{"id":218559,"date":"2025-06-25T16:09:17","date_gmt":"2025-06-25T16:09:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218559\/"},"modified":"2025-06-25T16:09:17","modified_gmt":"2025-06-25T16:09:17","slug":"sta-muss-namen-von-strafverteidiger-nicht-preisgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/218559\/","title":{"rendered":"StA muss Namen von Straf\u00adver\u00adtei\u00addi\u00adger nicht preis\u00adgeben"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Staatsanwaltliche Akten\" alt=\"Staatsanwaltliche Akten\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/csm_445539151_d200687f0a.jpg\" width=\"2487\" height=\"1400\"\/><\/p>\n<p>Aus Sicht des VG M\u00fcnchen \u00fcberwiegt hier das Mandantengeheimnis. Foto: picture alliance\/dpa | Jan Woitas<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Haben Journalisten im Ermittlungsverfahren einen Anspruch, die Namen der Verteidiger vom Gericht zu erfahren? Das OVG Hamburg meinte k\u00fcrzlich: ja. V\u00f6llig anders sieht man das nun aber in M\u00fcnchen. Das VG argumentiert mit dem Mandatsgeheimnis der BRAO.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Ein Journalist hat keinen presserechtlichen Auskunftsanspruch gegen die Staatsanwaltschaft, um so den Namen eines Strafverteidigers bereits in einem laufenden Ermittlungsverfahren zu erfahren. Das hat das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/bayerisches-verwaltungsgericht-muenchen\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noopener\">Verwaltungsgericht (VG) M\u00fcnchen<\/a> entschieden (Beschl. v. 18.06.2025, Az. M 10 E 25.3465), der Entscheidungstext liegt LTO vor.<\/p>\n<p>Mitte Mai kam in M\u00fcnchen zur Festnahme eines Tatverd\u00e4chtigen in einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines T\u00f6tungsdelikts. Die Polizei informierte die \u00d6ffentlichkeit hier\u00fcber in einer Pressemitteilung sowie einer Pressekonferenz. Mehrere Medien berichteten \u00fcber den Fall.<\/p>\n<p>Der antragstellende Journalist bzw. dessen Kollegen einer \u00fcberregionalen Zeitung hatten an dieser Pressekonferenz nicht teilgenommen. Kurz darauf wollte er von der Pressestelle der Staatsanwaltschaft wissen, wie der Anwalt des Tatverd\u00e4chtigen hei\u00dfe. Nach einigen Tagen erhielt er die Antwort, dass seitens der Staatsanwaltschaft eine solche Auskunft in laufenden Ermittlungsverfahren nicht erfolge. Die Entscheidung, welchen Verteidiger sich ein Beschuldigter nehme, sei Teil des Mandantengeheimnisses, das nicht durch Justizpressesprecher gel\u00fcftet werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Eine weitere Anfrage, dieses Mal mit Fristsetzung gestellt durch den Justiziar der Zeitung, blieb unbeantwortet. Daher wurde sodann der verwaltungsgerichtliche Weg beschritten und gem\u00e4\u00df \u00a7 123 Abs. 1 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) der Erlass einer einstweiligen Anordnung auf Auskunftserteilung beantragt.<\/p>\n<p>M\u00fcnchener VG entscheidet g\u00e4nzlich anders als Hamburger OVG<\/p>\n<p>Die Entscheidung steht im Kontext zu einem <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/ovg-hamburg-3bs2025-presse-auskunftsanspruch-namen-strafverteidiger-ermittlungsverfahren\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noopener\">k\u00fcrzlich ergangenen Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Hamburg (Az. 3 Bs 20\/25)<\/a>, sowie einer vorangegangenen Entscheidung des VG Hamburg aus Februar, Az. 17 E 666\/25. Die Hamburger Richter hatten in einem \u00e4hnlich gelagerten Fall n\u00e4mlich genau anders entschieden: die Presse habe grunds\u00e4tzlich einen Anspruch darauf, von der Staatsanwaltschaft die Namen von Strafverteidigern in Ermittlungsverfahren zu bekommen. Hierauf hatte sich auch im M\u00fcnchener Fall der antragsstellende Journalist gest\u00fctzt, die 10. Kammer des VG M\u00fcnchen setzte sich dementsprechend mit dem Beschluss der Hamburger Kollegen auseinander.