{"id":210561,"date":"2025-06-22T14:37:10","date_gmt":"2025-06-22T14:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210561\/"},"modified":"2025-06-22T14:37:10","modified_gmt":"2025-06-22T14:37:10","slug":"hasso-plattner-und-seine-stadt-potsdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210561\/","title":{"rendered":"Hasso Plattner und &#8222;seine&#8220; Stadt Potsdam"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 22.06.2025 15:20 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Stadt Potsdam erh\u00e4lt ein Millionengeschenk. Software-Milliard\u00e4r Hasso-Plattner finanziert den Umbau des alten Landtages zum Unistandort. Das ist auch ein Signal in Richtung Amerika.\u00a0<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Jacqueline Piwon und Hanno Christ, rbb\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas rote Backsteingeb\u00e4ude ist vom Potsdamer Hauptbahnhof aus gut zu erkennen. Auf dem sogenannten Brauhausberg thront das alte Geb\u00e4ude des ehemaligen Landtages, das seit Jahren leersteht und zunehmend verf\u00e4llt. Ein Brand vor zwei Jahren hat Teile des Dachs komplett zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDa, wo heute Gipsplatten von der Decke fallen und die Natur sich das Gel\u00e4nde zur\u00fcckerobert hat, sollen in einigen Jahren Tausende Studenten ein und aus gehen.\u00a0Denn nun soll der Bau komplett saniert werden, neue Geb\u00e4ude sollen dazu kommen. Entstehen soll ein neuer, moderne Unicampus im Herzen Potsdams.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00a0<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Zur Zeit noch ausgebrannt und sanierungsbed\u00fcrftig, bald schon Uni-Campus: das Geb\u00e4ude auf dem Potsdamer Brauhausberg.\n                    <\/p>\n<p>    Kindheitserinnerungen als Motivation<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;So eine finanzielle Zuwendung von privater Seite an eine Hochschule gab es in Europa bisher noch nie&#8220;, sagt der Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t Potsdam, Oliver G\u00fcnther. Finanziert wird das Ganze von Hasso Plattner und seiner Stiftung. Der 81-j\u00e4hrige ist Mitbegr\u00fcnder des Softwarekonzerns SAP. 1998 gr\u00fcndete er das Hasso-Plattner-Institut &#8211; ein privat finanziertes IT-Institut f\u00fcr Softwaresystemtechnik.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNachdem der geb\u00fcrtige Berliner jahrzehntelang in Baden-W\u00fcrttemberg lebte, zog es ihn Ende der 1990er-Jahre nach Potsdam. &#8222;Ich hab immer eine heimliche Liebe f\u00fcr Potsdam gehabt&#8220; sagt der M\u00e4zen. &#8222;Als ich klein war, hatten meine Eltern ein Segelboot, und wir sind damit noch bis nach Potsdam gefahren.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese Zuneigung zu Potsdam unterstrich Plattner, indem er bereits in diverse Gro\u00dfprojekte der Stadt investierte. Immer sind es historische Geb\u00e4ude; oft Bauwerke, die kurz vor dem Abriss standen. \u00a0<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/brauhausberg-102.jpg\" alt=\"Der Turm des Geb\u00e4udes auf dem Brauhausberg in Potsdam im Gegenlicht.\" title=\"Der Turm des Geb\u00e4udes auf dem Brauhausberg in Potsdam im Gegenlicht. | P. Rother, rbb\"\/><\/p>\n<p>Geb\u00e4ude mit bewegter Geschichte\u00a0<\/p>\n<p>            Erbaut wurde das Geb\u00e4ude auf dem Brauhausberg in Potsdam 1899. Es war zun\u00e4chst eine Kriegsschule. 1919 wurde das Geb\u00e4ude erweitert, diente als Reichsarchiv und ab 1936 als Heeresarchiv. W\u00e4hrend der DDR-Zeit wurde der Komplex zur Bezirks- und Kreisleitung der SED umgebaut und erhielt im Volksmund den Spitznamen &#8222;Kreml&#8220;, da vor Ort die Parteivorgaben der Sowjetunion auf DDR-Verh\u00e4ltnisse \u00fcbertragen wurden. Zwischen 1990 und 2013 tagte auf dem Brauhausberg der Brandenburger Landtag, bevor er ins neu gebaute Potsdamer Stadtschloss umzog.<\/p>\n<p>    Bereits mehrere Geb\u00e4ude saniert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls die Brandenburger Landregierung in den 2000er-Jahren einen neuen Standort suchte, war es Hasso Plattner, der die Millionen zur Verf\u00fcgung stellte, um das zerst\u00f6rte und komplett von der Bildfl\u00e4che verschwundene barocke Stadtschloss wieder aufbauen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPlattner war es auch, der in direkter Nachbarschaft des Stadtschlosses &#8211; und heutigen Landtages &#8211; das Palais\u00a0Barberini wieder aufbauen lie\u00df. Heute geh\u00f6rt das &#8222;Barberini&#8220; mit seinen wechselnden Ausstellungen und der permanenten Pr\u00e4sentation von Impressionisten (aus Plattners Privatbesitz als Dauerleihgabe) zu den bestbesuchten Privatmuseen Deutschlands.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch das aus DDR-Zeiten stammende ehemalige Terassen-Restaurant &#8222;Minsk&#8220; am Brauhausberg nahm Plattner unter seine Fittiche. Der 1960er-Jahre-Bau stand lange leer, dann drohte der Abriss. Hasso Plattner machte daraus ein Museum f\u00fcr DDR-Kunst. \u00a0<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein M\u00e4zen und seine Stadt: Mit Potsdam verbindet SAP-Mitbegr\u00fcnder Hasso Plattner viele sch\u00f6ne Kindheitserinnerungen.