{"id":21582,"date":"2025-04-10T19:08:24","date_gmt":"2025-04-10T19:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21582\/"},"modified":"2025-04-10T19:08:24","modified_gmt":"2025-04-10T19:08:24","slug":"markus-soeder-ich-esse-lieber-bayerische-schweinshaxe-als-irgendeine-kroete-aus-berlin-sagt-der-csu-chef","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/21582\/","title":{"rendered":"Markus S\u00f6der: \u201eIch esse lieber bayerische Schweinshaxe als irgendeine Kr\u00f6te aus Berlin\u201c, sagt der CSU-Chef"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als CSU-Chef hat der bayerische Ministerpr\u00e4sident den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255906520\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255906520&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD<\/a> ma\u00dfgeblich mitverhandelt. Seine Partei wird k\u00fcnftig mit drei Ministern in der Bundesregierung vertreten sein. Im WELT TALK SPEZIAL stellte sich S\u00f6der nach der Vorstellung des Koalitionsvertrags den Fragen von WELT Chefredakteur Jan Philipp Burgard.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Herr S\u00f6der, Sie haben heute geradezu liebevoll \u00fcber den Koalitionsvertrag gesprochen und gesagt, Sie h\u00e4tten um jedes Komma gerungen. Was ist Ihr Lieblingssatz in diesem Koalitionsvertrag? <\/p>\n<p><b>Markus S\u00f6der:<\/b> Es gibt nicht einen Lieblingssatz, das gesamte Bild z\u00e4hlt. Wir haben eine schwierige Stimmungslage im Land. Wir haben Stagnation \u2013 wirtschaftlich, Rezession. Wir haben teilweise auch eine politische Depression. Und wir werden vom Osten milit\u00e4risch herausgefordert. Und im Westen, jahrzehntelang haben wir auf die USA vertraut, ich glaube, das kann man nicht mehr so sehen. Und in dieser Phase haben viele gefragt, kriegen die was hin? Schaffen die es tats\u00e4chlich, das zu tun, was f\u00fcr das Land notwendig ist? Und wenn Sie jetzt mal schauen: F\u00fcr die zwei zentralen Aufgaben, n\u00e4mlich f\u00fcr die St\u00e4rkung der Wirtschaft und die Bek\u00e4mpfung der illegalen Migration, denke ich, haben wir ganz gro\u00dfe wirksame Pakete auf den Weg gebracht. Von Parteien, die eigentlich nicht sehr nah beieinander sind. Aber es hat sich vieles von dem durchgesetzt, was wir uns vorgestellt haben. Und deswegen bin ich eigentlich sehr zufrieden. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> \u00dcber Wirtschaft und Migration wollen wir gleich noch im Detail sprechen. Aber was war denn die gr\u00f6\u00dfte Kr\u00f6te, die Sie schlucken mussten? F\u00fcr Sie pers\u00f6nlich? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ich finde gar nicht so viele Kr\u00f6ten, die es da gibt. Ich mag ja auch keine Kr\u00f6ten, also schlucke ich die auch per se nicht. Ich esse lieber bayerische Schweinshaxe als irgendeine Kr\u00f6te aus Berlin. Nein, nat\u00fcrlich musst du dich erst mal ann\u00e4hern. Und manchmal ist auch das Grundverst\u00e4ndnis von Politik ein anderes. Aber mein Gef\u00fchl war, dass die SPD sehr willens war, was zu tun, auch sehr konstruktiv war.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Sie hat ja auch eine Menge bekommen daf\u00fcr. <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ja, aber schauen Sie, wir wollen ja eine Partnerschaft haben, die Erfolg hat. Uns bringt ja nichts, wenn man st\u00e4ndig versucht, jemanden mit seiner Meinung zu dominieren. Sie wissen es aus einer privaten Partnerschaft: Man hat ja subjektiv das Gef\u00fchl, man hat immer recht. Aber ich nehme an, das ist bei Ihnen wie bei allen anderen M\u00e4nnern: Sie setzen sich auch nur bedingt durch. Obwohl Sie glauben, Sie haben gute Argumente. Und am Ende geht es nur erfolgreich f\u00fcr das Land, wenn wir das Gegenteil der Ampel sind. Die Ampel, das war: Jeder versucht, seine Idee maximal durchzusetzen. Mit dem Ergebnis, dass gar nichts kommt. Und das, was wir jetzt haben, der Bayer w\u00fcrde sagen: \u201ePasst schon, damit kann man arbeiten.