{"id":225512,"date":"2025-06-28T08:10:09","date_gmt":"2025-06-28T08:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/225512\/"},"modified":"2025-06-28T08:10:09","modified_gmt":"2025-06-28T08:10:09","slug":"der-juni-war-ein-horrormonat-kiew-wird-auf-jeden-fall-zur-gefaehrlichsten-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/225512\/","title":{"rendered":"Der Juni war ein Horrormonat: &#8222;Kiew wird auf jeden Fall zur gef\u00e4hrlichsten Stadt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Krieg gegen die Ukraine hat Russland seine Taktik ge\u00e4ndert: Es geht darum, so viele Zivilisten wie m\u00f6glich zu treffen. &#8222;Die Strategie der Russen besteht darin, durch die st\u00e4ndige Terrorisierung der einfachen B\u00fcrger die Nation zu schw\u00e4chen&#8220;, sagt der Leiter der Kiewer Milit\u00e4rverwaltung ntv.de.<\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg ist wieder in Kiew angekommen: Die ukrainische Hauptstadt war seit der Befreiung der Kiewer Region im Fr\u00fchjahr 2022 mit wenigen Unterbrechungen vergleichsweise sicher. Doch im Juni hat eine Reihe massiver kombinierter Angriffe das Vertrauen der Bewohner ersch\u00fcttert: Dreimal wurde Kiew in diesem Monat zum Hauptziel der n\u00e4chtlichen russischen Angriffe mit Drohnen, Marschflugk\u00f6rpern und Raketen.<\/p>\n<p>&#8222;Im Juni erreichten 285 Drohnen und 65 Raketen Kiew. Dar\u00fcber hinaus versuchte die Luftabwehr, viele Ziele im Fernanflug abzuschie\u00dfen&#8220;, teilt der Leiter der Kiewer Milit\u00e4rverwaltung, Tymur Tkachenko, auf Anfrage von ntv.de mit. Im Vergleich dazu habe es etwa im Januar deutlich weniger feindliche Ziele gegeben: &#8222;Konkret wurden 35 Drohnen und eine ballistische Rakete auf Kiew abgefeuert.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Fr\u00fcher schien Kyjiw am besten gesch\u00fctzt zu sein &#8211; es hat ein paar Mal geknallt, das war&#8217;s, man konnte sich schlafen legen. Aber jetzt gibt es so viele Angriffe, dass es wahrscheinlich besser ist, wegzuziehen, in kleinere St\u00e4dte&#8220;, sagt Ivan Ryabokon. Der 25-J\u00e4hrige und seine Mutter Halyna wohnen im Bezirk Schewtschenko. Ein Nachbarhaus wurde am Montag von einer Rakete getroffen. Neun Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben, darunter ein Kind. Mit den Nachbarn stehen sie an der Absperrung. Man gibt sich gegenseitig Halt: &#8222;Die Menschen wohnen hier seit Jahrzehnten, sind hier aufgewachsen &#8211; man kennt einander.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend Bidens Amtszeit hatten wir die Patriots&#8220;<\/p>\n<p>Erst in der Woche zuvor kostete ein Raketenangriff auf ein Wohnhaus 28 Menschen das Leben. Die Gro\u00dfst\u00e4dter hatten kaum Zeit, die Bilder zu verdauen. Der Krieg ist auf einmal ganz nah: Ein Loch klaffte inmitten des Wohnhauses. Eine Rakete hatte alle neun Stockwerke dem Erdboden gleichgemacht. Das ganze Land bangte mit einem Paar, das stundenlang auf die Bergung ihres Sohnes wartete &#8211; nur um zu erfahren, dass er unter den Tr\u00fcmmern gestorben war. Die Bilder der aufgel\u00f6sten Eltern gingen durch die Medien.