{"id":223250,"date":"2025-06-27T11:19:11","date_gmt":"2025-06-27T11:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223250\/"},"modified":"2025-06-27T11:19:11","modified_gmt":"2025-06-27T11:19:11","slug":"berlin-was-unwetterwarnungen-koennen-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223250\/","title":{"rendered":"Berlin | Was Unwetterwarnungen k\u00f6nnen &#8211; und was nicht"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Wettervorhersagen sind heute viel pr\u00e4ziser als noch vor wenigen Jahren. Doch sie haben weiter ihre Grenzen &#8211; auch mit Blick auf Unwetterwarnungen.\u00a0<\/p>\n<p>Welche Wetterlagen sind f\u00fcr Meteorologen die h\u00e4rtesten N\u00fcsse?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung im Sommer sind lokale Extreme, die mit Gewittern verbunden sind. Diese sind unheimlich schwer vorhersagbar\u00bb, sagt Franz-Josef Mol\u00e9, Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale beim Deutschen Wetterdienst (DWD).<\/p>\n<p>Im Winter sei dagegen Gl\u00e4ttebildung die h\u00e4rteste Nuss. \u00abDie Schwierigkeit bei Gewittern ist, dass es von sehr kleinen Unterschieden abh\u00e4ngt, ob sie harmlos ablaufen oder gravierende Sch\u00e4den verursachen\u00bb, erg\u00e4nzt der Meteorologe.\u00a0<\/p>\n<p>Warum sind Gewittervorhersagen eigentlich so kniffelig?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWenn ein Gewitter pulsiert, ist das wie in einem Kochtopf, in dem Blasen hochschie\u00dfen. Es ist kaum m\u00f6glich zu sagen, welcher Ort genau betroffen sein wird\u00bb, erl\u00e4utert Mol\u00e9.<\/p>\n<p>Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 h\u00e4tten Gewitter zum Beispiel auch eine entscheidende Rolle gespielt. \u00abSie sind als Reste in dieses riesige Regengebiet hineingezogen. Durch die zus\u00e4tzlichen Starkregenf\u00e4lle sind die Wassermassen dann auf den ohnehin schon v\u00f6llig \u00fcbers\u00e4ttigten B\u00f6den sofort in die T\u00e4ler gestr\u00f6mt.\u00bb<\/p>\n<p>Oft gebe es auch eine Kombination von Gewittern, die in St\u00fcrmen eingelagert seien. \u00abAuch das macht die Situation dann wirklich brenzlig.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>War das Unwetter, das j\u00fcngst Berlin traf, vorhersehbar?<\/p>\n<p>\u00abJa. Da war die Gefahr von Windst\u00e4rke 11 bereits einen Tag vorher erkennbar\u00bb, berichtet Mol\u00e9. Schon Windst\u00e4rke 10 bedeutet 100 Kilometer pro Stunde. \u00abEin Baum mit Laub muss dann zum Beispiel in einer B\u00f6e 50 Kilogramm Windlast pro Quadratmeter aushalten. Bei der Fl\u00e4che eines gro\u00dfen und breiten Baums wirkt dann so viel Kraft &#8211; da halten die nicht Stand.\u00bb<\/p>\n<p>In Berlin ist am Montag eine Frau gestorben, weil ein Baum auf ein Auto fiel. Trotzdem gab es vorher keine Unwetterwarnung \u00fcber die DWD-App.<\/p>\n<p>Wieso warnte die DWD-App nicht &#8211; und kommt das \u00f6fter vor?\u00a0<\/p>\n<p>Die Abw\u00e4gung f\u00fcr eine Unwetterwarnung mit all ihren Folgen f\u00fcr den Katastrophenschutz sei nie leicht, sagt Mol\u00e9. \u00abUnser Kollege war an diesem Tag machtlos\u00bb, erg\u00e4nzt er. \u00abDas Gewitter, das auf Berlin zuzog, hat sich vor der Stadt abgeschw\u00e4cht. Bei solch einer Tendenz h\u00e4tte niemand die Unwetter-Karte gezogen.