{"id":216807,"date":"2025-06-25T00:12:12","date_gmt":"2025-06-25T00:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/216807\/"},"modified":"2025-06-25T00:12:12","modified_gmt":"2025-06-25T00:12:12","slug":"sabrina-carpenter-provoziert-mit-neuem-cover-darf-sie-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/216807\/","title":{"rendered":"Sabrina Carpenter provoziert mit neuem Cover: Darf sie das?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eEine Falle\u201c (New York Times), \u201eentmenschlichend\u201c (Instagram), ein \u201eentt\u00e4uschender Griff ins Klo\u201c (Watson) &#8211; das Internet und die Medien diskutieren <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DKxDWGBxybt\/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DKxDWGBxybt\/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/DKxDWGBxybt\/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==\">\u00fcber das neue Albumcover von US-Popstar Sabrina Carpenter<\/a>. Darauf kniet die 26-J\u00e4hrige in unterw\u00fcrfiger Pose, kleinem Schwarzen und Stiletto-Heels neben einem Mann, der ihre Haare in der Faust h\u00e4lt. Der Albumtitel: \u201eMan\u2019s Best Friend\u201c, eine Redewendung, die sich normalerweise auf Hunde bezieht. Das Bild schl\u00e4gt ein \u2013 als Schlag ins Gesicht gegen alle Feministinnen, finden die lautesten Stimmen. Als sexpositiver Befreiungsschlag, darauf beharrt eine Minderheit.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Es ist Carpenters siebtes Studioalbum. Die S\u00e4ngerin hat monatlich 70 Millionen Zuh\u00f6rer auf Spotify, ihre Songs \u201eEspresso\u201c und \u201ePlease Please Please\u201c sind auf Tiktok omnipr\u00e4sent und f\u00fchrten bei Erscheinen die weltweiten Charts an. Die Kritik am Cover ihres neuesten Albums \u2013 \u201eMan\u2019s Best Friend\u201c selbst wird erst Ende August erscheinen \u2013 lautet erwartbar: Wof\u00fcr haben Feministinnen jahrzehntelang gek\u00e4mpft, wenn eine der gr\u00f6\u00dften Popikonen sich jetzt wieder als unterw\u00fcrfiges Sexobjekt darstellt?<\/p>\n<p>Carpenter versteht sich als Feministin<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eDas ist keine Satire, das ist keine Selbsterm\u00e4chtigung f\u00fcr Frauen\u201d, befindet ein Instagram-Kommentar mit knapp zehntausend Likes, ein anderer, drei\u00dfigtausend Likes: \u201eAls eine \u00dcberlebende von h\u00e4uslicher Gewalt f\u00fchle ich mich damit unwohl.\u201c Carpenter pr\u00e4sentiere sich f\u00fcr den Male Gaze, den objektifizierenden und sexualisierenden m\u00e4nnlichen Blick, der allzu oft in Film und Popkultur der bestimmende ist. Vergleiche von Frauen mit Hunden z\u00f6gen alle Opfer von tats\u00e4chlicher sexualisierter Gewalt ins L\u00e4cherliche.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Doch Sabrina Carpenter versteht sich als Feministin. In ihrer neuesten Single \u201eManchild\u201c l\u00e4sst sie sich \u00fcber unreife M\u00e4nner aus, singt auch: \u201eI like my men all incompetent\u201c &#8211; \u201eIch mag meine M\u00e4nner unf\u00e4hig\u201c. Im Musikvideo zu ihrem Hit \u201eFeather\u201c sterben mehrere M\u00e4nner, die Carpenter sexualisieren und sich ihr gegen\u00fcber \u00fcbergriffig verhalten, einen blutigen Tod. Und wer in Konzertmitschnitten das vorrangig weibliche Publikum jubeln h\u00f6rt, w\u00e4hrend Carpenter auf der B\u00fchne Sexstellungen nachahmt, wei\u00df: Das macht sie nicht f\u00fcr M\u00e4nner, nicht in erster Linie.