{"id":222517,"date":"2025-06-27T04:24:15","date_gmt":"2025-06-27T04:24:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/222517\/"},"modified":"2025-06-27T04:24:15","modified_gmt":"2025-06-27T04:24:15","slug":"wenn-maenner-weinen-hoeren-sie-nicht-mehr-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/222517\/","title":{"rendered":"\u201eWenn M\u00e4nner weinen, h\u00f6ren sie nicht mehr auf\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">M\u00e4nner sind so verletzlich \u2013 das sang Herbert Gr\u00f6nemeyer schon 1984 im Lied \u201eM\u00e4nner\u201c und stellte die Frage: \u201eWann ist ein Mann ein Mann?\u201c Eine Frage, die st\u00e4ndig neu verhandelt wird und auf die es sicherlich nicht nur eine Antwort gibt. Seit Jahrzehnten ver\u00e4ndert sich das Selbstverst\u00e4ndnis, klassische Geschlechterrollen werden hinterfragt. Von M\u00e4nnern wird mehr erwartet, als der stoische Versorger zu sein: Auch sie sollen sich (und tun es h\u00e4ufig auch) aktiv an der Kindererziehung beteiligen, den Haushalt gleichwertig managen und emotional f\u00fcr ihre Liebsten zug\u00e4nglich sein. Was nach grundlegenden Anforderungen klingt, kann gro\u00dfe Herausforderungen mit sich bringen. Doch wo k\u00f6nnen M\u00e4nner lernen, ihre Gef\u00fchle zu verstehen und sich anderen Menschen gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen?<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Manfred H\u00f6ges arbeitet in der M\u00e4nnerberatung des Sozialdienstes katholischer M\u00e4nner (SKM) in D\u00fcsseldorf. Zu ihm kommen M\u00e4nner, die nach eigenen Aussagen Beziehungskonflikte haben \u2013 meist steckt viel mehr dahinter. H\u00f6ges ber\u00e4t viele M\u00e4nner, die Gewalt aus\u00fcben, aber auch viele, die selbst Gewalt erfahren haben. Doch selbst in weniger drastischen F\u00e4llen m\u00fcssten die M\u00e4nner lernen, \u00fcber ihre Gef\u00fchle zu sprechen. Viele tun das zum ersten Mal.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die meisten Beratungsstellen sind auf M\u00e4nner ausgerichtet, die T\u00e4ter sind \u2013 also gewaltt\u00e4tig sind. Die M\u00e4nnerberatung des SKM konzentriert sich jedoch auf mildere F\u00e4lle, und auf M\u00e4nner, die Gewalt erleben. In ganz Deutschland gibt es nur elf M\u00e4nnerh\u00e4user, dazu kommen drei Einrichtungen, die alle Geschlechter aufnehmen. In NRW ist die M\u00e4nnerberatung verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut aufgestellt: 22 der 29 Anlaufstellen befinden sich im Bundesland.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die M\u00e4nner gehen zur M\u00e4nnerberatung des SKM, weil sie h\u00e4ufig keine anderen Ansprechpartner finden. \u201eHistorisch gesehen ist die Hilfelandschaft stark auf Frauen ausgerichtet\u201c, erkl\u00e4rt H\u00f6ges. Deswegen k\u00e4men M\u00e4nner zu ihm in die Beratung, auch wenn er Sozialarbeiter sei und kein Therapeut. \u201eBei uns steht eben ausdr\u00fccklich M\u00e4nnerberatung drauf\u201c, sagt H\u00f6ges. Die gezielte Ansprache von M\u00e4nnern, zusammen mit seiner Erfahrung f\u00fcr geschlechtsspezifische Beratung, sei eine Seltenheit. \u201eWenn ein Mann eine Krise hat, dann kann es durchaus sein, dass er aggressiv wird\u201c, sagt er. Bei anderen Beratungsangeboten m\u00fcssten solche M\u00e4nner gehen. Bei ihm d\u00fcrfen sie bleiben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Viele M\u00e4nner h\u00e4tten gelernt, dass Wut das einzige Gef\u00fchl sei, das sie ausdr\u00fccken d\u00fcrfen. \u201eAm Ende kommt oft raus, dass der Mann nicht w\u00fctend ist, sondern verletzt, Angst hat oder sich hilflos f\u00fchlt.\u201c Doch das w\u00fcssten diese M\u00e4nner zun\u00e4chst selbst nicht. Viele h\u00e4tten keine Vorbilder, die ihnen vorlebten, mit ihren Emotionen konstruktiv umzugehen. Und auch gegen\u00fcber ihren Freunden w\u00fcrden sie sich nicht verletzlich machen. \u201eDas ist wie eine neue Sprache\u201c, sagt H\u00f6ges. \u201eViele M\u00e4nner m\u00fcssen erst lernen, ihre Gef\u00fchle \u00fcberhaupt in Worte zu fassen. Dabei helfe ich, indem ich als Mann emotionales Erleben sprachlich sichtbar mache \u2013 und so eine Vorbildfunktion \u00fcbernehme.\u201c Als Beispiel nennt er einen Mann, dessen Partnerin sich von ihm getrennt hatte. H\u00f6ges erz\u00e4hlte er, er sei ver\u00e4rgert. Irgendwann sagte der Berater zu ihm, er glaube gar nicht, dass er ver\u00e4rgert sei, sondern verletzt. \u201eUnd dann ist er so ein bisschen zusammengebrochen. Er fing dann an zu weinen. Und wenn M\u00e4nner anfangen zu weinen, dann h\u00f6ren die auch nicht mehr auf.