{"id":214330,"date":"2025-06-24T01:42:32","date_gmt":"2025-06-24T01:42:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/214330\/"},"modified":"2025-06-24T01:42:32","modified_gmt":"2025-06-24T01:42:32","slug":"mannheim-stellungnahme-zur-einfuehrung-der-bezahlkarte-als-regelzahlungsmittel-fuer-asylbewerberinnen-in-der-stadt-mrn-news-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/214330\/","title":{"rendered":"Mannheim \u2013 Stellungnahme zur Einf\u00fchrung der Bezahlkarte als Regelzahlungsmittel f\u00fcr Asylbewerber*innen in der Stadt \u2013 \/\/\/ MRN-News.de"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/mrn_news_platzhalter_logo-5-1-72.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-590526\"  \/>Mannheim \/ Metropolregion Rhein-Neckar(red\/ak) \u2013  Nachdem der gesetzliche Rahmen auf Bundesebene daf\u00fcr geschaffen wurde, wird die Bezahlkarte f\u00fcr Menschen im Asylbewerberleistungsbezug seit Ende 2024 in BadenW\u00fcrttemberg schrittweise in allen Kommunen verpflichtend eingef\u00fchrt \u2013 auch in Mannheim. Mit einer Informationsvorlage (V251\/2025) hat die Stadtverwaltung nun \u00fcber den aktuellen Stand der Einf\u00fchrung sowie die Ausgestaltung und Funktionen der Bezahlkarte informiert. Der Migrationsbeirat hat die Entwicklungen und Diskussionen im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung der Bezahlkarte in den vergangenen Monaten mit Besorgnis verfolgt und sich bereits als Mitunterzeichner eines Offenen Briefes (an den Gemeinderat, die Stadtverwaltung und die Landesregierung im September 2024) gegen die Bezahlkarte positioniert und f\u00fcr eine m\u00f6glichst diskriminierungsarme Umsetzung ausgesprochen. Nach intensiven Diskussionen im (seit Anfang des Jahres zum gr\u00f6\u00dften Teil neu besetzten) Gremium und zahlreichen R\u00fcckmeldungen aus Migrantenselbstorganisationen zu diesem Thema nehmen wir zum aktuellen Stand wie folgt Stellung:<br \/>Nach wie vor sprechen wir uns grunds\u00e4tzlich gegen die Bezahlkarte aus. Wir schlie\u00dfen uns dabei den bereits von vielen Seiten genannten Kritikpunkten an, die verdeutlichen, dass die Bezahlkarte anstelle der erhofften Verwaltungsvorteile vor allem eines mit sich bringt: Stigmatisierung, Diskriminierung und gesellschaftliche Ausgrenzung der Menschen, die sie nutzen m\u00fcssen. Aus unserer Sicht enth\u00e4lt sie diskriminierende Elemente und schr\u00e4nkt die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen ein. Au\u00dferdem sendet sie ein politisch falsches Signal der Ausgrenzung statt der vielbeschworenen Integration. Zugleich erkennen wir an, dass die Einf\u00fchrung der Bezahlkarte als Regelzahlungsmittel auf rechtlichen Vorgaben des Landes Baden-W\u00fcrttemberg beruht und die Stadt Mannheim somit verpflichtet ist, diesen Vorgaben nachzukommen. Um politisch ein Zeichen zu setzen, w\u00fcrden wir es jedoch sehr begr\u00fc\u00dfen, wenn Mannheim sich (analog zu Heidelberg) bei der Landesregierung daf\u00fcr einsetzen w\u00fcrde, den Kommunen \u00fcber die sogenannte \u201eOpt-OutRegelung\u201c die Freiheit zu gew\u00e4hren, sich (auch nachtr\u00e4glich noch) gegen die Einf\u00fchrung der Bezahlkarte zu entscheiden \u2013 auch wenn dies zun\u00e4chst aussichtslos und nicht mehr als ein symbolischer Akt erscheinen mag. Die Einf\u00fchrung der Bezahlkarte ist in Mannheim f\u00fcr August\/September geplant. In der Informationsvorlage zur konkreten Ausgestaltung