{"id":226211,"date":"2025-06-28T14:21:24","date_gmt":"2025-06-28T14:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226211\/"},"modified":"2025-06-28T14:21:24","modified_gmt":"2025-06-28T14:21:24","slug":"viele-gruende-warum-der-norden-so-viel-gute-literatur-hervorbringt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226211\/","title":{"rendered":"Viele Gr\u00fcnde, warum der Norden so viel gute Literatur hervorbringt"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/screenshot1490154.webp\" alt=\"Ein Pferd an einem leeren Strand.\" title=\"Ein Pferd an einem leeren Strand. | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Viele Gr\u00fcnde, warum der Norden so viel gute Literatur hervorbringt (4 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 28.06.2025 11:15 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Berlin ist nicht immer Ma\u00df aller Dinge &#8211; auch nicht im deutschen Literaturbetrieb. Die st\u00e4rkste Literatur wurzelt hoch im Norden, findet Literaturredakteur Alexander Solloch und liefert unschlagbare Argumente.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/alexander-solloch,solloch372.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alexander Solloch<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\nSchwere Fluten branden an und rei\u00dfen mit sich, was sie k\u00f6nnen. Aber sie brechen am Beharrungswillen der Menschen. In diesem Konflikt steckt gro\u00dfe Literatur, steckt viel Stoff zum Erz\u00e4hlen: Hier, in Schleswig-Holstein, spielt darum der bis dato wichtigste Roman des Jahres, &#8222;Halbinsel&#8220; von Kristine Bilkau, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Kristine-Bilkau-bekommt-den-Preis-der-Leipziger-Buchmesse,leipzignominierte100.html\" title=\"Kristine Bilkau bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der erst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse<\/a> ausgezeichnet und dann ein Bestseller wurde.<\/p>\n<p class=\"\">\nDie Halbinsel &#8211; dieser so zwiesp\u00e4ltige Ort, an dem sowohl die st\u00fcrmische See als auch das sichere Festland ganz nah sind &#8211; k\u00f6nnte in diesem Fall Eiderstedt oder Nordstrand sein, da will sich Kristine Bilkau nicht festlegen. &#8222;Diese Nordseek\u00fcste ist ja immer gepr\u00e4gt gewesen von Ver\u00e4nderungen, von Umbr\u00fcchen, von Verlusten, aber auch von einer gewissen Widerstandskraft&#8220;, sagt die Autorin. Der Mensch habe dann immer versucht, sich etwas zur\u00fcckzuholen. &#8222;Das ist ein wunderbarer Erz\u00e4hlraum, um dar\u00fcber nachzudenken, wie unterschiedliche Generationen auf ihr Zuhause blicken, die Zukunft ihres Zuhauses &#8211; und auf die Zerbrechlichkeit.&#8220;<\/p>\n<p>    Schleswig-Holstein &#8211; pr\u00e4desteniert f\u00fcr Schauergeschichten<\/p>\n<p class=\"\">\nDie lebendige Erinnerung an Katastrophen der Vergangenheit wie &#8222;De Grote Mandrenke&#8220;, die verheerende Sturmflut im Mittelalter, mischt sich mit Sagen und Mythen der Region: Das Watt, ein Schimmel &#8211; mehr braucht es nicht f\u00fcr die schleswig-holsteinische Schauergeschichte.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Die Landschaft lag in einem diffusen D\u00e4mmerlicht. Der Grauschimmel schien wie ein Geist, ein helles, durchscheinendes Fabelwesen. W\u00e4hrend Linn versuchte, den Schimmel anzulocken, war in Wirklichkeit er es, der sie lockte weiter hinaus ins Watt, hin zur kommenden Flut. Er war eine Spukgestalt.<\/p>\n<p>                Buchzitat aus &#8222;Halbinsel&#8220; von Kristine Bilkau<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">\nMan merkt, Theodor Storm und sein &#8222;Schimmelreiter&#8220; bleiben auch nach fast anderthalb Jahrhunderten eine feste Bezugsgr\u00f6\u00dfe im norddeutschen, nordfriesischen Geschichtenschatz.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/coverbilkau108.webp\" alt=\"Cover: Kristine Bilkau, &quot;Halbinsel&quot;\" title=\"Cover: Kristine Bilkau, &quot;Halbinsel&quot; | Luchterhand\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Im Roman stellt die Hamburger Autorin existenzielle Fragen. Daf\u00fcr hat sie am Donnerstag den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen.<\/p>\n<p>    &#8222;Perplex&#8220; und &#8222;begeistert&#8220; \u00fcber Emotionalit\u00e4t der Norddeutschen<\/p>\n<p class=\"\">\nAls die aus Niedersachsen stammende, inzwischen seit langem in Flensburg lebende Schriftstellerin Andrea Paluch und ihr Mann Robert Habeck im Jahr 2001 eine &#8222;Schimmelreiter&#8220;-Fortsetzung unter dem Titel &#8222;Hauke Haiens Tod&#8220; ver\u00f6ffentlichten, bekamen sie gleich zu sp\u00fcren, wie wichtig der Dichter aus Husum immer noch ist:<\/p>\n<p class=\"\">\n&#8222;Wir haben damals nicht in Schleswig-Holstein gelebt, wir wussten nichts von der Storm-Gesellschaft und von dieser Identifizierung hier mit Storm und Hauke Haien&#8220;, erinnert sich Andrea Palluch. Es habe dann etwas Aufregung \u00fcber dieses Buch gegeben. &#8222;Wir waren total perplex, aber gleichzeitig auch begeistert, dass das Menschen emotional so ber\u00fchrt hat. Das war etwas Supertolles.