<\/p>\n<p>&#8222;Bevor Trump Pr\u00e4sident der USA wurde, habe ich mich wirklich sicherer gef\u00fchlt&#8220;, meint Sportfotograf Dmytro Yevenko. &#8222;W\u00e4hrend Bidens Amtszeit hatten wir die Patriots&#8220;, also Raketenabwehrsysteme aus US-Produktion, &#8222;und wir konnten Raketen aus der Luft zerst\u00f6ren. Jetzt haben wir ein Problem, und Kiew wird auf jeden Fall zur gef\u00e4hrlichsten Stadt werden.&#8220; Patriots hat die Ukraine noch immer, aber die Munition wird knapp. Was die USA jetzt noch liefern, wurde unter Biden beschlossen, neue Hilfen sind bisher nicht geplant. &#8222;Deswegen ist essenziell, dass die USA zumindest Raketen f\u00fcr Patriot \u00fcber die Europ\u00e4er verkaufen&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/So-gut-wie-alles-was-Merz-ueber-den-Krieg-sagt-trifft-direkt-ins-Ziel-article25800512.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\">sagt der ukrainische Milit\u00e4rexperte Oleksij Melnyk<\/a>. &#8222;Die Einstellung der Lieferungen w\u00e4re zwar keine v\u00f6llige Katastrophe, das Ergebnis w\u00e4re aber klar: noch viel mehr tote Zivilisten in der Ukraine.&#8220;<\/p>\n<p>Yevenko hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Es war sein Haus, in das die Rakete um vier Uhr morgens einschlug. Allerdings traf es zwei Hauseing\u00e4nge am anderen Ende des F\u00fcnfgeschossers. Er ist bei Freunden untergekommen und wartet darauf, ein paar Dinge aus dem einsturzgef\u00e4hrdeten Haus holen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p> Russland schickt immer mehr Drohnen<\/p>\n<p>Seine Nachbarin Lisaweta Korsinowa steht sichtlich unter Schock: &#8222;Gott hat mir das Leben gerettet.&#8220; Die 23-J\u00e4hrige \u00fcbernachtete durch Zufall bei Freunden, als Russland die Ukraine am fr\u00fchen Montagmorgen mit 358 Drohnen und ballistischen Raketen und Marschflugk\u00f6rpern angriff. &#8222;Wir h\u00f6rten Drohne um Drohne \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinwegfliegen.&#8220; Das Ganze sei wie ein Fiebertraum gewesen. &#8222;Ich dachte erst, es seien Bilder aus meiner Heimatstadt Nikopol, die drei Kilometer von der Front entfernt ist, aber nein, es ist meine Wohnung hier.&#8220;<\/p>\n<p>Von ihrer Wohnung im ersten Stock ist nur noch ein Teil da. Der vordere Bereich liegt in Tr\u00fcmmern. Nackte Wohnzimmerw\u00e4nde erz\u00e4hlen von den Familienleben, die hier ausgel\u00f6scht wurden. Szenen, die auf erschreckende Weise an die vorangegangene Woche erinnern. Wieder wartet ein Vater vergeblich auf erl\u00f6sende Nachrichten: Seine Frau und seine elfj\u00e4hrige Tochter k\u00f6nnen nur noch tot geborgen werden. Eine schreckliche neue Routine bestimmt die lokalen Nachrichten.<\/p>\n<p>28.743 Drohnen vom Typen Shahed hat Moskau seit Kriegsbeginn 2022 in Richtung der Ukraine gestartet &#8211; davon seien 2736 oder 9,5 Prozent allein im Juni 2025 abgefeuert worden, sagte Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in einer Rede vor dem niederl\u00e4ndischen Parlament. Selenskyj unterstrich, dass Russland die Drohnenangriffe nie ohne die Hilfe des Iran h\u00e4tte vornehmen k\u00f6nnen, und dass die Ukraine wiederum auf die Hilfe ihrer Partner bei der Luftabwehr angewiesen sei.