{"id":223778,"date":"2025-06-27T16:09:45","date_gmt":"2025-06-27T16:09:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223778\/"},"modified":"2025-06-27T16:09:45","modified_gmt":"2025-06-27T16:09:45","slug":"sozialpolitik-in-grossbritannien-labour-rudert-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223778\/","title":{"rendered":"Sozialpolitik in Gro\u00dfbritannien: Labour rudert zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">London taz | Die britische Labourregierung ist eingeknickt, einschneidende K\u00fcrzungen bei sozialen Leistungen, wie urspr\u00fcnglich geplant, werden nicht kommen. Konkret ging es vor allem um sogenannte \u201ePersonal Independence Payments\u201c, kurz Pips genannt. Pips sind Zusatzzahlungen f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen, um sie beim Anziehen, Essen oder Transport zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Die Labourregierung wollte die Kriterien f\u00fcr den Erhalt dieser Zuwendungen \u2013 sie k\u00f6nnen j\u00e4hrlich bis zu umgerechnet 5.000 Euro pro Person betragen \u2013 versch\u00e4rfen. So sollten bis zum Ende der Legislaturperiode umgerechnet 5,4 Milliarden Euro eingespart werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Selbst regierungseigene Berechnungen waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Auswirkungen der Reformen viele Betroffene extrem stark belastet h\u00e4tten. So w\u00e4re beispielsweise Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen die M\u00f6glichkeit genommen worden, weiter zu arbeiten. Zus\u00e4tzlich w\u00e4ren mindestens weitere 50.000 Kinder unterhalb die Armutsgrenze gerutscht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Noch am Mittwoch gab sich die Regierung unbeugsam. Von den aktuell 411 Labourabgeordneten h\u00e4tten wahrscheinlich bis zu 127 gegen die Reform gestimmt. Labour verf\u00fcgt im britischen Unterhaus \u00fcber eine Mehrheit von 156 der insgesamt 650 Sitze. Folglich w\u00e4re die Abstimmung am Dienstag zu einem Desaster f\u00fcr die Regierung geworden und einem Misstrauensvotum gleichgekommen bzw. h\u00e4tte ein solches sogar ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>      \u00dcber eine Milliarde Soforthilfe<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Jetzt also ist die Regierung zur\u00fcck gerudert. Sie will die K\u00fcrzungen bei den Pips und anderen Sozialleistungen f\u00fcr 370.000 Emp\u00adf\u00e4n\u00adge\u00adr:in\u00adnen nicht wie geplant ab\u00e4ndern \u2013 1,76 Milliarden Euro, die jetzt nicht eingespart werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Zuk\u00fcnftige potenzielle Empf\u00e4nger:innen, deren Zahl sch\u00e4tzungsweise bei 430.000 Personen liegt, werden nicht in den Genuss dieser Zahlungen kommen. Etwa 200.000 Personen mit schweren Beeintr\u00e4chtigungen, die dauerhaft arbeitsunf\u00e4hig sind, bekommen zumindest weiter einen Inflationsausgleich.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Zudem will die Regierung f\u00fcr So\u00adzi\u00adal\u00adhil\u00adfe\u00ademp\u00adf\u00e4n\u00adge\u00adr:in\u00adnen mit Beeintr\u00e4chtigung sofort \u00fcber eine Milliarde Euro zur Verf\u00fcgung stellen, um ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Denkfabriken sprechen von einer Zusatzbelastung von umgerechnet bis zu 3,64 Milliarden Euro f\u00fcr den britischen Staatshaushalt. Die britischen Sozialhilfeausgaben wachsen stetig, im vergangenen Jahr um 20 Milliarden Euro. Die Zahl der Pip-Empf\u00e4nger:innen steigt derzeit um etwa 1.000 Personen pro Tag. Bis zum Ende der Legislaturperiode w\u00fcrden die Sozialausgaben ohne jegliche Reformen um umgerechnet 35 Milliarden Euro anwachsen.<\/p>\n<p>      Unbeliebtestes Mitglied im Kabinett<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Dies erh\u00f6ht den Druck auf Finanzministerin Rachel Reeves. Sie wird wom\u00f6glich im Herbst die f\u00fcr britische Verh\u00e4ltnisse h\u00f6chste Steuerlast seit den sp\u00e4ten 1940er Jahren weiter erh\u00f6hen m\u00fcssen. Dies ist ein \u00e4u\u00dferst riskanter Schritt, denn Labour hatte vor den Wahlen versprochen, \u201ekeine Steuern f\u00fcr arbeitende Menschen\u201c zu erh\u00f6hen sowie das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. <a href=\"https:\/\/taz.de\/NATO-Gipfel-und-Sicherheit\/!6093111\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reeves, laut einer Umfrage unter