{"id":219359,"date":"2025-06-25T23:13:09","date_gmt":"2025-06-25T23:13:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/219359\/"},"modified":"2025-06-25T23:13:09","modified_gmt":"2025-06-25T23:13:09","slug":"demonstration-auf-dem-markt-gegen-angriff-auf-den-iran-bau-der-atombombe-verteidigt-du-bist-halle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/219359\/","title":{"rendered":"Demonstration auf dem Markt gegen Angriff auf den Iran \u2013 Bau der Atombombe verteidigt \u2013 Du bist Halle"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwochabend wurde der Marktplatz in Halle zur B\u00fchne eines politisch hoch aufgeladenen Konflikts. Unter dem Motto \u201eHands off Iran, Hands off Palestine\u201c hatte die Gruppe \u201eStudents for Palestine\u201c zu einer Demonstration aufgerufen, um gegen die israelischen Angriffe auf den Iran und gegen die westliche Kriegs- und Au\u00dfenpolitik zu protestieren. Etwa 30 Menschen folgten dem Aufruf, darunter Unterst\u00fctzer:innen linker und antiimperialistischer Gruppen wie der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands). Gleichzeitig formierte sich ein entschlossener Gegenprotest \u2013 organisiert vom \u201eB\u00fcndnis gegen Antisemitismus Halle\u201c \u2013, der den Veranstaltern vorwarf, antisemitische Narrative zu bedienen und sich mit reaktion\u00e4ren, islamistischen Regimen zu solidarisieren.<\/p>\n<p><strong>Eine Kundgebung der Gegenerz\u00e4hlung<\/strong><\/p>\n<p>Inmitten wachsender globaler Spannungen, einem eskalierenden Nahostkonflikt und der verst\u00e4rkten milit\u00e4rischen Konfrontation zwischen Israel und dem Iran, versuchten die Veranstalter:innen der \u201eStudents for Palestine\u201c-Kundgebung ein Gegennarrativ zur westlichen Darstellung der Ereignisse zu entwerfen. Die Reden kreisten um eine zentrale These: Der Westen \u2013 insbesondere die USA, Israel und Deutschland \u2013 betreibe eine aggressive, imperiale Au\u00dfenpolitik, die auf Ressourcen, geopolitische Kontrolle und die systematische Schw\u00e4chung souver\u00e4ner Staaten wie dem Iran abziele. Es sei kein Verteidigungskrieg, sondern Kolonialismus mit anderen Mitteln. Gefordert wurde das Ende westlicher Waffenlieferungen an Israel, die Beendigung der deutschen Unterst\u00fctzung der \u201eZionisten\u201c und eine internationale Anerkennung des \u201elegitimen Widerstands pal\u00e4stinensischer Gruppen\u201c.<\/p>\n<p>Parolen wie \u201eVon Halle bis nach Gaza \u2013 Intifada Revolution\u201c, \u201eViva Pal\u00e4stina\u201c und \u201eWiderstand ist B\u00fcrgerrecht \u2013 nur der Westen findets schlecht\u201c bestimmten die Szenerie. Die Demonstrierenden betonten immer wieder, dass der Widerstand gegen Israel und die USA nicht nur ein Akt der Selbstverteidigung sei, sondern auch ein universeller Kampf gegen Unterdr\u00fcckung und Neokolonialismus.<\/p>\n<p><strong>Kritik am Iran-Angriff \u2013 und Rechtfertigung einer Atombombe?<\/strong><\/p>\n<p>Ein zentrales Thema war der k\u00fcrzlich erfolgte israelische Luftangriff auf iranische Atomanlagen \u2013 ein Angriff, der von westlichen Regierungen als pr\u00e4ventiv gegen ein \u201eunmittelbar bevorstehendes nukleares Bedrohungspotenzial\u201c verteidigt wurde. Die Redner:innen auf der Kundgebung in Halle sahen das anders.<\/p>\n<p>\u201eDer Angriff auf den Iran ist ein Angriff auf das V\u00f6lkerrecht\u201c, sagte ein Redner. Der Vorwurf, der Iran arbeite an einer Atombombe, sei entkr\u00e4ftet worden. Die westlichen Regierungen und die Presse w\u00fcrden eine L\u00fcge nach der anderen aufbauschen, um den Krieg zu rechtfertigen. Doch selbst wenn der Iran an einer Atombombe bauen w\u00fcrde, w\u00fcrde dies keinen Angriffskrieg durch Israel und die USA erlauben. Zudem gebe es einen guten Grund f\u00fcr den Bau einer solchen Bombe. \u201cAnders kann man sich vor dem Westen nicht sch\u00fctzen.\u201d<\/p>\n<p>Diese Aussage sorgte sp\u00e4ter f\u00fcr besonders viel Emp\u00f6rung unter den Gegenprotestierenden. Kritiker sehen darin nicht nur eine Verharmlosung des iranischen Atomprogramms, sondern auch eine grunds\u00e4tzliche Legitimation nuklearer Aufr\u00fcstung \u2013 zumindest wenn sie gegen Israel gerichtet ist.