<\/p>\n<p>Doch das VG M\u00fcnchen sah hier das Mandantengeheimnis als entscheidenden Aspekt an. Dieser Punkt kommt in dem Beschluss des OVG Hamburg wie des VG Hamburg indes an keiner Stelle vor.<\/p>\n<p>Konkret k\u00f6nne der Journalist seinen Anspruch nicht auf Art. 4 Abs. 1 S. 1 Bayerisches Pressegesetz (BayPrG) st\u00fctzen. Hiernach hat die Presse gegen\u00fcber Beh\u00f6rden zwar grunds\u00e4tzlich ein Recht auf Auskunft. Die Auskunft darf gem\u00e4\u00df Abs. 2 S. 2 nur verweigert werden, soweit aufgrund beamtenrechtlicher oder sonstiger gesetzlicher Vorschriften eine Verschwiegenheitspflicht besteht \u2013 eine solche erblickte die Kammer hier in \u00a7 43a Abs. 2 S. 1 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO). Die berufsrechtliche Regelung sieht vor, dass ein Rechtsanwalt zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.<\/p>\n<p>Diese Verschwiegenheitspflicht liege &#8222;auch im Interesse der Allgemeinheit an der rechtsstaatlichen Rechtspflege, f\u00fcr die eine anwaltliche Verschwiegenheit unerl\u00e4sslich ist&#8220;, so das VG. Unbeachtlich sei insoweit auch, ob \u2013 wie hier \u2013 ein Fall der notwendigen Verteidigung gem\u00e4\u00df \u00a7 140 Strafprozessordnung (StPO) vorliegt.<\/p>\n<p>Mandantengeheimnis \u00fcberwiegt Pressefreiheit<\/p>\n<p>Wenngleich die Kammer der Pressefreiheit im Rahmen der Berichterstattung \u00fcber ein Ermittlungsverfahren ein besonderes Gewicht beimisst, \u00fcberwiege hier dennoch das Mandantengeheimnis. Solange der Beschuldigte auch gerade keine Selbst\u00f6ffnung gegen\u00fcber der Presse w\u00fcnsche, sei das &#8222;Verbleiben in der Anonymit\u00e4t&#8220; des Verteidigers ebenso vom Mandatsgeheimnis verfassungsrechtlich gesch\u00fctzt. &#8222;Diese damit einhergehende anwaltliche Verschwiegenheitspflicht des \u00a7 43a Abs. 2 S. 1 BRAO w\u00fcrde umgangen, wenn die begehrten Informationen ohne Weiteres auf dem Umweg \u00fcber eine Presseauskunft der ermittelnden Staatsanwaltschaft erlangt werden k\u00f6nnten&#8220;, hei\u00dft es dazu in dem Beschluss.<\/p>\n<p>VG und OVG Hamburg hatten kein Recht auf &#8222;Ungest\u00f6rtsein&#8220; des Verteidigers erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das M\u00fcnchener VG besteht auch kein entsprechender Auskunftsanspruch gem\u00e4\u00df Art. 5 Abs. 1 Grundgesetz (GG) bzw. Art. 10 Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention (EMRK). Die Presse m\u00fcsse sich folglich bis zu einem etwaigen ersten Hauptverhandlungstermin gedulden \u2013 denn dieser ist gem\u00e4\u00df \u00a7 169 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) anders als das Ermittlungsverfahren grunds\u00e4tzlich \u00f6ffentlich. Bis dahin m\u00fcsste sie sich mit den seitens Polizei und Staatsanwaltschaft ver\u00f6ffentlichten Informationen begn\u00fcgen, meint die Kammer.<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tVG M\u00fcnchen zu Auskunftsanspruch der Presse:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t25.06.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/57497 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t25.06.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus Sicht des VG M\u00fcnchen \u00fcberwiegt hier das Mandantengeheimnis. 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