\u00bb<\/p>\n<p>Der Sturm sei dann in der Tat ohne Blitz und Donner \u00fcber die Hauptstadt gezogen. \u00abAber ausgerechnet ohne zus\u00e4tzliche Gewitteraktivit\u00e4t waren die B\u00f6en dann v\u00f6llig \u00fcberraschend noch st\u00e4rker als vorher mit Gewittern kalkuliert. Das war also wider s\u00e4mtlicher Berechnungen und Erfahrungen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht besser, immer vorsorglich vor Unwettern zu warnen?<\/p>\n<p>Der Nachteil, wenn man zu oft warne, sei ein Verlust von Glaubw\u00fcrdigkeit, sagt Mol\u00e9. \u00abWir ziehen zum Beispiel erst ab Windst\u00e4rke 10 die Unwetterkarte.\u00bb Es gebe aber vor diesem Level pr\u00e4ventive Hinweise wie: schwerer Sturm oder Orkanb\u00f6en nicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Die Entscheidung f\u00fcr Unwetterwarnungen bei lokalen Ereignissen sei f\u00fcr gro\u00dfe St\u00e4dte schwieriger, weil oft nur einzelne Stadtteile betroffen sind. \u00abManchmal ist es gar nicht sicher, ob \u00fcberhaupt etwas passiert. Wenn wir dann pr\u00e4ventiv eine Unwetterwarnung herausgeben, haben wir viele Menschen umsonst gewarnt &#8211; und das ist auf die Dauer auch sch\u00e4dlich\u00bb, sagt Mol\u00e9.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fchlen wir uns zu sicher &#8211; w\u00e4hrend die Natur unberechenbar bleibt?<\/p>\n<p>\u00abSo ist es\u00bb, antwortet Mol\u00e9. Deutschland habe eine hervorragende Infrastruktur und der Katastrophenschutz sei sehr gut aufgestellt. \u00abWir wiegen uns aber zu sehr in Sicherheit bei allem, was da m\u00f6glich ist &#8211; wenn H\u00e4nge zum Beispiel abrutschen. Und wer nie erlebt hat, wie es ist, bei Starkregen unter Lebensgefahr aus dem Wasser herauszukommen &#8211; der kann sich das einfach oft nicht vorstellen.\u00bb<\/p>\n<p>Wichtig sei es, im Alltag aufmerksam auf Wetterlagen zu achten. \u00abDas gilt jetzt auch schon f\u00fcr extreme Hitze und Waldbr\u00e4nde\u00bb, warnt Mol\u00e9. Infos dazu gibt es etwa auf dem neuen <a href=\"https:\/\/www.naturgefahrenportal.de\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Naturgefahrenportal im Internet<\/a>. Das enth\u00e4lt neben aktuellen Warnungen auch anderer Beh\u00f6rden Ratschl\u00e4ge f\u00fcr eine sinnvolle Vorsorge im Fall von Unwettern.<\/p>\n<p>Hilft K\u00fcnstliche Intelligenz dabei, Vorhersagen weiter zu pr\u00e4zisieren?<\/p>\n<p>Der DWD arbeitet bereits mit K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) &#8211; von den Wetterbeobachtungen bis hin zu Modell-Simulation. \u00abIn Einzelf\u00e4llen mag die KI besser sein, in der Gesamtheit der Meteorologen national und weltweit eher nicht\u00bb, urteilt Mol\u00e9.<\/p>\n<p>So habe sich ein bekanntes US-Unternehmen ger\u00fchmt, sein KI-Modell k\u00f6nne die Zugbahnen von Wirbelst\u00fcrmen besser vorhersagen. \u00abDummerweise sind die Intensit\u00e4ten dieser St\u00fcrme aber zum Teil schlecht simuliert\u00bb, kritisiert der Meteorologe.<\/p>\n<p>Die Mitarbeitenden im Wettervorhersage- und Warndienst h\u00e4tten den Vorteil, dass sie durch ihre Erfahrung mehr w\u00fcssten als die KI. Die sei daf\u00fcr zum Beispiel bei der Kombination von Wetterdaten, Umweltdaten und Baumbest\u00e4nden unschlagbar. \u00abAber was das alles wiederum f\u00fcr Auswirkungen hat, kann ein Meteorologe sicher verst\u00e4ndlicher formulieren &#8211; vor allem auch f\u00fcr den Katastrophenschutz und die \u00d6ffentlichkeit.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Wettervorhersagen sind heute viel pr\u00e4ziser als noch vor wenigen Jahren. 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