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/gaeste8704.webp\" alt=\"Schriftstellerin Andrea Paluch\" title=\"Schriftstellerin Andrea Paluch | Dominik Butzmann\/laif, Dominik Butzmann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Nach mehr als 20 Jahren ist das Romandeb\u00fct von Andrea Paluch und ihrem Mann Robert Habeck verfilmt worden. Ein gigantisches zweites Leben f\u00fcr den Stoff, wie die Autorin erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>    Erhellender Vers mit viel Lob<\/p>\n<p class=\"\">\nStorms bester Freund, der Historiker Theodor Mommsen (1817-1903), war \u00fcbrigens der erste Deutsche &#8211; und damit auch der Erste aus Schleswig-Holstein &#8211; , der den Literaturnobelpreis 1902 bekam; f\u00fcr seine &#8222;R\u00f6mische Geschichte&#8220;, nicht f\u00fcr diesen, allerdings auch sehr erhellenden Vers:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Guten Morgen, mein Werter, wie sind Sie doch grob!&#8220;<br \/>&#8222;In Holstein, Verehrter, ist das ein Lob!<\/p>\n<p>                Vers von Theodor Mommsen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Witz, Hintersinn und Lakonie in einem Wort<\/p>\n<p class=\"\">\nDieser Witz, dieser Hintersinn, die Lakonie, die gern mit einem Wort ausdr\u00fcckt, wof\u00fcr andere Dutzende ben\u00f6tigen, sind charakteristisch f\u00fcr diesen Landstrich, sagt Feridun Zaimoglu, der vor mehr als 40 Jahren zum Studieren nach Kiel zog &#8211; und blieb.<\/p>\n<p class=\"\">\nUnauff\u00e4llig, aber konstant blitzt die Landeshauptstadt in seinen Romanen auf, eine stille, gro\u00dfe Liebe. &#8222;Ich liebe den Menschenschlag hier, ich liebe diesen ganz besonderen, versteckten Humor, und das ist die Antwort auf die Frage, wieso ich diese Stadt so liebe und diese Stadt nicht nur als Aufenthaltsort ansehe&#8220;, sagt er. Nirgendwo sonst lache er so viel und so oft wie in Kiel.<\/p>\n<p>    Blick aufs Meer und die Geschichten<\/p>\n<p class=\"\">\nAber nat\u00fcrlich begr\u00fcndet auch Zaimoglus Zuneigung zur Region der Blick aufs Meer, das so viele Geschichten birgt. Caroline Wahl, die mit ihren Romanen &#8222;22 Bahnen&#8220; und <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/buchdesmonats\/NDR-Buch-des-Monats-Mai-Windstaerke-17-von-Caroline-Wahl,wahl2582.html\" title=\"NDR Buch des Monats Mai: &quot;Windst\u00e4rke 17&quot; von Caroline Wahl\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Windst\u00e4rke 17&#8220;<\/a> zur literarischen Senkrechtstarterin der vergangenen zwei Jahre wurde, ist ebenfalls gerade dabei, sich in Kiel zu verlieben: &#8222;Ich finde an Kiel allein schon cool, dass man von der Kiellinie die \u00d6ffnung zum Meer sieht. Das ist mir so wichtig. Ich gehe da jeden Tag einmal hin und denke: Hach, sch\u00f6n, man sieht die Hoffnung zum Meer. Irgendwie ist mir dieses Offene sehr wichtig.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nErst im vergangenen Jahr ist Caroline Wahl hierhin gezogen, zuvor hatte sie auch sehr gern, wie sie betont &#8211; in Rostock gelebt. Ob es dort etwa \u00e4hnlich gute Geschichten gibt?<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/wahl2584.webp\" alt=\"Die Autorin Caroline Wahl tr\u00e4gt eine Sonnenbrille\" title=\"Die Autorin Caroline Wahl tr\u00e4gt eine Sonnenbrille | Screenshot NDR\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Mit ihrem Deb\u00fctroman gelang der in Rostock lebenden Schriftstellerin ein Bestseller. Nun hat sie eine Fortsetzung geschrieben: &#8222;Windst\u00e4rke 17&#8220;.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/coverbilkau108.webp\" alt=\"Cover: Kristine Bilkau, &quot;Halbinsel&quot;\" title=\"Cover: Kristine Bilkau, &quot;Halbinsel&quot; | Luchterhand\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Im Roman stellt die Hamburger Autorin existenzielle Fragen. Daf\u00fcr hat sie am Donnerstag den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/covernoort104.webp\" alt=\"Cover: Tamar Noort, &quot;Der Schlaf der Anderen&quot;\" title=\"Cover: Tamar Noort, &quot;Der Schlaf der Anderen&quot; | Kindler\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Noorts Roman zeigt schlaflose Frauen, die durch neue Begegnungen Mut sch\u00f6pfen, festgefahrene Strukturen zu verlassen.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Viele Gr\u00fcnde, warum der Norden so viel gute Literatur hervorbringt (4 Min) Stand: 28.06.2025 11:15 Uhr Berlin&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":226212,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[29286,1784,1785,29,214,30,22028,1800,215],"class_list":{"0":"post-226211","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-autorinnen","9":"tag-books","10":"tag-buecher","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-norden","15":"tag-romane","16":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226211","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226211"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226211\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/226212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}