{"id":213952,"date":"2025-06-23T22:14:17","date_gmt":"2025-06-23T22:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213952\/"},"modified":"2025-06-23T22:14:17","modified_gmt":"2025-06-23T22:14:17","slug":"der-ehemann-dieser-ukrainerin-verlor-sein-leben-auf-dem-schlachtfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/213952\/","title":{"rendered":"Der Ehemann dieser Ukrainerin verlor sein Leben auf dem Schlachtfeld"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 23. Juni 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nMario Neumann<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Eine ukrainische Frau namens Olha Melnyk schaut in die Kamera\" data-image-owner=\"Radio Bremen | Mario Neumann\" data-image-title=\"Eine ukrainische Frau namens Olha Melnyk schaut in die Kamera\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/olha-melnyk-100~_v-800x450_c-1750688465220.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/olha-melnyk-100~_v-640x360_c-1750688465220.jpg\"\/><\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen | Mario Neumann<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Olha Melnyk lebt als Kriegswitwe in Bremen. W\u00e4hrend sie als Kassiererin arbeitet und sich um ihren 15 Jahre alten Sohn k\u00fcmmert, k\u00e4mpft sie innerlich mit dem Verlust.<\/p>\n<p>Am 24. Februar 2022 \u00fcberfiel Russland die Ukraine. Bis dahin arbeiteten Olha und Oleksij Melnyk als Ingenieure f\u00fcr eine Lebensmittelfirma. Nur wenige Tage nach Kriegsbeginn sah sie ihren Mann zum letzten Mal. Der 47-J\u00e4hrige meldete sich freiwillig zum Milit\u00e4r, um die Heimat zu verteidigen. Es ging alles sehr schnell, ihr damals 12-j\u00e4hriger Sohn malte ihm zum Abschied noch rasch ein Bild. Mutter und Sohn flohen dann Anfang M\u00e4rz 2022 nach Deutschland. <\/p>\n<p>Am 29. August 2022 waren sie bereits in Bremen. Olha kam von einem Deutschkurs nach Hause. Ihr Mann Oleksij hatte zuvor angek\u00fcndigt, dass er die n\u00e4chsten drei Tage nicht erreichbar sei. Irgendwann merkte sie, dass etwas nicht stimmte: &#8222;Dann habe ich gemerkt, dass sein Kamerad wieder online war und ich habe schon etwas gesp\u00fcrt. Normalerweise hat mein Mann immer die Zeit gehabt, in Kommunikation zu treten, egal wie schwer die Lage war.&#8220;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich rief der Kamerad an und sagte, dass Oleksij gefallen ist. Er habe versucht, Olhas Mann vom Schlachtfeld zu ziehen, als er bereits verwundet war.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Obwohl ich wusste, dass es sich um die Wahrheit handelte, fiel es mir sehr schwer, das zu glauben.<\/p>\n<p>Olha Melnyk, ukrainische Witwe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Als Kriegswitwe in Bremen<\/p>\n<p>Olha hat viel geschrien, viel geweint, sich mit Freundinnen getroffen, telefoniert. Sie hat eine Telefon-Freundin, deren Mann auch im Krieg gefallen ist. Mit ihr zu sprechen tut gut, sagt sie, weil es ihr zeigt, dass sie normal ist. Bis heute sei es ihr eigentlich nicht gelungen, wieder frei durchzuatmen.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Ich sehe keine Zukunft.<\/p>\n<p>Olha Melnyk, ukrainische Witwe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Olha Melnyk erf\u00e4hrt Hilfe durch viele Kontakte, die sie stabilisieren, durch den deutsch-ukrainischen Kulturverein &#8222;Unity-Center&#8220;, durch Treffen mit Landsleuten in der Markus-Gemeinde und den Chor Gloria, in dem sie gemeinsam mit ukrainischen Frauen singt. Auch wenn der Zusammenhalt stark ist, ist es nicht ohne, in einem fremden Land Kriegswitwe zu werden. <\/p>\n<p>F\u00fcr sie sei es beispielsweise schwer, deutsch zu sprechen, obwohl sie das f\u00fcr sehr wichtig h\u00e4lt: &#8222;Aber mein Kopf funktioniert nicht. Zu viel Stress. Ich will Deutsch lernen, aber ich kann nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Geholfen haben ihr auch Gespr\u00e4che mit einer Psychologin aus der Ukraine, per Videotelefonie. Sie ist sehr dankbar, mit ihrem Sohn hier zu sein. Ein Halbtags-Job als Kassiererin lenkt sie ab. Au\u00dferdem hat ihr Mann als Kind drei Jahre in Deutschland gelebt. <\/p>\n<p>Ein normales Leben f\u00fcr ihren Sohn<\/p>\n<p>Olha ist sich sicher, dass ihr Mann vor seinem Tod noch an seine Familie gedacht hat. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Das ist das, was mich tr\u00f6stet: Dass er auch bei seinem Tod wusste, dass wir an einem guten und sicheren Platz sind.<\/p>\n<p>Olha Melnyk, ukrainische Witwe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die beiden versuchen manches im Leben so zu gestalten, wie es damals auch mit dem Vater war. Mutter und Sohn sitzen beispielsweise regelm\u00e4\u00dfig abends zusammen, essen und reden \u00fcber den Tag. Gleichzeitig sagt Olha Melnyk, dass sie am 29. August 2022 in eine Schockstarre verfallen ist, in der sie sich immer noch befindet. Ein Jahr sp\u00e4ter bekam sie das Handy ihres Mannes und entdeckt darauf die Videobotschaft eines Kameraden, der ein Bein verloren hatte. <\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlt: &#8222;Er steht auf einem Laufband und l\u00e4uft mit dieser Prothese. Er erz\u00e4hlt meinem Mann, dass wir Ukrainer sind: Wir sind tapfer, wir werden k\u00e4mpfen. Und das ist das, was ich zutiefst bewundere.&#8220;<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Dass die Menschen sich unter solchen Umst\u00e4nden tats\u00e4chlich noch Mut zusprechen k\u00f6nnen, ist f\u00fcr mich etwas Unbeschreibliches.<\/p>\n<p>Olha Melnyk, ukrainische Witwe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Interview f\u00fcr das Portr\u00e4t f\u00fchrte Mario Neumann f\u00fcr Bremen Zwei. \u00dcbersetzt aus dem Ukrainischen hat der Bremer Pastor Andreas Hamburg.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema Ukraine:<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nBremen Zwei, Der Morgen, 23. Juni 2025, 08:36 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 23. Juni 2025. Autorinnen und Autoren: Mario Neumann Bild: Radio Bremen | Mario Neumann Olha Melnyk lebt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":213953,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,8036,30,68886,2134,4046,10611,307,38698,3259,317,47838],"class_list":{"0":"post-213952","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-flucht","12":"tag-germany","13":"tag-internationaler-tag","14":"tag-interview","15":"tag-krieg","16":"tag-portraet","17":"tag-russland","18":"tag-seelsorge","19":"tag-tod","20":"tag-ukraine","21":"tag-witwe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114734987038896605","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213952","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=213952"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/213952\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/213953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=213952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=213952"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=213952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}