{"id":211818,"date":"2025-06-23T02:35:16","date_gmt":"2025-06-23T02:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/211818\/"},"modified":"2025-06-23T02:35:16","modified_gmt":"2025-06-23T02:35:16","slug":"100-jahre-ich-hab-mein-herz-in-heidelberg-verloren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/211818\/","title":{"rendered":"100 Jahre &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Bis heute ein Ohrwurm: Das Lied &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220; wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Das Schicksal des Liedtexters ist an Tragik kaum zu \u00fcberbieten. <\/p>\n<p>Einer der ber\u00fchmtesten Schlager mit Heidelberg-Bezug wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. 1925 schrieb Komponist Fred Raymond die Musik, Fritz L\u00f6hner-Beda und Ernst Neubach verfassten den Text f\u00fcr &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220;. Als Haupttexter gilt aber L\u00f6hner-Beda. Alle drei stammten aus Wien und lebten dort auch im Entstehungsjahr des Liedes. Eine steinerne Gedenktafel aus Buntsandstein an der Alten Br\u00fccke in Heidelberg erinnert noch heute an den Komponisten und die beiden Texter. Auf dem Stein ist unter anderem eingraviert, dass Fritz L\u00f6hner-Beda 1942 in Auschwitz ermordet wurde. <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1750587704370,heidelberg-herz-verloren-gedenktafel-loehner-beda-100~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: SWR\" alt=\"Gedenktafel mit Liedtextern Fritz L\u00f6hner-Beda und Ernst Neubach\" title=\"Gedenktafel mit Liedtextern Fritz L\u00f6hner-Beda und Ernst Neubach (Foto: SWR)\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>2014 hat die Stadt Heidelberg an der Gedenktafel den Hinweis auf die Lied-Texter Fritz L\u00f6hner-Beda und Ernst Neubach hinzugef\u00fcgt<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\" rel=\"external nofollow noopener\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\" target=\"_blank\"><br \/>\nSWR<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Texter L\u00f6hner-Beda war wohl nie in Heidelberg <\/p>\n<p>Warum, f\u00fcr wen oder was dieses Lied geschrieben und komponiert wurde, ist unklar. Der \u00f6sterreichische Studentenhistoriker Raimund Lang erkl\u00e4rte dem SWR, es gebe keinerlei Belege oder Nachweise daf\u00fcr, dass Fritz L\u00f6hner-Beda jemals in Heidelberg gewesen ist. L\u00f6hner-Beda hat allerdings seinerzeit ein weiteres Studentenlied geschrieben (&#8222;In der Pfalz bl\u00fchen unsere Reben&#8220;), das zumindest auf einen zeitweisen Aufenthalt in der Rhein-Neckar-Region hindeuten k\u00f6nnte &#8211; ein eindeutiger Beweis ist das aber nicht. Klar ist nur, dass beide Lieder &#8222;die leicht kitschigen Klischees der Studentenromantik und der alten Burschenschaften-Herrlichkeit&#8220; bedienten, so Lang. <\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Vielleicht hat L\u00f6hner-Beda mal als Tourist oder &#8222;Sommerfrischler&#8220; eine Beziehung zu dieser Gegend gehabt. Aber einen speziellen Grund oder Auftrag, dieses Lied zu schreiben, den gibt es nicht. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1750251309291,fritz-loehner-beda-herz-in-heidelberg-verloren-auschwitz-100~_v-16x9@2dS_-6be50a9c7555.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: \u00d6sterreichische Nationalbibliothek, Wien (Fotograf: Karkl Winkler)\" alt=\"Fritz L\u00f6hner-Beda\" title=\"Fritz L\u00f6hner-Beda (Foto: \u00d6sterreichische Nationalbibliothek, Wien (Fotograf: Karkl Winkler))\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>Ein Bild von Fritz L\u00f6hner-Beda in Wien aus dem Jahr 1928 (Fotograf: Karl Winkler)<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\n\u00d6sterreichische Nationalbibliothek, Wien (Fotograf: Karkl Winkler)<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Heidelberg-Lied: Kitschige Studentenromantik damals Mode <\/p>\n<p>Historiker Raimund Lang vermutet, dass L\u00f6hner-Beda beim Texten des Liedes einfach auf den damaligen Zeitgeschmack eingegangen ist. Die Heidelberger Studentenromantik