{"id":208250,"date":"2025-06-21T16:40:16","date_gmt":"2025-06-21T16:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/208250\/"},"modified":"2025-06-21T16:40:16","modified_gmt":"2025-06-21T16:40:16","slug":"da-hilft-auch-keine-wokeness-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/208250\/","title":{"rendered":"Da hilft auch keine Wokeness mehr"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sechs Staffeln \u201eSex and the city\u201c schienen damals nicht genug. Millionen Menschen, vermutlich zu einem gro\u00dfen Teil Frauen, sahen Protagonistin Carrie Bradshaw (gespielt von Sarah Jessica Parker) dabei zu, wie sie nach ihrer gro\u00dfen Liebe suchte und dabei das Leben in New York City mit ihren drei besten Freundinnen genoss. Die Serie gipfelte in dem ultimativen Happy End. Dann kam der erste Film, der von Kritikern und Fans zu einem gro\u00dfen Teil gefeiert wurde. Jahre, nachdem wir uns alle von dem uns\u00e4glichen zweiten Blockbuster erholt haben, kam mit \u201eAnd just like that\u201c eine neue Serie mit den alten Charakteren zur\u00fcck. Ohne Kim Catrall (Samantha Jones), der wohl auch der zweite Film den Rest gegeben hat. Wer kann es ihr ver\u00fcbeln?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Manchmal kann die Neuauflage einer Serie gut funktionieren. Wie etwa die vier extra Episoden der Serie Gilmore Girls, die Fans alles gaben, was sie sich gew\u00fcnscht haben. Oder auch die Sitcom \u201eThe Conners\u201c, die Neuauflage der Serie \u201eRoseanne\u201c aus den 90er Jahren. Sie erreicht heute alte und neue Fans und l\u00e4uft schon sieben Staffeln. Auch die Vampirserie \u201eBuffy\u201c und die 70er-Jahre Kultserie \u201eUnsere kleine Farm\u201c sollen derzeit f\u00fcr eine Neuauflage in Planung seien. Die Daumen f\u00fcr ein gutes Remake sind gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Zu viel Wokeness, zu viel aufgekl\u00e4rte Coolness<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch was bei \u201eAnd just like that\u201c versucht wurde, darf kein Vorbild f\u00fcr neue\/alte Serien sein. (Achtung \u2013 jetzt kommen Spoiler!) Schon die erste Staffel \u201eAnd just like that\u201c lies Zuschauer teilweise ratlos zur\u00fcck. Hatte man doch sehr fr\u00fch den Eindruck, die Autoren w\u00fcrden versuchen, so viel Wokeness und aufgekl\u00e4rte Coolness in das Skript zu dr\u00fccken, wie es nur geht. Ja, es gibt deutlich mehr sichtbare Diversit\u00e4t in der Serie und das ist gut \u2013 aber muss es denn immer mit einem Vorschlaghammer sein? Muss die bislang heterosexuelle Miranda in einer K\u00fcche ihr homosexuelles Erwachen mit einer non-bin\u00e4ren Person haben, w\u00e4hrend Carrie links um die Ecke im Bett liegt? Das Wort cringe hat schon da eine v\u00f6llig neue Bedeutung bekommen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die ersten vier Episoden der dritten Staffel sind bislang beim Streamingdienst WOW erschienen und stehen der Zuschauer-Erfahrung der ersten beiden Staffeln in nichts nach. Hin und wieder m\u00f6chte man sich die Decke \u00fcber die Augen ziehen, wie etwa, als sich der neue\/alte Mann Aidan in seinem Truck au\u00dferhalb seines Farmhauses die Finger leckt, um es sich mit Carrie am Telefon gem\u00fctlich zu machen. (Irgh!) Oder wie Carrie, eigentlich starke und intelligente Frau, eine leere Postkarte von ihrem Liebsten bekommt \u2013 und diesen Quatsch feiert, als habe er ihr einen Antrag gemacht. \u00dcberhaupt ist die Storyline v\u00f6llig an den Haaren herbei gezogen. Ihr fr\u00fcherer Freund Aidan ist in der zweiten Staffel wieder in ihr Leben gekommen. Die Staffel endete damit, dass er Zeit f\u00fcr seine Kinder brauche, Carrie l\u00e4sst sich auf jahrelange Wartezeit ein. Sind wir wieder im Mittelalter gelandet? Zeitsprung r\u00fcckw\u00e4rts? Nein, sie, ganz die verst\u00e4ndnisvolle, devote Freundin, gibt ihm diesen Raum.