{"id":207874,"date":"2025-06-21T13:18:11","date_gmt":"2025-06-21T13:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207874\/"},"modified":"2025-06-21T13:18:11","modified_gmt":"2025-06-21T13:18:11","slug":"zwei-entscheidungen-im-iran-liessen-israel-losschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/207874\/","title":{"rendered":"Zwei Entscheidungen im Iran lie\u00dfen Israel losschlagen"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBXlw tspBXlx\">Seit mehr als einer Woche l\u00e4uft die israelische <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/eskalation-in-nahost-sind-israels-angriffe-auf-den-iran-volkerrechtswidrig-13861144.html?icid=in-text-link_13891852\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Operation \u201eRising Lion\u201c<\/a> gegen den Iran nun schon. Ein Ziel der Mission ist es, Irans Atomprogramm so hart wie nur m\u00f6glich zu treffen. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Israel ist \u00fcberzeugt, dass der Iran kurz vor dem Bau einer Atombombe stand \u2013 eine existenzielle Bedrohung f\u00fcr den j\u00fcdischen Staat. Das war auch der Grund, warum Israels Premier <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/israels-angriff-auf-den-iran-droht-im-nahen-osten-ein-grosser-krieg-13848277.html?icid=in-text-link_13891852\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Benjamin Netanjahu den Angriff ausf\u00fchren lie\u00df<\/a>. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\"><strong>Konkret ge\u00e4u\u00dfert hat sich die israelische Regierung bisher aber nicht zu den Gr\u00fcnden, warum sie ausgerechnet jetzt den Befehl zum Angriff gab.<\/strong> Schwammig sprach die Regierung von neuen Geheimdienstinformationen \u00fcber das iranische Atomprogramm, einen \u201ePoint of no return\u201c, also einen Punkt, an dem es f\u00fcr den Iran kein Zur\u00fcck mehr gibt; wo aus der Drohung, Israel zu vernichten, eine reale Gefahr wird. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Dass der Iran sich die M\u00f6glichkeit verschaffen will, eine Atombombe zu bauen, ist unter Beobachtern und westlichen Geheimdiensten schon seit Jahren unstrittig. Wozu sonst sollte er massenhaft Uran auf 60 Prozent angereichert haben? Also auf einen Wert, der f\u00fcr die zivile Nutzung der Kernkraft v\u00f6llig unn\u00f6tig ist \u2013 der liegt n\u00e4mlich bei unter f\u00fcnf Prozent Anreicherung. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/urananreicherung-im-iran-atomanlage-natans.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-13875913\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBBj5\"\/> Dieses von der iranischen Atomorganisation (AEOI) zur Verf\u00fcgung gestellte Foto zeigt Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans im Jahr 2019. <\/p>\n<p class=\"tspAWia\"> \u00a9 dpa\/AP\/Atomic Energy Organization of Iran <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Jenseits der gef\u00e4hrlich hohen Anreicherung des Urans hatte sich im Iran aber zuletzt wenig in dieser Hinsicht getan; jedenfalls nichts, was \u00fcber westliche Geheimdienste oder die Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde an die \u00d6ffentlichkeit gelangte.<\/p>\n<p> Was sagt die Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde IAEA? <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Ende Mai 2025 zeigte sich die <strong>Atomenergie-Beh\u00f6rde IAEA<\/strong> \u201eernsthaft besorgt\u201c dar\u00fcber, weil der Iran seine Produktion von bis auf 60 Prozent angereichertem Uran stark ausgeweitet hatte. Der Iran verf\u00fcgte laut der Beh\u00f6rde Mitte Mai \u00fcber 408,6 Kilogramm dieses hoch angereicherten Urans \u2013 \u00fcber 130 Kilogramm mehr, als noch in einem Bericht von Februar festgehalten worden war.<\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">F\u00fcr den<strong> Bau einer Atombombe<\/strong> wird Uran in einem Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent ben\u00f6tigt. Die Menge, die der Iran auf diesen Wert h\u00e4tte anreichern k\u00f6nnen, h\u00e4tte laut Sch\u00e4tzungen f\u00fcr den Bau von einem halben Dutzend bis zu einem Dutzend Bomben gereicht. