{"id":224302,"date":"2025-06-27T20:45:12","date_gmt":"2025-06-27T20:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/224302\/"},"modified":"2025-06-27T20:45:12","modified_gmt":"2025-06-27T20:45:12","slug":"oderbruch-in-brandenburg-vom-einst-grossen-landsee-zum-radlerparadies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/224302\/","title":{"rendered":"Oderbruch in Brandenburg: Vom einst gro\u00dfen Landsee zum Radlerparadies"},"content":{"rendered":"<p>Eine Tour durch das \u00f6stliche Brandenburg ist eine Zeitreise in die Geschichte einer trockengelegten, einst lebensfeindlichen Sumpflandschaft. Heute kommen Biker, K\u00fcnstler, Naturliebhaber und Grenzg\u00e4nger \u2013 wenn es um einen begehrten Picknickplatz mitten im Fluss geht.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Auf den ersten Blick ist das Oderbruch, das sich zwischen Bad Freienwalde und Neuhardenberg erstreckt, unspektakul\u00e4r: flaches Land, Felder und Wiesen durchzogen von Wassergr\u00e4ben, ein paar H\u00fcgel, gro\u00dfe Entfernungen zwischen den wenigen, zumeist kleinen Ortschaften. Spektakul\u00e4r hingegen ist seine Geschichte, die sich wunderbar mit dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/fahrradtouren\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/fahrradtouren\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fahrrad<\/a> erkunden l\u00e4sst, denn das Oderbruch ist in weiten Teilen platt wie eine Flunder. <\/p>\n<p>So ein Kurzurlaub ist deshalb immer auch eine Zeitreise in die Geschichte der Trockenlegung einer der gr\u00f6\u00dften mitteleurop\u00e4ischen Sumpflandschaften durch Preu\u00dfens K\u00f6nig Friedrich II. in der Mitte des 18. Jahrhunderts \u2013 und noch mehr eine Geschichte von Menschen, die ihr Gl\u00fcck damals gegen alle Widerst\u00e4nde in die eigenen H\u00e4nde nahmen.<\/p>\n<p>Es ist die Geschichte der gelungenen Umwandlung einer lebensfeindlichen, wilden, m\u00fcckenverseuchten Naturlandschaft in eine lebens- und liebenswerte Kulturlandschaft. \u00dcber die gelungene Aktion soll der Alte Fritz gesagt haben: \u201eIch habe eine Provinz im Frieden erobert, ohne einen Soldaten zu verlieren.\u201c <\/p>\n<p>Wo sich einst S\u00fcmpfe bis zum Horizont erstreckten, kann man heute ohne M\u00fcckeninvasionen auf gut ausgebauten Fahrradwegen entlangfahren. Doch wer glaubt, das sei ein Kinderspiel, irrt. In welche Richtung man auch radelt, gef\u00fchlt kommt der Wind immer scharf von vorn, nichts stellt sich ihm in den Weg, nichts kann ihn aufhalten.  <\/p>\n<p>Fr\u00fcher ein gewaltiger See<\/p>\n<p>Anders als heute kam vor drei Jahrhunderten kaum ein Mensch freiwillig hierher. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/theodor-fontane\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/theodor-fontane\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theodor Fontane<\/a> notierte in seinen \u201eWanderungen durch die Mark Brandenburg\u201c,  \u201e&#8230; da\u00df das Oderbruch vor seiner Urbarmachung eine w\u00fcste und wilde Fl\u00e4che war\u201c.  <\/p>\n<p>Zweimal im Jahr, im Fr\u00fchling und Herbst, stand das Bruch unter Wasser. \u201eDann glich die ganze Niederung einem gewaltigen Landsee, aus welchem nur die h\u00f6her gelegenen Teile hervorragten; ja selbst diese wurden bei hohem Wasser \u00fcberschwemmt\u201c, schrieb der ber\u00fchmteste m\u00e4rkische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wanderurlaub\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wanderurlaub\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wandersmann<\/a> \u00fcber den ungastlichen Landstrich, der, au\u00dfer ein paar Fischern, kaum jemanden ern\u00e4hrte. Das \u00e4nderte sich erst mit der Trockenlegung, die 1747 auf Befehl Friedrichs II. begann.  <\/p>\n<p>Kein Wunder, dass dem Alten Fritz wegen dieser zivilisatorischen Gro\u00dftat \u00fcberall im Oderbruch Denkm\u00e4ler gesetzt wurden. Das bekannteste steht in Letschin. L\u00e4ssig auf seinen Stock gest\u00fctzt, blickt der Monarch vom hohen Sockel hinab ins Oderland, so, als wollte er sagen: Seht her, dieses fruchtbare Land verdankt ihr mir.<\/p>\n<p>Ganz so war es allerdings nicht, ist in der Letschiner Heimatstube zu erfahren. Nat\u00fcrlich ging es dem Alten Fritz nicht darum, das Sumpfland (genau das bedeutet das Wort \u201eBruch\u201c) aus purer Liebe zu seinen Untertanen trockenzulegen. Vielmehr brauchte der K\u00f6nig nach mehreren verlustreichen Kriegen fruchtbares Land f\u00fcr Ackerbau und Viehzucht. Das Oderbruch war genau der Landstrich, der daf\u00fcr infrage kam.  <\/p>\n<p>1747 begannen Hunderte Tagel\u00f6hner mit dem Bau eines 20 Kilometer langen Kanals. Am 2. Juli wurde das neue Flussbett ge\u00f6ffnet, das die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/oder\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/oder\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oder<\/a> z\u00e4hmen sollte. Seitenarme wurden verschlossen, W\u00e4lder gerodet, um Platz f\u00fcr neue Ackerfl\u00e4chen zu schaffen. 1753 waren die Hauptarbeiten geschafft und mehr als 32.500 Hektar Ackerland gewonnen. Nun ging es darum, Menschen anzusiedeln, die dieses Land bewirtschaften. Aber woher nehmen?<\/p>\n<p>Theodor Fontane kennt die Antwort: \u201eDas war nichts Leichtes. Eine eigne \u201aKommission zur Herbeischaffung von Kolonisten\u2018 wurde gegr\u00fcndet, und diese Kommission lie\u00df durch alle preu\u00dfische Gesandtschaften flei\u00dfige und arbeitsame Arbeiter zum Eintritt in die preu\u00dfischen Staaten einladen. Diese Einladungen hatten in der Tat Erfolg &#8230; So kamen Pf\u00e4lzer, Schwaben, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polen<\/a>, Franken, Westfalen, Vogtl\u00e4nder, Mecklenburger, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/oesterreich-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/oesterreich-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreicher<\/a> und B\u00f6hmen.\u201c <\/p>\n<p>Der \u201eGem\u00fcsegarten von Berlin\u201c war einmal<\/p>\n<p>Was wohl weniger das Ergebnis einer freundlichen Einladung war als viel mehr des Versprechens vom Alten Fritz auf zahlreiche Verg\u00fcnstigungen: Jede Familie erhielt kostenlos Land; die Religionsaus\u00fcbung war frei (gem\u00e4\u00df dem Motto Friedrichs II.: \u201eJeder soll nach seiner Fa\u00e7on selig werden\u201c); Prediger und Kirchen bezahlte der K\u00f6nig. In jedem Dorf gab es eine kostenlose Schule, allen Neusiedlern wurde 15 Jahre Steuerfreiheit zugesichert; sie, ihre Kinder und Kindeskinder wurden vom Milit\u00e4rdienst befreit.