{"id":209906,"date":"2025-06-22T08:33:31","date_gmt":"2025-06-22T08:33:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/209906\/"},"modified":"2025-06-22T08:33:31","modified_gmt":"2025-06-22T08:33:31","slug":"schloss-moritzburg-beruehrende-ausstellung-duennes-eis-ueber-inuit-menschenschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/209906\/","title":{"rendered":"Schloss Moritzburg: Ber\u00fchrende Ausstellung &#8222;D\u00fcnnes Eis&#8220; \u00fcber Inuit-Menschenschau"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<a name=\"Was\">Was<\/a> hat die beiden <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/hoax-inuit-woerter-fuer-schnee100.html\" title=\"Haben Inuit wirklich hundert W\u00f6rter f\u00fcr Schnee?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Inuit<\/a> aus Labrador in Kanada wohl bewogen, sich auf diese Reise zu begeben? War es Armut, Aussichtslosigkeit oder einfach Abenteuerlust? Unter den Namen George Niakong\u00eatok (gestorben am 18. November 1825) und Mary Coonahnik (gestorben im September 1822) verlie\u00dfen die beiden um 1820 ihre Heimat, angeheuert vom US-amerikanischen Kapit\u00e4n Samuel Hadlock als lebendige Ausstellungsst\u00fccke und Botschafter ihrer Kultur auf den <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/menschenanschauen-ausstellung-stadtmuseum-kultur-news-100.html\" title=\"Dresden: Ausstellung \u00fcber &quot;V\u00f6lkerschauen&quot; und ihre Nachwirkungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">damals beliebten V\u00f6lkerschauen<\/a>.\n<\/p>\n<p>Inuit f\u00fchren <a name=\"Kenterrolle\">Speerwurf<\/a> in k\u00f6niglichen Gem\u00e4chern vor<\/p>\n<p class=\"text\">\nVon New York aus tingelte Hadlock von einem Jahrmarkt zum n\u00e4chsten. Im M\u00e4rz 1825 langte das Trio im s\u00e4chsischen Moritzburg an. Die Ausstellung &#8222;D\u00fcnnes Eis \u2013 Inuit zur Schau gestellt&#8220; erz\u00e4hlt von diesem ungew\u00f6hnlichen Tag. &#8222;Es wurde ein christliches Lied gesungen in Inuktitut, ein W\u00e4gelchen fuhr durch den Saal mit dem Schlittenhund davorgespannt&#8220;, erz\u00e4hlt die Museologin des Barockschlosses, Margitta Hensel.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch Speerwerfen habe es in den k\u00f6niglichen Gem\u00e4chern gegeben. &#8222;Auf mehrere M\u00fcnzen, die in einer gewissen Entfernung lagen, musste er mit dem Speer treffen.&#8220; Als H\u00f6hepunkt der Schau, erz\u00e4hlt Hensel, vollf\u00fchrte George mit einem Kajak auf dem Schlossteich die Kenterrolle. Ein Kupferstich, der damals von diesem Ereignis angefertigt wurde, ist in der Ausstellung zu sehen.\n<\/p>\n<p>Originale nach 200 Jahren wieder im s\u00e4chsischen Moritzburg<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch viele der damals gezeigten Artefakte sind als Leihgaben aus verschiedenen Sammlungen, wie dem V\u00f6lkerkundemuseum in Herrnhut und dem Humboldt Forum Berlin, nach Moritzburg gekommen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"B\">B<\/a>er\u00fchrend sind die Zeichnungen, die George Niakongetok vom traditionellen Leben seines Volkes anfertigte. Sie sind in einem Raum den Zeichnungen des klassizistischen Bildhauers Johann Gottfried Schadow gegen\u00fcbergestellt, die dieser f\u00fcr sein Buch &#8222;National-Physiognomien oder Beobachtungen \u00fcber den Unterschied der Gesichtsz\u00fcge und \u00e4u\u00dferen Gestalt des K\u00f6rpers&#8220; von George und Mary anfertigte.\n<\/p>\n<p>Ausstellung stellt verschiedene Perspektiven gegen\u00fcber<\/p>\n<p class=\"text\">\nIm Obergeschoss geht die Schau auf die verschiedenen kulturellen Welten ein, die den Hintergrund der Ausstellungstournee bilden. Hier werde die traditionelle Welt der Inuit gezeigt, so der Inuit-Experte und Kurator der Ausstellung, Christian Feest. Und au\u00dferdem die Welt der Herrnhuter Missionen auf der nordamerikanischen Labrador-Halbinsel.