\u201c<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Heute hat in einer bundesweiten Umfrage zum ersten Mal die AfD die Union \u00fcberholt. Steht irgendwas in diesem Koalitionsvertrag, was diese Entwicklung aufhalten kann?<\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Zwei zentrale Dinge. Das eine ist die Begrenzung der Migration. Das ist jetzt wieder ein Zur\u00fcck, wie es fr\u00fcher war. Das ist nicht mehr die Zeit damals, als Angela Merkel die Regeln ver\u00e4ndert hat, das kann man, glaube ich, schon so sagen. Wir haben Zur\u00fcckweisung an der Grenze. Wir haben Abschieben von Straft\u00e4tern, auch nach Afghanistan und Syrien. Wir haben Aussetzung des Familiennachzugs. Wir haben \u2013 was ganz wichtig ist \u2013 eine Beendigung dieser <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus255868316\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus255868316&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fl\u00fcge aus Afghanistan<\/a>. Ihr habt ja oft auch, wie ich finde, sehr richtig dar\u00fcber berichtet. Das sind ganz klare Bereiche. Wir haben das Staatsb\u00fcrgerschaftsrecht wieder ver\u00e4ndert, die Turbostaatsb\u00fcrgerschaft ver\u00e4ndert. Menschen aus der Ukraine, die neu nach Deutschland kommen, werden k\u00fcnftig nicht mehr B\u00fcrgergeld bekommen. Und die Bezahlkarte, das ist auch so eine Geschichte, die ich nie verstanden habe. Wir in Bayern haben sie seit einem Jahr, um den sozialen Anreiz, nach Deutschland zu kommen, zu reduzieren. L\u00e4nder wie Schleswig-Holstein schaffen es in diesem Jahr nicht mal. Also das wird massiv angegangen. Und NGOs und Parteien wie die Gr\u00fcnen, die versuchen, das zu unterbinden, das wird verhindert. Das Thema Migration, das ist wirklich tough. Und da bin ich der SPD auch sehr dankbar, dass sie den Weg mitgeht.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Sie haben als allerersten Punkt die Zur\u00fcckweisung an den Grenzen genannt. Friedrich Merz hat versprochen, dass er das ab dem ersten Tag seiner Kanzlerschaft tun wird. Ist das realistisch? Wird er das tun?<\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ja. Da werden die Grenzkontrollen massiv ausgebaut. Er ist jetzt bereits in Gespr\u00e4chen mit unseren Partnern, mit Polen, mit Tschechien, mit \u00d6sterreich. Und ich bin ganz sicher, dass wir da eine hervorragende L\u00f6sung finden. Das Interesse ist \u00fcberall das gleiche in Europa. Und man darf nicht vergessen, bei der Ampel war es so: Das waren schon im Wesentlichen die Gr\u00fcnen. Die Gr\u00fcnen waren bei der ganzen Migration eigentlich von einer ganz anderen Welt auskommend. Und sie haben sich auch nicht ver\u00e4ndert. Es wurde zwar immer offen gesagt, man sei daf\u00fcr. Aber schauen Sie nach dem schlimmen Attentat in Aschaffenburg war ich entsetzt damals, dass beim Parteitag der Gr\u00fcnen als Reaktion auf Aschaffenburg, zumindest zeitlich, eine Ausweitung der Migration sogar beschlossen wurde. Und da hat man bei der SPD gesp\u00fcrt, da ist eine ganz andere Philosophie dahinter.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Weil Sie gerade die Nachbarl\u00e4nder angesprochen haben wie Polen. Im Koalitionsvertrag hei\u00dft es, dass Zur\u00fcckweisungen an den Grenzen mit den Nachbarstaaten abgestimmt werden sollen. M\u00fcssen die Nachbarstaaten also zwingend zustimmen? Oder kann man im Notfall einfach nur informieren? Wie ist das zu interpretieren?