{"id":223876,"date":"2025-06-27T17:00:14","date_gmt":"2025-06-27T17:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223876\/"},"modified":"2025-06-27T17:00:14","modified_gmt":"2025-06-27T17:00:14","slug":"groesste-kamera-der-welt-liefert-erste-bilder-aus-dem-all","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/223876\/","title":{"rendered":"Gr\u00f6\u00dfte Kamera der Welt liefert erste Bilder aus dem All"},"content":{"rendered":"<p>Erste Bilder aus dem All: Das Rubin-Observatorium startet mit der gr\u00f6\u00dften Digitalkamera der Welt und will dunkle Materie und Asteroiden sichtbar machen.<\/p>\n<p>                        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/rubin-observatorium-e1751042681840-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Foto vom Trifdnebel\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Dieses Bild setzt 678 Einzelaufnahmen zusammen, die vom NSF\u2013DOE Vera C. Rubin Observatory in etwas mehr als sieben Stunden Beobachtungszeit aufgenommen wurden. Durch die Kombination vieler Bilder werden sonst nur schwach oder gar nicht sichtbare Details deutlich, wie beispielsweise die Gas- und Staubwolken, aus denen die Trifidnebel (oben) und der Lagunennebel bestehen, die mehrere tausend Lichtjahre von der Erde entfernt sind. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: NSF\u2013DOE Vera C. Rubin Observatory<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/62fa0bd343bb49b0b113ed72edd4d842.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Am 23. Juni 2025 war es so weit: Die ersten Aufnahmen der bislang gr\u00f6\u00dften Digitalkamera wurden der Welt\u00f6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert \u2013 live vom Cerro Pach\u00f3n in den chilenischen Anden. Dort ist die Kamera das Herzst\u00fcck des Vera C. Rubin-Observatoriums, das nichts Geringeres will, als unser Verst\u00e4ndnis des Universums zu revolutionieren. Ein Meilenstein f\u00fcr Astronomie, Technik \u2013 und die internationale Wissenschaftskooperation.<\/p>\n<p>Der erste Blick in eine neue \u00c4ra<\/p>\n<p>Begleitet von Feierlichkeiten in Washington, D.C., weltweit gestreamten Public Viewings und stolzen Studierenden der University of California Santa Cruz begann ein neues Kapitel der Himmelsbeobachtung. Der sogenannte \u201eFirst Look\u201c war das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Planung, Entwicklung und Bau. Rund 810 Millionen Dollar und unz\u00e4hlige Arbeitsstunden flossen in das Rubin-Observatorium und seine monumentale Kamera. Nun nimmt sie ihren Betrieb auf \u2013 ausgestattet mit einem 8,4 Meter gro\u00dfen Teleskop und einem optischen Sensor, der jeden bisherigen Standard sprengt.<\/p>\n<p>Sie sieht, was kein Teleskop je sah<\/p>\n<p>Die Kamera bringt es auf 3200 Megapixel \u2013 das entspricht etwa 260 modernen Smartphone-Kameras. Ihre Bilder sind so detailreich, dass man aus 24 Kilometern Entfernung einen Golfball erkennen k\u00f6nnte. Dank eines Sichtfelds, das rund sieben Mal gr\u00f6\u00dfer ist als der Vollmond, wird sie k\u00fcnftig Milliarden von Galaxien erfassen \u2013 in einer Qualit\u00e4t, die in der Astronomie bisher unerreicht war.<\/p>\n<p>Mit ihrem Gewicht von 3 Tonnen und der Gr\u00f6\u00dfe eines Kleinwagens ist sie nicht nur ein technisches, sondern auch ein logistische Meisterwerk. Sie wurde am SLAC National Accelerator Laboratory gebaut und Anfang 2025 nach Chile verschifft, wo sie nun auf dem Simonyi Survey Telescope installiert ist.<\/p>\n<p>\u201eMit der LSST-Kamera beginnen wir bald, den gr\u00f6\u00dften Film aller Zeiten zu drehen und die informativste Karte des Nachthimmels zu erstellen, die es je gab\u201c, so \u017deljko Ivezi\u0107, Direktor des Rubin-Observatoriums.