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie versuchten, &#8222;diese Inuit-Kultur auf der einen Seite m\u00f6glichst intakt zu halten, und auf der anderen Seite die Leute zu Christen zu machen und in eine ideale christliche Gemeinschaft umzuwandeln&#8220;. Und dann gebe es noch die Welt des Gesch\u00e4fts, des Handels, die nicht nur von den englischen H\u00e4ndlern repr\u00e4sentiert werde, sondern von den amerikanischen Kapit\u00e4nen \u2013 Kapit\u00e4nen wie Samuel Hadlock, der aus dem Ausstellen &#8222;seiner&#8220; Inuit Kapital schlug.\n<\/p>\n<p>Ber\u00fchrende Geschichte mit tragischem Ende der Inuit<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/religion\/herrnhuter-stern-bruedergemeine-ursprung-geschichte-reportage-104.html\" title=\"Herrnhuter Stern und Br\u00fcdergemeine: Ursprung, Gemeinschaft, Tradition\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herrnhuter Br\u00fcdergemeine<\/a> unterhielt in Kanada eine Mission, in der auch George Niakongetok in christlicher Religion sowie im Lesen und Schreiben unterrichtet wurde. In Briefen, die er an den Missionar Bruder Kohlmeister schrieb, und die in der Ausstellung in Ausschnitten nachzulesen sind, rechtfertigt der Inuk seinen Weggang damit, dass er Waise sei und keinen Versorger in Labrador habe.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit dem Titel &#8222;D\u00fcnnes Eis&#8220; m\u00f6chte man in Moritzburg auch auf das tragische Ende der Beteiligten eingehen. Mary war schon w\u00e4hrend des Aufenthaltes in England gestorben. In Moritzburg wurde sie durch eine englische Schaustellerin ersetzt. George starb ebenfalls sehr jung. Und der 1792 geborene Samuel Hadlock kam um 1830 bei einer Handelsreise in Gr\u00f6nland ums Leben. Die Ausstellung zeigt das drastische Schicksal der Menschen ohne Besch\u00f6nigung, verzichtet aber absichtlich auf eine Bewertung der Geschehnisse.\n<\/p>\n<p>Schloss Moritzburg will nicht belehren<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das muss jeder selbst feststellen, was es mit ihm macht, wenn er so eine ber\u00fchrende Geschichte liest&#8220;, erkl\u00e4rt Margitta Hensel dazu. &#8222;Wir m\u00fcssen hier nicht den Zeigefinger heben, sondern erst mal gucken: Was ist passiert, in welcher Zeit und warum ist es passiert?&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Fakten erz\u00e4hlen genug vom damaligen Blick der westlichen Welt auf die Ureinwohner. Nachdem George Niakongetok gestorben war, pr\u00e4parierte der Unternehmer Samuel Hadlock dessen Kopf und stellte ihn weiter aus. Erst die franz\u00f6sische Polizei unterband im Herbst 1825 dieses makabere Treiben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWie es den Inuit auf Labrador heute geht, davon erz\u00e4hlt der letzte Teil der Ausstellung. &#8222;Praktisch ein Blick \u00fcber den Teich&#8220;, sagt Hensel und meint den Atlantik, w\u00e4hrend vor dem Fenster der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/sachsen-ausflugsziele-schloesser-burgen-118.html\" title=\"Sachsen: Die sch\u00f6nsten Schl\u00f6sser und Burgen im Sommer entdecken\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Moritzburger Schloss<\/a>teich glitzert, auf dem George Niakongetok vor 200 Jahren dem S\u00e4chsischen K\u00f6nig die Kenterrolle vorf\u00fchrte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was hat die beiden Inuit aus Labrador in Kanada wohl bewogen, sich auf diese Reise zu begeben? 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