<\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ich glaube, dass ist das Ziel eines neuen Bundeskanzlers, der Europa wieder neue F\u00fchrung gibt. Die Signale, die wir gesendet haben, werden positiv aufgenommen, von den M\u00e4rkten \u00fcbrigens auch. Aber auch in Europa, vom Ausland. Unsere europ\u00e4ischen Partner, unsere Grenznachbarn, sind nahezu alle in derselben Parteienfamilie, der Europ\u00e4ischen Volkspartei. Und deswegen, glaube ich, wird es kooperativ zusammengehen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Aber was hei\u00dft kooperativ? M\u00fcssen die de facto richtig zustimmen? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Das Ergebnis muss z\u00e4hlen und es wird stimmen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Sprechen wir \u00fcber das zweite gro\u00dfe Thema, das die Menschen in Deutschland bewegt, Wirtschaft. Wir befinden uns im dritten Jahr in Folge in der Rezession, das gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie. Sie haben eine echte Wirtschaftswende versprochen. Aber als wichtigste Ma\u00dfnahme, die heute verk\u00fcndet wurde, steht vor allem die Absenkung der K\u00f6rperschaftssteuer um einen Prozentpunkt pro Jahr jetzt fest \u2013 erst ab 2028. Warum nicht sofort? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Es passiert sofort was. Erstens, die Energiepreise werden umgehend gesenkt. Zentrales Thema f\u00fcr die gesamte Industrie. Denken Sie an die chemische Industrie, denken Sie an den Automobil-, aber auch an den gro\u00dfen Sektor Maschinenbau. Alles, was energieintensiv ist. Wir haben einen doppelt so hohen Strompreis f\u00fcr die Industrie wie in Frankreich. Und Achtung, zehnfach so hoch wie in den USA. Das geht massiv runter, erstens. Zweitens, wir beginnen mit massiven Super-Abschreibungen. Das, was die Ampel immer mal gesagt hatte, Christian Lindner, nie gemacht hat. Dreimal nacheinander 30 Prozent, also Abschreibungen auf Investitionen. Das l\u00f6st einen echten Effekt bei den Neuinvestitionen aus. Dann mit der K\u00f6rperschaftssteuer verbunden. \u00dcbrigens wird der Leistungsaspekt betont, dass daneben auch \u00dcberstunden, wer l\u00e4nger arbeitet, steuerfrei sind. Und, dass, was uns auch sehr wichtig ist, keine Steuererh\u00f6hungen stattfinden. Sie wissen, dass die Debatte eine andere war. Viele haben gesagt, die Union wird dann Steuererh\u00f6hungen machen. Nichts von all dem, was geschrieben wurde, ist gekommen. Und deswegen, ja, es gibt Steuersenkungen. Auch f\u00fcr die Einkommensteuer St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Und ich stehe dazu: Die Pendlerpauschale wird erh\u00f6ht. Das ist f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum gut. Und f\u00fcr Bereiche wie Tourismus, Gastronomie und f\u00fcr die Landwirtschaft gibt es auch Steuersenkungen.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Sie haben im Wahlkampf zwei Prozent Wirtschaftswachstum versprochen. Angesichts des Zollkriegs, den Trump angezettelt hat, sind zwei Prozent Wirtschaftswachstum \u00fcberhaupt noch realistisch? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Sie haben recht, das wird jetzt noch mal schwieriger. Aber ich w\u00fcrde mal sagen, wir starten einen Aufholplan. Also das ist ein Aufholplan, weil wir kommen ja von einem sehr schlechten Ergebnis. Ich habe mich jetzt auch gewundert, ich habe beim Parteitag der Gr\u00fcnen, der am Wochenende war \u2013 das war ja noch mal so ein Stuhlkreis \u2013 da habe ich eine Rede geh\u00f6rt und ich habe auch den alten Wirtschaftsminister noch geh\u00f6rt, bei einer Handwerksmesse, dass alle falsch liegen, nur er hat recht. Wir werden das widerlegen. Zum Beispiel beim Thema Sparen. Schauen Sie, wir haben das Heizgesetz, das wird ersetzt durch was Besseres, Effizienteres. Das B\u00fcrgergeld wird abgeschafft und ersetzt durch was Billigeres, Effizienteres. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Aber wird es wirklich billiger? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ja, davon gehe ich fest aus. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Ist das nicht nur kosmetisch? Es hei\u00dft nicht mehr B\u00fcrgergeld, sondern Grundsicherung und dann werden die Sanktionen ein bisschen versch\u00e4rft. Was \u00e4ndert sich wirklich beim B\u00fcrgergeld? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Ja, die Sanktionen sind das zentrale Element. \u00dcbrigens auch die Tatsache, dass neue ankommende Ukrainer aus dem B\u00fcrgergeld rausfallen. Das Ganze verbindet sich ja noch mit einer Entb\u00fcrokratisierungsoffensive, bei der ich zugebe, dass ich am Anfang nicht sicher war, ob sie uns gelingt. Weil normalerweise schreibt man dann rein: \u201eB\u00fcrokratie ist abgebaut.\u201c Sie kennen das.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Ganz kurz noch zum B\u00fcrgergeld: K\u00f6nnen Sie beziffern, wie viel man da sparen wird, wie viele Milliarden?<\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Das wird man sehen. Wir wollen Etliches sparen. Wir haben auch gesagt, wir geben jetzt nicht einfach nur das Sonderverm\u00f6gen aus. \u00dcbrigens, die Zahlen, die genannt wurden, so von einer Billion, das war aus der AfD heraus, das ist Quatsch. Wir werden in den n\u00e4chsten vier Jahren aus dem Sonderverm\u00f6gen, was so ungef\u00e4hr wie so ein gro\u00dfer Schutzschirm ist, maximal 150 Millionen ausgeben. Das ist aber f\u00fcr Investitionen in Infrastruktur und Technologie. Daneben muss aber konsolidiert werden und auch kr\u00e4ftig gespart werden. Ich habe einige der Themen genannt, wo gespart werden muss, auch beim Staat selbst, also Beamtenstellen und \u00c4hnliches mehr.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Warum macht man dann ein neues Ministerium, das Digitalministerium? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Weil wir da Nachholbedarf in Deutschland haben. Das ist auch erkennbar. Wir haben in dem Bereich Technologie zwei Neuaufstellungen gemacht. Einerseits Digitalisierung, um die ganzen digitalen Prozesse im Staat zu verbessern, das ist die Hauptaufgabe. Und das Zweite, das besetzt jetzt k\u00fcnftig die CSU. Wir haben dieses etwas Mischmasch-Ministerium, Forschung, ein bisschen schulische Bildung, das haben wir jetzt ver\u00e4ndert. Das ist jetzt ein reines Ministerium f\u00fcr Forschung, f\u00fcr Technologie und auch f\u00fcr die modernen Dinge wie Raumfahrt, KI, Quantencomputing. Also das, wo Deutschland auch gegen\u00fcber den USA aufholen muss. Und das, glaube ich, passt auch \u00fcbrigens ganz gut zur CSU, weil wir das in Bayern ja alles machen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Trump verspottet die, man kann fast sagen, Opfer seiner Zollpolitik, weil die ihn alle anrufen. Er hat heute w\u00f6rtlich gesagt, ich zitiere: \u201eDie k\u00fcssen mir alle den Hintern.\u201c Muss man das tun? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Eine sehr unangenehme Vorstellung, w\u00fcrde ich jetzt mal sagen. Ich habe so das Gef\u00fchl, wissen Sie, wenn man besonders laut argumentiert, ist man manchmal nicht so richtig sicher in seiner Argumentation. Und wenn Sie so ein bisschen sp\u00fcren, wie in Amerika auch die B\u00f6rse reagiert. Ich habe immer geh\u00f6rt in Amerika, dass Trump seinen Erfolg durch zwei Gruppen hatte. Das eine waren die wirklichen Hardcore-Fans. Aber viele haben gesagt, der kann einfach Wirtschaft. Und dieser Glaube, ob er einfach Wirtschaft kann, der, glaube ich, wackelt. Banales Beispiel: Letztens hat jemand erz\u00e4hlt, den ich gut kenne, der aus einem der klassischen Fly-over-States kommt, sehr landwirtschaftlich gepr\u00e4gt: Es gibt eine gro\u00dfe Ver\u00e4rgerung \u00fcber die K\u00fcrzung dieser Entwicklungshilfe-Programme. Die Amerikaner waren ja immer viel cleverer als wir. Wir haben irgendwo Brunnen gebaut, wo man sich fragt: \u201eBringt das was?\u201c Radwege gebaut, wo kein deutsches Rad f\u00e4hrt. Irgendwo in S\u00fcdamerika. Die Amerikaner haben ihre Programme immer gekoppelt mit Eigeninteressen. Mit der massiven Reduktion und dem Austrocknen dieser ganzen Ern\u00e4hrungsprogramme ist f\u00fcr die amerikanischen Farmer pl\u00f6tzlich ein Verlust da. Und wie in dem alten Wall-Street-Film, wo Gordon Gekko sagt: \u201eBuddy, das Schlimmste, was mir den Tag verleitet, sind Verluste.\u201c Mal gespannt, wie das in Amerika weitergeht. Ich glaube n\u00e4mlich, dass die Verluste in Amerika auch hoch sein werden. Trotzdem, cool bleiben, unsere Sachen machen, unsere Interessen vertreten und sich auch nicht provozieren lassen.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Kommen wir von Amerika zur\u00fcck nach Deutschland. Viele Beobachter sagen ja, die SPD habe die Verhandlungen gewonnen, obwohl sie das schlechteste Wahlergebnis hatte seit 138 Jahren. Das kann man unter anderem daran ablesen, dass ja drei zentrale Ministerien an die SPD gegangen sind, Verteidigung, Finanzen und das Justizministerium. Die haben alle sehr viel Gestaltungsspielraum. Warum hat sich die Union da so unter Wert verkauft? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Also erst einmal, ich frage mich, wie man auf die Idee kommen kann, dass da jemand dominiert hat. \u00dcbrigens finde ich das auch mal, ich habe es Ihnen vorhin schon erl\u00e4utert, eine etwas ungl\u00fcckliche Formulierung. Denn wenn ich noch ein anderes Thema wie die B\u00fcrokratie anschaue, also nicht nur das B\u00fcrgergeld. Das Heizungsgesetz ist weg, das Lieferkettengesetz ist weg. Doku-Pflichten, Bonpflicht \u2013 das ist eine kleine Sache, die aber unheimlich vielen Menschen auf den Zeiger geht. Bei der EU wird sehr klar Position bezogen. Beim Auto ist man technologieoffen, nicht mehr verbrenner-feindlich, wie das in der alten Ampel war. Also ich finde, das ist schon sehr ordentlich als Ergebnis f\u00fcr jemanden, jetzt auch wenn man so vom B\u00fcrgerlichen her denkt, so von den Ressorts. Es ist halt so, nochmal, wir haben halt nicht die absolute Mehrheit erzielt, also wird man reden m\u00fcssen. Allerdings w\u00fcrde ich mal sagen, das Wirtschaftsministerium, das Innenressort, das Ausw\u00e4rtige Amt, das Gesundheitsressort, das \u00fcbrigens im Vergleich zum Sozialressort wahrscheinlich viel spannender und wichtiger sein wird, weil da zwei der drei gro\u00dfen sozialen Sicherungssysteme sind, das schwer investive Verkehrsressort, wenn ich f\u00fcr CSU sprechen darf, Hightech und Heimat, also Heimat, l\u00e4ndlicher Raum. Und Hightech, das zentrale Hightech-Ministerium Deutschlands, da ist f\u00fcr alle viel Gestaltungsspielraum. Am Ende geht es \u00fcbrigens nur gemeinsam. Nochmal, ich fand es an der Ampel so furchtbar, dass da jeder auf eigene Rechnung gearbeitet hat. Und so funktioniert ein Fu\u00dfballteam auch nicht.