{"id":225674,"date":"2025-06-28T09:38:10","date_gmt":"2025-06-28T09:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/225674\/"},"modified":"2025-06-28T09:38:10","modified_gmt":"2025-06-28T09:38:10","slug":"iran-auf-krieg-folgt-repression-im-innern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/225674\/","title":{"rendered":"Iran: Auf Krieg folgt Repression im Innern"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 28.06.2025 09:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Seit dem Krieg mit Israel l\u00e4uft im Iran eine Verhaftungswelle, die Repression ist noch h\u00e4rter geworden. Das Regime will so Kontrolle demonstrieren &#8211; und seine Gegner im Innern einsch\u00fcchtern.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Pia Masurczak, ARD-Studio Istanbul\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMindestens 700 Menschen sollen seit Beginn des Kriegs im Iran festgenommen worden sein. Die Zahl hat die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen recherchiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin solcher Fall ist Danial Moghaddam. Der S\u00e4nger aus Teheran hatte sich auch w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/iran-sittenpolizei-tot-protest-101.html\" title=\"Iran: &quot;Frau, Leben, Freiheit&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220;-Proteste<\/a> in den Jahren 2022 und 2023 engagiert, musste ins Gef\u00e4ngnis und im Anschluss eine elektronische Fu\u00dffessel tragen. Seine Accounts in den sozialen Medien zeigen immer wieder kritische Posts und Videos.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMoghaddam soll schon Anfang der Woche festgenommen worden sein. Das berichten mehrere Menschenrechtsorganisationen. Wo er festgehalten und was genau ihm vorgeworfen wird, ist bislang unklar.<\/p>\n<p>    Jeden Tag Festnahmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch in iranischen Medien wird diese neue Verhaftungswelle breit thematisiert. Fast jeden Tag gibt es Meldungen \u00fcber Festnahmen. Die Vorw\u00fcrfe \u00e4hneln sich: Spionage f\u00fcr Israel, Kollaboration mit dem Mossad oder auch &#8222;Verbreitung von Angst und die St\u00f6rung des mentalen Friedens der \u00d6ffentlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOffenbar werden bekannte Regimekritiker genauso ins Visier genommen wie Menschen, die in den sozialen Medien Bilder und Videos von israelischen Luftangriffen posten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnabh\u00e4ngig pr\u00fcfen lassen sich die Vorw\u00fcrfe nicht, allein schon deshalb, weil oft nur wenige Informationen nach au\u00dfen dringen. Auch die Angeh\u00f6rigen erhalten, wie bei Danial Moghaddam, teilweise keine Nachrichten, wo und wie lange ihre Verwandten festgehalten werden.<\/p>\n<p>    Hinrichtungen als Botschaft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSpionage und Kollaboration mit Israel &#8211; das sind schwere Anschuldigungen in einem Land, dessen Sicherheitsapparat gerade erst erleben musste, wie gut der israelische Geheimdienst \u00fcber ihn Bescheid wei\u00df.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAwyar Shekhi von der Menschenrechtsorganisation Hengaw best\u00e4tigt das im Interview mit dem ARD-Studio Istanbul: &#8222;Wenn Sie der Spionage f\u00fcr Israel angeklagt werden, kann dies zu verschiedenen Strafen f\u00fchren, einschlie\u00dflich der Hinrichtung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMindestens sechs Menschen wurden seit dem 13. Juni wegen angeblicher Spionage f\u00fcr Israel hingerichtet, allein drei nach Beginn der Waffenruhe am 24. Juni. Es sind allesamt \u00e4ltere F\u00e4lle, die aber ein Signal aussenden sollen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDazu kommen weitere Hinrichtungen f\u00fcr Drogen- oder Gewaltvergehen. Schon vor dem Krieg mit Israel war der Iran <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/iran-hinrichtungen-120.html\" title=\"Menschenrechtler: 29 Hinrichtungen im Iran an einem Tag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unter den L\u00e4ndern mit den meisten Hinrichtungen<\/a>. Menschenrechtsorganisationen bef\u00fcrchten, dass es noch mehr werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBesonders riskant sei die Lage unter anderem f\u00fcr den schwedisch-iranischen Mediziner Ahmadreza Djalali, sagt Hussein Baoumi von Amnesty International dem ARD-Studio Istanbul. Djalali wurde 2016 im Iran verhaftet und wegen angeblicher Spionage f\u00fcr Israel zu Tode verurteilt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs sei ein unfairer Scheinprozess gewesen, sagt Baoumi. &#8222;Die Familien dieser Inhaftierten sind \u00e4u\u00dferst besorgt, dass