{"id":223784,"date":"2025-06-27T16:11:11","date_gmt":"2025-06-27T16:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223784\/"},"modified":"2025-06-27T16:11:11","modified_gmt":"2025-06-27T16:11:11","slug":"war-nicht-alles-schlecht-oder-wie-trump-den-frieden-herbeibombt-und-europa-sich-bewegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223784\/","title":{"rendered":"War nicht alles schlecht, oder?: Wie Trump den Frieden herbeibombt und Europa sich bewegt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Soweit das Kurzfazit zum israelisch-iranischen Krieg. Auch die Nato ist f\u00fcrs Erste gerettet &#8211; weil Amerika nicht austritt, aber Europa vielleicht aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Ups. Das ging verdammt schnell. Viel zu schnell f\u00fcr viele Europ\u00e4er. Sie wollten eigentlich noch viele weitere Gespr\u00e4che f\u00fchren. Immerhin hatten die Vertreter der Mullahs ihnen Huld erwiesen, waren bis Genf gereist, um ihnen auch pers\u00f6nlich zu sagen: Wir machen unbeirrt weiter mit unserem Nuklearprogramm, bis wir die Zionisten vernichtet haben. Das war doch schon einmal ein sch\u00f6ner diplomatischer Anfang, ganz v\u00f6lkerrechtsgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p> Stattdessen rack-zack, Bombe drauf, Drecksarbeit gemacht. Danach etwas Gesichtskosmetik in Katar, Israel zur\u00fcckgepfiffen, zwei R\u00fcffel nachgelegt: Nun kriegt euch endlich alle ein &#8211; und gut ist. Zumindest f\u00fcrs Erste. Ja, der grandiose Milit\u00e4rschlag war wohl nicht ganz so gr\u00fcndlich, wie es w\u00fcnschenswert gewesen w\u00e4re und wie Prahlhans Trump das verk\u00fcndete. Wahrscheinlich h\u00e4lt der Waffenstillstand auch deshalb nicht ewig. Aber Besseres war gerade nicht drin, trotz maximaler Hard Power.<\/p>\n<p>Von &#8222;Dankesch\u00f6n&#8220; bis &#8222;bedauerlich&#8220; <\/p>\n<p>Kanzler Friedrich Merz hat sich bei Amerikanern und Israelis jedenfalls bedankt, weil sie den Job erledigt haben, der zu erledigen war. Merz&#8216; Koalitionspartner ging eher auf Distanz: Die Diplomatie sei um Jahre zur\u00fcckgeworfen, greinte verl\u00e4sslich Rolf M\u00fctzenich f\u00fcr die linke SPD-Opposition in der Regierung. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch legte im gleichen Sinne nach, nebst einem vergifteten Lob f\u00fcr den unbeholfen wirkenden Au\u00dfenminister Johann Wadepuhl. Der nannte die US-Attacke &#8222;bedauerlich&#8220; und r\u00e4umte ein, er habe vom Angriff auch erst erfahren, nachdem er vorbei war. Trotzdem &#8222;sprechen wir mit Trump auf Augenh\u00f6he.&#8220; Diese Einsch\u00e4tzung klingt erfrischend k\u00fchn. Andererseits: Vielleicht meinte er ja des Pr\u00e4sidenten H\u00fchneraugen.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel aber ist: Diplomatie ist die erste und beste Wahl, wenn zwei Staaten miteinander etwas zu kl\u00e4ren haben. So gelingt der friedliche Ausgleich von Interessen, respektvoll und zivilisiert. Eine klitzekleine Voraussetzung daf\u00fcr: Beide Seiten, ja, wirklich beide Seiten, m\u00fcssen nach zivilisierten Regeln spielen wollen. Bedauerlicherweise k\u00f6nnen zu viele Staatschefs der regelbasierten Ordnung so gar nichts abgewinnen. Ihr Spiel ist erpressen, unterdr\u00fccken, beschie\u00dfen, vernichten. Diplomatie ohne Hard Power hat bei diesen Konsorten keine Chance, mit jedoch schon. Beispiel Iran: Weil die Amerikaner mit ihrem Mitternachtshammer angeklopft haben, \u00f6ffnet sich jetzt vielleicht die T\u00fcr f\u00fcr eine ernsthafte Diplomatie, bei der beide Seiten nicht nur nehmen, sondern etwas Substanzielles geben &#8211; auch der Iran. <\/p>\n<p>Das Ende der Selbstverzwergung ist m\u00f6glich<\/p>\n<p>Nur wer auch \u00fcber Hard Power verf\u00fcgt, \u00fcber milit\u00e4rische St\u00e4rke, wird ernst genommen, auf den wird im Zweifel R\u00fccksicht genommen. Der kann einen aggressiven Nachbarn, nennen wir ihn Russland, abschrecken. Das ist dringend n\u00f6tig: Nato-Generalsekret\u00e4r Marc Rutte sagt: Die Geschwindigkeit, mit der sich Russland milit\u00e4risch neu aufstellt, ist &#8222;wirklich atemberaubend und be\u00e4ngstigend&#8220;. Rutte ist ein Auskenner und zweifellos Man of the week. Mindestens.<\/p>\n<p>Er hat Trump die weitere Nato-Mitgliedschaft und Beistandszusage quasi abgeschmeichelt. Parallel hat er die Europ\u00e4er so lange massiert, bis fast alle kapierten: Wir sind schwach, deshalb in gro\u00dfer Gefahr. Wollen wir in Freiheit \u00fcberleben, m\u00fcssen wir aus der selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit unverz\u00fcglich heraustreten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf der Weltb\u00fchne? Tats\u00e4chlich?<\/p>\n<p>Und schon gibt sich der deutsche Kanzler optimistisch, verk\u00fcndet im Zeitenwende-Sound: Wir sind zur\u00fcck auf der Weltb\u00fchne. Nach der Rede von Scholz damals passierte: nichts. Drei verlorene Jahre. Nein, m\u00f6chte man dem Kanzler zurufen, das ist zu fr\u00fch get\u00f6nt. Mehr als ein, zwei Tippelschritte in die dringend gebotene Richtung sind noch nicht gegangen. Bis dato gibt es Absichtserkl\u00e4rungen und eine Einigung, saftige Schulden zu machen.<\/p>\n<p> Ob wir wirklich die Chance nutzen, zur\u00fcckzukommen, wird sich in den M\u00fchen der Ebene erweisen. Bei der Rekrutierung der Soldaten, der Organisation von Material und Waffen, beim ebenso n\u00f6tigen Mentalit\u00e4tswechsel in der Gesellschaft und in der Politik. Da warten reichlich Arbeit, gro\u00dfer K\u00fcmmerbedarf, zahllose dicke Bretter.<\/p>\n<p>Versagen wir, m\u00fcssen wir in f\u00fcnf Jahren Russisch lernen oder nach Neuseeland auswandern. So die Prophezeiung von Marc Rutte. F\u00fcr die in Deutschland aktiven f\u00fcnften Kolonnen an den immer fetter werdenden linken und rechten R\u00e4ndern k\u00f6nnte ein Traum in Erf\u00fcllung gehen: Mission erf\u00fcllt, endlich unter Moskaus Fittichen. Und die Normalos? Neuseeland ist zweifelsohne wundersch\u00f6n, aber keine Ahnung, ob uns die Kiwis alle wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Soweit das Kurzfazit zum israelisch-iranischen Krieg. 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