{"id":218433,"date":"2025-06-25T14:59:10","date_gmt":"2025-06-25T14:59:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218433\/"},"modified":"2025-06-25T14:59:10","modified_gmt":"2025-06-25T14:59:10","slug":"buerobau-in-basel-von-herzog-de-meuron-realexperiment-mit-lehmdecken-architektur-und-architekten-news-meldungen-nachrichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218433\/","title":{"rendered":"B\u00fcrobau in Basel von Herzog &#038; de Meuron \/ Realexperiment mit Lehmdecken &#8211; Architektur und Architekten &#8211; News \/ Meldungen \/ Nachrichten"},"content":{"rendered":"<p>Nachhaltigkeit beim Bauen ist l\u00e4ngst Standard.\u00a0Was in der Theorie gut klingt, bleibt\u00a0in der Praxis\u00a0jedoch\u00a0noch oft blo\u00dfes Etikett. Wie viel m\u00f6glich ist, wenn das Prinzip Nachhaltigkeit bis zum Ende verfolgt wird,\u00a0zeigt das k\u00fcrzlich er\u00f6ffnete B\u00fcrogeb\u00e4ude Hortus.<\/p>\n<p>Von Dorit Schneider-Maas<\/p>\n<p>Ein \u0084radikal nachhaltiges Geb\u00e4ude zu schaffen\u0094, so lautete die Vorgabe von\u00a0SENN (Basel). Der Investor, der in diesem Fall gleichzeitig die Generalplanung \u00fcbernahm, beauftragte\u00a0Herzog &amp; de Meuron\u00a0(Basel) mit dem Entwurf f\u00fcr das B\u00fcrohaus. Entstanden ist ein f\u00fcnfgeschossiger Holzrahmenbau mit Stampflehmdecken.\u00a0Das Haus mit dem Namen Hortus\u00a0steht auf dem Gel\u00e4nde des\u00a0Switzerland Innovation Park (SIP) in der an Basel angrenzenden Gemeinde Allschwill \u0096 einem wachsenden Campus auf der gr\u00fcnen Wiese, der bis 2028 mit einer Investitionssumme von rund 350 Millionen Schweizer Franken ausgebaut wird.<\/p>\n<p>Hortus ist bereits das zweite Projekt, das HdM zusammen mit SENN auf dem Areal realisierte. Direkt neben dem frisch er\u00f6ffneten Bau steht das 2023 fertiggestellte Forschungsgeb\u00e4ude SIP Main Campus HQ. Der Campus soll insbesondere Startups, aber auch etablierten Unternehmen in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Gesundheitswesen Raum bieten. Der Hortus-Neubau umfasst eine Bruttogrundfl\u00e4che von rund 14.100 Quadratmetern f\u00fcr etwa 600 Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Holzdecken mit Stampflehm<\/p>\n<p>Eine der Besonderheiten bei dem Projekt sei die \u0084Umkehrung des Entwurfsprozesses\u0093 gewesen, erz\u00e4hlt Projektleiter und Assoziierter bei HdM Alexander Franz im Gespr\u00e4ch. Zu Beginn stand die Frage, welches konstruktive Element die wichtigste Stellschraube f\u00fcr ein ressourcenschonendes Bauen darstelle. Daraus ergab sich ein siebenmonatiger Forschungsprozess, zu dessen Ende ein neues Deckensystem entwickelt wurde.<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit dem \u00f6sterreichischen Unternehmen Lehm Ton Erde Baukunst (Schlins), dem Holzbauunternehmen Blumer Lehmann\u00a0(Gossau) und den Ingenieur*innen von\u00a0ZPF (Basel) konzipierte man einen Aufbau aus Holzrahmen mit gestampftem Lehm. Der eigentliche Entwurf sei dann erst auf dieser Grundlage\u00a0entwickelt worden, sagt Franz. \u00c4hnlich wie mit SENN hat auch die Zusammenarbeit mit Lehm Ton Erde Baukunst eine gewisse Tradition: Bereits vor \u00fcber zehn Jahren entwickelte HdM mit Gr\u00fcnder Martin Rauch\u00a0einen Stampflehmbau f\u00fcr das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/meldungen\/Meldungen-Lehmbau_von_Herzog-de_Meuron_und_Martin_Rauch_bei_Basel_3948733.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kr\u00e4uterzentrum des Bonbonherstellers Ricola<\/a>.