{"id":218156,"date":"2025-06-25T12:28:12","date_gmt":"2025-06-25T12:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218156\/"},"modified":"2025-06-25T12:28:12","modified_gmt":"2025-06-25T12:28:12","slug":"urteil-im-sommermaerchen-prozess-milde-geldstrafe-harte-abrechnung-mit-dem-dfb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218156\/","title":{"rendered":"Urteil im &#8222;Sommerm\u00e4rchen&#8220;-Prozess: Milde Geldstrafe, harte Abrechnung mit dem DFB"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 25.06.2025 13:41 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der DFB habe das korrupte System der FIFA unterst\u00fctzt, im Bewusstsein einer Straftat die omin\u00f6sen 6,7 Millionen Euro verbucht und anschlie\u00dfend viel Geld verschwendet &#8211; das sagte die Richterin am letzten Tag des &#8222;Sommerm\u00e4rchen&#8220;-Prozesses. Ihre Strafe fiel milde aus.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/sendung\/reporter\/marcus-bark,autor-marcus-bark-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Marcus Bark\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/marcus-bark-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Strafe von 110.000 Euro, die die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler am 34. und letzten Verhandlungstag vor dem Landgericht Frankfurt verh\u00e4ngte, wir der DFB verschmerzen. Distler folgte damit der Sicht der Staatsanwaltschaft, die dem DFB vorwarf, in der Aff\u00e4re um die Fu\u00dfball-WM 2006 Steuern in H\u00f6he von rund 2,7 Millionen Euro hinterzogen zu haben und ein Bu\u00dfgeld von 270.000 Euro gefordert hatte. Das Gericht folgte in seinem Urteil der Ansicht der Anklagebeh\u00f6rde, die in ihrem Pl\u00e4doyer zu Wochenbeginn von einer hohen kriminellen Energie in dem Fall gesprochen hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass der DFB den von seinen Anw\u00e4lten geforderten Freispruch nicht bekam, wird er eingepreist haben nach all dem, was die Strafkammer schon vor dem Urteil bez\u00fcglich der schweren Steuerhinterziehung ausgef\u00fchrt hatte. Insgesamt wurde der DFB sogar zur Zahlung von 130.000 Euro verurteilt. 20.000 Euro wurden dem Verband wegen der &#8222;rechtsstaatwidrigen Verfahrensdauer&#8220; erlassen.<\/p>\n<p>    Einst\u00fcndige Abrechnung mit dem DFB<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSo weit, so verkraftbar f\u00fcr den DFB. Aber die einst\u00fcndige Abrechnung in der Urteilsbegr\u00fcndung, die die Richterin in bewusst leicht verst\u00e4ndlicher Sprache ausf\u00fchrte, die d\u00fcrfte dem gr\u00f6\u00dften Sportfachverband der Welt weh tun und in den Ohren klingen. Distler verschonte nichts und niemanden. &#8222;Katastrophal&#8220; sei die Zusammenarbeit des DFB mit den Ermittlungsbeh\u00f6rden gewesen in einem Verfahren, das zehn Jahre w\u00e4hrte und dem Verband einen &#8222;Imageschaden&#8220; zugef\u00fcgt habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die aktuellen Funktion\u00e4re um den Pr\u00e4sidenten Bernd Neuendorf bekamen ihr Fett weg. So sei keiner von ihnen an einem der 34 Verhandlungstage vor dem Landgericht Frankfurt am Main erschienen um zumindest mal zuzuh\u00f6ren, und sogar bei einer Durchsuchung in der Verbandszentrale sei nur jemand aus der Kommunikationsabteilung anwesend gewesen. &#8222;Den anderen&#8220;, so Distler, sei &#8222;die Pr\u00e4sentation eines neuen Sponsors am selben Tag wohl wichtiger gewesen&#8220;. Sie erlaube sich daher die Frage: &#8222;Nimmt der DFB die Justiz eigentlich ernst.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKeiner der ehemals drei Angeklagten war am Mittwoch (25.06.2025) im Schwurgerichtssaal, als das Urteil gesprochen wurde. Aber die beiden ehemaligen Pr\u00e4sidenten des DFB, Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger, sowie der ehemalige Generalsekret\u00e4r Horst R. Schmidt, bekamen vom Gericht noch einiges hinterher gerufen. Besonders dies: &#8222;Das Verfahren hat gezeigt, wie Fu\u00dfball-Deutschland Teil des Systems FIFA war, und es zumindest in der Vergangenheit aktiv unterst\u00fctzte.&#8220;<\/p>\n<p>DFB l\u00e4sst offen, ob er in Revision geht<\/p>\n<p>            Der DFB kann innerhalb einer Woche gegen das Urteil Revision einzulegen. Das Verfahren w\u00fcrde dann vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landen. In einer Stellungnahme lie\u00df der Verband offen, ob er von dieser M\u00f6glichkeit Gebrauch machen wird. <\/p>\n<p>Richterin Distler machte in Frankfurt deutlich, dass das Urteil auch Auswirkungen auf ein ohnehin anh\u00e4ngiges Verfahren vor dem Finanzgericht in Kassel haben d\u00fcrfte. In diesem Verfahren klagt der DFB gegen die Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit f\u00fcr das Jahr 2006, wegen der schon 22 Millionen Euro an Steuern nachzahlte.