{"id":213005,"date":"2025-06-23T13:38:10","date_gmt":"2025-06-23T13:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213005\/"},"modified":"2025-06-23T13:38:10","modified_gmt":"2025-06-23T13:38:10","slug":"das-musical-evita-in-augsburg-eine-kritik-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213005\/","title":{"rendered":"Das Musical \u201eEvita\u201c in Augsburg \u2013 eine Kritik &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Nein, Evita wird an diesem Abend keine Kettens\u00e4ge \u00fcber dem wohl frisierten Haupt schwingen. Sie wird auch keine Parolen br\u00fcllen in der Art von \u201eEs lebe die Freiheit, verdammt noch mal!\u201c. Denn auch wenn Andrew Lloyd Webbers <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Musical\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Musical<\/a> durchaus Ans\u00e4tze bietet, populistische Str\u00f6mungen der Gegenwart in eine aktuelle Inszenierung zu lenken, setzt das Staatstheater <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Augsburg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Augsburg<\/a> auf die visuelle Wucht des Vergangenen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Deutlich wird die Aktualit\u00e4t des Stoffs so oder so. Zur Freilichtb\u00fchne am Roten Tor mit seinen Sommerinszenierungen passt diese Version bestens und das Publikum l\u00e4sst sich gerne davon fesseln \u2013 von sch\u00f6nen, historischen Kost\u00fcmen (Nora Johanna Gromer), einem gut choreografierten B\u00fchnenspektakel vor einer argentinischen Stra\u00dfenszene (Tanz: Ricardo Fernando) und spritziger, mitrei\u00dfender Musik.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Einen sch\u00f6nen Einfall bietet Regisseur Florian Mahlberg schon im Eingangsbild, wenn das Volk seine Pr\u00e4sidentin der Herzen deprimiert zu Grabe tr\u00e4gt und dabei die Optik des mexikanischen D\u00eda de los Muertos aufgreift. Che, die kritische Erz\u00e4hl-Instanz des St\u00fccks, ist damit nicht einverstanden. \u201eWas f\u00fcr ein Zirkus, was f\u00fcr eine Show!\u201c, singt Hannes Staffler mit angerauter Stimme und breitem Zyniker-L\u00e4cheln und rei\u00dft den Deckel vom Sarg. Evita springt heraus und l\u00e4chelt ebenfalls, doch anders.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Das Strahlen von Evita verbreitet das Charisma der jungen Provinzlerin, die sich an die Spitze schl\u00e4gt. Doch damit zeigt auch eine machthungrige Frau ihre Z\u00e4hne. Diese Ambivalenz deutlich zu machen, ist die einzige Chance, die so schillernde wie problematische Figur der Evita Per\u00f3n nicht ins Banale gleiten zu lassen. Katja Berg l\u00f6st das mit Bravour. Dazu kommt ihr bet\u00f6render Sopran, der in den luftigen Spitzent\u00f6nen gl\u00f6ckchenhaft klingelt, ohne dabei schrill zu wirken. Mit L\u00e4cheln und Samt-Stimme verf\u00fchrt Evita den ersten Mann, den Tangos\u00e4nger Agust\u00edn Magaldi. Gerhard Werlitz nimmt dessen Spitznamen \u201eDie gef\u00fchlvolle Stimme von Buenos Aires\u201c ernst und unterlegt seine Melodien mit vokalem Schmelz und breitem Vibrato.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Hannes Staffler ist als Che nicht einverstanden mit Evitas Tod. Es folgt die Auferstehung.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1ac2b577-ef5f-445d-b46d-98fcfdebe84e.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Hannes Staffler ist als Che nicht einverstanden mit Evitas Tod. Es folgt die Auferstehung. (Foto: Jan-Pieter Fuhr)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Der gesteigerte Erfolg befeuert Evita. So tritt Katja Berg mit jeder Gesangsnummer mehr aus sich heraus, entwickelt eine fast manische B\u00fchnenenergie, die sich umsetzt in stimmliche Kraft und eine eigene flotte Choreografie. Die tr\u00e4gt ohnehin viel zum Show-Charakter bei, wenn Sebastiaan van Yperen die latinesken Zwischenspiele vital dirigiert und die Massen sich geschmeidig dazu bewegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dem gegen\u00fcber f\u00e4llt nur der Opernchor ab. Er ist zwar stimmlich pr\u00e4sent, wirkt als Akteur aber eher unbegeistert. Das ist hier besonders schade, denn das Musical hat zwei Glutkerne: Eva Duartes Ambitionen und die Verf\u00fchrbarkeit der Massen. Diese Massen m\u00f6chte Juan Per\u00f3n entfachen, was eigentlich kein Problem sein sollte, zumal mit Alexander Franzens dunkel strenger Stimme. Er verspricht Gerechtigkeit und Freiheit und l\u00e4sst sich bald von seiner medienaffinen, publikumswirksamen Gattin darin unterst\u00fctzen, die allm\u00e4hlich \u00fcber ihren eigenen Ehrgeiz zu stolpern droht.<\/p>\n<p>Man schlie\u00dft die Truppe ins Herz, weil sie es so gut macht<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">So pl\u00e4tschert Lloyd Webbers St\u00fcck dahin, verfolgt Evitas Biografie, macht den Mythos der Macht zu eing\u00e4ngiger Musik. In Augsburg wird das Ganze angereichert durch eine etwas r\u00e4tselhafte stumme Figur, eine junge Frau, La Vida, die so etwas wie Eva Duartes verlorene Unschuld symbolisieren k\u00f6nnte, aber dabei nicht unangenehm auff\u00e4llt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Durch die vielen erz\u00e4hlerischen Einsch\u00fcbe und den episodischen Aufbau des St\u00fccks w\u00fcrde das leicht langatmig, w\u00e4re das Ensemble nicht so ansteckend dynamisch: Als Evita auf ihrem B\u00fchnenbalkon nach vorne f\u00e4hrt, als st\u00fcnde sie an der Reling der Titanic, und (wie alles: auf Deutsch) \u201eWein nicht um mich, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Argentinien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Argentinien<\/a>\u201c schmettert, hat man gestandene Ehem\u00e4nner ihrer Frau einen Handkurs aufdr\u00fccken sehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Das ber\u00fchrt. Nicht unbedingt, weil Evita Per\u00f3n in Augsburg \u00fcber Geb\u00fchr romantisiert wird. Aber man schlie\u00dft die Truppe ins Herz, weil sie es so gut macht. Der Schluss kommt entsprechend hart. Evita stirbt. Das St\u00fcck ist aus. Was f\u00fcr ein unterhaltsamer Zirkus, was f\u00fcr eine gelungene Show \u2013 denkt auch das Publikum und spendet reichlichen Beifall im Stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nein, Evita wird an diesem Abend keine Kettens\u00e4ge \u00fcber dem wohl frisierten Haupt schwingen. Sie wird auch keine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":213006,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[12932,680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,80,20530,12368,14,15,12,7727,1991,149],"class_list":{"0":"post-213005","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-argentinien","9":"tag-augsburg","10":"tag-bayern","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-kultur","19":"tag-kultur-in-bayern","20":"tag-musical","21":"tag-nachrichten","22":"tag-news","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-schwaben","25":"tag-suedamerika","26":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114732957990072411","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=213005"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213005\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/213006"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=213005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=213005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=213005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}