La\u00adbour\u00adge\u00adnos\u00ads:in\u00adnen das derzeit unbeliebteste Kabinettsmitglied, muss jetzt mehr f\u00fcr Verteidigung und das Gesundheitssystem ausgeben<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Deswegen wiederholte die Starmer-Regierung in der vergangenen Woche das Mantra, dass das gegenw\u00e4rtige Sozialhilfesystem unhaltbar sei. Noch beim NATO-Gipfel in Den Haag sagte Premierminister Keir Starmer, dass seine Regierung f\u00fcr Ver\u00e4nderungen jener Dinge gew\u00e4hlt worden sei, die das Land kaputt gemacht h\u00e4tten. Dies sei der Grund, weswegen seine Regierung die Reformen weiterf\u00fchre. Eine Abgeordnete, Vicky Foxtrot, die den Fraktionszwang durchsetzen soll, trat vergangenen Woche aufgrund der angek\u00fcndigten Sozialhilfereformen von ihrem Amt zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Labours R\u00fcckzieher ist bereits der dritte binnen der ersten zw\u00f6lf Monate von Starmers Regierung. Ende Mai hatte Labour die im Herbst abgeschafften Heizkostenzusatzzahlungen f\u00fcr Rent\u00adne\u00adr:in\u00adnen wieder eingef\u00fchrt, nachdem vor den englischen Kommunalwahlen an dieser Entscheidung immer wieder Kritik laut geworden war.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Dann gab Labour vor knapp zwei Wochen den Forderungen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Untersuchung-in-Grossbritannien\/!6091496\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nach einer \u00f6ffentlichen Untersuchung sexueller Ausbeutung junger Frauen durch \u201eGrooming Gangs\u201c<\/a> nach. Offensichtlich scheint die Parteispitze von Labour ihre eigenen Abgeordneten und die Stimmung im Land nicht ganz ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>      Unsicheren Zeiten entgegen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Labour liegt weit hinter der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Nigel Farage zur\u00fcck. Erst am Donnerstag zeigte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, dass, h\u00e4tte es diese Woche Nationalwahlen gegeben, Farages Partei mit 271 Sitzen die Mehrheit im Unterhaus erhalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">Die Zugest\u00e4ndnisse vom Donnerstagabend d\u00fcrften ausreichen, um die Rebellion in der Fraktion einzud\u00e4mmen, auch wenn manche Hin\u00adter\u00adb\u00e4nk\u00adle\u00adr:in\u00adnen \u2013 vor allem jene aus der sozialistischen Gruppe \u2013 weiter gegen jegliche Sozialreformen stimmen werden. Anna Dixon, 2024 neu gew\u00e4hlte Abgeordnete und Vertreterin aus Shipley in West Yorkshire, zeigte sich zufrieden, dass Pip-Emp\u00adf\u00e4n\u00adge\u00adr:in\u00adnen die Zusatzzahlungen nicht verlieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">Am Freitagmorgen versuchte Sozialminister Stephen Kinnock den j\u00fcngsten R\u00fcckzieher seiner Partei sch\u00f6n zu reden. Es sei alles ein positiver Prozess gewesen. Doch die Rebellion hat die Labourregierung insgesamt geschw\u00e4cht. Sie muss nun mit einer gewissen Unsicherheit bez\u00fcglich ihrer Fraktion weiterregieren. Gegen welche weiteren Schritte wird sich die Fraktion str\u00e4uben?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"19\">Und so k\u00f6nnten die n\u00e4chsten vier Jahre lang und m\u00fchselig werden. Grunds\u00e4tzlich stellt sich nach wie vor die Frage, wof\u00fcr die Labourpartei heute eigentlich steht. Als Keir Starmer 2020 Parteichef wurde, \u00fcbernahm er Teile des politischen Programms seines Vorg\u00e4ngers Jeremy Corbyn. Doch viele Versprechungen l\u00f6sten sich in Luft auf. Es ist die \u201erebellische\u201c Fraktion, die Starmer st\u00e4ndig daran erinnert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"London taz | Die britische Labourregierung ist eingeknickt, einschneidende K\u00fcrzungen bei sozialen Leistungen, wie urspr\u00fcnglich geplant, werden nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":223779,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-223778","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=223778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223778\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/223779"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=223778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=223778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=223778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}