{"id":223181,"date":"2025-06-27T10:39:13","date_gmt":"2025-06-27T10:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223181\/"},"modified":"2025-06-27T10:39:13","modified_gmt":"2025-06-27T10:39:13","slug":"der-irre-kampf-des-ukrainischen-theaters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223181\/","title":{"rendered":"Der irre Kampf des ukrainischen Theaters"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBZly tspBZlz\">Das Left Bank Theatre aus Kiew hat schon fr\u00fcher in Berlin gastiert. Aber der Auftritt des ukrainischen Ensembles im Ballhau Ost beim <a href=\"https:\/\/m.tagesspiegel.de\/kultur\/theaterfestival-performing-exiles-die-seele-bleibt-in-teheran-13885579.html?icid=in-text-link_13925818\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201ePerforming Exiles\u201c-Festival<\/a> wird lange in Erinnerung bleiben. \u201eConfronting the Shadow\u201c hei\u00dft das St\u00fcck, eine Koproduktion mit den Berliner Festspielen. Eine Auff\u00fchrung wie ein Schrei. Aus Verzweiflung. Aus Trotz und Wut. Ein Schmerz, den Nachrichtenprogramme aus dem seit \u00fcber drei Jahren andauernden Krieg kaum vermitteln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Daf\u00fcr gibt es Theater. Bald zweieinhalb Stunden ohne Pause: Es gibt so viel zu sagen, so viel liegt den Theaterleuten auf der Seele.  Das Gruppenst\u00fcck mit der Regisseurin Tamara Trunova ist Groteske, Farce, Trag\u00f6die, Dokumentation, ein Pl\u00e4doyer, eine peinigende Selbstbefragung und ein raffiniertes Spiel mit dem Publikum. Es hat etwas Therapeutisches f\u00fcr beide Seiten, in ukrainischer Sprache mit deutschen und englischen Obertiteln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nl.tagesspiegel.de\/form.action?agnFN=Sondermailing&amp;agnCTOKEN=9mxNq9NCGTnmiE3GNqudPRTWQdUGhewx&amp;bezuggrd=NWL&amp;utm_source=sondermailing&amp;icid=single-topic_13925818___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB8mr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Tagesspiegel Ukraine-Newsletter Hier informieren sich mehr als 60.000 Leserinnen und Leser t\u00e4glich \u00fcber alle wichtigen Nachrichten zum Krieg.  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Sie sind aus Kiew nach Berlin gekommen, um sich zu bedanken, wie sie sagen. F\u00fcr die Unterst\u00fctzung, das Geld, die Waffen. Wirklich? Geht es darum, Verbundenheit zu zeigen, oder um Unterwerfung, wie Donald Trump bei der dem\u00fctigenden Audienz im Wei\u00dfen Haus von Pr\u00e4sident Selenskyj verlangte? Ist es nicht schrecklich, dass sie sich so f\u00fchlen m\u00fcssen, als Bittsteller, dass sie so unsicher sind, w\u00e4hrend sie unter unertr\u00e4glichen Verlusten die europ\u00e4ischen Grenzen verteidigen? <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Der Humor schmeckt bitter: Nach langem Nachdenken, was die ukrainischen Theaterleute dem deutschen Publikum mitbringen sollen, lautet die L\u00f6sung: Wir schenken euch die russische Kultur!<\/p>\n<p class=\"tspQck\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. Sie k\u00f6nnen sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. <\/p>\n<p> Externen Inhalt anzeigen <\/p>\n<p class=\"tspQcq\"> Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden.  Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Wozu jetzt noch Theater? <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Eine ganz starke Szene. Eine Schauspielerin steht nackt an der Rampe und spricht den Monolog der Nina aus <a href=\"https:\/\/m.tagesspiegel.de\/kultur\/mit-cate-blanchett-auf-der-buhne-thomas-ostermeiers-tschechow-coup-in-london-13325212.html?icid=in-text-link_13925818\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tschechows \u201eM\u00f6we\u201c. <\/a>Aber wozu noch Tschechow? Er ist Russe, und Putins Russland will die ukrainische Kultur zerst\u00f6ren. Wozu \u00fcberhaupt noch Theater, fragen sie, und da tauchen Shakespeare und Heiner M\u00fcller in einer Talkshow-Parodie auf und m\u00fcssen wohl begreifen, dass <a href=\"https:\/\/m.tagesspiegel.de\/kultur\/nachruf-auf-david-lynch-er-liess-das-kino-fur-uns-traumen-13034119.html?icid=in-text-link_13925818\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">David Lynch <\/a>die bessere Referenzgestalt ist. In seinen Filmen braucht das B\u00f6se, der Horror keine Erkl\u00e4rung. <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Sie agieren giftig, hilflos, schlagfertig, verloren in einer nicht mehr zu fassenden Realit\u00e4t. Dabei erinnern die drei Frauen und drei M\u00e4nner an Pirandellos \u201eSechs Personen\u201c, die einen Autor suchen. Das Left Bank Theatre sucht m\u00f6gliche Formen des Ausdrucks f\u00fcr das Unvorstellbare. Eine weitere Schauspielerin, eine Art Kommentatorin mit blauer Per\u00fccke und gelbem Kleid, den Farben der Ukraine, h\u00e4lt sich f\u00fcr Marge Simpson, vertieft sich in wissenschaftliche Texte und interstellare Utopien. Eine andere ist die \u201eWahrheit\u201c, die einsamste Gestalt im Universum t\u00f6dlicher Propaganda.