<\/p>\n<p>Dieses verlockende Angebot und die damit verbundene Hoffnung auf ein besseres Leben bewog mehr als 7000 Menschen, ihre angestammte Heimat zu verlassen. In 40 neu errichteten D\u00f6rfern fanden sie ein neues Zuhause. Doch w\u00e4hrend der Alte Fritz schnell von seinen neuen Untertanen profitierte, lohnte es sich f\u00fcr die Kolonisten erst sp\u00e4ter. \u201eDie erste Generation arbeitet sich tot, die zweite leidet Not, die dritte findet ihr Brot\u201c \u2013 ein Spruch, der die Realit\u00e4t treffend zusammenfasst. <\/p>\n<p>Auch heute ist das Oderbruch eine \u00fcberwiegend landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Region, doch schon lange nicht mehr der \u201eGem\u00fcsegarten von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/berlin-staedtereise\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/berlin-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a>\u201c. Statt Felder mit Kartoffeln, Gurken oder Blumenkohl bestimmen immer mehr riesige Fl\u00e4chen mit Raps, Sonnenblumen oder Mais das Bild. Sch\u00f6n anzusehen, aber alles andere als gut f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es gibt nur noch wenige Bauern im Haupterwerb, nach der Wende fanden immer weniger Menschen hier Arbeit und zogen weg. Daf\u00fcr entdeckten zahlreiche K\u00fcnstler und andere kreative Menschen die Landschaft f\u00fcr sich, siedelten sich hier an und gestalteten die alten H\u00e4user nach ihren Bed\u00fcrfnissen.  <\/p>\n<p>Gut 45 m\u00fchsame Gegenwindkilometer entfernt von Letschin liegt Neutrebbin, das Radfahrer abseits der gro\u00dfen Stra\u00dfen erreichen, die Tour f\u00fchrt an Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben entlang und durch zahlreiche ehemalige Kolonistend\u00f6rfer.  Die 1500-Seelen-Gemeinde verdankt ihren Ursprung ebenfalls der Trockenlegung. Neutrebbins Gasthaus hei\u00dft passenderweise \u201eZum Alten Fritz\u201c, eine sch\u00f6ne Unterkunft, in der man sich liebevoll um G\u00e4ste k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Einst stand hier eine Fischerkate, nach der Trockenlegung wurde der Fischer zum Bauern. 1920 kauften die Gro\u00dfeltern des heutigen Besitzers den Hof. Doch ein Dasein als Bauer, wie noch seine Eltern, war f\u00fcr J\u00fcrgen Dunkel keine Alternative, und so verwandelte er sein Elternhaus 1986 zun\u00e4chst in eine Gastst\u00e4tte, nach der Wende baute er den ehemaligen Stall zu einer Pension mit 13 gem\u00fctlichen Zimmern um, die gern von Naturliebhabern, Radtouristen und Wanderern gebucht werden. See- oder Fischadler lassen sich hier genauso gut beobachten wie Wildg\u00e4nse und Schw\u00e4ne, die auf den Feuchtfl\u00e4chen des Bruchs reichlich Nahrung finden.  <\/p>\n<p>Dorf unter Denkmalschutz<\/p>\n<p>Morgens wird man vom Geklapper eines Storches geweckt, der sein Nest auf einem Hochsitz direkt vor dem Haus gebaut hat. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gibt es Produkte aus der Region, dann geht es weiter nach Neulietzeg\u00f6ricke, ins \u00e4lteste und sch\u00f6nste Kolonistendorf im Oderbruch. Der Weg dorthin f\u00fchrt durch Neubarnim \u2013 ein sch\u00f6ner Fotostopp dank der 1858 angelegten, zwei Kilometer langen Lindenallee, die \u00e4lteste ihrer Art in Brandenburg. <\/p>\n<p>Neulietzeg\u00f6ricke entstand, wie die anderen Kolonistend\u00f6rfer, 1753 auf dem Rei\u00dfbrett als typisches Stra\u00dfendorf: In der Mitte, zwischen den beiden Dorfstra\u00dfen, wurde auf etwa 850 Meter L\u00e4nge der Schachtgraben, ein Wasserabzugsgraben, angelegt. Der Aushub wurde