{"id":21446,"date":"2025-04-10T17:54:08","date_gmt":"2025-04-10T17:54:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21446\/"},"modified":"2025-04-10T17:54:08","modified_gmt":"2025-04-10T17:54:08","slug":"schaedlich-wie-15-zigaretten-taeglich-warum-stuttgart-die-einsamkeit-bekaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21446\/","title":{"rendered":"Sch\u00e4dlich wie 15 Zigaretten t\u00e4glich: Warum Stuttgart die Einsamkeit bek\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stuttgart.<\/strong> Allein in Stuttgart sind 58.000 Menschen von Einsamkeit betroffen. Das entspricht 11,6 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Alle zwei Jahre erhebt die Landeshauptstadt \u00fcber eine B\u00fcrgerumfrage die Lebenssituation ihrer Einwohner. Und das aus triftigem Grund: Einsamkeit hat weitrechende Folgen f\u00fcr die psychische und physische Gesundheit. Wer chronisch einsam ist, hat ein erh\u00f6htes Risiko etwa f\u00fcr Bluthochdruck, Angstst\u00f6rungen und Depressionen. Studien zeigen, dass Einsamkeit ebenso gesundheitssch\u00e4dlich ist wie der Konsum von 15 Zigaretten t\u00e4glich \u2013 und sie ist sogar doppelt so sch\u00e4dlich wie Adipositas.<\/p>\n<p>Betroffen sind vor allem drei Gruppen: Menschen, die in Armut leben, gesundheitlich eingeschr\u00e4nkt sind oder einen Migrationshintergrund haben, erkl\u00e4rt Gabriele Reichhardt von der Strategischen Sozialplanung der Stadt Stuttgart.<\/p>\n<p>Ein gesellschaftliches Problem<\/p>\n<p>Doch Einsamkeit wirkt sich nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich aus. Menschen, die sich dauerhaft isoliert f\u00fchlen, verlieren oft das Vertrauen in staatliche Institutionen und beteiligen sich seltener am politischen Leben. Die Stadt Stuttgart war 2022 die erste Kommune bundesweit, die eine eigene Strategie gegen Einsamkeit entwickelte \u2013 dank der Unterst\u00fctzung des Gemeinderats. \u201eEin Ansatz bestand darin, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und st\u00e4rker auf das Thema Einsamkeit auszurichten\u201c, sagt Reichhardt. Dabei setzt die Stadt auf bestehende soziale, sportliche und kulturelle Strukturen.<\/p>\n<p>Seitdem ist ein Netzwerk aus unterschiedlichen Akteuren entstanden. Wichtig sei, so Reichhardt, einsame Menschen zu erreichen, \u00fcber Nachbarn oder zum Beispiel \u00fcber aufmerksames Personal in Apotheken, im Supermarkt oder beim B\u00e4cker. Begegnung soll vor allem dort stattfinden, wo Menschen ohnehin leben: im Wohnumfeld. Kirchen und andere Einrichtungen k\u00f6nnten R\u00e4ume f\u00fcr solche Angebote bereitstellen.<\/p>\n<p>Den Auftakt der Initiative bildete 2022 ein Treffen aller beteiligten Organisationen. Bei der zweiten Stuttgarter Konferenz gegen Einsamkeit, die am Mittwoch im Rathaus stattfand, r\u00fcckten die gesellschaftlichen Folgen noch st\u00e4rker in den Fokus. Denn Studien belegen, dass soziale Isolation nicht nur das Wohlbefinden mindert, sondern auch das Vertrauen in demokratische Strukturen schw\u00e4cht. Besonders besorgniserregend: Einsame Menschen k\u00f6nnen anf\u00e4lliger f\u00fcr Verschw\u00f6rungsideologien und antidemokratische Tendenzen sein \u2013 darauf weist auch die <a data-mce-href=\"https:\/\/www.stuttgart.de\/leben\/soziales\/gemeinsam-gegen-einsamkeit\/\" href=\"https:\/\/www.stuttgart.de\/leben\/soziales\/gemeinsam-gegen-einsamkeit\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Kampagnenseite der Stadt<\/a> hin.<\/p>\n<p>Wie erreicht man die Unerreichbaren?<\/p>\n<p>Der Soziologe Rainald Manthe hob in seiner Keynote hervor, wie wichtig allt\u00e4gliche Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und Bildungshintergr\u00fcnde sind. Solche Kontakte irritieren oft die eigene Erwartung, weil Klischees dabei oft nicht best\u00e4tigt werden. Das wiederum f\u00f6rdere ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr andere.\u00a0<\/p>\n<p>Gleichzeitig betonte er, dass sich viele Menschen in der modernen Gesellschaft zunehmend in homogenen Gruppen bewegen. In der Folge gebe es viele Menschen, die sich aus dem \u00f6ffentlichen Leben zur\u00fcckgezogen h\u00e4tten. Dieses \u201eunsichtbare Drittel\u201c, so der Soziologe und Buchautor, habe nur ein sehr geringes Vertrauen in staatliche Institutionen und Medien. Um dieser Vereinzelung etwas entgegenzusetzen, brauche es Orte der Begegnung, etwa multifunktionale Pl\u00e4tze.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Lokale L\u00f6sungen im Quartier \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Wie einsame Menschen konkret erreicht werden k\u00f6nnen, diskutierten f\u00fcnf Fachforen am Vormittag der Konferenz. Gabriele Reichhardt betonte die Rolle von Multiplikatoren wie Nachbarn und sozial engagierten Personen vor Ort. Ziel sei es, bestehende Angebote besser zu vernetzen und die quartiersbezogene Arbeit auszubauen.<\/p>\n<p><strong>Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Bundesfamilienministerium arbeitet seit 2022 an der Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit, die Ende 2023 beschlossen wurde und Ma\u00dfnahmen zur Linderung und Pr\u00e4vention von Einsamkeit enth\u00e4lt. Im Jahr 2021 konnte nach Daten des sozio-\u00f6konomischen Panels bei 11,3 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung ab 18 Jahren in Deutschland eine erh\u00f6hte Einsamkeitsbelastung festgestellt werden. Sie waren also h\u00e4ufiger als manchmal einsam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart. Allein in Stuttgart sind 58.000 Menschen von Einsamkeit betroffen. Das entspricht 11,6 Prozent der Bev\u00f6lkerung. 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