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-745517 size-medium_large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/groesste-digitalkamera-welt-768x512.jpg\" alt=\"gr\u00f6\u00dfte Kamera der Welt\" width=\"768\" height=\"512\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Alleine die Frontlinse hat einen Durchmesser von mehr als einem Meter. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Jacqueline Ramseyer Orrell\/SLAC National Accelerator Laboratory<\/p>\n<p>LSST: Ein Zeitraffer des Kosmos<\/p>\n<p>Die Kamera ist Teil des Projekts Legacy Survey of Space and Time (LSST), das den s\u00fcdlichen Nachthimmel \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren immer wieder aufnehmen wird. Etwa alle drei N\u00e4chte kehrt sie zu denselben Himmelsausschnitten zur\u00fcck und sammelt Daten, aus denen sich ein hochaufl\u00f6sender Film der dynamischen Prozesse im Universum erstellen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Beobachtungen sollen unter anderem helfen, dunkle Energie und dunkle Materie besser zu verstehen. Dazu wird die Kamera unter anderem schwache Gravitationslinsen vermessen \u2013 subtile Verzerrungen des Lichts, die durch gro\u00dfe Massen zwischen Erde und Hintergrundgalaxien entstehen. Diese liefern wertvolle Hinweise auf die Verteilung von Materie im Universum.<\/p>\n<p><strong>Rubin-Observatorium &amp; LSST-Kamera \u2013 Technische Fakten<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 <strong>Standort:<\/strong> Cerro Pach\u00f3n, Anden, Chile<br \/>\u2022 <strong>Teleskop:<\/strong> Simonyi Survey Telescope (8,4 Meter Spiegel)<br \/>\u2022 <strong>Kameraaufl\u00f6sung:<\/strong> 3.200 Megapixel (entspricht 3,2 Milliarden Pixeln)<br \/>\u2022 <strong>Gr\u00f6\u00dfe:<\/strong> Kamera etwa so gro\u00df wie ein Kleinwagen, 3 Tonnen schwer<br \/>\u2022 <strong>Fokalebene:<\/strong> 201 individuell gefertigte CCD-Sensoren<br \/>\u2022 <strong>Sichtfeld:<\/strong> ca. 9,6 Quadratgrad (entspricht 40 Vollmonden)<br \/>\u2022 <strong>Beobachtungsdauer:<\/strong> 10 Jahre (Projekt LSST \u2013 Legacy Survey of Space and Time)<br \/>\u2022 <strong>Frequenz:<\/strong> alle 3 N\u00e4chte dieselben Himmelsausschnitte<br \/>\u2022 <strong>Ziele:<\/strong> Erforschung dunkler Materie &amp; Energie, Asteroiden, Supernovae, Milchstra\u00dfe<br \/>\u2022 <strong>Finanzierung:<\/strong> ca. 810 Millionen US-Dollar, u.a. durch NSF und US-Energieministerium<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ein Fenster f\u00fcr neue Entdeckungen<\/p>\n<p>Doch die Forschung beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf das Gro\u00dfe und Ferne. Auch in unserem eigenen Sonnensystem soll die Kamera bislang unbekannte Objekte aufsp\u00fcren \u2013 darunter lichtschwache Asteroiden, die der Erde gef\u00e4hrlich nahe kommen k\u00f6nnten. Durch ihre Empfindlichkeit k\u00f6nnten k\u00fcnftig zehnmal mehr Objekte in Sonnenn\u00e4he beobachtet werden als bisher bekannt.<\/p>\n<p>Dank intelligenter Software vergleicht das System neue Aufnahmen mit \u00e4lteren Bilddaten. Erkennt es Ver\u00e4nderungen, sendet es automatisch innerhalb weniger Minuten Warnmeldungen an Forschende weltweit. Das erm\u00f6glicht die Echtzeitverfolgung von Supernovae, Kometen, ver\u00e4nderlichen Sternen oder anderen kosmischen Ereignissen.<\/p>\n<p>\u201eRubins Kombination aus Geschwindigkeit, gro\u00dfem Sichtfeld und empfindlicher Kamera erweitert die Grenzen dessen, was ein Teleskop leisten kann\u201c, hei\u00dft es vom Forschungsteam.