{"id":208820,"date":"2025-06-21T22:00:33","date_gmt":"2025-06-21T22:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/208820\/"},"modified":"2025-06-21T22:00:33","modified_gmt":"2025-06-21T22:00:33","slug":"nachbar-vertreibt-beliebtes-italienisches-restaurant-ripieno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/208820\/","title":{"rendered":"Nachbar vertreibt beliebtes italienisches Restaurant Ripieno"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es ist einer dieser Sommertage in Berlin, an denen der Wind st\u00e4rker weht, als die Sonne scheint. Auf der Terrasse des italienischen Pasta-Restaurants <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/food\/kreuzberg-hier-gibt-es-die-beste-pasta-in-berlin-im-ripieno-li.2178510\" rel=\"nofollow noopener\">Ripieno<\/a> am Lokdepot 1 in Berlin-Kreuzberg (an der Grenze zu Sch\u00f6neberg) sitzt nur ein einziger Gast. Betreiber Vincenzo Nania bittet ihn freundlich hinein \u2013 drinnen sind noch Tische frei.<\/p>\n<p>Doch der Gast vertraut dem Wetter und m\u00f6chte die Sonnenstrahlen genie\u00dfen. Der Wind vertreibt die letzten Wolken. Auch Nania l\u00e4sst sich nicht st\u00f6ren, setzt sich ebenfalls nach drau\u00dfen \u2013 und beginnt, seine Aufstiegsgeschichte als italienischer Gastronom in Berlin zu erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Der geb\u00fcrtige R\u00f6mer er\u00f6ffnete das Restaurant Ripieno vor \u00fcber f\u00fcnf Jahren gemeinsam mit seiner Partnerin Federica Sechi, damals noch in der nahegelegenen Monumentenstra\u00dfe 21. \u201eUns wurde der kleine Laden angeboten \u2013 und wir konnten einfach nicht nein sagen\u201c, erz\u00e4hlt er. Doch was danach kam, war alles andere als vorhersehbar.<\/p>\n<p>Ripieno: Von Ibiza nach Berlin<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bevor Nania nach Berlin kam, hat er unterschiedliche Erfahrungen in ganz Europa gemacht. Nach ersten gastronomischen Stationen in Rom zog es Nania nach Ibiza (dort betreibt das Paar bis heute ein Restaurant). Rund elf Jahre blieb er in Spanien, bevor ihn seine kulinarische Neugier weiter nach Berlin f\u00fchrte. Warum gerade Berlin? In Italien sei es wirtschaftlich kaum noch m\u00f6glich, selbstst\u00e4ndig zu arbeiten \u2013 zu hohe Steuern, zu geringe Einkommen.<\/p>\n<p>\u201eIn Berlin geben die G\u00e4ste auch ordentlich Trinkgeld\u201c, sagt der 48-J\u00e4hrige und l\u00e4chelt. In Italien sei das eher die Ausnahme. Und dann ist da noch seine Liebe zur Berliner Clubszene: \u201eWelche Stadt w\u00e4re da besser?\u201c. Heute allerdings geht er selten feiern \u2013 die Arbeit im Ripieno l\u00e4sst kaum Raum daf\u00fcr. \u201eZum Gl\u00fcck\u201c, f\u00fcgt er hinzu, denn der Start in Berlin war alles andere als einfach.<\/p>\n<p>Bevor er weiter ausholt, bestellt der Wirt ein paar Spezialit\u00e4ten \u2013 die Klassiker des Hauses sollen beim Diskutieren nicht fehlen. Kellnerin Simona D\u2019Ovidio bringt ein Glas Primitivo, es folgen Pasta alla Gricia \u2013 eine Carbonara-Variante ohne Ei \u2013 und Tagliatelle mit Ochsenschwanz-Rag\u00f9. Der Duft allein versetzt einen direkt nach <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/italien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Italien<\/a>. Es sind unglaublich leckere und preiswerte Gerichte, die den rasanten Erfolg des Restaurants erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><img alt=\"Tagliatelle mit Ochsenschwanz-Rag\u00f9 und ein Glas Primitivo: So schmeckt das Paradies.