und Funktion der Bezahlkarte wird an vielen Stellen deutlich, dass die Stadtverwaltung im Rahmen der verpflichtenden Vorgaben bestrebt<br \/>ist, der Bitte um eine m\u00f6glichst faire, diskriminierungsarme, menschenw\u00fcrdige und integrationsf\u00f6rdernde Umsetzung, die von vielen Akteur*innen in der Stadt ge\u00e4u\u00dfert wurde, nachzukommen. Wir begr\u00fc\u00dfen dabei u. a. folgende Aspekte:<br \/>\u2022 Neutrale Gestaltung der Karte: sog. \u201eVisa-Debitkarte\u201c mit PIN-Funktion<br \/>\u2022 Alltagstauglichkeit: keine regionale oder branchenspezifische Beschr\u00e4nkung<br \/>\u2022 M\u00f6glichkeit der ad-hoc-Aufladung in Notf\u00e4llen und bei akuter Mittellosigkeit<br \/>\u2022 Datenschutz: keine technische M\u00f6glichkeit zur Einsichtnahme des Kontostandes durch<br \/>die Leistungsbeh\u00f6rden<br \/>Dennoch bleibt eine (sicherlich nicht abschlie\u00dfende) Reihe an offenen Fragen und kritischen Punkten, die uns an der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung der Bezahlkarte festhalten lassen und die<br \/>in der weiteren Debatte Ber\u00fccksichtigung finden sollten:<br \/>\u2022 Alltagstauglichkeit: Nicht alle H\u00e4ndler*innen akzeptieren VISA-Zahlungskarten.<br \/>\u2022 Sind mit der Bezahlkarte auch ohne weiteres Online-Zahlungen m\u00f6glich?<br \/>\u2022 Zusatzkosten: Das an Geldautomaten in der Regel f\u00e4llige Entgelt bei einer<br \/>Bargeldabhebung stellt eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung f\u00fcr die Betroffenen<br \/>dar. Auch die M\u00f6glichkeit, bei H\u00e4ndler*innen kostenlos Bargeld abheben zu k\u00f6nnen,<br \/>kann an einen Einkauf mit Mindesteinkaufswert gekn\u00fcpft sein.<br \/>\u2022 Erh\u00f6hter Verwaltungsaufwand (und Kontrolle): F\u00fcr \u00dcberweisungen an Dritte ist eine<br \/>Pr\u00fcfung und Freischaltung einzelner IBANs notwendig.<br \/>\u2022 Ad-hoc-Aufladung in Notf\u00e4llen und bei akuter Mittellosigkeit: Wie ist dies au\u00dferhalb der<br \/>regul\u00e4ren Arbeitszeiten der Verwaltung gew\u00e4hrleistet?<br \/>\u2022 Beschr\u00e4nkung auf 50 Euro Bargeld monatlich (bundesweite Rahmenvorgabe):<br \/>Inwieweit hat die Kommune hier Entscheidungsspielraum was den Betrag betrifft?<br \/>\u2022 Individuelle Bedarfsanpassung bzw. H\u00e4rtefallregelungen: Ist eine einzelfallbasierte<br \/>Erweiterung der Nutzungsfreiheit aus gesundheitlichen, famili\u00e4ren oder beruflichen<br \/>Gr\u00fcnden m\u00f6glich?<br \/>\u2022 Mehrsprachige Information und technische Begleitung: Werden den Betroffenen mehrsprachige Informationen zur Kartenverwendung zur Verf\u00fcgung gestellt? Inwieweit wird hier mit Beratungsstellen, Wohlfahrtsverb\u00e4nden oder weiteren Akteur*innen bzw.<\/p>\n<p>Initiativen der Gefl\u00fcchtetenhilfe zusammengearbeitet?<br \/>\u2022 Evaluation &amp; Nachsteuerung: Ist eine kritische Begleitung und Evaluation der Karteneinf\u00fchrung im Hinblick auf die Auswirkungen auf Teilhabe und Integration geplant (z. B. nach 12 Monaten)? Falls ja, sollte diese unter Einbezug von Betroffenen, Fachorganisationen sowie zivilgesellschaftlichen Akteur*innen\/Initiativen erfolgen. Vertrauen, reale Teilhabem\u00f6glichkeiten und eine w\u00fcrdevolle Behandlung sind grundlegende Voraussetzungen f\u00fcr gelingende Integrationsprozesse und ein solidarisches Miteinander. Wenn diese Prinzipien durch technokratische Einschr\u00e4nkungen und ein Klima institutionellen Misstrauens untergraben