<\/p>\n<p> Das Festival <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">An verschiedenen Spielorten l\u00e4uft <strong>\u201ePerforming Exiles<\/strong>\u201c noch bis 28. Juni. Im Ballhaus Ost spielt <strong>\u201eConfronting the Shadow\u201c,<\/strong> im HAU 2 zeigen Rabih Mrou\u00e9 und Lina Majdalanie ihr neues St\u00fcck <strong>\u201eFour Walls and a Roof\u201c<\/strong> \u00fcber Bertolt Brecht in den USA. Im Haus der Festspiele l\u00e4uft der Marathon \u201e100\u00b0 Diaspora\u201c.<\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Dann kommt ein Mann auf die B\u00fchne und erz\u00e4hlt. Er hat bei einem Bombenangriff beide Beine verloren, l\u00e4uft auf Prothesen aus der Superhumans-Klinik in Lwiw. Am Theater arbeiten, das war sein Traum. Er sagt, er brauche keinen Orden, die neuen Beine, das sei seine Auszeichnung. Dass er es geschafft habe, er und viele andere. <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Im Zuschauerraum wird es sehr still. Der Mann mit den Prothesen zeigt es mit Stolz. Das ist die neue Ukraine. Widerst\u00e4ndig, erfindungsreich, zivilisiert und kampfbereit. In diesen Momenten fallen die W\u00e4nde des Theaters, die Realit\u00e4t \u00fcbernimmt \u2013 und wie k\u00e4mpfen die Schauspielerinnen und Schauspieler darum, den Theaterraum zu behaupten. Und zugleich rei\u00dfen sie die B\u00fchne auf, wo der gute alte Hamlet keinen Sinn mehr hat.  <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Weiterspielen, weitermachen! Wie zu Anfang im Video, als ein Mann in Uniform ihnen den Marschbefehl nach Westen gibt. Geht hin und sagt dem Publikum dort, was hier los ist. Am Ende sieht man ihn wieder. Er verabschiedet sich von seinen Kollegen. Es ist ein Schauspieler vom Left Bank Theatre, er zieht an die Front, um sein Land gegen die russische Invasion zu verteidigen.<\/p>\n<p> Demokratien diktatorische Z\u00fcge annehmen <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">\u201eConfronting the Shadow\u201c tut weh. Die Ersch\u00fctterung setzt mit Verz\u00f6gerung ein. Man kann danach nicht schlafen. Schweigen, diskutieren, trinken, f\u00fcr das Superhumans Center spenden&#8230; Dieses \u201eDanke\u201c aus Kiew ist ein Schlag in unser Gesicht. Wir haben es verdient. Weil wir lange weggeschaut haben und das immer noch tun. <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Im Angesicht einer solchen Vorstellung f\u00e4llt es schwer, sich mit anderen Programmpunkten zu besch\u00e4ftigen. Das trifft dann auch auf \u201eFour Walls and a Roof\u201c zu, die neue Produktion von Lina Majdalanie und Rabih Mrou\u00e9. Dies St\u00fcck \u00fcber Bertolt Brecht im amerikanischen Exil l\u00e4uft bei den Performing Exiles im HAU 2, einer insgesamt starken Festival-Ausgabe. Die beiden libanesischen K\u00fcnstler leben seit Jahren in Berlin, und Brecht ist hier das Thema und das Beispiel: Wie Demokratien diktatorische Z\u00fcge annehmen und die Freiheit attackieren. Sind wir schon wieder so weit?<\/p>\n<p> Mehr Theater im Tagesspiegel: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/theaterfestival-performing-exiles-die-seele-bleibt-in-teheran-13885579.html?icid=topic-list_13925818___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB8mr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theaterfestival \u201ePerforming Exiles\u201c  Die Seele bleibt in Teheran <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/berliner-open-air-theater-eroffnet-shakespeare-moliere-und-die-frage-nach-dem-gerechten-krieg-13912033.html?icid=topic-list_13925818___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB8mr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner Open-Air-Theater er\u00f6ffnet Shakespeare, Moli\u00e8re und die Frage nach dem gerechten Krieg <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/der-prozess-pelicot-bei-den-wiener-festwochen-milo-rau-inszeniert-lese-performance-mit-ungeheurer-wucht-13882564.html?icid=topic-list_13925818___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB8mr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDer Prozess Pelicot\u201c bei den Wiener Festwochen Milo Rau inszeniert Lese-Performance mit ungeheurer Wucht <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Brecht musste 1947 in Washington vor dem \u201eKomitee f\u00fcr unamerikanische Umtriebe\u201c aussagen.  Danach verlie\u00df er das Land. Gibt es Parallelen zu heute? Wiederholt sich Geschichte? Und was ist das, Heimat, was hei\u00dft Exil? Da wird viel vorgelesen und referiert, ein Pianist haut in die Tasten, wenn der Name des Komponisten Hanns Eisler f\u00e4llt. War Brecht Kommunist? Die amerikanischen Qu\u00e4lgeister fanden es nie heraus. Die Anh\u00f6rung war der Anfang einer schlimmen Kampagne gegen K\u00fcnstler und Intellektuelle, viele verloren ihre Jobs. Es war auch eine Kriegserkl\u00e4rung gegen Hollywood. <\/p>\n<p class=\"tspBZly\">Alles richtig, alles korrekt, wir stehen auf der richtigen Seite, wer will da widersprechen! Das ist das Problem. Es f\u00fchlt sich fast so an, als hielten sich die Performer mit ihren Kommentaren zur Gegenwart, zum Beispiel in Gaza, zur\u00fcck. Auch das ist eine Aussage. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Left Bank Theatre aus Kiew hat schon fr\u00fcher in Berlin gastiert. 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