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch wenn das Albumcover zu \u201eMan\u2019s Best Friend\u201c eine klare Anspielung an Pornografie ist: Sabrina Carpenter blickt selbstbewusst in die Kamera, sie hat die Situation unter Kontrolle. \u201eSie ist eine erwachsene Frau mit ihren eigenen Vorlieben\u201c, argumentiert ein anderer Kommentar, der allerdings nicht einmal 100 Likes hat.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eGanz offensichtlich ist das Bild eine kalkulierte Provokation\u201c, sagt Theresa Lachner, Sexualberaterin und Gastgeberin des feministischen Sexpodcasts Lvstprinzip. Sie sieht in dem Foto einen jahrzehntealten Trend: \u201eSchon vor mehr als 40 Jahren hat sich Madonna bewusst sexualisiert in Szene gesetzt und dabei selbst objektiviert. Sich selbst so bewusst submissiv zu inszenieren wie jetzt Sabrina Carpenter, ist eine Spielart davon.\u201c Die Macht im Diskurs \u00fcber weibliche Sexualit\u00e4t wieder an sich rei\u00dfen &#8211; das k\u00f6nnte Carpenters Lesart ihrer Aktion sein.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eWas hier eine neue Komponente ist, ist das Augenzwinkern an alle, die zuschauen und sich sch\u00e4men oder \u00e4rgern\u201c, sagt Lachner. \u201eAls wollte sie sagen: ,Du bist nicht sexpositiv genug, um zu kapieren, dass das hier ironisch gemeint ist.\u2019\u201c Lachner sieht in dem Albumcover eher eine plumpe Marketingstrategie als einen feministischen Akt &#8211; \u201eauch wenn Feminismus vor allem hei\u00dft, dass man Frauen nicht vorschreibt, was sie tun d\u00fcrfen und was nicht.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Manchmal habe ich das Gef\u00fchl, bestimmte Dinge muss jede Generation f\u00fcr sich noch einmal von vorne aushandeln.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Theresa Lachner,<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">Sexualberaterin und Podcasterin<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Es ist eine Debatte, die schon in den 70er-Jahren gef\u00fchrt und damals als \u201eSex Wars\u201c bezeichnet wurde: der Kampf gegen die Sexualisierung und Objektifizierung von Frauen, auf den ein Kampf f\u00fcr die vollkommene sexuelle Selbstbestimmung trifft. \u201eFrauen d\u00fcrfen sich nicht unterdr\u00fccken lassen\u201c versus \u201eFrauen d\u00fcrfen alles, was sie wollen.\u201c Sabrina Carpenter m\u00fcsse sich so darstellen d\u00fcrfen, wie sie es m\u00f6chte &#8211; auch daf\u00fcr haben Feministinnen gek\u00e4mpft. Carpenters Albumcover spielt schlie\u00dflich auch mit einem Kink, mit der sexuellen Vorliebe, sich im Bett freiwillig submissiv zu verhalten.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Theresa Lachner, Jahrgang 1986, ist als Feministin mit all diesen Str\u00f6mungen gut vertraut. Keins der Argumente, die jetzt in Bezug auf Sabrina Carpenter kursieren, sei wirklich neu. Aber: \u201eManchmal habe ich das Gef\u00fchl, bestimmte Dinge muss jede Generation f\u00fcr sich noch einmal von vorne aushandeln. Vielleicht ist dieses Albumcover eben das, was gerade verhandelt werden muss. Trotzdem habe ich den Eindruck, der Diskurs lenkt von viel wichtigeren feministischen Debatten ab: \u00dcber die Gender Care Gap, sexualisierte Gewalt, die Mutterschaftsstrafe.\u201d<\/p>\n<p>Kritik auch an deutscher Rapperin Zs\u00e1 Zs\u00e1<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ein gro\u00dfer Teil der Kritik an \u201eMan\u2019s Best Friend\u201c bezieht sich auf Carpenters gro\u00dfe und sehr junge Fangemeinde. Erst vor wenigen Tagen gewann der ehemalige Disney-Kinderstar gleich drei der von einer Kinderjury vergebenen Kids Choice Awards. \u201eKein beeinflussbares junges M\u00e4dchen sollte so etwas sehen\u201c, schreibt eine Instagram-Nutzerin, mehr als 2000 Menschen stimmen ihr zu.