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Eine Stiftung muss investieren&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNun wendet Plattner seine Aufmerksamkeit also dem Backsteinbau auf dem Brauhausberg zu. Eine dreistellige Millionensummer wird f\u00fcr den Um- und Ausbau veranschlagt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine Stiftung m\u00fcsse investieren, so Plattner: &#8222;Die Stiftung ist deswegen steuerfrei, damit sie eben mehr Geld hat und das in Projekte investieren kann, die dem Gemeinwohl dienen.&#8220; Der Bau einer Universit\u00e4t sei ein Lebenstraum, sagt Plattner, der sich jetzt zumindest teilweise erf\u00fclle. &#8222;Der Stiftungszweck von meiner Stiftung ist Ausbildung, h\u00f6here Ausbildung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGeplant ist, dass die Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universit\u00e4t Potsdam auf den neuen Brauhausberg-Campus ziehen. &#8222;Was immer uns das kosten wird: Die Stiftung wird das finanzieren.&#8220;\u00a0verspricht Hasso Plattner.\u00a0<\/p>\n<p>    KI soll ein Schwerpunkt sein<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDurch den Umzug werden Geb\u00e4ude frei &#8211; das Hasso-Plattner-Institut (HPI) kann massiv erweitert werden. Die Zahl der Studierenden soll sich auf 2.000 verdoppeln, die Zahl der Professuren auf 70 steigen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZiel ist, insbesondere im Bereich der K\u00fcnstlichen Intelligenz aufzuholen. Plattner will das HPI auf eine Stufe mit den f\u00fchrenden Informatikstandorten in Deutschland &#8211; Karlsruhe, Darmstadt, M\u00fcnchen &#8211; heben. Auch international soll Potsdam als Standort freier, sicherer Wissenschaft wahrgenommen werden. Das HPI wolle dabei helfen, Europa digital souver\u00e4ner und damit sicherer zu machen; es brauche Menschen, die die IT-Sicherheit der B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten und daran forschen.<\/p>\n<p>    Botschaft an Forscher in den USA<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas ist nicht zuletzt ein Signal an Forscherinnen und Forscher in den USA.\u00a0F\u00fcr sie breitet das HPI die Arme weit aus: Es schafft eine\u00a0Anlaufstelle in Potsdam f\u00fcr US-Wissenschaftler und Studenten, die in den USA durch die Trump-Regierung unter erheblichen Druck gesetzt werden. So hatte die US-Regierung sowohl die staatliche Unterst\u00fctzung von namhaften Universit\u00e4ten eingestellt als auch ausl\u00e4ndischen Studierenden die Studienerlaubnis in den Staaten entzogen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPotsdams Universit\u00e4tspr\u00e4sident G\u00fcnther berichtet bereits von etlichen Kontakten in die USA: &#8222;Wir bekommen entsprechende Anfragen, und ich bin jede Woche mit Leuten am Telefon, die sich \u00fcberlegen, ins deutsche System zu kommen.&#8220; \u00a0<\/p>\n<p>    &#8222;Wir haben eine historische Chance&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPlattner, der auch in den USA lebt, beschreibt die Entwicklung in den USA als belastend. &#8222;Aber was mich noch viel mehr bedr\u00fcckt: dass 37 Prozent der Amerikaner das f\u00fcr gut befinden und nach wie vor voll unterst\u00fctzen.&#8220; Er k\u00f6nne es \u00fcberhaupt nicht verstehen. Was der &#8222;gro\u00dfe Mann in Washington&#8220; so mache mit den Hochschulen sei f\u00fcrchterlich, aber es sei auch eine Chance f\u00fcr Deutschland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir haben eine historische Chance, die n\u00e4chsten dreieinhalb Jahre aufzuholen. Und es gibt keinen Grund, dass wir nicht auch so gut Hochschule machen k\u00f6nnen&#8220;, gibt sich Plattner zuversichtlich. Man wolle mindestens in die Liga der englischen Hochschulen kommen.\u00a0<\/p>\n<p>    Abh\u00e4ngig von einem einzelnen Milliard\u00e4r?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls &#8222;Leuchtturmprojekt f\u00fcr Bildung und Forschung&#8220; bezeichnete Brandenburgs Ministerpr\u00e4sident Dietmar Woidke (SPD) das Vorhaben. Auch BSW, CDU und AfD \u00e4u\u00dferten sich positiv &#8211; letztere mit dem Zusatz, es sei bedauerlich, dass solche Gro\u00dfprojekte nur noch mit privater Hilfe realisierbar seien.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeutliche Kritik kommt von der Linken. Die Bundestagsabgeordnete Isabelle Vandre warnt vor einer &#8222;dauerhaften Abh\u00e4ngigkeit&#8220; der Universit\u00e4t vom Willen eines einzelnen Milliard\u00e4rs. Die Linke sieht im R\u00fcckzug des Landes aus der Finanzierung des Campus einen &#8222;politischen Skandal&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNoch steht das Projekt ganz am Anfang. Optimistische Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass in vier Jahren der neue Unicampus fertig sein k\u00f6nnte. Das setzt aber schnelle Genehmigungsverfahren voraus. In Potsdam rechnet man deshalb eher mit zehn Jahren, bis der Brauhausberg wieder mit Leben gef\u00fcllt sein wird. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 22.06.2025 15:20 Uhr Die Stadt Potsdam erh\u00e4lt ein Millionengeschenk. 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