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Jahre 2014 und 2015 wurde dem DFB wegen anderer Vorw\u00fcrfe, die noch zu verhandeln sind, die Gemeinn\u00fctzigkeit aberkannt. Im schlechten Fall f\u00fcr den Verband muss er deswegen Steuern in zweistelliger Millionenh\u00f6he nachzahlen.<\/p>\n<p>    Etliche Male ist von &#8222;Schmiergeld&#8220; die Rede<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas System bestand aus Korruption, und Eva-Marie Distler lie\u00df durchklingen, dass dies auch heute noch so sein k\u00f6nnte. Damals jedenfalls &#8211; die f\u00fcr das Verfahren relevanten Vorg\u00e4nge datieren im Wesentlichen aus den Jahren 2000 bis 2007 &#8211; sei Korruption normal gewesen. Daher habe der DFB auf Vermittlung von Franz Beckenbauer auch zehn Millionen Schweizer Franken an eine Firma von Mohamed bin Hammam in dessen Heimat Katar \u00fcberwiesen, um an einen Zuschuss von 170 Millionen Euro zu f\u00fcr die WM 2006 kommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLiebend gern h\u00e4tte das Gericht herausgefunden, was der Funktion\u00e4r des Weltverbandes FIFA mit den zehn Millionen Franken gemacht hat, die samt Zinsen und umgerechnet die omin\u00f6sen 6,7 Millionen Euro ergeben, die den Schatten auf die auch als &#8222;Sommerm\u00e4rchen&#8220; bezeichnete WM 2006 werfen. Etliche mal sprach Distler von &#8222;Schmiergeld&#8220;, und sie f\u00fchrte aus, dass die ehemals Angeklagten, deren Verfahren jeweils nach Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden waren, gewusst haben, dass sie bestechen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wer hier vor der Kammer sagt, er habe davon nichts gewusst, dem schenkt die Kammer keinen Glauben. Dass dieser Plan in einer Steuerhinterziehung endet, war jedem klar&#8220;, so Distler. Das Problem f\u00fcr das Trio sei gewesen, dass sie um die Gefahr wussten, die Gemeinn\u00fctzigkeit zu verlieren. So musste die Zahlung in den B\u00fcchern verschleiert werden, und so wurde die Legende um den Zuschuss f\u00fcr eine &#8211; letztlich abgesagte &#8211; Gala der FIFA am Tag vor dem Er\u00f6ffnungsspiel gestrickt.<\/p>\n<p>    Willen zur Aufarbeitung anerkannt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErst im Jahr 2015 wurde durch eine Ver\u00f6ffentlichung im Nachrichtenmagazin &#8222;Der Spiegel&#8220; aufgedeckt, dass auch Deutschland das System FIFA nicht umgangen hatte. Wolfgang Niersbach trat nach einer skurrilen Pressekonferenz zur\u00fcck, in der er dauernd stammelte, doch nichts gewusst zu haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch vor dem Frankfurter Gericht, dann als Zeuge, tat er so, als sei er w\u00e4hrend seiner Zeit als Vizepr\u00e4sident und Medienchef im Organisationskomitee f\u00fcr die WM von wichtigen Infos und Verhandlungen abgeschnitten gewesen. Die fehlerhafte Steuererkl\u00e4rung 2007,\u00a0 die er dann als Generalsekret\u00e4r unterzeichnete, habe er weder in G\u00e4nze angesehen noch in Details verstanden. &#8222;Den ahnungslosen Pressefuzzi haben wir ihm von Anfang an nicht abgenommen&#8220;, \u00e4tzte Distler.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Richterin hielt dem Verband zugute, den Willen zur Aufarbeitung gezeigt zu haben. Die Umsetzung unter Einschaltung der Anwaltskanzlei Freshfields und sp\u00e4ter den privaten Ermittlern von Esecon sei aber mangelhaft, dem nun abgeschlossenen Verfahren nicht zutr\u00e4glich und vor allem &#8222;Geldverschwendung&#8220; gewesen. Wer das alles in Auftrag gegeben habe. Geh\u00f6re im Grunde entlassen. Eine der letzten Fragen des Gerichts war eine rhetorische: &#8222;Wie wird der DFB eigentlich beraten?&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 25.06.2025 13:41 Uhr Der DFB habe das korrupte System der FIFA unterst\u00fctzt, im Bewusstsein einer Straftat die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":218157,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[5695,347,13,14,15,12,69964,10,8,9,11,69965],"class_list":{"0":"post-218156","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-fifa","9":"tag-fussball","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-sommermaerchen","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews","19":"tag-wm-2006"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114744007324009142","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/218156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=218156"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/218156\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/218157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=218156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=218156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=218156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}