{"id":212152,"date":"2025-06-23T05:49:11","date_gmt":"2025-06-23T05:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/212152\/"},"modified":"2025-06-23T05:49:11","modified_gmt":"2025-06-23T05:49:11","slug":"zar-peter-i-wie-russland-eine-grossmacht-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/212152\/","title":{"rendered":"Zar Peter I. \u2013 Wie Russland eine Gro\u00dfmacht wurde"},"content":{"rendered":"<p>Machtmenschen aus <a href=\"https:\/\/www.furche.at\/religion\/russland-und-eurasien-das-gekraenkte-imperium-1235375\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland <\/a>sind gegenw\u00e4rtig alles andere als wohlgelitten. Aber wenn einer der M\u00e4chtigsten schon 300 Jahre lang tot ist, darf man ihn in den Vordergrund r\u00fccken. Schlie\u00dflich gilt er gemeinhin wie kein Zweiter als die bestimmende Kraft, die der russischen Geschichte den Weg zu einer Gro\u00dfmacht im Ostseeraum gewiesen hat.<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete das Fenster gegen den Westen, wie es immer hei\u00dft. Aber das Fenster hatten bereits seine Vorg\u00e4nger ge\u00f6ffnet, er riss es nun weit auf, lie\u00df westliche zivilisatorische Errungenschaften, Kultur, Wissenschaft, Handwerkskunst ein zur Erweiterung und Bereicherung der vorhandenen russischen Tradition.<\/p>\n<p>Er hat Russland ma\u00dfgeblich ver\u00e4ndert, indem er r\u00fccksichtslos Kriege gef\u00fchrt, Aufst\u00e4nde niedergeschlagen, das Volk und vor allem die Eliten mit einer Unmenge an Gesetzen und Erlassen in Reformen getrieben, eine neue Zeitrechnung eingef\u00fchrt und die gesamte Verwaltung des Landes in eine neue, zeitgem\u00e4\u00dfe Struktur \u00fcberf\u00fchrt hat. Und schlie\u00dflich hat er mit der Gr\u00fcndung von St. Petersburg dem Land noch eine neue Hauptstadt beschert.<\/p>\n<p>Einen solch umtriebigen Herrscher hat Russland weder vor noch nach ihm erlebt. Er nahm das voll Selbstbewusstsein vorweg, weshalb er sich 1721 selbst zum Kaiser kr\u00f6nte und schon zu Lebzeiten \u201eder Gro\u00dfe\u201c nannte. Bis heute wird in popul\u00e4ren Biografien nahezu ausnahmslos dieser Beiname \u00fcbernommen, wovon Martina Winkler in ihrer neuen, akribischen Darstellung des Zaren dezidiert abr\u00fcckt: Die Professorin f\u00fcr osteurop\u00e4ische Geschichte an der Universit\u00e4t Kiel verweist auf das durchweg uneinheitliche Gesamtpanorama der petrinischen Regierungszeit \u2013 und auf den Missbrauch einer vermeintlichen \u201eHeldengestalt\u201c f\u00fcr politische Propagandazwecke unter dem \u201ePeter-Verehrer\u201c Wladimir Putin.<\/p>\n<p>Indes, gro\u00df als Erscheinung war der H\u00fcne Peter Alexejewitsch  I. mit seinen fast zwei Metern K\u00f6rperl\u00e4nge zweifellos. 1672 als Sohn des Zaren Alexei I. in die erst 1613 an die Macht gelangte Herrscherdynastie der Romanows hineingeboren, wurde er bereits als Zehnj\u00e4hriger Mitregent an der Seite seines \u00e4lteren Halbbruders Iwan V. und ab 1689, nach einem Machtkampf mit der Halbschwester Sophia, Alleinherrscher.<\/p>\n<p> Aufstieg zur Seemacht <\/p>\n<p>Als er den Thron bestieg, galt Russland im westlichen Europa noch immer als unergr\u00fcndlich r\u00fcckst\u00e4ndig: als ein Land, das sich \u201ein Sitten, Einrichtungen, Gottesdienst und Kriegszucht ganz von uns unterschied\u201c, wie es der habsburgische Diplomat Sigismund von Herberstein bereits 1517 und 1526 auf seinen Reisen notiert hatte. Das verlangte nach gr\u00fcndlicher Remedur, und Peter packte sie an. Als Erstes musste mit dem Bau einer Flotte die maritime Macht des Landes gesichert werden. Der junge Herrscher hatte 1695\/96 in zwei Feldz\u00fcgen versucht, die osmanische Festung Asow zu erobern, um dem russischen Reich den Zugang zum Schwarzen Meer zu sichern. Doch die Osmanen erwiesen sich letztlich als beharrlicher, und der Zar wandte sich mit seinen Seemachtsambitionen nunmehr dem Norden zu. Dort hatten die Schweden eine Vormachtstellung inne, die es zu brechen galt.