\" loading=\"lazy\" width=\"4724\" height=\"3149\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/a48d9f5d-c744-4999-8ad6-c1939952ab8d.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Tagliatelle mit Ochsenschwanz-Rag\u00f9 und ein Glas Primitivo: So schmeckt das Paradies.Anne Sch\u00f6nharting\/Ostkreuz<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zwischen Gleisen und Geschichte liegt das Ripieno, an einem Ort, der wie gemacht zu sein scheint f\u00fcr moderne Berliner Gastronomie. Das Lokdepot-Gel\u00e4nde zwischen Kreuzberg und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/schoeneberg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sch\u00f6neberg<\/a> \u2013 einst Heimat von Dampfloks und Werkst\u00e4tten \u2013 hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ruhigen, fast verwunschenen Areal mit Ateliers, B\u00fcros und Restaurants gewandelt. Wer hierher kommt, kennt meist den Weg \u2013 ein versteckter, urbaner R\u00fcckzugsort.<\/p>\n<p>\u201eCorona war eine besonders harte Zeit\u201c, erz\u00e4hlt Nania r\u00fcckblickend. Kurz nach der Er\u00f6ffnung in der Monumentenstra\u00dfe kamen Lockdowns, Abstandsregeln, Ausgangssperren. \u201eWir hatten Angst, dass wir das nicht \u00fcberstehen.\u201c Doch das Team passte sich schnell an.<\/p>\n<p>Die Mittagsschicht ist vorbei, im Lokal wird es ruhiger. Federica Sechi schaut aus der K\u00fcche und setzt sich dazu. Auch sie stammt aus <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/rom\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rom<\/a>, dort haben sich die beiden vor rund 14 Jahren kennengelernt. \u201eW\u00e4hrend Corona haben wir alle K\u00fchlschr\u00e4nke nach vorn geholt und To-go-Gerichte vorbereitet\u201c, erinnert sie sich. Pasta, belegte Br\u00f6tchen, Desserts. Nania bringt ein hausgemachtes Tiramis\u00f9: die Creme von ihr, die Schichten von ihm.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Magen ist voll \u2013 doch mit aufgekn\u00f6pfter Hose ist noch Platz f\u00fcr den unheimlich leckeren Nachtisch. \u201eWir dachten, nach Corona h\u00e4tten wir das Schlimmste hinter uns\u201c, sagt Sechi. Aber dann kam ein unerwarteter Gegner \u2013 direkt aus dem Obergeschoss. Seit dem Umzug vor knapp zwei Jahren freuten sich beide besonders auf die neue Terrasse \u2013 im alten Laden hatten sie nur ein paar provisorisch drapierte Tische vor dem Laden stehen. Im Lokdepot sollte alles anders werden. Doch schon am Er\u00f6ffnungsabend kam ein Nachbar um Punkt 20 Uhr w\u00fctend herunter. \u201eEr sagte, wir sollen sofort die Musik ausmachen\u201c, erinnert sich Nania.<\/p>\n<p>Es folgte ein z\u00e4her Nachbarschaftsstreit, der mittlerweile mit Anw\u00e4lten ausgefochten wird. Musik ist verboten, um 22 Uhr muss alles geschlossen sein: G\u00e4ste raus, K\u00fcche sauber, Personal fertig. \u201eDas hei\u00dft, ich muss die Leute sp\u00e4testens um 21 Uhr verabschieden\u201c, sagt Nania. F\u00fcrs Gesch\u00e4ft ist das bitter \u2013 er sch\u00e4tzt, dass er deshalb rund 20 Prozent Umsatzverlust erleiden muss.