{"id":226866,"date":"2025-06-28T20:19:12","date_gmt":"2025-06-28T20:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226866\/"},"modified":"2025-06-28T20:19:12","modified_gmt":"2025-06-28T20:19:12","slug":"der-lukrative-einsatz-im-ukraine-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226866\/","title":{"rendered":"Der lukrative Einsatz im Ukraine-Krieg"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-object-position=\"50% 50%\" alt=\"Kolumbianische S\u00f6ldner sind gefragt im Ukraine-Krieg: Doch was bewegt sie, gegen die Russen zu k\u00e4mpfen?\" size=\"fullscreen\" data-object-fit=\"cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/077eab46-fbfc-471e-8d9f-4e1558bbab21.jpeg\" width=\"2050\" height=\"3644\"\/>     <\/p>\n<p class=\"headline__lead\">Hunderte kolumbianische Ex-Soldaten k\u00e4mpfen an der Seite der Ukraine gegen Russland. Ein Besuch im Armenviertel in Popay\u00e1n, von wo besonders viele Kolumbianer in den Krieg ziehen.<\/p>\n<p>   Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gut ein Jahr ist es her, dass Cielo Paz die Stimme ihres Mannes Jos\u00e9 Aron Medina h\u00f6rte. \u00abMeine Liebe\u00bb, sagte er, \u00abwir sind in Caracas.\u00bb Er versprach ihr, rechtzeitig zur Feier seines 38.\u00a0Geburtstags zu Hause zu sein. Doch alle Nachrichten, die ihm Paz danach schickte, liefen ins Leere. Die venezolanischen Beh\u00f6rden hatten ihn verhaftet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Sie verfrachteten ihn nach Russland, wo er des S\u00f6ldnertums beschuldigt wird. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft. Was genau in Caracas geschah, ist bis heute unbekannt. Klar ist nur, dass Venezuela und Russland eine enge Freundschaft pflegen, die milit\u00e4rische und geheimdienstliche Zusammenarbeit einschliesst.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Medina war einer von <a href=\"https:\/\/www.tovima.com\/wsj\/the-hottest-job-in-a-world-at-war-gun-for-hire\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hunderten<\/a> ehemaliger kolumbianischer Soldaten, die auf ukrainischer Seite gegen die russische Invasion k\u00e4mpften. Zum Verh\u00e4ngnis wurde ihm, dass er den Weg \u00fcber Venezuela nach Hause w\u00e4hlte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Kolumbianer sind an der Front beliebt, erst recht in Zeiten wie diesen, wo das von Russland \u00fcberfallene Land nicht mehr auf die Unterst\u00fctzung der USA z\u00e4hlen kann. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/official_texts_236705.htm\" rel=\"nofollow noopener\">Beim Nato-Gipfel diese Woche wurde die Ukraine erstmals nicht mehr in der Abschlusserkl\u00e4rung erw\u00e4hnt.<\/a> Europ\u00e4er und US-Amerikaner k\u00e4mpfen zumeist gegen Putins Russland, weil sie es f\u00fcr richtig und wichtig halten. Die Kolumbianer, weil sie kaum etwas anderes kennen, als zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nicht nur in der Ukraine: Kolumbianer sind in vielen Kriegs- und Konfliktgebieten im Einsatz. Als im Juli 2021 \u00fcber 20 M\u00e4nner die Residenz des haitianischen Pr\u00e4sidenten Jovenel Mo\u00efse st\u00fcrmten, um ihn zu ermorden, waren es mehrheitlich: kolumbianische S\u00f6ldner. Als die Huthi-Rebellen im Dezember 2015 ein Lager der saudiarabischen Koalition angriffen, starben unter anderem: kolumbianische S\u00f6ldner. Auch die Kartelle in Mexiko und die Milizen der Rapid Support Forces im Sudan setzen auf ihre Expertise.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die kolumbianische Politik ist davon wenig begeistert. \u00abDas S\u00f6ldnertum muss in Kolumbien verboten werden\u00bb, <a href=\"https:\/\/x.com\/petrogustavo\/status\/1861766208040612081\" rel=\"nofollow\">schrieb<\/a> Pr\u00e4sident Gustavo Petro Ende November auf X. Dass so viele kolumbianische Ex-Soldaten f\u00fcr fremde M\u00e4chte zur Waffe greifen, hat auch mit Politik zu tun.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Im Barrio San Ignacio in Popay\u00e1n leben besonders viele S\u00f6ldner, die in den Ukraine-Krieg ziehen. Sie brauchen das Geld.