{"id":21039,"date":"2025-04-10T14:14:07","date_gmt":"2025-04-10T14:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21039\/"},"modified":"2025-04-10T14:14:07","modified_gmt":"2025-04-10T14:14:07","slug":"dengue-auf-dem-vormarsch-kubas-gesundheitssystem-am-limit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21039\/","title":{"rendered":"Dengue auf dem Vormarsch \u2013 Kubas Gesundheitssystem am Limit"},"content":{"rendered":"<p>\n<strong>In mehreren Regionen Kubas breitet sich das Dengue-Fieber zunehmend aus.\u00a0Fehlende Medikamente, unzureichende Hygienema\u00dfnahmen und staatliche Unt\u00e4tigkeit versch\u00e4rfen die Lage.\u00a0<\/strong>\n<\/p>\n<p>Wie die Zeitung Mart\u00ed Noticias berichtet, w\u00e4chst in Kuba die Sorge \u00fcber eine zunehmende Ausbreitung des Dengue-Fiebers. Mehrere Einwohner, unabh\u00e4ngige Journalisten und Mediziner schildern alarmierende Zust\u00e4nde \u2013 sowohl hinsichtlich der Infektionslage als auch der \u00f6ffentlichen Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>In mehreren Regionen Kubas kommt es demnach zu einer auff\u00e4lligen H\u00e4ufung von Dengue-F\u00e4llen. Die Krankheit, die durch den Aedes aegypti-Moskito \u00fcbertragen wird, grassiert demnach vor allem in Provinzst\u00e4dten wie Santa Clara, Santiago de Cuba und Baracoa. Bewohner berichten von einem wachsenden Mangel an Medikamenten, unzureichender Hygiene und fehlenden staatlichen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Infektionsgeschehens.<\/p>\n<p>Guillermo del Sol, ein unabh\u00e4ngiger Journalist aus Santa Clara, kritisiert gegen\u00fcber Mart\u00ed Noticias, dass das kubanische Gesundheitsministerium kaum \u00fcber Mittel f\u00fcr die sogenannte Antivector-Kampagne verf\u00fcge \u2013 also Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Krankheits\u00fcbertr\u00e4gern wie M\u00fccken. Dadurch k\u00f6nne sich das Virus nahezu ungehindert ausbreiten. \u201eEs gibt einen starken Ausbruch von Dengue, der die Bev\u00f6lkerung stark trifft\u201c, so del Sol. Auch andere Erkrankungen wie Hepatitis und Lepra n\u00e4hmen zu. Die hygienischen Zust\u00e4nde beschreibt er als bedenklich: M\u00fcllh\u00e4ufen in Wohngebieten, kontaminierte Abwasserkan\u00e4le, eine \u00fcberlastete Infrastruktur.<\/p>\n<p>Die offizielle Seite bem\u00fcht sich derweil, die Lage zu beruhigen. Der Leiter der Abteilung f\u00fcr Epidemiologie im Gesundheitsministerium, Dr. Francisco Dur\u00e1n, sprach k\u00fcrzlich im staatlichen Fernsehen \u00fcber die aktuelle Situation. Neben dem Dengue-Virus verwies er auch auf das Oropouche-Fieber, das durch M\u00fccken und Gnitzen \u00fcbertragen wird. Beide Krankheiten seien derzeit in Kuba pr\u00e4sent. Dur\u00e1n betonte jedoch, dass der klinische Verlauf in den meisten F\u00e4llen mild sei. Wichtig sei es, bei ersten Symptomen rasch medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen \u2013 insbesondere bei Kindern, bei denen es h\u00e4ufiger zu Komplikationen komme.<\/p>\n<p>In der Praxis scheint dies jedoch nur bedingt zu gelingen. In Baracoa, Guant\u00e1namo, schildert der Journalist Emilio Almaguer, dass viele Erkrankte gar nicht erst ins Krankenhaus gingen. \u201eDie Leute behandeln sich zu Hause, weil sie den Eindruck haben, dass ihnen dort ohnehin nicht geholfen wird\u201c, erkl\u00e4rt er. Die Versorgungslage sei prek\u00e4r, nicht nur im Gesundheitswesen. Medikamente seien oft nur auf dem Schwarzmarkt erh\u00e4ltlich, Apotheken weitgehend leer. \u201eEs ist ein t\u00e4glicher Kampf \u2013 um Lebensmittel, Medikamente, um alles\u201c, so Almaguer.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich Lucinda Gonz\u00e1lez aus La Lisa, einem Stadtteil Havannas. Sie selbst habe k\u00fcrzlich eine Dengue-Infektion \u00fcberstanden und bezeichnet die hygienischen Bedingungen als dauerhaft unzureichend. \u201eSolange es an allem fehlt \u2013 Medikamenten, Lebensmitteln, funktionierender M\u00fcllentsorgung \u2013 wird sich hier nichts \u00e4ndern\u201c, sagt sie. Kuba gleiche einem einzigen \u201edauerhaften M\u00fcllhaufen\u201c.