\u201c Die Gef\u00fchle unter der Wut aufdecken, und einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen \u2013 das ist die Aufgabe, die Manfred H\u00f6ges t\u00e4glich angeht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch Wolfgang Schmidt ist bei H\u00f6ges in Beratung. Wie viele der M\u00e4nner, die zur Beratung kommen, hat er seinen Gef\u00fchlen auf aggressive Weise Luft gemacht. Er sei auf Wunsch seiner Ex-Frau dort \u2013 und in der Hoffnung, seine Kinder wieder sehen zu k\u00f6nnen. Wolfgang Schmidt ist nicht sein echter Name, aufgrund eines m\u00f6glichen Rechtsstreits zwischen ihm und seiner Ex-Frau wurde der Name von der Redaktion ge\u00e4ndert. Seine beiden T\u00f6chter, sieben und zwei Jahre alt, habe er seit September vergangenen Jahres kaum gesehen. Denn seine \u00e4ltere Tochter habe ihrer Mutter nach einem Besuch erz\u00e4hlt, er sei ihr gegen\u00fcber handgreiflich geworden. Das bestreitet der 42-J\u00e4hrige. Doch seitdem d\u00fcrfe er die T\u00f6chter nicht mehr zu sich nehmen. Es sei denn, die Mutter finde keine andere Kinderbetreuung. Gerade ist Schmidt mit dem Jugendamt in Kontakt, es geht um beaufsichtigte Treffen mit seinen Kindern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eigentlich teilen sich Schmidt und seine Ex-Frau das Sorgerecht, doch er scheut sich davor, vor Gericht zu ziehen: \u201eDamit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht.\u201c Schon bei der Entscheidung zum Unterhalt hatte er das Gef\u00fchl, dass seine Seite weniger z\u00e4hlte als die der Mutter. Die Kommunikation zwischen ihnen sei schlecht gewesen. \u201eEs war ihr Weg, alles andere galt nicht\u201c, erz\u00e4hlt er. Deswegen habe er alles in sich reingefressen \u2013 bis er explodierte. Dann gab es Streit, bei dem er mal gegen die T\u00fcr trat, mal den M\u00fclleimer durch die Gegend pfefferte. \u201eDas war aggressives Verhalten von mir, das war nicht richtig\u201c, sagt Schmidt heute. Seit Anfang des Jahres spricht er mit H\u00f6ges \u00fcber seine Wut, woher diese eigentlich stammt und wie er besser damit umgehen kann.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass er sich in seiner Rolle als Vater nicht so gefestigt f\u00fchlt, zeigt auch, dass er schon kurz nach der Trennung nur eingeschr\u00e4nkten Kontakt zu seinen Kindern hatte. Er sah sie alle zwei Wochenenden f\u00fcr einige Stunden. \u201eDie Mutter hat gesagt, das sei am besten so\u201c, sagt Schmidt und f\u00fcgt wie selbstverst\u00e4ndlich hinzu: \u201eIch pers\u00f6nlich wei\u00df ja nicht, was f\u00fcr die Kinder am besten ist. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich jeden Tag meine Kinder sehen und erleben.\u201c Das sei wegen des Verh\u00e4ltnisses zur Mutter aber nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch Schmidt spricht zum ersten Mal \u00fcberhaupt \u00fcber seine Gef\u00fchle. Enge M\u00e4nnerfreundschaften, in denen er \u00fcber seine Beziehungsprobleme sprechen k\u00f6nnte, habe er nicht. Mit dem M\u00e4nnerberater analysiert er Situationen, in denen er aggressiv reagiert hat und entwirft Alternativen, wie es besser laufen k\u00f6nnte. Er hofft, dass er durch die Beratung seine Kinder wieder sehen kann, ohne sein Sorgerecht vor Gericht durchsetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu Manfred H\u00f6ges kommen M\u00e4nner, die sich \u00e4ndern wollen. \u201eIch will nicht werden wie mein Vater\u201c, sei ein Satz, den er h\u00e4ufig h\u00f6re. Doch auch er bemerkt schon einen Unterschied, zwischen M\u00e4nnern, die zwischen 40 und 60 Jahren alt sind, und M\u00e4nnern in ihren Zwanzigern und Drei\u00dfigern. \u201eIch beobachte, dass j\u00fcngere M\u00e4nner, im Vergleich zu \u00e4lteren, deutliche Vorteile mitbringen. Sie sprechen offener \u00fcber pers\u00f6nliche Themen und haben weniger Hemmungen, auch \u00fcber Gef\u00fchle zu reden. F\u00fcr sie ist emotionale Sprache oft selbstverst\u00e4ndlicher \u2013 sie setzen sich hin und erz\u00e4hlen, was in ihnen vorgeht, ohne sich daf\u00fcr zu sch\u00e4men.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00e4nner sind so verletzlich \u2013 das sang Herbert Gr\u00f6nemeyer schon 1984 im Lied \u201eM\u00e4nner\u201c und stellte die Frage:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":222518,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[15252,3364,29,3405,9630,9394,30,71041,5402,71044,1209,71043,71042],"class_list":{"0":"post-222517","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-beratung","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-duesseldorf","12":"tag-einzige","13":"tag-gefuehl","14":"tag-germany","15":"tag-hoeges","16":"tag-maenner","17":"tag-maennerberatung","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-traditioneller","20":"tag-verletzlich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114753428859684044","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222517"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222517\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/222518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}