{"id":212669,"date":"2025-06-23T10:38:16","date_gmt":"2025-06-23T10:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/212669\/"},"modified":"2025-06-23T10:38:16","modified_gmt":"2025-06-23T10:38:16","slug":"tomas-espedal-lust-fruechte-einer-arbeit-lesefruechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/212669\/","title":{"rendered":"Tomas Espedal \u2013 Lust. Fr\u00fcchte einer Arbeit. Lesefr\u00fcchte"},"content":{"rendered":"<p>Tomas Espedal erz\u00e4hlt in seinem autobiografisch gepr\u00e4gten Buch \u201eLust\u201c davon, wie ein junger Mann zum Schriftsteller wird. Die Lust am Schreiben und am Leben hat sich dabei regelrecht eingepr\u00e4gt in diesen rauschhaften, intensiven Erinnerungsroman.<\/p>\n<p>\u201eIch lese keine B\u00fccher, ich werde sie schreiben.\u201c Das ist die \u00fcberm\u00fctige Entgegnung eines Teenagers, der Tomas hei\u00dft und dem heranwachsenden Tomas Espedal zum Verwechseln \u00e4hnelt, auf die g\u00f6nnerhafte Frage danach, ob er denn Hamsun gelesen habe. <\/p>\n<p>Die schlagfertige Replik verleitet ihn dazu, noch eins draufzusetzen: Er habe schon einen Gedichtband und den Entwurf f\u00fcr einen Roman verfasst. F\u00fcr den Jungen aus einfachen Verh\u00e4ltnissen geht es darum, sich zu behaupten gegen die Welt der Saturierten, die alles schon haben. Was er will, das wei\u00df er fr\u00fch schon sehr genau.\u00a0\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>Er hatte Lust zu leben. Lust, anders zu leben, als von ihm erwartet wurde, er hatte Lust frei zu sein. War das m\u00f6glich? Nein, das wusste er nicht, aber wenn er schon an etwas gebunden sein musste, dann an etwas, das er selbst als sinnvoll empfand. Er wollte gern arbeiten, er wollte mit derselben Intensit\u00e4t und Selbstent\u00e4u\u00dferung arbeiten wie die anderen Arbeiter, die Fabrikarbeiter, die Industriearbeiter, die Werftarbeiter, er aber wollte mit Literatur arbeiten.\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Einen \u201eErinnerungsroman\u201c nennt Tomas Espedal das Buch, in dem er davon erz\u00e4hlt, wie ein junger Mann zum Schriftsteller wird. Dass dieser keine B\u00fccher liest, ist gelogen. In \u201eLust\u201c wird eine ganze Reihe von pr\u00e4genden Lekt\u00fcren aufgez\u00e4hlt: Thomas Mann, Proust, Rimbaud, Baudelaire. Das Ich, von dem hier die Rede ist und das sich manchmal zur dritten Person erweitert, ist eine aus Erinnerungssplittern zusammengesetzte Erfindung.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Von der Kunst zerst\u00f6rt\u00a0<\/p>\n<p>Der Wunsch, anders zu leben, richtet sich gegen alle Erwartungen \u2013 gegen die Schule, die dominante Mutter, die etablierte Gesellschaft. In Robert, einem schwulen, hochbegabten Jungen aus gutem Hause, findet der Unangepasste einen Gleichgesinnten. Beide f\u00fchlen sich nicht zugeh\u00f6rig zu ihren Familien und suchen Abstand. Doch w\u00e4hrend Robert nach unten strebt und von der Kunst zerst\u00f6rt wird, strebt Tomas nach oben.\u00a0<\/p>\n<p><strong>\u201eDeine Familie ist eine sehr starke Kraft, nicht nur von au\u00dfen, sondern auch von innen. Du solltest Arzt oder Anwalt werden, oder was auch immer sie von mir wollten. Um mit diesen Kr\u00e4ften zu brechen, muss man an etwas Starkes glauben. Es muss nicht unbedingt die Wahrheit sein. Aber ich habe an ein erf\u00fclltes Leben geglaubt, in dem es viel zu rauchen und zu trinken gibt, in dem es viele M\u00e4dchen gibt und viele Reisen und in dem das Leben ein Abenteuer ist.\u201c\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Flie\u00dfender Erinnerungsstrom\u00a0<\/p>\n<p>\u201eLust\u201c erz\u00e4hlt genau davon \u2013\u202fbet\u00f6rend und intensiv. Vieles kennen Espedal-Leser aus vorherigen B\u00fcchern. Der Autor h\u00e4lt es mit einem Satz von Marguerite Duras: \u201eMan muss sehr gut sein, wenn man die gleiche Geschichte immer wieder neu erz\u00e4hlen will, ohne zu langweilen.