<\/p>\n<p>Ab 1697 wurden in ganz Europa Schiffsbauer und weitere Fachleute f\u00fcr die Seefahrt gesucht. Peter selbst brach mit einer umfangreichen Entourage, der \u201eGro\u00dfen Gesandtschaft\u201c, nach Westeuropa auf, um sich, teilweise inkognito, in Preu\u00dfen, den Niederlanden und England in die modernsten technischen und administrativen Errungenschaften einf\u00fchren zu lassen. In Amsterdam begann er im Sommer 1697 sogar eine Zimmermannslehre, so stark war das pers\u00f6nliche Engagement des Zaren f\u00fcr die Seefahrt. Mit viel ausl\u00e4ndischer Fachkenntnis, inl\u00e4ndischem Steuerdruck und massenhafter Zwangsarbeit wurde fortan in den russischen Werften der Flottenbau vorangetrieben.<\/p>\n<p> Neue Oasen des Wissens <\/p>\n<p>Russland brach unter dem vor Reformeifer gl\u00fchenden Zaren in die Moderne auf. \u201ePeter pflegte die Neugier als Element eines neuen Herrschaftsentwurfs und als Bestandteil einer neuartigen Gesellschaftlichkeit\u201c, schreibt Winkler. Besonders beeindruckt war der reisende Zar von der Wissenskultur, der er im Westen begegnet war. Seine forcierte Einrichtung von Kollegien, Gymnasien, Akademien und Universit\u00e4ten wirkte wie die \u00d6ffnung von Oasen in einer bisherigen Bildungsw\u00fcste, wobei f\u00fcr ihn die soziale N\u00fctzlichkeit als Maxime galt. Der Gelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelte ein Bildungskonzept, das dann in die Gr\u00fcndung einer Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg m\u00fcndete.<\/p>\n<p>\u201eRussland holte auf\u201c, schreibt Winkler. \u201eDie fundamental konservative Haltung des Moskauer Reiches, die sich auf den Erhalt des Bestehenden, insbesondere von Recht, Ordnung und Glauben, bezog, wurde nach und nach \u00fcberlagert von einer Politik der Ver\u00e4nderung.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr sein weitsichtiges Anliegen, den Einfluss des Osmanischen Reichs zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, hatte der Zar an den europ\u00e4ischen H\u00f6fen \u2013 auch in Wien bei Kaiser Leopold I. \u2013 keine Unterst\u00fctzung gefunden. Umso st\u00e4rker richtete sich sein Augenmerk auf die Ostsee als Schl\u00fcsselregion seines machtpolitischen Ehrgeizes.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen Nordischen Krieg, den Peter 1700 im B\u00fcndnis mit Polen und D\u00e4nemark begonnen hatte, rang Russland \u00fcber zwanzig Jahre lang um die Vormacht im Ostseeraum. Anfangs f\u00fcgte der junge Schwedenk\u00f6nig Karl  XII. der russischen Armee im Gegensto\u00df kr\u00e4ftige Niederlagen zu, doch der Sieg Peters \u00fcber die Schweden und die mit ihnen verb\u00fcndeten Kosaken 1709 bei Poltawa in der Ukraine brachte eine entscheidende Wende. Indes, erst nach dem Tod Karls XII. 1718 und dem Friedensschluss von Nystadt 1721 gelangten die baltischen Provinzen Livland, Estland, Ingermanland und Teile von Karelien offiziell an Russland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Machtmenschen aus Russland sind gegenw\u00e4rtig alles andere als wohlgelitten. 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