<\/p>\n<p>Fast bilderbuchhaft liest sich die Fertigung der Decken f\u00fcr das Hortus-Geb\u00e4ude. F\u00fcr den Lehm kam Kies aus dem Aushub vor Ort zum Einsatz, gebrochen im gegen\u00fcberliegenden Sch\u00fcttwerk. Der Lehm besteht zu etwa 76 Prozent aus dem Aushubmaterial, das mit Mergel gemischt und dann in die vorgefertigten Holzelemente in Form eines Gew\u00f6lbes gestampft wurde. Auch dieser Prozess erfolgte auf dem Nachbargrundst\u00fcck. In Zahlen bedeutet das \u008410-mal weniger CO2 Emissionen als bei der Erstellung einer vergleichbaren konventionellen Flachdecke aus Beton\u0094, hei\u00dft es in der Pressemitteilung. Auch f\u00fcr die W\u00e4nde wurde Lehmputz verwendet. Die Vorteile f\u00fcr das Raumklima liegen auf der Hand. Dass das Material auch den Brandschutzanforderungen gerecht werden w\u00fcrde, musste man erst noch testen \u0096 erfolgreich.<\/p>\n<p>Modulares System auf Betonf\u00fc\u00dfchen<\/p>\n<p>Auch bei der Reduktion von Stahlbeton geht das Hortus-Geb\u00e4ude einen Schritt weiter. Bis auf die \u0084kleinen F\u00fc\u00dfchen\u0093, wie Franz die Fundamente nennt, ist kein Beton im Geb\u00e4ude zu finden. Tats\u00e4chlich schwebt der Holzbau \u00fcber dem Boden, denn auch auf ein Kellergeschoss wurde verzichtet. Unter dem Geb\u00e4ude ist die Luft im Sommer k\u00fchl und im Winter warm, was wiederum gemeinsam mit der Geothermie, die das Haus mit Energie zum Heizen und K\u00fchlen versorgt, der Temperaturregulierung zugutekommt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Modulbau verwendete man Holz aus verschiedenen W\u00e4ldern der Umgebung \u0084zwischen St. Gallen und Basel\u0093. Nicht nur Leim- sondern auch Vollholz kam aus Gr\u00fcnden der Nachhaltigkeit zum Einsatz. Alle Verbindungen wurden gesteckt, sodass die Bauteile leicht demontierbar bleiben. Au\u00dferdem wurden alle Elemente im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips katalogisiert.<\/p>\n<p>Hortus conclusus<\/p>\n<p>Herzst\u00fcck des Geb\u00e4udes ist ein bepflanzter Innenhof, gestaltet vom Landschaftsarchitekten\u00a0Piet Oudolf\u00a0(Hummelo), der auch die <a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/meldungen\/Meldungen-Letzter_Abschnitt_der_High_Line_in_New_York_von_Diller_Scofidio_Renfro_eroeffnet_6804510.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Highline in New York<\/a> mitverantwortete. Durch einen offenen Durchgang betritt man diesen gr\u00fcnen Bereich mit geschwungenem Kiesweg, Str\u00e4uchern, Gr\u00e4sern, Stauden und Rankpflanzen. Die zentrale Bedeutung findet sich auch im Namen des Geb\u00e4udes wieder, der sich urspr\u00fcnglich auf den hortus conclusus bezog. Erst im Nachhinein wurde daraus das Akronym f\u00fcr \u0084House of Research, Technology, Utopia and Sustainability\u0094.<\/p>\n<p>Eine Zisterne sammelt hier das Regenwasser, das nicht nur zur Bew\u00e4sserung der Pflanzen, sondern auch f\u00fcr die Toilettensp\u00fclungen genutzt wird. Entlang der Innenfassaden des Hofs erstreckt sich ringsum eine Holzveranda. Neben Sitzungsr\u00e4umen befinden sich hier ein Restaurant, ein Fitnessstudio mit Caf\u00e9-Bar sowie Sitzgelegenheiten.<\/p>\n<p>Schwingfenster, PET-Flaschen und Kaltwasser<\/p>\n<p>Der Anspruch an Nachhaltigkeit zeigt sich auch in den Details. So wurden Bauteile nicht verklebt und der Einsatz von Kunststoff minimiert. Reduzieren lie\u00dfen sich auch die Fensterfl\u00e4chen. Dadurch konnten statt klassischer Fenster Schwingfenster mit Zweifachverglasung zum Einsatz kommen, die eine nat\u00fcrliche Bel\u00fcftung erm\u00f6glichen. F\u00fcr eine bessere Akustik sorgen Paneele aus recycelten PET-Flaschen, die Treppen sind aus unbehandeltem Stahl gefertigt.