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Warum? Man versteht es nicht und der Wunsch, dass sie diesen \u00f6den Countryboy endlich in die W\u00fcste schickt, wird von Folge zu Folge gr\u00f6\u00dfer. Gibt es denn keine interessanteren Geschichten \u00fcber Frauen jenseits der 50 zu erz\u00e4hlen? Kann man sich kaum vorstellen, denn eigentlich ist doch auch in diesem Alter das Leben, die Lust, die Neugier und das Abenteuer noch nicht vorbei. Carrie allerdings entpuppt sich zur Frau im Schatten eines \u00fcbergro\u00dfen Familienvatis, der auch noch so weit weg lebt, dass sie in einem Flugzeug zu ihm reisen muss. Das tut sie auch \u2013 ohne zu wissen, ob er sie fragen wird, ein paar Tage zu bleiben. Wo ist die Selbstbestimmung? Wo ist ihr eigener Wille?<\/p>\n<p><img alt=\"Carrie und Miranda in New York.\" loading=\"lazy\" width=\"3570\" height=\"2380\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/5e85f7a4-323a-4498-b063-19ff912043d9.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Carrie und Miranda in New York.imago<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Was man der Serie zugute halten muss, ist die nach wie vor inspirierende und teilweise groteske Mode. Es macht Spa\u00df, die Frauen anzuschauen, wie Carrie etwa in einem Kleid und mit einem Hut auf dem Kopf, der aussieht wie ein Kofkissenbezug durch den Central Park stolziert. Die Kombinationen sind mutig und experimentell \u2013 so, wie sich eine Deutsche das Leben als New Yorkerin eben vorstellt. Das hatte auch schon in der damaligen Serie und den Filmen sehr gut funktioniert, fast k\u00f6nnte man meinen, die Mode sei ein zus\u00e4tzlicher Protagonist der Serie.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"false\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">Yes, You Can Shop Carrie\u2019s Insanely Large Hat From &#8218;And Just Like That&#8216; <a href=\"https:\/\/t.co\/jV679DFKdA\" rel=\"nofollow\">https:\/\/t.co\/jV679DFKdA<\/a><\/p>\n<p>\u2014 ELLE Magazine (US) (@ELLEmagazine) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ELLEmagazine\/status\/1928776035216089414?ref_src=twsrc%5Etfw\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">May 31, 2025<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und trotzdem rei\u00dft die tolle Mode nicht raus, was die Autoren auch in der dritten Staffel nicht schaffen: die Hauptfiguren und ihre Entscheidungen nachvollziehbar machen. Zu simulieren, dass es sich um echte Freundinnen, um empfundene Liebe und N\u00e4he zueinander handelt. Hin und wieder gibt es dann Szenen, in denen man sich fragen muss: was sollte das? Wie etwa als Harry, Charlottes Mann, seine Hose nicht rechtzeitig auf der Toilette \u00f6ffnen kann und sich einn\u00e4sst. In Slapstick-Formaten kann das witzig sein, hier wirkt es nur peinlich und vorhersehbar. Oder auch wenn Miranda mit einer Frau schl\u00e4ft, die ihr am Morgen danach offenbart, Nonne und Jungfrau zu sein. Geht es noch ein bisschen absurder? Und ihre Reaktion darauf ist nicht abgekl\u00e4rt und cool, sondern sie ist \u00fcberfordert und findet es komisch. Wo ist da die Wokeness geblieben?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es ist Zeit, diesem Schwachsinn ein Ende zu bereiten. Lasst Carrie in Frieden und vielleicht mit einem klitzekleinen Rest W\u00fcrde gehen. Sie wird bis an ihr Lebensende schreibend in ihrem Garten sitzen, ihre Freundinnen auf Oberfl\u00e4chlichkeiten und Cocktails treffen, vielleicht hin und wieder daten. Aber lasst sie gehen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Trotzdem ist es wie mit einem Autounfall. Man will nicht hinschauen, alles str\u00e4ubt sich, schon die Werbung f\u00fcr die Serie ist so hyper-cringe, dass es einem die G\u00e4nsehaut auf die Arme treibt. Man k\u00f6nnte einfach nicht einschalten, die n\u00e4chste neue Folge ignorieren. Und dann tut man es doch. Weil es ist, als w\u00fcrde man alte Freunde wiedersehen. Weil man dann doch wissen m\u00f6chte, wie es Carrie schafft, durchs Leben zu gehen. Schlie\u00dflich haben wir sie und ihre Freundinnen begleitet, seit sie Anfang 30 waren. Am Ende bleibt die bitters\u00fc\u00dfe Erkenntnis: manchmal muss man gehen, auch wenn die Feier noch nicht vorbei ist.<\/p>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sechs Staffeln \u201eSex and the city\u201c schienen damals nicht genug. 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