werden, drohen Integrationsprozesse nicht nur ins Stocken zu geraten, sondern dauerhaft geschw\u00e4cht zu werden. Eine angestrebte Reduktion b\u00fcrokratischer Aufw\u00e4nde darf nicht zu Lasten gefl\u00fcchteter Menschen gehen. Kurzfristige Vereinfachungen im Verwaltungsapparat k\u00f6nnen langfristig erhebliche soziale und \u00f6konomische Folgekosten verursachen \u2013 insbesondere dann, wenn sie die gesellschaftliche Teilhabe einschr\u00e4nken oder soziale Ausgrenzung beg\u00fcnstigen. Hinter dem Begriff \u201eSozialleistungsempf\u00e4nger*innen\u201c stehen Menschen mit individuellen Geschichten, oft gepr\u00e4gt von Vertreibung, Krieg und existenzieller Not. Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar \u2013 doch ob diese W\u00fcrde auch erfahrbar ist, h\u00e4ngt wesentlich davon ab, ob gesellschaftliche Teilhabe erm\u00f6glicht oder erschwert wird. Als politische Interessensvertretung aller Mannheimer*innen mit Migrationsbiografie appellieren wir daher an alle Verantwortlichen, dies bei der Einf\u00fchrung der Bezahlkarte stets im Blick zu behalten und eine m\u00f6glichst faire, diskriminierungsarme, menschenw\u00fcrdige und integrationsf\u00f6rdernde Umsetzung sicherzustellen.<\/p>\n<p>Quelle: Gesch\u00e4ftsstelle des Migrationsbeirates<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mannheim \/ Metropolregion Rhein-Neckar(red\/ak) \u2013 Nachdem der gesetzliche Rahmen auf Bundesebene daf\u00fcr geschaffen wurde, wird die Bezahlkarte f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":214331,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1845],"tags":[5587,66417,1634,1743,3364,17421,29,10522,68846,9048,548,663,3934,68947,68948,26064,30,13,2476,259,3659,1563,1236,11532,68949,2096,9834,25488,25489,14,14480,15,2124,6989,5206,28951,12,3041,64611,7557,7556,39146,1106,17075,68950,24447],"class_list":{"0":"post-214330","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mannheim","8":"tag-baden","9":"tag-baden-wu00fcrttemberg","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-datenschutz","12":"tag-de","13":"tag-debatte","14":"tag-deutschland","15":"tag-einkauf","16":"tag-einschru00e4nkungen","17":"tag-erweiterung","18":"tag-eu","19":"tag-europa","20":"tag-europe","21":"tag-evaluation","22":"tag-funktion","23":"tag-gemeinderat","24":"tag-germany","25":"tag-headlines","26":"tag-heidelberg","27":"tag-informationen","28":"tag-integration","29":"tag-klima","30":"tag-kommunen","31":"tag-kontrolle","32":"tag-landes-baden-wu00fcrttemberg","33":"tag-mannheim","34":"tag-menschen","35":"tag-metropolregion","36":"tag-metropolregion-rhein-neckar","37":"tag-nachrichten","38":"tag-neckar","39":"tag-news","40":"tag-ob","41":"tag-online","42":"tag-rhein","43":"tag-rhein-neckar","44":"tag-schlagzeilen","45":"tag-stadt","46":"tag-stadt-mannheim","47":"tag-stadtverwaltung","48":"tag-teilhabe","49":"tag-thema","50":"tag-umsetzung","51":"tag-verwaltung","52":"tag-zahlungen","53":"tag-zeichen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/214330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=214330"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/214330\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/214331"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=214330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=214330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=214330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}