\u201c Und Espedal ist gut. W\u00e4hrend fr\u00fchere B\u00fccher eher durch ein fragmentarisches, br\u00fcchiges, minimalistisches Erz\u00e4hlen gepr\u00e4gt waren, ist der neue Roman ein flie\u00dfender, poetischer Erinnerungsstrom.\u00a0<\/p>\n<p>Lust. Fr\u00fcchte einer Arbeit. Lesefr\u00fcchte<br \/>\nAus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1748849813798,tomas-espedal-lust-fruechte-einer-arbeit-lesefruechte-102~_v-icon_-7bcdf069542bbe2d1d9.jpeg\"  class=\"\" data-copyright=\"Foto: Pressestelle, Matthes &amp; Seitz Verlag\" alt=\"Tomas Espedal - Lust. Fr\u00fcchte einer Arbeit. Lesefr\u00fcchte\" title=\"Tomas Espedal - Lust. Fr\u00fcchte einer Arbeit. Lesefr\u00fcchte (Foto: Pressestelle, Matthes &amp; Seitz Verlag)\" width=\"320\" height=\"508\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Tomas Espedal &#8211; Lust. Fr\u00fcchte einer Arbeit. Lesefr\u00fcchte<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nPressestelle<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nMatthes &amp; Seitz Verlag<br \/>\n<\/a><\/p>\n<dl class=\"review-metadaten\">\n<dt class=\"review-author\">Autor<\/dt>\n<dd class=\"review-author\">\nTomas Espedal\n<\/dd>\n<dt class=\"review-genre\">Genre<\/dt>\n<dd class=\"review-genre\">Roman<\/dd>\n<dt class=\"review-publisher\">Verlag<\/dt>\n<dd class=\"review-publisher\">Matthes &amp; Seitz (319 Seiten, 26 Euro)<\/dd>\n<dt class=\"review-date-published\">Erscheinungsdatum<\/dt>\n<dd class=\"review-date-published\">20. M\u00e4rz 2025<\/dd>\n<dt class=\"review-isbn\">ISBN<\/dt>\n<dd class=\"review-isbn\">978-3-7518-1014-2<\/dd>\n<\/dl>\n<p>In einem Studentenzimmer in Kopenhagen schreibt der Erz\u00e4hler an seinem ersten Roman. Dreimal schickt der Verlag das Manuskript zur\u00fcck, dreimal schreibt es der angehende Autor neu. Nicht das abenteuerliche, ausschweifende Leben f\u00fchrt zur Kunst, sondern radikale Selbstdisziplinierung.\u00a0<\/p>\n<p><strong>\u201eDas Buch handelt auch davon, wie ich die Kunstmythen in Arbeit verwandelt habe. Heute mag ich nicht einmal mehr das Wort Kunst. Ich betrachte mich \u00fcberhaupt nicht mehr als K\u00fcnstler. Ich arbeite. Ich habe es geschafft, das Schreiben in einen Beruf und in eine Arbeit zu verwandeln, und darauf bin ich wirklich stolz.\u201c\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel des Buches k\u00f6nnte passender kaum sein. Lust meint die Gier nach einem wilden und poetischen Leben. Es ist aber vor allem die Lust am Schreiben, daran, ein Schriftsteller zu sein. Diese Lust teilt sich mit, sie hat sich regelrecht eingepr\u00e4gt in diese Erinnerungen. Tomas Espedal hat ein hinrei\u00dfendes, rauschhaftes Buch geschrieben.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tomas Espedal erz\u00e4hlt in seinem autobiografisch gepr\u00e4gten Buch \u201eLust\u201c davon, wie ein junger Mann zum Schriftsteller wird. Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":212670,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-212669","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114732251614272900","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=212669"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212669\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/212670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=212669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=212669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=212669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}