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der\u00a0Chef der IAEA, Rafael Grossi,\u00a0scheint \u2013 anders als die Regierung in Jerusalem \u2013 nicht restlos davon \u00fcberzeugt zu sein, dass der Iran kurz vor der Fertigstellung der Nuklearwaffe stand. \u201eWir hatten keine Beweise f\u00fcr eine systematische Bem\u00fchung, sich in Richtung einer Atombombe zu bewegen\u201c, sagte Grossi bei CNN. Es sei unbekannt, wie lange der Iran zur Fertigstellung der Bombe wirklich brauche, f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Die entscheidende Frage aber ist nun: Was genau hat sich im Iran ge\u00e4ndert, dass die israelische Regierung jetzt einen dringenden Handlungsbedarf gesehen hat?<\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Diese Frage beantwortet <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/middle-east-and-africa\/2025\/06\/18\/inside-the-spy-dossier-that-led-israel-to-war\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">nun das britische Magazin \u201eEconomist\u201c<\/a> in einem Bericht \u00fcber die Geheimdienstinformationen aus dem Iran, die Israel zum Angriff veranlasst haben \u2013 und die Israel auch den USA und anderen westlichen Staaten \u00fcbermittelt hat. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Das Magazin hat die Dokumente nach eigener Aussage nicht selbst vorliegen, aber mit einer Quelle gesprochen, die Einblick in die Unterlagen hat. Demnach waren es vor allem zwei Entwicklungen, die die Israelis alarmierten: <\/p>\n<ol data-qa-hook=\"story-list-ol\" class=\"tspCQou\">\n<li class=\"tspCQhm tspCQhm\">\u201eErstens hat ein iranisches Wissenschaftsteam eine Menge an Nuklearmaterial mit unklarem Anreicherungsstatus versteckt, das den Beobachtern der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) unbekannt ist.\u201c<\/li>\n<li class=\"tspCQhm tspCQhm\">\u201eDas zweite Indiz ist, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit beschleunigt haben und sich mit Kommandeuren des iranischen Raketenkorps treffen wollten, um offenbar die zuk\u00fcnftige \u201aPaarung\u2018 eines nuklearen Sprengkopfes mit einer Rakete vorzubereiten.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"tspBXlw\">Der erste Punkt ist dabei weniger entscheidend, zeigt er eigentlich nur, dass Teile des iranischen Nuklearprogramms der Beobachtung der IAEO entzogen waren. <\/p>\n<p> Iran plante wohl entscheidendes Treffen zwischen Forschern und Gener\u00e4len <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der zweite Punkt ist der eigentlich interessante. Denn wie der \u201eEconomist\u201c schreibt, hatte im Iran kaum ein Milit\u00e4r Einblick in die Entwicklung der nuklearen Kapazit\u00e4ten, f\u00fcr die ein geheimes Team von Forschern verantwortlich war (viele der Wissenschaftler aus diesem Team hat Israel bei seinen aktuellen und fr\u00fcheren Angriffen und Attentaten get\u00f6tet). <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Eine Ausnahme war der von Israel schon am ersten Kriegstag get\u00f6tete Armeechef Mohammad Bagheri. <strong>Er war auch Teil einer Gruppe, die nach israelischen Angaben Ende vergangenen Jahres die Entwicklung einer Atombombe noch einmal beschleunigte. <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/tagliche-angriffe-aus-israel-so-schwierig-ist-es-irans-atomprogramm-unschadlich-zu-machen-13856347.html?icid=single-topic_13891852___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB9mu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">T\u00e4gliche Angriffe aus Israel So schwierig ist es, Irans Atomprogramm unsch\u00e4dlich zu machen <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der Hintergrund: Die vom Iran unterst\u00fctzten Milizen im Libanon und Gaza waren von Israel weitgehend unsch\u00e4dlich gemacht worden, sie fielen also bei einer Konfrontation zwischen Israel und Iran als Abschreckung aus. Zudem hatten Israels Angriffe im Iran im Herbst 2024 offengelegt, wie schwach die iranische Luftverteidigung war und wie stark die israelische. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der geistige F\u00fchrer des Iran, Ali Chamenei, so die Lesart der Israelis, wollte also die Bombe als Faustpfand gegen k\u00fcnftige Aggressionen der Israelis. Machtpolitisch und milit\u00e4risch w\u00e4ren die beiden L\u00e4nder dann wieder gleichauf gewesen. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Konkret wurden die Bem\u00fchungen in einem geplanten Treffen zwischen den Wissenschaftlern, die an der Atombombe arbeiteten, und den Kommandeuren der iranischen Luftwaffe. Dabei sollte es darum gehen, wie die iranischen Raketen mit Atomsprengk\u00f6pfen bewaffnet werden k\u00f6nnten. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste in der iranischen Luftwaffe angeblich niemand von dem geheimen Atomwaffenprojekt. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Das weist auf einen h\u00e4ufig \u00fcbersehenen und untersch\u00e4tzten Punkt bei der Entwicklung von Atomwaffen hin. Als Grundlage ist das bis auf 90 Prozent angereicherte Uran n\u00f6tig, das der Iran innerhalb kurzer Zeit in den Zehntausenden Zentrifugen der Urananreicherungsanlagen in Natans und Fordow h\u00e4tte herstellen k\u00f6nnen (die Zentrifugen in Natans sind nach den israelischen Angriffen inzwischen teilweise zerst\u00f6rt). <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Das Material muss dann aber in den Gefechtskopf integriert und der wiederum in eine Rakete eingebaut werden \u2013 eine technisch hochkomplexe Angelegenheit, die viel Forschung und Entwicklung ben\u00f6tigt. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Wie weit der Iran in diesem Bereich war, dar\u00fcber gibt es keine \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Informationen. Laut dem \u201eEconomist\u201c gab es dazu in dem iranischen Team zumindest Computermodelle. Anzunehmen ist, dass der Iran diesen Prozess mit dem Treffen der Forscher und der Armeeverantwortlichen anschieben wollte. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der Einsch\u00e4tzung der Israelis folgten die Geheimdienste in den USA bis zuletzt aber nicht.\u00a0Laut CNN\u00a0waren US-Geheimdienstanalysen zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass der Iran nicht aktiv nach einer Atombombe strebe. Selbst wenn das Regime in Teheran derartige Pl\u00e4ne verfolge, br\u00e4uchte das Land noch mindestens drei Jahre, bis die Waffe tats\u00e4chlich einsatzbereit sei, glaubten die Analysten.<\/p>\n<p> Mehr zum Iran und seinem Atomprogramm <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/wichtigstes-ziel-der-israelischen-operation-wie-lasst-sich-irans-atomanlage-in-fordow-zerstoren-13868176.html?icid=topic-list_13891852___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB9mu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wichtigstes Ziel der israelischen Operation Wie l\u00e4sst sich Irans Atomanlage in Fordow zerst\u00f6ren? <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/der-atomdeal-mit-dem-iran-wie-das-deutsche-vorzeigeprojekt-scheiterte-13887310.html?icid=topic-list_13891852___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB9mu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Atomdeal mit dem Iran Wie das deutsche Vorzeigeprojekt scheiterte <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/angriffe-auf-irans-nuklearanlagen-droht-eine-freisetzung-von-radioaktivitat-13887220.html?icid=topic-list_13891852___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB9mu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angriffe auf Irans Nuklearanlagen Droht eine Freisetzung von Radioaktivit\u00e4t? <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Der Sender zitiert Tulsi Gabbard, die Direktorin des Nationalen US-Geheimdienstes, aus dem M\u00e4rz 2025 mit den Worten, die US-Geheimdienste seien \u201eweiterhin der Ansicht, dass der Iran keine Atomwaffen baut\u201c. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">US-Pr\u00e4sident Donald Trump sagte allerdings nach dem G7-Gipfel am vergangenen Montag, er sei der Meinung, der Iran stehe \u201esehr nahe\u201c an der eigenen Atombombe. Er scheint dabei also eher der Einsch\u00e4tzung der Israelis zu folgen als der seiner eigenen Geheimdienste. <\/p>\n<p class=\"tspBXlw\">Mitarbeit: Christoph Reichmuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit mehr als einer Woche l\u00e4uft die israelische Operation \u201eRising Lion\u201c gegen den Iran nun schon. 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