{"id":213273,"date":"2025-06-23T15:59:09","date_gmt":"2025-06-23T15:59:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213273\/"},"modified":"2025-06-23T15:59:09","modified_gmt":"2025-06-23T15:59:09","slug":"ein-buch-das-meine-perspektive-veraendert-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213273\/","title":{"rendered":"Ein Buch, das meine Perspektive ver\u00e4ndert hat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum dieser Autor und dieses Buch?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber ein Instagram-Profil bin ich auf das Buch \u201eEure Heimat ist unser Albtraum\u201c gesto\u00dfen. Louisa Dellert f\u00fchrt ein Caf\u00e9 mit kleiner Buchhandlung in Braunschweig und stellt auf ihrem Profil immer mal wieder B\u00fccher vor. Die Thematik des 2019 erschienen Essay-Bands, der von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah herausgegeben wurde, hat mich direkt angesprochen, auch weil ich mal wieder etwas anderes als einen klassischen Roman oder Thriller lesen wollte.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Worum geht es?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEure Heimat ist unser Albtraum\u201c ist ein Sammelband aus 14 gesellschaftskritischen Essays von verschiedenen Autor*innen vielf\u00e4ltiger Herkunft. Jeder Essay besch\u00e4ftigt sich mit einem thematischen Schwerpunkt, wie zum Beispiel Arbeit, Essen oder Blicke. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff \u201eHeimat\u201c haben alle gemein. \u201eHeimat\u201c ist ein mittlerweile politisch aufgeladener Begriff, nicht zuletzt durch das 2018 umbenannte \u201eHeimatministerium\u201c. Auch wird er leider im rechten Gedankengut immer mehr zum zentralen Motiv. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist Heimat der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und wo ich mich zu Hause f\u00fchle. Aber es ist wichtig zu betonen, dass Heimat kein Ort sein muss, sondern vielmehr ein Gef\u00fchl beschreibt; es ist also weniger eine \u00f6rtliche als eine emotionale Heimat, die in den Texten thematisiert wird.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Womit punktet das Buch besonders?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorwort wird genauer auf das Cover eingegangen. Die Worte \u201eEure\u201c und \u201eunser\u201c sind bewusst im selben Lila-Ton wie der Hintergrund gehalten. Die Herausgeber*innen und Verfasser*innen ma\u00dfen sich nicht an, \u00fcber die Zuteilung von \u201eIhr\u201c und \u201eWir\u201c zu entscheiden, \u201esondern jede*r Leser*in bestimmt f\u00fcr sich selbst: Will ich in einer Gesellschaft leben, die sich an v\u00f6lkischen Idealen sowie rassistischen, antisemitistischen, sexistischen, heteronormativen und transfeindlichen Strukturen orientiert? Oder m\u00f6chte ich Teil einer Gesellschaft sein, in der jedes Individuum, ob Schwarz und\/oder j\u00fcdisch und\/oder muslimisch und\/oder Frau und\/oder queer und\/oder nicht-bin\u00e4r und\/oder arm und\/oder mit Behinderung gleichberechtigt ist?\u201c (Zitat S.9). Die Essays dienen dem Leser als Einstieg in sensible, hochkomplexe gesellschaftliche Debatten, sie fordern zum Nachdenken auf und regen dazu an, sich und seine Denkweise zu hinterfragen. Neben den pers\u00f6nlichen Perspektiven der Autor*innen verweisen sie auch immer wieder auf die Verankerungen in strukturellen Ebenen.<\/p>\n<p><strong>Wie war das Lesegef\u00fchl?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt ist es kein Buch, das man einfach mal so \u201ewegliest\u201c. Im Gegenteil: Ich habe es immer mal wieder in die Hand genommen, ein, zwei Essays gelesen und dann wieder weggelegt. Ich hatte das Empfinden, jedem Essay seinen Raum geben zu wollen. Ich habe mir bewusst die Zeit genommen, um \u00fcber das Inhaltliche nachzudenken. Einige Essays habe ich auch noch ein zweites Mal gelesen, bevor ich zum n\u00e4chsten weitergegangen bin. Die Essays unterscheiden sich in ihrer Schreibweise teils deutlich voneinander. Einige sind rational und analytisch geschrieben, andere wiederum mit Humor und dem Hang zur Ironie, wiederum andere wirken aus gro\u00dfen Emotionen heraus verfasst, sie sind w\u00fctend und anklagend. Diese Subjektivit\u00e4t in vielen Essays hat mich zu Beginn verwundert, da ich sonst von solchen B\u00e4nden eher eine objektivere Schreibweise gew\u00f6hnt bin und diese erwartet hatte. Aber im Verlauf der Lekt\u00fcre habe ich mich damit gut zurechtgefunden, habe angefangen, mich selbst und meine Denkstrukturen zu hinterfragen und in manchen Alltagsszenen an Passagen aus bestimmten Essays gedacht. Ich habe das Gef\u00fchl gewonnen, dass ich dank der Lekt\u00fcre ein wenig wachsamer durch den Alltag gehe und manche Situation anders ansehe und bewerte.<\/p>\n<p><strong>War der Umfang angemessen?<\/strong><\/p>\n<p>Da es kein klassischer Roman mit durchg\u00e4ngiger Handlung ist, die man von Anfang bis Ende verfolgen m\u00f6chte, kann ich diese Frage nur dahingehend beantworten, dass ich als Leserin selbst bestimmen kann, in welchem Umfang ich die Lekt\u00fcre der 272 Seiten angehe. Jeder Essay ist f\u00fcr sich abgeschlossen, ich empfehle aber, wie bereits geschrieben, sich Zeit f\u00fcr die Nachbereitung zu nehmen und Raum f\u00fcr Gedanken einzuplanen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Werde ich den Autor und\/oder die Thematik weiterverfolgen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Themen wie Diskriminierung, Ausgrenzung, Identit\u00e4t, kulturelle Vielfalt und Zugeh\u00f6rigkeit sind in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je. Ich will und werde mich damit noch mehr auseinandersetzen. Manche vorurteilsbehafteten Muster sind \u2013 auch strukturell bedingt \u2013 sehr stark in unserem Denken und Handeln verankert und k\u00f6nnen dank der Besch\u00e4ftigung mit ihren Hintergr\u00fcnden durchbrochen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum dieser Autor und dieses Buch?\u00a0 \u00dcber ein Instagram-Profil bin ich auf das Buch \u201eEure Heimat ist unser&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":213274,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-213273","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114733512443134604","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=213273"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213273\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/213274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=213273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=213273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=213273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}