstrukturen. Eine wirkliche Ver\u00e4nderung der Politik wird es jedoch sicher nicht geben.<\/p>\n<p>Mit Wolodymyr Fessenko sprach Denis Trubetskoy<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Putin sei zurzeit nur an einer Imitation von Friedensgespr\u00e4chen interessiert, damit der Kontakt zu Trump nicht abbricht, sagt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":207861,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[46139,331,332,661,106,67393,19104,13,5278,345,411,5793,14,15,16,307,12,2544,317,8329,306,107],"class_list":{"0":"post-207860","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-g8","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-angriff-auf-die-ukraine","12":"tag-donald-trump","13":"tag-donald-trump-und-die-ukraine-affaere","14":"tag-g7","15":"tag-headlines","16":"tag-interviews","17":"tag-iran","18":"tag-israel","19":"tag-kiew","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-politik","23":"tag-russland","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-terrorismus","26":"tag-ukraine","27":"tag-vitali-klitschko","28":"tag-wladimir-putin","29":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114721527718023342","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=207860"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/207860\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/207861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=207860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=207860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=207860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}