{"id":216138,"date":"2025-06-24T18:05:10","date_gmt":"2025-06-24T18:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/216138\/"},"modified":"2025-06-24T18:05:10","modified_gmt":"2025-06-24T18:05:10","slug":"im-blick-der-spekulanten-tageszeitung-junge-welt-25-06-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/216138\/","title":{"rendered":"Im Blick der Spekulanten, Tageszeitung junge Welt, 25.06.2025"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img210237\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/210237.jpg\" class=\"img-fluid\" alt=\"2023-07-25T103936Z_1534341901_RC2AA2AT5NRP_RTRMADP_3_UKRAINE-CRI\"\/><\/p>\n<p>Investitionen in R\u00fcstungskonzerne wie Rheinmetall versprechen hohe Rendite (Kassel, 25.7.2023)<\/p>\n<p>Globale Anleger ziehen Milliardenbetr\u00e4ge von den US-M\u00e4rkten ab und verlagern sie nach Europa. Laut Daten der Analysefirma EPFR wurden bis Mitte Mai bereits rund 110 Milliarden US-Dollar in europ\u00e4ische Aktienfonds gesteckt \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Zufluss seit 2015. Besonders stark profitieren bislang Deutschland, Spanien und Italien, sie verzeichnen jeweils zweistellige Kursgewinne. \u00dcber die Gr\u00fcnde der Neubewertung internationaler Aktienm\u00e4rkte ist man sich in der deutschen Presse rasch einig geworden: Die Frankfurter B\u00f6rse z\u00e4hle zu den Krisengewinnern \u2013 \u00bbdank US-Pr\u00e4sident Trump\u00ab, melden die S\u00fcddeutsche Zeitung, der Spiegel oder die Stuttgarter Zeitung.<\/p>\n<p>Etliche Anleger versp\u00fcrten den Drang, \u00bbUS-Exposure zu reduzieren und st\u00e4rker zu diversifizieren\u00ab, erkl\u00e4rt Vincenzo Vedda, Global Chief Investment Officer bei DWS, dem Verm\u00f6gensverwalter der Deutschen Bank \u2013 das gelte nicht nur f\u00fcr US-amerikanische oder asiatische Investoren, auch die Europ\u00e4er selbst h\u00e4tten ihren \u00bbHeimatmarkt\u00ab wiederentdeckt. Jahrelang waren europ\u00e4ische Aktien im Vergleich zu US-amerikanischen Anlagen nur wenig rentabel \u2013 der US-Index S&amp;P\u2009500 hatte im letzten Jahrzehnt sein europ\u00e4isches Pendant Euro Stoxx\u2009600 j\u00e4hrlich jeweils um acht Prozentpunkte \u00fcbertroffen. Damit sei w\u00e4hrend der vergangenen Jahre ein \u00dcbergewicht in den USA aufgebaut worden.<\/p>\n<p>Dann kam Trump und mit ihm die Unsicherheit \u2013 aber nicht nur: Aus einer ganzen Reihe von Gr\u00fcnden begann sich Anfang 2025 unter dem Motto \u00bbBuy Europe\u00ab an der B\u00f6rse eine Neuausrichtung abzuzeichnen. Dazu z\u00e4hlen neben der protektionistischen Wende zunehmende Zweifel am KI-Boom in den USA, ausgel\u00f6st durch das chinesische Startup Deep Seek; g\u00fcnstige Einstiegschancen in Europa aufgrund niedriger Bewertungen; Zinssenkungen in der Euro-Zone sowie europ\u00e4ische Unternehmensstrukturen, die mehr Potential f\u00fcr Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen bieten.<\/p>\n<p>Im Januar hatte Deep Seek aufgezeigt, in welchem Ausma\u00df Produkte aus China zur Gefahr f\u00fcr US-amerikanische Techunternehmen werden k\u00f6nnen. Dass es der chinesische KI-Chatbot trotz deutlich geringerem finanziellen Aufwand mit etablierten Modellen wie Chat-GPT aufnehmen konnte, f\u00f6rderte an der B\u00f6rse die Zweifel an den Milliardensummen, die in US-amerikanische Techkonzerne flie\u00dfen. Der Aktienkurs des f\u00fchrenden Chipkonzerns Nvidia brach kurzfristig um ganze 17 Prozent ein. Da erschienen relativ niedrig bewertete, europ\u00e4ische Anlagen verlockend \u2013 auch deshalb, weil die EZB eine deutlich lockerere Zinspolitik f\u00e4hrt als die US-amerikanische Fed.<\/p>\n<p>Seither wenden sich Investoren zunehmend nach Europa, wo mehr Spielraum f\u00fcr strategische Neuausrichtung, Ausgliederung von Gesch\u00e4ftsbereichen, Rationalisierung von Prozessen und Stellenabbau besteht. Bereits im Februar warnte das Beratungsunternehmen Alvarez &amp; Marsal vor dem Erstarken \u00bbaktivistischer Investoren\u00ab in Europa. Insbesondere in Deutschland und der Schweiz liefen Unternehmen Gefahr, zur Steigerung der Renditen zu operativen und strategischen Ver\u00e4nderungen gezwungen zu werden.<\/p>\n<p>Dabei richtet sich der Blick der Spekulanten vor allem auf Industrie, R\u00fcstung und Banken \u2013 ein Fokus, den Deutschland mit seinem gewaltigen Konjunkturpaket nochmals gesch\u00e4rft hat: mit einem Sonderverm\u00f6gen von 500 Milliarden Euro inklusive Klausel, die Milit\u00e4rausgaben \u00fcber einem Prozent des BIP von der Schuldenbremse ausnimmt. Damit wirkt das Paket doppelt: Es setzt sofortige Nachfrageimpulse und signalisiert zugleich eine l\u00e4ngerfristige strategische R\u00fcckendeckung f\u00fcr Europas R\u00fcstungs-, Energie- und Digitalinfrastruktur. Das macht es zum zuverl\u00e4ssigen Anker f\u00fcr europ\u00e4ische Aktien. Dax-Schwergewichte profitieren sp\u00fcrbar von diesem Programm, prim\u00e4r der R\u00fcstungssektor. Rheinmetall hat inzwischen VW in der Marktkapitalisierung \u00fcberholt. Dieser Trend d\u00fcrfte sich verst\u00e4rken. Die j\u00fcngste Festlegung des F\u00fcnfprozentziels der NATO bedeutet weiteren politischen R\u00fcckenwind f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Investitionen in R\u00fcstungskonzerne wie Rheinmetall versprechen hohe Rendite (Kassel, 25.7.2023) Globale Anleger ziehen Milliardenbetr\u00e4ge von den US-M\u00e4rkten ab&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":216139,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,665,227,548,663,158,3934,3935,13,14,15,5694,12],"class_list":{"0":"post-216138","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-boerse","11":"tag-china","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-ruestung","21":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114739670118943157","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216138","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=216138"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216138\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/216139"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=216138"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=216138"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=216138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}