{"id":222564,"date":"2025-06-27T04:52:10","date_gmt":"2025-06-27T04:52:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/222564\/"},"modified":"2025-06-27T04:52:10","modified_gmt":"2025-06-27T04:52:10","slug":"fluessigerdgas-importe-wie-die-eu-die-russische-kriegskasse-fuellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/222564\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcssigerdgas-Importe: Wie die EU die russische Kriegskasse f\u00fcllt"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 27.06.2025 05:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Ein bundeseigenes Unternehmen kauft weiter gro\u00dfe Mengen russisches Fl\u00fcssigerdgas &#8211; in diesem Jahr f\u00fcr mehr als zwei Milliarden Euro. Das zeigen SWR-Recherchen. Kritiker sprechen von skandal\u00f6sen Gesch\u00e4ften, die Russlands Kriegskasse f\u00fcllen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie hei\u00dfen &#8222;Nikolay Zubov&#8220;, &#8222;Boris Davydov&#8220; oder &#8222;Fedor Litke&#8220;. Sie sind Teil einer ganzen Flotte von LNG-Tankschiffen, die unentwegt zwischen Russland und der EU hin und her fahren. Per Satellit kann man sie l\u00fcckenlos beobachten. Jeder einzelne Tanker transportiert pro Fahrt rund 175.000 Kubikmeter Fl\u00fcssigerdgas (LNG), was in etwa 100 Millionen Kubikmetern Erdgas entspricht &#8211; Gegenwert: rund 40 Millionen Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nViele der LNG-Tanker geh\u00f6rten urspr\u00fcnglich zur russischen Staatsreederei &#8222;Sovcomflot&#8220; und wurden dann meist von griechischen Reedern \u00fcbernommen. In deren Auftrag transportieren die Schiffe jetzt LNG in gro\u00dfen Mengen vom sibirischen Hafen in Sabetta zu den LNG-Terminals in D\u00fcnkirchen\/Frankreich, Zeebrugge\/Belgien oder Bilbao\/Spanien &#8211; jede Woche erreichen mehrere Tanker mit russischem LNG die EU-H\u00e4fen. Per Pipeline wird es von den Hafen-Terminals ins europ\u00e4ische Gasnetz eingespeist &#8211; und damit auch nach Deutschland.<\/p>\n<p>    Russisches LNG f\u00fcr zwei Milliarden Euro<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDem SWR liegen zum Thema &#8222;russisches LNG&#8220; mehrere Bundestagsanfragen der Linksfraktion vor. Laut Antwort der Bundesregierung wird das deutsche Energieunternehmen &#8222;SEFE&#8220; im Jahr 2025 rund 50 LNG-Lieferungen aus Russland erhalten. Das entspricht, je nach Marktpreis, einem Gegenwert von mindestens zwei Milliarden Euro. Das Berliner Unternehmen &#8222;SEFE&#8220;, das bis 2022 noch &#8222;Gazprom Germania GmbH&#8220; hie\u00df, wurde zwischenzeitlich vom Bund \u00fcbernommen. Handelspartner auf russischer Seite ist das LNG-Unternehmen Novatek.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die russischen LNG-Importe in die EU sehr deutlich: &#8222;Wir brauchen ein Importverbot f\u00fcr russisches LNG, denn die St\u00fcckel-Sanktionen haben es bis jetzt nicht vermocht, diese Einnahmequelle abzuschneiden. Ganz im Gegenteil: Einnahmen aus russischen LNG-Lieferungen sind auf einem Rekordhoch&#8220;, so der DUH-Gasexperte Julian Schwartzkopff.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf Anfrage des SWR teilt das Unternehmen &#8222;SEFE&#8220; mit, dass man sich an die bestehenden Gasvertr\u00e4ge mit Russland rechtlich gebunden sehe: &#8222;SEFE bezieht russisches LNG ausschlie\u00dflich im Rahmen eines bestehenden, nicht k\u00fcndbaren Altvertrags.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGenau das sei schwer zu ertragen, findet der linke Bundestagsabgeordnete Christian G\u00f6rke: &#8222;Diese Art Vertr\u00e4ge aus der Zeit der letzten GroKo sind wie Pest und Cholera, geradezu eine Lizenz zum Gelddrucken f\u00fcr den milit\u00e4risch-industriellen Komplex in Russland. Es gibt kurzfristig zum Kauf dieses LNG keine Alternative, denn nimmt man das gekaufte Gas nicht ab, zahlt man trotzdem. Mit der Folge: Die Russen verkaufen es noch einmal auf dem Weltmarkt.&#8220;<\/p>\n<p>    Gesch\u00e4fte mit Putins Partnern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer russische Gas-Konzern Novatek ist Betreiber der LNG-Anlagen in Sibirien, von der F\u00f6rderung bis zum Transport samt Terminals zur Verfl\u00fcssigung des Erdgases. Mehr als 25 Milliarden Dollar wurden in der Region Sabetta investiert, um die LNG-F\u00f6rderung massiv auszubauen &#8211; unter Mithilfe des russischen Staates. Bei den feierlichen Er\u00f6ffnungen der Produktionsst\u00e4tten ist Wladimir Putin stets in vorderster Front zu sehen, neben seinem engen Vertrauten, dem Oligarchen Leonid Viktorovich Mikhelson, CEO von Novatek.