{"id":210986,"date":"2025-06-22T18:27:10","date_gmt":"2025-06-22T18:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210986\/"},"modified":"2025-06-22T18:27:10","modified_gmt":"2025-06-22T18:27:10","slug":"wiederentdecktes-gemaelde-voller-sturm-und-drang-des-jungen-william-turners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/210986\/","title":{"rendered":"Wiederentdecktes Gem\u00e4lde: Voller Sturm und Drang des jungen William Turners"},"content":{"rendered":"<p>Das Jubil\u00e4um des britischen Romantikers William Turner feiert auch der Kunsthandel. Beim Auktionshaus Sotheby\u2019s kommt nun ein verschollen geglaubtes Jugendwerk unter den Hammer. Lange hielt man es nicht einmal f\u00fcr ein \u00d6lgem\u00e4lde.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Dieses Jahr feiert man den 250. Geburtstag eines, wenn nicht des ber\u00fchmtesten britischen Malers: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254614548\/William-Turner-Warum-dieser-Farbrausch-seiner-Zeit-voraus-war.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254614548\/William-Turner-Warum-dieser-Farbrausch-seiner-Zeit-voraus-war.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joseph Mallord William Turner<\/a> (1775 bis 1851). Nicht nur im Vereinigten K\u00f6nigreich wird er vielfach geehrt, sondern auch international mit Ausstellungen von Cincinnati bis Shanghai gew\u00fcrdigt. Nat\u00fcrlich lassen sich auch die Auktionsh\u00e4user ein solches Jubil\u00e4um nicht entgehen und bieten einige Turner-Werke zum Verkauf an. <\/p>\n<p>Dass Sotheby\u2019s in London am 2. Juli 2025 aber eine Neuentdeckung zur Versteigerung aufrufen kann, die obendrein ein Detail der Biografie des jungen Turners korrigiert \u2013 darauf ist man in der New Bond Street, dem englischen Hauptquartier des Unternehmens besonders stolz. Das 60 mal 74 Zentimeter messende Landschaftsgem\u00e4lde wurde erst im vergangenen Jahr noch stark verschmutzt zu einem Sch\u00e4tzpreis von 600 bis 800 Pfund angeboten \u2013 bei einer Versteigerung des regionalen Auktionshauses Dreweatts. <\/p>\n<p>Das Werk aus dem 18. Jahrhundert schrieb man einem obskuren Nachfolger eines wenig bekannten Malers mit dem heroischen Namen Julius Caesar Ibbetson zu. Beim Zuschlag von nur knapp \u00fcber 500 Pfund setzte der K\u00e4ufer allerdings seine Hoffnung darauf, in Wirklichkeit eine Arbeit des nach England emigrierten franz\u00f6sischen Malers Philipp-Jacques de Loutherbourg ersteigert zu haben.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzpreis mindestens 200.000 Pfund<\/p>\n<p>Sein nicht schlechter Riecher wurde weit \u00fcber Erwarten belohnt: Eine Reinigung des Bildes enth\u00fcllte, dass das mutma\u00dfliche Aquarell nicht nur ein \u00d6lgem\u00e4lde ist, sondern zudem die Signatur von William Turner aufweist. Dank eines tats\u00e4chlichen Aquarells und einer Skizze mit dem gleichen Motiv in der Londoner Tate Gallery, dem Hort der Turner-Forschung, identifizierte man die charakteristische Ansicht und recherchierte auch die Geschichte dieses Werks. <\/p>\n<p>Denn eine Beziehung gibt es tats\u00e4chlich zu Loutherbourg: Der junge Turner frequentierte dessen Londoner Studio, bis \u2013 so wird kolportiert \u2013 dessen Frau ihn hinauswarf. Sie soll ihm vorgeworfen haben, die Maltechnik des Franzosen auszuspionieren.<\/p>\n<p>Auf dem Gem\u00e4lde, dass der damals erst 17-j\u00e4hrige Turner im Jahr 1792 schuf, erkennen wir die romantische Szene einer von st\u00fcrmischer Flut umbrandeten K\u00fcste. Sturm und Drang spielen sich auch im von Wolken durchfetzten Himmel ab. Inzwischen gab man dem Bild auch den passenden Titel \u201eEine aufkommende B\u00f6, Hot Wells bei St. Vincent Rock, Bristol\u201c. <\/p>\n<p>Vor Ort, so fanden die Wissenschaftler heraus, hatte der junge K\u00fcnstler die s\u00fcdenglische K\u00fcste bei Bristol mit der hei\u00dfen Quelle und dem imposanten Badehaus skizziert, sp\u00e4ter dramatisierte er die Zeichnungen dann in diesem Gem\u00e4lde. Im folgenden Jahr 1793 feierte William Turner mit dem Bild sein Deb\u00fct als Maler in der renommierten Ausstellung der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article176984057\/Minimal-invasiver-Eingriff.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article176984057\/Minimal-invasiver-Eingriff.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Londoner Royal Academy,<\/a> und zwar drei Jahre fr\u00fcher \u2013 und das begeistert die Turner-Experten heute \u2013 als bisher angenommen.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Provenienz ist hingegen noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Der Geistliche Robert Nixon, ein Bekannter der Familie Turner, erwarb das Bild zun\u00e4chst. Nach seinem Tod 1837 wurde es zuletzt 1858 in einer Ausstellung im australischen Tasmanien registriert. Nach Turners Tod noch als Gem\u00e4lde erw\u00e4hnt, wurde es bald wegen der d\u00fcnnen Farblasierungen als Aquarell beschrieben und verschwand somit aus den Werkverzeichnissen seiner Gem\u00e4lde. Danach verlor sich die Spur bis zur besagten Dreweatts-Auktion im Jahr 2024.<\/p>\n<p>Nun ist dieses lange verschollene Jugendwerk also vollst\u00e4ndig rehabilitiert. Die Experten sind sich \u00fcber diese Entdeckung einig, unterstreicht auch Julian Gascoigne, Senior Director von Sotheby\u2019s. Das erkl\u00e4rt auch, warum die jetzige Sch\u00e4tzung um das Vielfache auf 200.000 bis 300.000 Pfund geklettert ist. Und nicht zuletzt erh\u00e4lt auch dieser Turner endlich museale Weihe: Im Jahr 2026 wird das Bild in der Ausstellung \u201eTurner und Constable\u201c in der Tate Britain zu besichtigen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Jubil\u00e4um des britischen Romantikers William Turner feiert auch der Kunsthandel. 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