<\/p>\n<\/p>\n<p>Russland hat seine Taktik ge\u00e4ndert<\/p>\n<p>Im Januar lag die durchschnittliche Anzahl der Geschosse aus Russland pro Nacht bei 100. Mittlerweile feuert Russland jede Nacht zwischen 300 und 500 Geschosse in Richtung Ukraine. W\u00e4hrend Russland seine Drohnenproduktion hochgefahren und seine Angriffe ausgeweitet hat, ist die Abfangrate der ukrainischen Luftabwehr gesunken: Lag sie im Winter noch bei 95 Prozent, sind es jetzt nur noch 85 Prozent &#8211; mit verheerenden Folgen: &#8222;Leider nimmt die Zahl russischer Angriffe zu, und diese richten sich vor allem gegen die Bev\u00f6lkerung&#8220;, sagt Kyjiws Milit\u00e4rverwalter Tkachenko. Seit Anfang Juni seien in Kiew 42 Menschen get\u00f6tet worden, darunter das erw\u00e4hnte elfj\u00e4hrige M\u00e4dchen. 234 Menschen wurden verletzt, darunter elf Kinder.<\/p>\n<p>Doch es ist nicht allein die Anzahl der Geschosse, die die Luftabwehr \u00fcberw\u00e4ltigen sollen. Russland hat seine Taktik ge\u00e4ndert, um auf perfide Weise mehr Opfer herbeizuf\u00fchren: &#8222;Selbst in kleinen St\u00e4dten haben sie ihre Taktik ge\u00e4ndert&#8220;, meint Halyna Ryabokon. &#8222;Statt verschiedene St\u00e4dte anzugreifen, umkreisen sie eine kleine Stadt und feuern alle Drohnen ab.&#8220; Zeitgleich mit dem Angriff auf ihr Viertel traf es Bila Tserkwa, eine Kleinstadt bei Kiew. &#8222;Oder sie machen eine kleine Pause nach den Drohnenschw\u00e4rmen. Und sobald der Luftalarm erlischt und sich die Menschen in Sicherheit w\u00e4hnen, feuern sie Raketen ab.&#8220;<\/p>\n<p>So geschehen am Montag in ihrem Bezirk Schewtschenko: &#8222;Der Luftalarm war gerade vorbei. Die Menschen hatten gerade den Schutzraum im unterirdischen Parkplatz gegen\u00fcber verlassen&#8220;, sagt Ryabokon. &#8222;Ich hatte mich wieder schlafen gelegt.&#8220; Da ert\u00f6nte der Alarm erneut &#8211; Raketenalarm. &#8222;Das bedeutet, es bleiben nur wenige Minuten. Man hat keine Zeit, um in den Schutzraum zu gehen. Wenn ich gerannt w\u00e4re, h\u00e4tte mich diese Rakete erwischt und die Druckwelle h\u00e4tte mich getroffen. Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen, um Schutz zu suchen.&#8220;<\/p>\n<p>Selbst Streumunition setzt Russland gegen Zivilisten ein<\/p>\n<p>Auch Streumunition kam im Juni zum Einsatz. In diesem Jahr habe der Einsatz des international ge\u00e4chteten Waffensystems durch Russland systematische Ausma\u00dfe angenommen, sagt der Leiter der Kiewer Milit\u00e4rverwaltung. &#8222;Im Fr\u00fchjahr registrierten wir erstmals sogenannte l\u00e4ngliche Submunitionen, die von feindlichen Drohnen abgefeuert werden. Sie explodieren einige Zeit, nachdem das feindliche Ziel abgeworfen oder abgeschossen wurde, und k\u00f6nnen Zivilisten und Rettungskr\u00e4fte verletzen.&#8220;<\/p>\n<p>Rettungskr\u00e4fte und Zivilisten m\u00fcssen aber auch die sogenannten &#8222;Double Tap&#8220;-Angriffe f\u00fcrchten: Anfang Juni kamen dabei drei Einsatzkr\u00e4fte des staatlichen Notdienstes DSNS ums Leben: Sie r\u00fcckten an, um einen Brand im Bezirk Schuljawka zu l\u00f6schen, als eine weitere Drohne den Einsatzort traf. &#8222;Das ist so b\u00f6se. Sie sind einfach keine Menschen&#8220;, meint Halyna Ryabokon.