sie jederzeit hingerichtet werden k\u00f6nnten, nur damit die iranischen Beh\u00f6rden eine Botschaft von Kontrolle und Macht aussenden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>    Sondereinheiten f\u00fcr die \u00dcberwachung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr die Verfolgung kritischer Stimmen greift der Machtapparat nicht nur auf die bisher g\u00e4ngigen Mittel zur\u00fcck. Noch w\u00e4hrend der gegenseitigen Angriffe wurde laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur ISNA eine Taskforce bei der Staatsanwaltschaft in Teheran eingerichtet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIhre offizielle Aufgabe: das Internet und die Medien \u00fcberwachen, &#8222;um die \u00f6ffentliche Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten&#8220;. Zudem sollen &#8222;spezielle Justizabteilungen&#8220; an den Provinzgerichten eingef\u00fchrt werden, &#8222;die sich mit F\u00e4llen befassen sollen, in denen es um die Zusammenarbeit mit Israel &#8218;in au\u00dfergew\u00f6hnlicher Weise und au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig&#8216; geht&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Hussein Baoumi von Amnesty International ist dies eine typische Reaktion:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Das ist die Taktik, die die iranischen Beh\u00f6rden immer dann anwenden, wenn sie sich bedroht f\u00fchlen. Sie haben dies bereits w\u00e4hrend der Proteste 2022\/2023 getan &#8211; und sie tun dies immer dann, wenn sie die Kontrolle \u00fcber die Bev\u00f6lkerung demonstrieren wollen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit solchen Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden die ohnehin sehr begrenzten Rechte von Angeklagten noch weiter beschnitten.<\/p>\n<p>    Versuch, den Imageschaden wettzumachen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDiese erneute Machtdemonstration der iranischen F\u00fchrung zeigt sich auch auf der Stra\u00dfe: Innerhalb k\u00fcrzester Zeit wurden an vielen Orten Kontrollpunkte errichtet &#8211; von den Basidsch, bewaffneten Milizen der Revolutionsgarde. Vor allem junge M\u00e4nner werden kontrolliert, der Kofferraum \u00fcberpr\u00fcft. An den Checkpoints bilden sich teilweise lange Schlangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch w\u00e4hrend die Checkpoints nach Ende der Kampfhandlungen langsam abgebaut werden, nehmen Warnungen der Beh\u00f6rden zu. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sollen verd\u00e4chtige Aktivit\u00e4ten melden, werden aufgefordert, private Drohnen bei der Polizei abzugeben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSelbst Telefonate mit Verwandten im In- und Ausland k\u00f6nnten vom Feind \u00fcberwacht werden, um Informationen abzusch\u00f6pfen, wird der Leiter der iranischen Cyberpolizei zitiert. Man solle keine Informationen \u00fcber die Lage vor Ort preisgeben, das k\u00f6nne die nationale Sicherheit gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Iranerinnen und Iraner sind Zensur und \u00dcberwachung im Internet gewohnt. Solche Mitteilungen d\u00fcrften von vielen eher als eine Warnung vor den eigenen Beh\u00f6rden aufgefasst werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVon au\u00dfen scheint das iranische Regime schwer getroffen: die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/iran-atomanlagen-angriffe-100.html\" title=\"Angriffe auf Irans Atomanlagen: Zerst\u00f6rung oder nur geringe Sch\u00e4den?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atomanlagen m\u00f6glicherweise schwer besch\u00e4digt<\/a>, das Raketenprogramm deutlich dezimiert, f\u00fchrende Gener\u00e4le reihenweise ausgeschaltet. Das wissen, trotz aller Siegesrhetorik, auch die Iranerinnen und Iraner. Diesen Imageschaden versucht die F\u00fchrung mit gro\u00dfer H\u00e4rte gegen die eigene Bev\u00f6lkerung wieder wettzumachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 28.06.2025 09:25 Uhr Seit dem Krieg mit Israel l\u00e4uft im Iran eine Verhaftungswelle, die Repression ist noch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":225675,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,345,14,15,12],"class_list":{"0":"post-225674","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-iran","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=225674"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225674\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/225675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=225674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=225674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=225674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}