vor Ort weiterverwertet, er diente zur Erh\u00f6hung der Baustellen der Kolonistenh\u00e4user, die rechts und links des Grabens entlang der Stra\u00dfe errichtet wurden. Mitten im Dorf entstanden Kirche, Gasthof und Schulhaus. Nach nur einem Jahr Bauzeit war alles fertig, 40 Familien mit rund 250 Menschen fanden hier eine neue Heimat. <\/p>\n<p>Seit 1976 steht das Dorf unter Denkmalschutz. Viele der historischen Fachwerkh\u00e4user der Kolonisten wurden nach der Wende denkmalgerecht saniert, staatliche F\u00f6rdermittel machten es m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Heute leben knapp 200 Menschen in Neulietzeg\u00f6ricke, einige sind direkte Nachfahren der Kolonisten. Wie Martina Herrlich-Gryzan, die seit 2014 an mehreren Tagen pro Woche in der alten Schule ihr \u201eKolonisten-Kaffee\u201c und ganzj\u00e4hrig eine Pension betreibt \u2013 der beste Platz f\u00fcr eine entspannende Pause bei selbstgebackenem Kuchen und interessanten Geschichten wie dieser: \u201eFriedrich II. war selbst leidenschaftlicher Kaffeetrinker\u201c, erz\u00e4hlt die Wirtin, \u201eein Genuss, den er seinen Untertanen nicht g\u00f6nnte: Ab 1780 lie\u00df er rund 400 Kriegsinvaliden durch preu\u00dfische Kommunen \u201aschn\u00fcffeln\u2018, auch im Oderbruch \u2013 die \u201aSchn\u00fcffler\u2018 sollten feststellen, wo gesetzeswidrig privat Bohnenkaffee ger\u00f6stet wurde. Ihre Nasen sollten helfen, Geld im Land zu halten und f\u00fcr einheimischen Malzkaffee auszugeben, um Preu\u00dfens Wirtschaft zu st\u00e4rken.\u201c <\/p>\n<p>Weiter geht es, Richtung Oder. Nur wenige Meter vom Fluss entfernt steht ein Geb\u00e4udekomplex, dessen Baustil wie eine Mischung aus Friedensreich Hundertwasser und Hobbits daherkommt: Es gibt keine gerade Wand, daf\u00fcr dick mit Trockenpflanzen und Moos bewachsene D\u00e4cher, schm\u00fcckende Mosaike, viel Holz; alles wirkt improvisiert.<\/p>\n<p>Das passt zum Konzept, schlie\u00dflich handelt es sich um das \u201eTheater am Rand\u201c, eines der ungew\u00f6hnlichsten privat gef\u00fchrten freien Theater Deutschlands. Der Name erkl\u00e4rt sich aus der Lage an der Grenze zu Polen: Mehr am Rand eines Landes kann man wohl nicht liegen. <\/p>\n<p>Seit 1998, als hier alles im Wohnzimmer des Musikers Thomas Morgenstern begann, hat sich das Theater einen besonderen Platz in der Kulturlandschaft erobert. Seit 2014 wird im jetzigen Geb\u00e4ude gespielt. Das Repertoire ist breit gef\u00e4chert, die Zuschauer kommen in Scharen von weither, um am Grenzfluss gro\u00dfe B\u00fchnenkunst zu erleben, gespielt oder gesungen.  Das d\u00fcrfte ganz im Sinne des Alten Fritz sein, von dem dieser Spruch \u00fcberliefert ist: \u201eWas ist sch\u00f6ner, als Vergn\u00fcgungen des Geistes.\u201c<\/p>\n<p>Europabr\u00fccke verbindet Polen und Deutschland<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station: Zollbr\u00fccke am Oderdamm, keine 100 Meter vom Theater entfernt. Der Fluss flie\u00dft ruhig dahin. Ganz anders als im Sommer 1997, als die Oder hier au\u00dfer Rand und Band war und die verheerende Flut alles mitriss, was ihr in die Quere kam \u2013 Menschen, Tiere, H\u00e4user. Dank Bundeswehr und Helfern aus ganz Deutschland konnte ein noch gr\u00f6\u00dferes Inferno verhindert werden: Die D\u00e4mme schwankten, aber sie hielten den Fluten stand.  <\/p>\n<p>L\u00e4ngst genie\u00dfen wieder Radtouristen, Skater und Spazierg\u00e4nger ihren Ausflug entlang des Deiches auf dem gut 600 Kilometer langen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.oder-neisse-radweg.de\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.oder-neisse-radweg.de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Oder-Nei\u00dfe-Radweg<\/a>. Seit drei Jahren k\u00f6nnen sie nur vier Kilometer von Zollbr\u00fccke entfernt endlich auch grenzenlos zwischen Polen und Deutschland hin und her pendeln.<\/p>\n<p>Nach jahrelanger Bauzeit wurde die Europabr\u00fccke f\u00fcr Fahrr\u00e4der und Fu\u00dfg\u00e4nger im Juni 2022 er\u00f6ffnet. Insgesamt 860 Meter lang, f\u00fchren je 330 Meter auf deutscher und polnischer Seite \u00fcber die Oder, verbunden mit einem 200 Meter langen Damm \u00fcber eine Insel mitten im Grenzfluss. Eine Aussichtsplattform auf dem polnischen Teil der Br\u00fccke bietet einen weiten Blick \u00fcber den Fluss hinein ins Oderbruch.  <\/p>\n<p>Wer mag, macht ein Picknick mitten im Fluss, denn auf dem polnischen Teil der Br\u00fccke laden zahlreiche Tische und B\u00e4nke zu einer Rast ein. Gut gest\u00e4rkt kann danach die letzte Etappe in Angriff genommen werden: Immer geradeaus von der Fahrradbr\u00fccke bis nach Wriezen zum Bahnhof der Regionalbahn nach Berlin f\u00fchrt der Weg.<\/p>\n<p>Die Route ist beidseitig eng von B\u00e4umen und B\u00fcschen ges\u00e4umt. Ein Segen! Denn erstmals auf der Tour pustet der Gott des Windes nicht von vorn, sondern von hinten. Mit R\u00fcckenwind ist das Oderbruch einfach sch\u00f6ner.  <\/p>\n<p>Tipps und Informationen:<\/p>\n<p><b>An- und Abreise:<\/b> Von Berlin f\u00e4hrt man in gut einer Stunde mit dem Regionalzug RB 26 nach Seelow-Gusow, einem guten Ausgangspunkt f\u00fcr eine Oderbruch-Tour, zur\u00fcck geht es von Wriezen \u00fcber Eberswalde (RB 60\/RE 3).  <\/p>\n<p><b>Wo wohnt man gut?<\/b> Landgasthof und Pension \u201eZum Alten Fritz\u201c in Neutrebbin, gastfreundliches Familienunternehmen mit guter K\u00fcche und Weinkeller, Doppelzimmer mit Fr\u00fchst\u00fcck ab 120 Euro (gasthof-zum-alten-fritz.de). Die Pension im \u201eKolonisten-Kaffee\u201c in Neulietzeg\u00f6ricke bietet gem\u00fctliche Doppelzimmer ab 90 Euro (kolonisten-kaffee.de).<\/p>\n<p><b>Buchtipp:<\/b> Theodor Fontanes \u201eWanderungen durch die Mark Brandenburg\u201c wurden erstmals 1862 ver\u00f6ffentlicht, urspr\u00fcnglich in f\u00fcnf B\u00e4nden, wobei das Oderbruch in Band zwei vorkommt. Bei Hofenburg und im Aufbau-Verlag erscheint der historisch-literarische Reisef\u00fchrer auch heute noch, als Gesamtwerk in einem Sammelband.<\/p>\n<p><b>Weitere Infos<\/b>: seenland-oderspree.de<\/p>\n<p>Die Teilnahme an der Reise wurde unterst\u00fctzt vom Tourismusverband Seenland Oder-Spree. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabh\u00e4ngigkeit finden Sie unter <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.axelspringer.com\/de\/was-uns-ausmacht\/downloads\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.axelspringer.com\/de\/was-uns-ausmacht\/downloads&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">go2.as\/unabhaengigkeit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Tour durch das \u00f6stliche Brandenburg ist eine Zeitreise in die Geschichte einer trockengelegten, einst lebensfeindlichen Sumpflandschaft. 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