habe schlie\u00dflich eine lange Tradition &#8211; zum Beispiel durch Joseph Victor Scheffels Gedicht &#8222;Alt Heidelberg, du feine&#8230;&#8220;  (verfasst in der Mitte des 19. Jahrhunderts) oder durch die Reiseberichte Mark Twains. Au\u00dferdem brachte 1901 Wilhelm Meyer-F\u00f6rster &#8222;Alt-Heidelberg&#8220; auf die B\u00fchne &#8211; seinerzeit eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Theaterst\u00fccke, das sp\u00e4ter auch verfilmt wurde. <\/p>\n<p>Erfolgs-Schlager aus Heidelberg auch Thema in der Presse <\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund musste &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220; eigentlich zwangsl\u00e4ufig ein Schlager werden. Der Erfolgshit war nat\u00fcrlich auch Thema in den Zeitungen. In den &#8222;Heidelberger Neuesten Nachrichten&#8220; stand zum Beispiel am 24. Juli 1926 zu lesen, dass die bekannte Melodie des Liedes &#8222;aus jedem Caf\u00e9&#8220; klinge. &#8222;\u00dcber alle Lippen (\u2026) summts und brummts, von Heidelberg mit all den verlorenen Herzen. Und so wie hier, ist es auch ausw\u00e4rts. In ganz Deutschland und sogar im Ausland wollen sie alle miteinander ihr Herz in Heidelberg verloren haben.&#8220;<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1750253177190,heidelberg-lied-herz-verloren-alte-bruecke-stadttor-stadt-neckar-100~_v-16x9@2dS_-6be5.jpeg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: SWR\" alt=\"Die Alte Br\u00fccke \u00fcber den Neckar verbindet die Heidelberger Altstadt mit dem Stadtteil Neuenheim\" title=\"Die Alte Br\u00fccke \u00fcber den Neckar verbindet die Heidelberger Altstadt mit dem Stadtteil Neuenheim (Foto: SWR)\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220;: Das Lied kennen nicht nur viele Heidelberg-Touristen auch noch im Jahr 2025<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\" rel=\"external nofollow noopener\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\" target=\"_blank\"><br \/>\nSWR<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Wer war Fritz L\u00f6hner-Beda? <\/p>\n<p>Fritz L\u00f6hner-Beda war als Jura-Student in Wien zeitweise Mitglied der nationalj\u00fcdischen, teils auch zionistischen Studentenverbindung &#8222;Kadima&#8220;. W\u00e4hrend des Studiums entdeckte L\u00f6hner-Beda sein Talent f\u00fcr Lyrik. Er begann damit, tagespolitische Gedichte f\u00fcr Wiener Zeitungen zu schreiben. Dar\u00fcberhinaus schrieb er auch f\u00fcr unz\u00e4hlige Operetten (f\u00fcr Komponist Franz Lehar) und verfasste Schlager &#8211; darunter &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220;, aber auch &#8222;In der Bar zum Krokodil&#8220;, das sp\u00e4ter die Comedian Harmonists in ihr Repertoire aufnahmen, &#8222;Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?&#8220; und &#8222;Ausgerechnet Bananen&#8220;.  <\/p>\n<p>1938 wird L\u00f6hner-Beda ins KZ Dachau deportiert <\/p>\n<p>Bereits kurz nach dem &#8222;Anschluss&#8220; \u00d6sterreichs an Nazi-Deutschland 1938 wurde der j\u00fcdische Autor und Lyriker Fritz L\u00f6hner-Beda ins Konzentrationslager (KZ) Dachau deportiert. Sp\u00e4ter wurde er ins KZ Buchenwald verlegt. Dort schrieb er das <a href=\"https:\/\/www.buchenwald.de\/geschichte\/mediathek\/audio\/buchenwaldlied\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Gedenkst\u00e4tte KZ Buchenwald - Buchenwaldlied\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer nofollow\" data-pjax=\"0\">&#8222;Buchenwaldlied&#8220;<\/a>, auf Anweisung der SS. Das Lied sollte unter anderem beim t\u00e4glichen Appell von den H\u00e4ftlingen vorgetragen werden. Heute ist das Buchenwaldlied ein fester Bestandteil von Gedenkfeiern zur Befreiung des Konzentrationslagers. Von Buchenwald wurde L\u00f6hner-Beda schlie\u00dflich ins KZ Auschwitz verlegt.  <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.planet-schule.de\/videos\/1713346114879%2Caexpresso-1766396-chapterimage-120~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae287afdcd877a.jpg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: WDR\" alt=\"Das Chemiewerk der I.G. Farben in Auschwitz.