{"id":210311,"date":"2025-06-22T12:18:10","date_gmt":"2025-06-22T12:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210311\/"},"modified":"2025-06-22T12:18:10","modified_gmt":"2025-06-22T12:18:10","slug":"russland-will-keine-englischen-modewoerter-mehr-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210311\/","title":{"rendered":"Russland will keine englischen Modew\u00f6rter mehr &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Eine Kleinigkeit hat <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wladimir_Putin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> \u00fcbersehen, als er \u00fcber den Einfluss von Fremdsprachen herzog. Es war der 5. Juni, der Tag vor dem Geburtstag des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin. Putin traf sich mit dem Rat der russischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Sprache\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sprache<\/a>, er sagte, sein Land m\u00fcsse sich von den \u201evulg\u00e4ren und mechanischen ausl\u00e4ndischen Entlehnungen befreien\u201c. Sie w\u00fcrden \u201eunsere Sprache nicht bereichern, sondern im Gegenteil verunreinigen und verzerren\u201c. Das war dem Kremlchef wohl gar nicht bewusst, dass er da gerade selbst ein importiertes Wort benutzt hatte: Puschkin holte das franz\u00f6sische \u201evulgaire\u201c einst in den russischen Sprachschatz und machte daraus erst \u201ewulgarnyj\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Putin geht es allerdings mehr um die aktuelle Mode \u201eim \u00f6ffentlichen Raum\u201c, wie er sagte, um Pl\u00e4tze, Schaufenster, Hinweisschilder, Anzeigetafeln, Wohnanlagen. Viele russische Gesch\u00e4fte werben mit \u201esale\u201c, \u201eopen\u201c, \u201ecoffee\u201c, \u201efresh\u201c oder \u201especial offer\u201c. Der Kremlchef verlangte in der Sitzung, historische kyrillische Buchstaben zu benutzen, \u201ekeinen Brei aus lateinischen und anderen Symbolen\u201c. Und schon gibt es ein neues Gesetz.<\/p>\n<p>Bisher verlief der Kampf gegen Anglizismen z\u00e4h<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Vor wenigen Tagen hat die russische Staatsduma in zweiter und dritter Lesung ein Gesetz zum Schutz der russischen Sprache verabschiedet, das bereits vor zwei Jahren erstmals eingebracht worden war. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> f\u00fchrt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, sieht aber immer nur sich selbst bedroht. Auch seine Sprache. Lange passierte allerdings nichts im russischen Kampf gegen Anglizismen, die erste Lesung liegt auch schon vier Monate zur\u00fcck. Sprachwissenschaftler hatten das Gesetz kritisiert, weil Sprache nun mal lebendig sei, es ausl\u00e4ndische Entlehnungen immer schon gegeben habe, Unternehmen sorgten sich um m\u00f6gliche internationale Kunden. Aber wenn Putin sich \u00e4u\u00dfert, ist das wie ein Befehl. Auch der F\u00f6derationsrat, der das Gesetz jetzt noch billigen muss, wird sich dem nicht verweigern. Im kommenden M\u00e4rz soll es in Kraft treten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte das neue Russland viele, vor allem englische Begriffe angenommen. Sie klangen hip, international, standen f\u00fcr den Austausch mit dem Westen, etwa \u201eDisainer\u201c (Designer), \u201eKarschering\u201c (Carsharing), \u201eProdjusser\u201c (Producer), \u201eMiting\u201c (Meeting), \u201eTaunchaus\u201c (Townhouse) \u2013 jeweils in kyrillischer Schrift. Andere wurden gleich auf Englisch geschrieben. Mit dem neuen Gesetz m\u00fcssen \u00f6ffentlich sichtbare Hinweis- oder Reklameschilder auf Russisch sein. Erlaubt ist nur ein zus\u00e4tzlicher Hinweis in einer anderen Sprache, aber er muss sinngleich \u00fcbersetzt sein und darf nicht gr\u00f6\u00dfer sein als der russische. Offene Kritik daran traut sich kaum jemand zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">So lange ist es nicht her, dass Russland sich \u00fcber internationales Flair freute, vor allem in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Moskau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Moskau<\/a> mehr und mehr englischsprachige Schilder sichtbar wurden. Durchsagen auf Englisch in der Metro wurden schon vor dem Angriff auf die Ukraine wieder abgeschafft, der Krieg hat dann ohnehin alles ver\u00e4ndert. Ob Gesch\u00e4ftsinhaber nun Lust haben, zus\u00e4tzlich mit \u201esale\u201c zu werben, wenn sie zu \u201erasprodascha\u201c verpflichtet sind\u00a0\u2013 und ohnehin kaum noch Europ\u00e4er kommen? Vielleicht, wegen des Booms chinesischer Touristen. Sie sprechen auch eher Englisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Kleinigkeit hat Wladimir Putin \u00fcbersehen, als er \u00fcber den Einfluss von Fremdsprachen herzog. 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