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-745519 size-medium_large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/groesste-digitalkamera-welt-aufbau-768x532.jpg\" alt=\"Aufbau der Kamera\" width=\"768\" height=\"532\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Aufbau der Kamera der LSST-Kamera mit ihren Hauptkomponenten wie Linsen, Sensoranordnung und Versorgungsschacht. Foto: Chris Smith\/SLAC National Accelerator Laboratory<\/p>\n<p>Die enge Verbindung zur UC Santa Cruz<\/p>\n<p>Die UC Santa Cruz war von Beginn an eng in das Projekt eingebunden. Der Physiker Steven Ritz, inzwischen Projektwissenschaftler und Mitglied des Collaboration Councils der Dark Energy Science Collaboration (DESC), koordinierte das Team f\u00fcr die ersten Bildver\u00f6ffentlichungen. Zahlreiche weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der Universit\u00e4t wirkten an Softwareentwicklung, Kamerakalibrierung und kosmologischen Modellierungen mit.<\/p>\n<p>Auch Professorin Tesla Jeltema, heute stellvertretende Sprecherin der DESC, war von Anfang an dabei. Sie engagiert sich in der Forschung zu Galaxienclustern, Dunkler Materie und Gravitationslinsen. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen trug sie ma\u00dfgeblich zur wissenschaftlichen Inbetriebnahme bei. \u201eDie ersten Bilder zu sehen, war einfach aufregend\u201c, sagte Jeltema.<\/p>\n<p>Was kann man sonst noch mit einer so gro\u00dfen Kamera machen?<\/p>\n<p>Die Bilder der riesigen Digitalkamera zeigen nicht nur ferne Galaxien. Sie helfen laut Forschungsteam auch, unsere Milchstra\u00dfe zu erforschen. Viele Sterne in ihr sind klein und lichtschwach. Doch die LSST-Kamera ist so empfindlich, dass sie eine viel genauere Karte liefert. Sie zeigt den Aufbau und die Entwicklung unserer Galaxie. Auch Sterne und andere Objekte werden sichtbar.<\/p>\n<p>Auch kleine Objekte in unserem Sonnensystem will das Team genauer unter die Lupe nehmen. Das Rubin-Observatorium sch\u00e4tzt, dass wir dadurch zehnmal mehr Objekte kennenlernen werden. Das wird unser Verst\u00e4ndnis des Sonnensystems verbessern. Es k\u00f6nnte uns auch vor Asteroiden warnen, die der Erde zu nahe kommen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch beobachten, wie sich der Nachthimmel ver\u00e4ndert. Sie sehen, wie Sterne vergl\u00fchen und Materie in riesige schwarze L\u00f6cher in den Zentren der Galaxien f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Ein Observatorium mit Verm\u00e4chtnis<\/p>\n<p>Das Rubin-Observatorium ist nach der Pionierin Vera Rubin benannt. Sie lieferte in den 1970er-Jahren den ersten \u00fcberzeugenden Hinweis auf die Existenz Dunkler Materie. Ihre damalige Kollegin Sandra Faber, ebenfalls Wegbereiterin der modernen Galaxienforschung, erinnerte sich in einer Rede an Rubins Einsatz f\u00fcr Gleichberechtigung in der Wissenschaft:<\/p>\n<p>\u201eSie hatte ein echtes Talent daf\u00fcr, den Finger in die Wunde zu legen und einen dabei zum Lachen zu bringen\u201c, so Faber. \u201eSie war keine Jammerin.\u201c Das Observatorium ist das erste seiner Art, das nach einer Frau benannt wurde \u2013 und k\u00f6nnte schon bald eine neue \u00c4ra der Astronomie einl\u00e4uten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erste Bilder aus dem All: Das Rubin-Observatorium startet mit der gr\u00f6\u00dften Digitalkamera der Welt und will dunkle Materie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":223877,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[29,30,190,189,194,191,71353,193,192],"class_list":{"0":"post-223876","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-science","11":"tag-science-technology","12":"tag-technik","13":"tag-technology","14":"tag-teleskop","15":"tag-wissenschaft","16":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114756401660047044","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=223876"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223876\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/223877"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=223876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=223876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=223876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}