<\/p>\n<p><strong>\u201eWo wart ihr in den letzten 77 Jahren?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Redner bezog sich auf die lange Geschichte des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts. Er warf den westlichen Medien, Politiker:innen und Teilen der Zivilgesellschaft vor, systematisch zu schweigen. \u201eWo wart ihr alle die letzten 77 Jahre?\u201c, rief er unter Verweis auf die Staatsgr\u00fcndung Israels im Jahr 1948, die von vielen Pal\u00e4stinenser:innen als \u201eNakba\u201c \u2013 Katastrophe \u2013 bezeichnet wird. Er sprach von \u201eethnischer S\u00e4uberung\u201c, der \u201esystematischen Vertreibung\u201c der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung, von \u201eHunger als Waffe\u201c und einem \u201eV\u00f6lkermord in Gaza\u201c.<\/p>\n<p><strong>Adrian Mauson (MLPD) \u2013 von Vietnam bis Gaza<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr zus\u00e4tzlichen politischen Z\u00fcndstoff sorgte der Auftritt von Adrian Mauson, Vertreter der MLPD, der aus einer Stellungnahme der ICOR (International Coordination of Revolutionary Parties and Organizations) zitierte. Darin wird von \u201ebarbarischem US-Imperialismus\u201c und einem \u201ev\u00f6lkerm\u00f6rderischen Israel\u201c gesprochen.<\/p>\n<p>Mauson verglich den heutigen Protest mit der Friedensbewegung w\u00e4hrend des Vietnamkriegs: \u201eDamals standen wir an der Seite des vietnamesischen Volkes \u2013 heute stehen wir an der Seite Pal\u00e4stinas.\u201c Er forderte einen globalen, revolution\u00e4ren Widerstand gegen die \u201eimperialistischen Angreifer\u201c, den er als einzige Chance zur Verhinderung eines Weltkriegs bezeichnete.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/WhatsApp-Image-2025-06-25-at-17.23.23-1200x675.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-320906\"  \/><\/p>\n<p><strong>Gegenseite: Israel-Solidarit\u00e4t, Antisemitismusvorwurf, Iran-Kritik<\/strong><\/p>\n<p>In unmittelbarer N\u00e4her versammelten sich Gegendemonstranten mit Israel- und Regenbogenfahnen. In einem ausf\u00fchrlichen Flugblatt warfen sie den \u201eStudents for Palestine\u201c vor, sich \u201emit dem M\u00f6rderregime im Iran\u201c zu solidarisieren und eine \u201eantisemitische Querfront\u201c aus Islamisten, Kommunisten und Antizionisten zu bilden.<\/p>\n<p>\u201eSie sprechen von Frieden und Freiheit, aber solidarisieren sich mit der Hamas, dem Islamischen Dschihad und dem iranischen Mullahregime\u201c, hei\u00dft es im Flyer. Besonders scharf fiel die Kritik an der Verharmlosung des Angriffs vom 7. Oktober 2023 aus, bei dem die Hamas mehr als 1.200 israelische Zivilist:innen ermordete und \u00fcber 200 Geiseln nahm. \u201eDer Krieg begann nicht aus heiterem Himmel. Er war eine Reaktion auf ein Massaker.\u201c<\/p>\n<p>Auch die iranische Protestbewegung \u201eJin, Jiyan, Azadi\u201c wurde thematisiert: \u201eWo war eure Solidarit\u00e4t, als Frauen im Iran von den Stra\u00dfen gezerrt und ermordet wurden?\u201c hie\u00df es. Die Linke, so der Vorwurf, begehe einen fatalen Fehler, wenn sie antiimperialistische Rhetorik vor Menschenrechte stelle.<\/p>\n<p><strong>Die Debatte um Israel \u2013 und deutsche Erinnerungskultur<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonders sensibler Punkt, den das B\u00fcndnis gegen Antisemitismus ansprach, war die Instrumentalisierung der deutschen Geschichte. Die \u201eStudents for Palestine\u201c \u2013 so der Vorwurf \u2013 w\u00fcrden Israel gezielt mit dem Nationalsozialismus vergleichen, um die historische Schuld Deutschlands zu relativieren. Man wolle durch solche Analogien \u201edie eigene Nation reinwaschen\u201c, so das Flugblatt.<\/p>\n<p>\u201eIsrael ist der Jude unter den Staaten\u201c, zitierte man den franz\u00f6sischen Historiker L\u00e9on Poliakov. Ein Angriff auf Israel sei deshalb immer auch ein Angriff auf das j\u00fcdische Leben insgesamt. Und wer dies ignoriere, mache sich mitschuldig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Mittwochabend wurde der Marktplatz in Halle zur B\u00fchne eines politisch hoch aufgeladenen Konflikts. 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