{"id":217539,"date":"2025-06-25T06:54:11","date_gmt":"2025-06-25T06:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/217539\/"},"modified":"2025-06-25T06:54:11","modified_gmt":"2025-06-25T06:54:11","slug":"anthropic-bekommt-in-copyright-frage-teilweise-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/217539\/","title":{"rendered":"Anthropic bekommt in Copyright-Frage teilweise recht"},"content":{"rendered":"<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Ein US-Bundesgericht hat eine wegweisende Entscheidung in einem Copyright-Verfahren gegen den KI-Entwickler Anthropic getroffen. Das Gericht des N\u00f6rdlichen Distrikts von Kalifornien unter Richter William Alsup entschied, dass die Nutzung legal erworbener und digitalisierter B\u00fccher zum Training von Large Language Models (LLM) unter die Fair-Use-Regelung f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Differenzierte Bewertung verschiedener Beschaffungswege<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das Verfahren, das von den Buchautoren Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson angestrengt wurde, behandelte verschiedene Arten der Buchbeschaffung durch Anthropic:<\/p>\n<ul class=\"-mt-1 list-disc space-y-2 pl-8\">\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Legaler Erwerb<\/strong>: Anthropic kaufte Druckausgaben, scannte diese vollst\u00e4ndig ein und vernichtete anschlie\u00dfend die physischen Exemplare<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Illegale Quellen<\/strong>: Das Unternehmen lud \u00fcber sieben Millionen E-Books von Piratenseiten herunter<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Weiterverarbeitung<\/strong>: Aus beiden Quellen erstellte Anthropic zahlreiche Kopien f\u00fcr das Training verschiedener LLM-Systeme<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">W\u00e4hrend das Gericht die Nutzung legal erworbener B\u00fccher als zul\u00e4ssig bewertete, muss sich Anthropic in einem separaten Verfahren f\u00fcr den Download urheberrechtlich gesch\u00fctzter Werke aus illegalen Quellen verantworten.<\/p>\n<p>Fair-Use-Analyse nach vier Faktoren<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das Gericht pr\u00fcfte die Zul\u00e4ssigkeit anhand der etablierten vier Fair-Use-Faktoren:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Zweck der Nutzung<\/strong>: Das Gericht bewertete Anthropics Vorgehen als \u201espektakul\u00e4r transformativ\u201c, da das Ziel nicht die Reproduktion der urspr\u00fcnglichen Werke, sondern die Entwicklung neuer KI-generierter Texte war.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Art der Werke<\/strong>: Dieser Faktor sprach leicht gegen Fair Use, unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um Sachb\u00fccher oder Belletristik handelte.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Umfang der Nutzung<\/strong>: Obwohl Anthropic komplette B\u00fccher verwendete, bewertete das Gericht dies als \u201evern\u00fcnftigerweise notwendig\u201c f\u00fcr das LLM-Training. Die Nutzung hochwertiger Literatur bringe \u201e\u00fcberzeugende Vorteile\u201c mit sich.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Marktauswirkungen<\/strong>: Das Gericht stellte fest, dass das LLM-Training keine direkte Konkurrenz zu den urspr\u00fcnglichen Werken darstellt und somit keine Nachfrage nach den B\u00fcchern verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Grenzen der Entscheidung<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Entscheidung behandelt explizit nicht die Frage, ob KI-generierte Outputs selbst Urheberrechte verletzen k\u00f6nnen. Zudem entwickelte Anthropic Filtersoftware, um die Ausgabe urheberrechtlich gesch\u00fctzter Inhalte zu verhindern \u2013 ein Aspekt, der im aktuellen Verfahren nicht thematisiert wurde.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Richter Alsup betonte in seiner Begr\u00fcndung, dass das Copyright-Gesetz darauf abziele, \u201eden Fortschritt von Wissenschaft und n\u00fctzlicher Kunst zu f\u00f6rdern\u201c und nicht Autoren vor Konkurrenz zu sch\u00fctzen. Er verglich die Situation mit dem Unterricht von Schulkindern im Schreiben, der ebenfalls zu konkurrierenden Werken f\u00fchren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Bedeutung f\u00fcr die KI-Branche<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Entscheidung gilt als erste ihrer Art zugunsten der KI-Industrie in Copyright-Fragen und k\u00f6nnte Pr\u00e4zedenzcharakter f\u00fcr \u00e4hnliche Verfahren haben. Dutzende vergleichbare Klagen gegen KI-Unternehmen sind derzeit in den USA anh\u00e4ngig.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Unterscheidung zwischen legal erworbenen und illegal beschafften Trainingsdaten k\u00f6nnte f\u00fcr andere KI-Entwickler richtungsweisend sein. Auch gegen OpenAI laufen etwa Copyright-Klagen, unter anderem eine der New York Times.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Beide Parteien k\u00f6nnen gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen. Das separate Verfahren bez\u00fcglich der illegal beschafften Inhalte steht noch aus und wird \u00fcber m\u00f6gliche Schadenersatzforderungen entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein US-Bundesgericht hat eine wegweisende Entscheidung in einem Copyright-Verfahren gegen den KI-Entwickler Anthropic getroffen. 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