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In Deutschland machte j\u00fcngst Rapperin Zs\u00e1 Zs\u00e1 Schlagzeilen in einem \u00e4hnlichen Tonfall. In ihrem Song \u201ebad bunnies\u201c rappte die 29-J\u00e4hrige: \u201eIch find\u2019s \u2019n kleines bisschen hei\u00df, wenn er mir droht.\u201c Nach viel Kritik \u00e4nderte Zs\u00e1 Zs\u00e1 den Text ab, ersetzte \u201edroht\u201c mit \u201echoked\u201c, also \u201ew\u00fcrgt\u201c. Eine sexuelle Vorliebe von vielen Frauen, und damit akzeptabler als eine von m\u00e4nnlicher Macht und \u201eDrohung\u201c gepr\u00e4gte Beziehungsdynamik, befand die Community.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eWir sehen diesen Trend generell in der Popkultur\u201c, sagt Sexualberaterin Lachner. \u201eAuf Tiktok werden Choking, also sexuelles W\u00fcrgen, und andere Praktiken, f\u00fcr die es eigentlich ein Vorgespr\u00e4ch und viel Vertrauen br\u00e4uchte, romantisiert. In der Beratung fragen mich viele \u00fcberforderte M\u00e4nner, wie sie ihre Freundin w\u00fcrgen sollen, ohne dass es f\u00fcr die Partnerin gef\u00e4hrlich wird. Es gibt Studien dar\u00fcber, dass vor allem junge Frauen diese Praktiken einfordern. Das war vor 15 bis 20 Jahren noch anders.\u201c Fest steht laut Lachner aber: \u201eMan kann eben niemals einen einzigen popkulturellen Einfluss f\u00fcr so eine Entwicklung verantwortlich machen.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Um sie auf sexuelle Eindr\u00fccke angemessen vorzubereiten, sollten Eltern ihren Kindern stattdessen fr\u00fch und altersgerecht k\u00f6rperliche Autonomie beibringen. \u201eDie Studienlage zeigt ganz klar, dass aufgekl\u00e4rtere Kinder und Jugendliche besser gesch\u00fctzt vor sexuellen \u00dcbergriffen und ungewollten Schwangerschaften sind. Das rechte Narrativ von der Fr\u00fchsexualisierung, die unseren Kindern schadet, ist nicht wissenschaftlich belegbar.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">W\u00e4hrend die meisten Kommentare und Artikel sich auf die eine oder andere Seite schlagen, schreibt die amerikanische Feministin Jennifer Jasmine White im \u201eGuardian\u201c \u00fcber \u201edie Unm\u00f6glichkeit, \u00fcber Sex und Macht zu sprechen, ohne \u00fcber Kapitalismus zu sprechen\u201c. Sabrina Carpenter hat ohne Zweifel erreicht, was sie mit \u201eMan\u2019s Best Friend\u201c vorhatte: Ihr Instagra-Post hat mehr als achtzigtausend Kommentare, das Zehnfache von deutlich \u00e4lteren Posts. Die Spannung, ob die Lieder auf dem Album in dieselbe Kerbe schlagen werden wie das Cover, ist schon jetzt gro\u00df. Carpenter, die mit ihren Songs Millionen verdient, ist &#8211; wieder mal, immer noch &#8211; in aller Munde.<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eEine Falle\u201c (New York Times), \u201eentmenschlichend\u201c (Instagram), ein \u201eentt\u00e4uschender Griff ins Klo\u201c (Watson) &#8211; das Internet und die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":216808,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-216807","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114741114625325788","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=216807"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216807\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/216808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=216807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=216807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=216807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}