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Dann sprechen wir ein bisschen \u00fcber die pers\u00f6nlichen Beziehungen. Herr Merz und Herr Klingbeil, die duzen sich jetzt. Sie und Herr Klingbeil hingegen siezen sich noch, obwohl sie beide Bayern-Fans sind. Aber \u00fcberraschenderweise duzen Sie sich schon seit Langem mit Saskia Esken. Wie lange, wenn Sie jetzt Geld wetten m\u00fcssten, wie viel w\u00fcrden Sie darauf wetten, dass diese Koalition in der Konstellation vier Jahre h\u00e4lt? <\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Also ich wette generell nicht. Ja, ich bin keiner, der wettet oder sowas. Also erstmal muss ich sagen, ich hatte auch am Anfang so ein spannendes Gef\u00fchl, wie pl\u00f6tzlich diese z\u00e4rtliche M\u00e4nnerfreundschaft entstanden ist zwischen Lars Klingbeil und Friedrich Merz. \u201eMensch, jetzt duzen die zwei sich\u201c und so weiter. Aber ich freue mich f\u00fcr die beiden, dass es da Vertrauen gibt. Das ist schon sehr wichtig. Saskia Esken kenne ich seit der GroKo. Und ich muss dazu sagen, damals war sie mit Herrn NoWaBo &#8211; Sie erinnern sich noch daran, Norbert Walter-Borjans? Die SPD hat damals ihre Vorsitzenden ja relativ schnell gewechselt, so wie manche Fu\u00dfballvereine ihre Trainer. Und sie blieb aber immer irgendwie da. Und sie war damals, muss ich sagen, deutlich konstruktiver als NoWaBo, den ich als Finanzminister noch kannte. Das war aber alles sehr vern\u00fcnftig. Wie lange es h\u00e4lt? Es muss erfolgreich sein. Wir sind zum Erfolg verdammt. Wenn wir das schlecht machen \u2013 da geht es mir \u00fcbrigens gar nicht um die AfD. Da ist immer zu viel Popanz drum. Sie sehen \u00fcbrigens dort, wo die AfD einen Landrat stellt, passiert \u00fcberhaupt nichts. Die deutsche B\u00fcrokratie bremst auch jeden AfDler aus, keine Chance. Das m\u00fcssen Leute machen, die was davon verstehen, wie man das macht. Aber ich nehme das schon alles wahr. Wir sind verdammt dazu, unserem Volk, unseren Menschen und unserer Wirtschaft eine ganz andere Perspektive zu bringen. Im Grunde geht es darum, dass wir unseren Staat st\u00e4rken, wenn es um innere und \u00e4u\u00dfere Sicherheit geht. Unsere Bundeswehr fit machen, endlich. Und umgekehrt die Finger davon lassen, Menschen erziehen zu wollen, so wie es die Gr\u00fcnen wollten. Oder ihnen st\u00e4ndig Pflichten aufzuerlegen mit B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Wie wollen Sie dazu beitragen, von Bayern aus? Also Merz wird Kanzler, Klingbeil Vizekanzler. Was wird Ihre Rolle sein? Wie sehr werden Sie sich einmischen? Kommen Sie alle zwei Wochen nach Berlin zum Koalitionsausschuss?<\/p>\n<p><b>S\u00f6der:<\/b> Positiv, konstruktiv. Mir geht es nicht darum, der Besserwisser von der Seite zu sein. Oder wie im Fu\u00dfball, der, der hinterher die tollen Ratschl\u00e4ge gibt. Sie kennen das ja. \u201eAh, bei der und der Ecke, h\u00e4tte man vielleicht den Fu\u00df noch ein bisschen links oder rechts schr\u00e4gen m\u00fcssen.\u201c Mein Verst\u00e4ndnis ist nicht, nur Nein zu sagen oder alles besser zu wissen, sondern manchmal auch mitzuhelfen, L\u00f6sungen zu erm\u00f6glichen. Manchmal ist es ja so, wissen Sie, wenn alle im Regierungsalltag drinstecken, sich verk\u00e4mpfen in der Verordnung hier und in dem kleinen Gel\u00e4nde da, ist es gut, ab und zu jemanden zu haben, der von au\u00dfen auf das Ganze blickt. Der sozusagen den Wald erkennt, auch wenn dort viele B\u00e4ume sind, und dann einen Tipp geben kann, mitzuhelfen, dass sich das Ganze in die richtige Richtung bewegt. Das k\u00f6nnte eine Rolle sein.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Herr S\u00f6der, vielen Dank f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als CSU-Chef hat der bayerische Ministerpr\u00e4sident den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ma\u00dfgeblich mitverhandelt. 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