\" title=\"Das Chemiewerk der I.G. Farben in Auschwitz. (Foto: WDR)\" width=\"320\" height=\"180\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>Das Chemiewerk der I.G. Farben in Auschwitz (Archivbild)<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nWDR<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Zwangsarbeiter im Chemiekonzern I.G. Farben <\/p>\n<p>Der Chemiekonzern I.G. Farben lie\u00df ab 1941 in direkter N\u00e4he zum KZ Auschwitz eine Fabrik zur Produktion von Buna errichten &#8211; &#8222;einem f\u00fcr die Kriegswirtschaft wichtigen synthetischen Kautschuk&#8220;, erl\u00e4utert das <a href=\"https:\/\/museen.nuernberg.de\/memorium-nuernberger-prozesse\/kalender-details\/ig-farben-buna-2403\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Memorium N\u00fcrnberger Prozesse zu I.G. Farben am KZ Auschwitz \" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer nofollow\" data-pjax=\"0\">N\u00fcrnberger Museum &#8222;Memorium N\u00fcrnberger Prozesse&#8220;<\/a>. In dieser Fabrik &#8211; samt &#8222;firmeneigenem Konzentrationslager Buna-Monowitz&#8220; &#8211; wurde Fritz L\u00f6hner-Beda als Zwangsarbeiter eingesetzt. Menschen, die zur Zwangsarbeit nach Buna-Monowitz abkommandiert waren, &#8222;lebten im Durchschnitt nur noch etwa drei Monate&#8220;, so das Museum. <\/p>\n<p>Grausamer Tod in I.G.-Farben-Fabrik<\/p>\n<p>Laut dem Historiker Raimund Lang, der sich auf \u00fcberlieferte Aussagen von Ohren- und Augenzeugen beruft, inspizierten am 4. Dezember 1942 mehrere I.G.-Farben-Direktoren die Fabrik und kritisierten die Arbeitsleistung L\u00f6hner-Bedas (damals 59 Jahre alt). Einer der Direktoren soll gesagt haben: &#8222;Dieser Sau-Jude k\u00f6nnte auch schneller arbeiten&#8220;. Danach wurde L\u00f6hner-Beda &#8211; vermutlich von einem Vorarbeiter &#8211; zu Tode getreten und geschlagen. Berichten zufolge musste sich dieser Vorarbeiter tats\u00e4chlich sp\u00e4ter vor Gericht verantworten. Allerdings entging er einer Verurteilung, weil &#8222;das Gericht die Beweislage in diesem Todesfall als nicht hinreichend&#8220; einsch\u00e4tzte.  <\/p>\n<p>&#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220; u.a. als Remix<\/p>\n<p>Das Lied &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220; aus der Feder Fritz L\u00f6hner-Bedas hat die Zeiten \u00fcberdauert und ist bis heute aktuell und beliebt. Als Glockenspiel ist es zum Beispiel bis heute regelm\u00e4\u00dfig vom Dach des Heidelberger Rathauses zu h\u00f6ren. Und vor zwei Jahren (2023) verpasste das Heidelberger <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oRWhmpD3tX4\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Herz in Heidelberg von den Speedboys\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer nofollow\" data-pjax=\"0\">DJ-Duo &#8222;Speedboys&#8220; dem alten Schlager in einem Remix einen komplett neuen Sound<\/a>. Wer eher den &#8222;alten Sound&#8220; mag, hat eine Riesenauswahl: Das Lied haben in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem Gus Backus, Heino und Hermann Prey eingesungen. Dazu kommen jede Menge Parodien dieses Lieds &#8211; zum Beispiel von Komiker Mike Kr\u00fcger (&#8222;Ich hab heut` Nacht mein` F\u00fchrerschein verloren&#8220;) oder vom \u00f6sterreichischen Pop-Duo &#8222;Ausrei\u00dfer&#8220; (&#8222;Ich hab mein Herz im Karussell verloren&#8220;). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis heute ein Ohrwurm: Das Lied &#8222;Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren&#8220; wird in diesem Jahr 100&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":211819,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-211818","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114730351677380646","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=211818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/211819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=211818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=211818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=211818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}