<\/p>\n<p>Eine Photovoltaik-Anlage mit einer Fl\u00e4che von rund 5.000 Quadratmetern auf dem Dach und entlang der Fassaden versorgt das Geb\u00e4ude mit Strom. Dank ihr soll selbst die bei der Entstehung angefallene Energie innerhalb von 31 Jahren komplett amortisiert werden.<\/p>\n<p>Real Life Experiment<\/p>\n<p>Es brauche Menschen, die neue Wege gehen, sagt Johannes Eisenhut, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SENN, w\u00e4hrend der Vorstellung des Projekts. Viele der beim Hortus-Geb\u00e4ude umgesetzten Aspekte liegen auf der Hand, werden aber aufgrund von \u00f6konomischen Faktoren wie Vermietbarkeit selten bis in letzter Konsequenz verfolgt. Dass die Fl\u00e4chen nun komplett ausgelastet sind, zeigt, was m\u00f6glich ist, wenn der Wille da ist. Der Preis: Der Bau sei rund zehn Prozent teurer gewesen als ein konventionelles Geb\u00e4ude, so Eisenhut.<\/p>\n<p>Ihre Zusammenarbeit setzen SENN und HdM \u00fcbrigens fort. Nur zwei Baufelder weiter entsteht bereits das n\u00e4chste \u0084Real Life Experiment\u0093 \u0096 als solche bezeichnen die beiden Partner ihre gemeinsamen Vorhaben.<\/p>\n<p>Fotos: <a href=\"https:\/\/davidwalter.co\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">David Walter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.mm-archive.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maris Mezulis<\/a><\/p>\n<p class=\"bold\">Zum Thema:<\/p>\n<p>Wer sich f\u00fcr die \u00e4sthetischen Potentiale von PV-Anlagen interessiert, dem sei die Publikation Made of Solar empfohlen, die im letzten Jahr erschienen ist. Zur <a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/meldungen\/Meldungen-Made_of_Solar_9671743.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rezension<\/a>.<\/p>\n<p>Dieses Objekt &amp; Umgebung auf BauNetz-Maps anzeigen:<br \/>&#13;<br \/>\n                                    &#13;<br \/>\n                                            <a href=\"https:\/\/www.baunetz-maps.de\/quelle\/meldungen?cid=9957557\" title=\"Dieses Objekt &amp; Umgebung auf BauNetz-Maps anzeigen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#13;<br \/>\n                                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"BauNetz-Maps\" width=\"400\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/deutschland_400x200.png\" \/>&#13;<br \/>\n                                            <\/a>&#13;<br \/>\n                                    &#13;<br \/>\n                                &#13;\n                                <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\tKommentare:<br \/>&#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/meldungen\/Meldungen-Buerobau_in_Basel_von_Herzog_-_de_Meuron_9957557.html?backurl=https%3A%2F%2Fwww.baunetz.de%2Fmeldungen%2Findex.html&amp;action=kommentieren\" class=\"lightgrey underline unvisible_print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meldung kommentieren<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachhaltigkeit beim Bauen ist l\u00e4ngst Standard.\u00a0Was in der Theorie gut klingt, bleibt\u00a0in der Praxis\u00a0jedoch\u00a0noch oft blo\u00dfes Etikett. 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