<\/p>\n<p>Auch medizinisches Fachpersonal schl\u00e4gt Alarm. In La Maya, Santiago de Cuba, \u00e4u\u00dfert sich der Arzt Roberto Serrano mit deutlichen Worten: \u201eDie hygienische Lage ist schlecht und verschlechtert sich weiter. Es fehlt an allem: an Medikamenten, an Personal, an Ressourcen f\u00fcr die Desinfektion.\u201c Die staatliche Priorit\u00e4tensetzung kritisiert er offen: \u201eDer einzige Bereich, in dem der Staat effizient ist, ist die Repression. Bei der \u00f6ffentlichen Gesundheit herrscht Desorganisation.\u201c Die Wasserverteilung sei unzuverl\u00e4ssig, in den St\u00e4dten bildeten sich \u00fcberall stehende Wasseransammlungen \u2013 ein idealer Brutplatz f\u00fcr Moskitos.<\/p>\n<p>Nach Angaben von Mart\u00ed Noticias herrscht unter der Bev\u00f6lkerung zunehmend Misstrauen gegen\u00fcber den offiziellen Darstellungen. Die Zahl der Infizierten werde aus Sicht vieler Betroffener heruntergespielt, effektive Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen seien kaum sichtbar. Statt gezielter Informationskampagnen oder fl\u00e4chendeckender Fumigationen seien die Menschen auf Eigeninitiative angewiesen \u2013 in einem Umfeld, das kaum Schutz vor Infektionen bietet.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass grundlegende Medikamente zur Behandlung der Symptome vielerorts fehlen. Selbst fiebersenkende Mittel oder Schmerzmittel sind laut mehreren Berichten in den staatlichen Apotheken nicht erh\u00e4ltlich. Wer sich dennoch behandeln will, ist oft auf inoffizielle M\u00e4rkte angewiesen \u2013 mit teils erheblichen finanziellen Belastungen.<\/p>\n<p>Die derzeitige Dengue-Welle offenbart damit nicht nur eine tempor\u00e4re Gesundheitskrise, sondern verdeutlicht strukturelle Defizite in der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge Kubas. Die Infrastruktur ist vielerorts veraltet, die medizinische Grundversorgung stark eingeschr\u00e4nkt, zentrale Ma\u00dfnahmen zur Krankheitsbek\u00e4mpfung greifen kaum oder gar nicht. Das staatliche Gesundheitssystem, lange Zeit als eines der Vorzeigeprojekte der kubanischen Politik pr\u00e4sentiert, steht offensichtlich unter massivem Druck.<\/p>\n<p>Wie sich die Lage weiterentwickelt, bleibt unklar. Eine gro\u00df angelegte staatliche Reaktion auf die zunehmende Zahl an Infektionen ist bislang nicht bekannt. Auch internationale Hilfsangebote wurden bislang nicht \u00f6ffentlich thematisiert. F\u00fcr viele Kubaner bleibt damit nur der R\u00fcckzug ins Private \u2013 mit improvisierten Mitteln und der Hoffnung, dass das eigene Umfeld von der n\u00e4chsten Krankheitswelle verschont bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In mehreren Regionen Kubas breitet sich das Dengue-Fieber zunehmend aus.\u00a0Fehlende Medikamente, unzureichende Hygienema\u00dfnahmen und staatliche Unt\u00e4tigkeit versch\u00e4rfen die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21040,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[1349,12960,29,30,141,12962,12961,232,6461,4047,12963,2249,14,2059,15],"class_list":{"0":"post-21039","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-aktuelles","9":"tag-cuba","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-havana","14":"tag-havanna","15":"tag-health","16":"tag-heute","17":"tag-kuba","18":"tag-la-habana","19":"tag-meldungen","20":"tag-nachrichten","21":"tag-neues","22":"tag-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114314088578249062","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21039"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21039\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}