<\/p>\n<p>An einer Absperrung steht am Montagnachmittag Valentyna Osiadach mit ihrer Tochter Emilia. Die Vierj\u00e4hrige hat die ganze Nacht nach ihrer besten Freundin im Nachbarhaus gefragt. Zu Kriegsbeginn waren Valentyna und Emilia ins Ausland geflohen. &#8222;Aber letzten Sommer habe ich beschlossen, zur\u00fcckzukommen, weil mein Land hier ist. Man m\u00f6chte zu Hause sein. Jetzt hinterfrage ich meine Entscheidung,&#8220; sagt die Mutter. &#8222;Jeden Abend gehen wir runter zum Parkplatz. Wir haben Campingausr\u00fcstung dabei, damit die Kinder dort schlafen k\u00f6nnen. Aber seit den letzten Angriffen hat sich etwas ge\u00e4ndert. Es ist nicht mehr so sicher.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das werden sie nicht schaffen&#8220;<\/p>\n<p>Kiews Milit\u00e4rverwalter Tkachenko zufolge verfolgt Russlands j\u00fcngste Angriffswelle keine milit\u00e4rischen Ziele: &#8222;Der Feind interessiert sich nicht besonders f\u00fcr konventionelle milit\u00e4rische Ziele, nicht einmal f\u00fcr kritische Infrastruktur. Die Strategie der Russen besteht darin, durch die st\u00e4ndige Terrorisierung der einfachen B\u00fcrger die Nation zu schw\u00e4chen.&#8220; F\u00fcr die Psychologin Lyubov Kirnos vom DSNS und ihre Kollegen bedeutet der Terror vor allem eines: Dass sie mit der Zeit mehr und mehr lernen musste, Distanz zu gewinnen: 120 Menschen betreute sie allein am Montag mit einer Kollegin von vier Uhr morgens bis sp\u00e4t am Nachmittag. Darunter die 25-j\u00e4hrige Schwester des get\u00f6teten elfj\u00e4hrigen M\u00e4dchens, und Menschen, die die Leichen ihrer Verwandten identifizieren mussten. &#8222;Es ist schade, dass wir keinen Zauberstab haben &#8211; ich denke oft dar\u00fcber nach -, der die Seelen der Menschen heilen k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p>Zusammen mit den Kollegen sieht sie t\u00e4glich hautnah, was Russlands Terror f\u00fcr die Betroffenen bedeutet, und wie er zunimmt. Ans Aufgeben denkt Kirnos nicht: W\u00e4hrend US-Pr\u00e4sident Donald Trump am Mittwoch auf einer Pressekonferenz beim Nato-Gipfel verk\u00fcndet, er werde \u00fcberlegen, ob man die Ukraine bei der Luftabwehr unterst\u00fctzen k\u00f6nne, glaubt sie an die Widerstandskraft der Ukrainer: &#8222;Die Russen wollen, dass wir uns ergeben. Sie tun alles, um uns den Glauben zu nehmen, aber das werden sie nicht schaffen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Krieg gegen die Ukraine hat Russland seine Taktik ge\u00e4ndert: Es geht darum, so viele Zivilisten wie m\u00f6glich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":225513,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,661,106,13,5793,14,15,16,12,2544,317,107],"class_list":{"0":"post-225512","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriff-auf-die-ukraine","11":"tag-donald-trump","12":"tag-headlines","13":"tag-kiew","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-politik","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-terrorismus","19":"tag-ukraine","20":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114759979824757274","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=225512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225512\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/225513"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=225512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=225512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=225512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}