<\/p>\n<p>Das Telefon klingelt. Eine Frau m\u00f6chte f\u00fcr 20.30 Uhr reservieren. \u201eGeht leider nicht \u2013 ich kann 19.30 Uhr anbieten\u201c, sagt Nania und verdreht die Augen. Er will, dass seine G\u00e4ste in Ruhe essen, Wein trinken, den Abend genie\u00dfen k\u00f6nnen \u2013 ganz wie in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/italien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Italien<\/a>. Seit dem Streit mit dem Nachbarn habe es zudem mehrere Kontrollen gegeben \u2013 Hygiene- und Steuer-Inspektionen. \u201eAlle bestanden\u201c, sagt Nania mit Stolz. Er vermutet, dass der Nachbar dahintersteckt.<\/p>\n<p><img alt=\"Rot wie die Amatriciana: Das Ripieno am Lokdepot 1.\" loading=\"lazy\" width=\"4724\" height=\"3149\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/3a321b07-03c3-4d33-ae05-d7c65b343547.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Rot wie die Amatriciana: Das Ripieno am Lokdepot 1.Anne Sch\u00f6nharting\/Ostkreuz<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u201eDie Musik war nie laut, und wir auch nicht. Klar, manchmal ruft man etwas lauter, wenn man etwas braucht \u2013 wir sind halt Italiener\u201c, sagt er lachend und ruft demonstrativ in die K\u00fcche: \u201eKommt noch die Pinsa?\u201c Der Ruf hallt mit r\u00f6mischem Akzent \u00fcber die Terrasse. Die Pinsa kommt nicht \u2013 zum Gl\u00fcck. Die Kn\u00f6pfe der Hose halten gerade noch.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr bringt D\u2019Ovidio einen Espresso nach drau\u00dfen: \u201eCaff\u00e8 Borbone, richtig italienisch\u201c, sagt sie. So f\u00fchlt es sich auch an \u2013 wie ein kleines St\u00fcck Rom mitten in Berlin-Kreuzberg. Doch lange bleibt Ripieno nicht mehr Am Lokdepot. Bald soll das Restaurant zur\u00fcck in die alte Heimat ziehen: in die Monumentenstra\u00dfe 21, keine zwei Minuten entfernt vom aktuellen Standort.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach Italien? Nur noch im Urlaub<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u201eWir m\u00fcssen nicht gehen \u2013 wir wollen gehen\u201c, betont Nania. Er steht nun mit verschr\u00e4nkten Armen im alten Lokal, nur ein paar Gehminuten vom Lokdepot entfernt. \u00dcberall stehen Kartons, an den W\u00e4nden leere K\u00fchlschr\u00e4nke. Aus einem Stapel zieht er ein schwarzes T-Shirt: Auf dem R\u00fccken steht \u201eRipieno, Ibiza \u2013 Berlin\u201c. Vorne prangt das Konterfei von Francesco Totti, vom ehemaligen Kapit\u00e4n von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/as-rom\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">AS Rom<\/a>, in der Darstellung eines Heiligen. \u201eSan Francesco Totti\u201c, sagt Nania. Die Fu\u00dfballmannschaft der Hauptstadt sei vielleicht das Einzige, was er mehr liebe als Pasta und Gastronomie.<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst er\u00f6ffnet er ein weiteres Lokal \u2013 direkt am G\u00f6rlitzer Park. Dort soll es abends lebendiger werden: Cocktails, feines Essen, ein Raum mit Schallplatten. Als er davon spricht, beginnen seine Augen zu gl\u00e4nzen. Ob er je nach Italien zur\u00fcckkehren will? \u201eNie wieder \u2013 nur zum Urlaub.\u201c Nur ein streits\u00fcchtiger Nachbar brachte ihn zum Gehen. Aber nicht weit \u2013 nur bis zur n\u00e4chsten Ecke.<\/p>\n<p>Restaurant Ripieno. Am Lokdepot 1, 10965 Berlin. \u00d6ffnungszeiten: T\u00e4glich au\u00dfer Mittwoch 12\u201321.30 Uhr. Reservierungen telefonisch oder per WhatsApp +49 17661994613. E-Mail: creminoberlin@gmail.com<\/p>\n<p>Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist einer dieser Sommertage in Berlin, an denen der Wind st\u00e4rker weht, als die Sonne scheint. 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