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGro\u00dfaktion\u00e4r von Novatek ist der Oligarch und Putinvertraute Gennadi Timtschenko. Dieser finanziert und kontrolliert laut russischen Medienberichten die russische S\u00f6ldnerarmee &#8222;Redut&#8220;, die unter anderem in Syrien und der Ukraine gek\u00e4mpft hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie N\u00e4he von Novatek zu Putin sei bekannt, berichtet dem SWR ein langj\u00e4hriger russischer Gash\u00e4ndler, der anonym bleiben m\u00f6chte: &#8222;Novatek ist zwar kein vom russischen Staat kontrollierter Konzern, geh\u00f6rt aber mehrheitlich dem Putin nahen Oligarchen Timchenko, der war zusammen mit Putin beim KGB. Alle Informationen \u00fcber Novatek und deren Mehrheitsaktion\u00e4re sind frei zug\u00e4nglich. Den SEFE-Verantwortlichen muss bewusst sein, was sie da machen.&#8220;<\/p>\n<p>    Noch keine EU-Sanktionen gegen russisches LNG<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPutin hat sich in den letzten Jahren immer wieder pers\u00f6nlich f\u00fcr den Ausbau der russischen LNG-Kapazit\u00e4ten eingesetzt. Der Lebensgef\u00e4hrte von Putins Tochter Maria Vorontsova leitet einen Unternehmemsbereich bei Novatek.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie USA, Kanada, Gro\u00dfbritannien oder Australien haben l\u00e4ngst gehandelt und die Firma unter Sanktionen gestellt, samt der kompletten F\u00fchrungsriege um Mikhelson. Anders &#8211; die EU. Bisher werden weder Novatek noch russisches LNG sanktioniert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDaher sind auch die russischen LNG-Transporte per Schiff derzeit nicht verboten, teilt das Unternehmen &#8222;SEFE&#8220; mit: &#8222;Da die EU bis dato keine Sanktionen auf russisches LNG verh\u00e4ngt hat, gibt es f\u00fcr SEFE derzeit keine rechtliche Grundlage, um den Vertrag zu k\u00fcndigen. Dementsprechend entbinden Sanktionen gegen Personen, die mit Novatek in Verbindung stehen, SEFE nicht von der Erf\u00fcllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen.&#8220;<\/p>\n<p>    Mehr Geld f\u00fcr die russischen Kriegskassen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKritiker beklagen, dass der Gashandel mit Russland Putin viele Milliarden an Steuereinnahmen beschert. DUH-Experte Schwartzkopff findet das inakzeptabel: &#8222;SEFE tr\u00e4gt stark zu den wachsenden Einnahmen Russlands aus dem LNG-Handel bei, der mehr Geld in die russischen Kriegskassen sp\u00fclt als die Ukraine an humanit\u00e4rer Hilfe erh\u00e4lt. In Zeiten, in denen der russische Krieg gegen die Ukraine immer brutaler wird, darf die Bundesregierung nicht wegsehen. Wir fordern, die indirekte Unterst\u00fctzung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch SEFE unverz\u00fcglich zu stoppen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die Energie-Analysten beim finnischen Think Tank &#8222;Centre for Research an Energy and Clean Air (CREA)&#8220; warnen unentwegt vor dem Unternehmen. Novatek sei tief verflochten mit dem russischen Staat, erkl\u00e4rt Energie-Experte Petras Katinas gegen\u00fcber dem SWR: &#8222;Novateks Gas wird an EU-Unternehmen verkauft, und die Gewinne werden mit 34 Prozent besteuert. Die H\u00e4lfte davon flie\u00dft in den Staatshaushalt, der direkt den Einnahmen zur Kriegsfinanzierung zugerechnet wird. \u00dcber diese Struktur finanziert der LNG-Handel aktiv die russische Aggression gegen die Ukraine.&#8220;<\/p>\n<p>    Eine Zukunft ohne Russland?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie EU hat angek\u00fcndigt, bis 2027 &#8222;unabh\u00e4ngig von russischem Gas&#8220; werden zu wollen. Dann k\u00f6nnten auch Altvertr\u00e4ge, wie die zwischen SEFE und Novatek, gek\u00fcndigt werden, teilt SEFE mit: &#8222;Im Rahmen des Phase-out-Plans der EU-Kommission ist eine Beendigung bestehender Vertr\u00e4ge geplant, die zum 1. Januar 2028 in Kraft treten soll.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Bundeswirtschaftsministerium teilt auf Anfrage des SWR mit, dass man die EU-Bem\u00fchungen unterst\u00fctze, &#8222;die Energieimporte weiter zu diversifizieren und insbesondere die Einfuhr russischer fossiler Brennstoffe schrittweise zu beenden. Das ist wichtig, um einseitige Abh\u00e4ngigkeiten weiter zu verringern und keinen Beitrag mehr zur Finanzierung des Krieges zu leisten.&#8220; Dabei m\u00fcssten aber &#8222;Versorgungssicherheit und Preisstabilit\u00e4t&#8220; stets im Blick gehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 27.06.2025 05:00 Uhr Ein bundeseigenes Unternehmen kauft weiter gro\u00dfe Mengen russisches Fl\u00fcssigerdgas &#8211; in diesem Jahr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":222565,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[71055,548,16421,13,12504,14,15,307,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":["post-222564","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-duh","tag-eu","tag-gazprom","tag-headlines","tag-lng","tag-nachrichten","tag-news","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-welt","tag-world"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222564\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/222565"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}