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1500\" height=\"1000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>Im Barrio San Ignacio in Popay\u00e1n leben besonders viele S\u00f6ldner, die in den Ukraine-Krieg ziehen. Sie brauchen das Geld. <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bis vor wenigen Jahren tobte in Kolumbien einer der l\u00e4ngsten bewaffneten Konflikte der Welt. Linke Guerillagruppen, rechte Paramilit\u00e4rs, Drogenkartelle und die von den USA unterst\u00fctzte Armee bek\u00e4mpften sich seit den 1940er Jahren, \u00fcber 200\u00a0000 Menschen starben. 2016 schloss die damalige Regierung Frieden mit der Farc, der gr\u00f6ssten Guerillagruppe des Landes. Die Armee verlor an Bedeutung, und Gustavo Petros Vorg\u00e4ngerregierung reduzierte die Truppenst\u00e4rke um 11 Prozent, von 481\u00a0000 auf 428\u00a0000.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf7\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Doch was treibt die Kolumbianer nun in die Ukraine? Wir besuchten Cielo Paz, die Frau von Jos\u00e9 Medina, und James Andr\u00e9s Zu\u00f1iga Campo, einen Nachbarn, der ebenfalls an der ukrainischen Front k\u00e4mpfte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Renovierung in den Krieg<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf9\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das Taxi holpert \u00fcber Schotterwege voller Schlagl\u00f6cher, bis es vor einem zweist\u00f6ckigen Haus h\u00e4lt. Cielo Paz lebt im Barrio San Ignacio in Popay\u00e1n, einer Grossstadt rund 600 Kilometer von der Hauptstadt Bogot\u00e1 entfernt. W\u00e4hrend die weissen Kolonialbauten im historischen Stadtzentrum j\u00e4hrlich Abertausende Touristen anlocken, verlottern hier im verarmten Norden die unverputzten Ziegelbauten.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf11\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abWir haben wenig Geld\u00bb, stellt die 39-J\u00e4hrige unverbl\u00fcmt klar. Sie sitzt auf einem Stuhl im Eingangsbereich, dem einzigen Mobiliar neben einem bescheidenen Schrein. 2016 hat ihr Mann nach vier Jahren die Armee verlassen. Als Soldat hatte er Minen und Bomben der Guerillas entsch\u00e4rft \u2013 und etwas mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 270 Franken verdient.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Familienfoto mit Jos\u00e9 Medina, Cielo Paz und den zwei Kindern.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1500\" height=\"1000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>Familienfoto mit Jos\u00e9 Medina, Cielo Paz und den zwei Kindern. <\/p>\n<p> <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1000\" height=\"1500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/1b819e0c-f230-4dd9-a031-835f38931f0e.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image image__src--grid1of2\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <img decoding=\"async\" alt=\"\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1000\" height=\"1500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/41bda765-548f-445e-827d-46d98ae322c7.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image image__src--grid1of2\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>      <\/p>\n<p>Gut ein Jahr ist es her, dass Cielo Paz die Stimme ihres Mannes Jos\u00e9 Aron Medina h\u00f6rte. <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf12\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abWir hatten Schulden bei der Bank und wollten unser Haus fertigstellen\u00bb, sagt Paz. Medinas Lohn als Sicherheitsmann reichte nicht, um den Bau zu finanzieren: Er hatte zwei Kinder, alternde Eltern sowie einen Bruder mit Behinderung zu versorgen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf13\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein Freund erz\u00e4hlte ihm von der M\u00f6glichkeit, in der Ukraine bis zu 3000 Dollar im Monat zu verdienen: Er m\u00fcsse sich nur online bei der Armee f\u00fcr ein Rekrutierungsgespr\u00e4ch anmelden und einen Vertrag unterschreiben. Das Paar entschied: Medina zieht in den Krieg. F\u00fcr die knapp 2000 Franken teure Reise nahm er einen Bankkredit auf.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhf14\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In der Ukraine angekommen, durchlief Medina zuerst ein zweimonatiges Basistraining in Ternopil. Dort \u00fcberpr\u00fcft die Armee, wie fit und waffentauglich die Bewerber sind. Dann ging es in den Osten, in die Sch\u00fctzengr\u00e4ben. F\u00fcnf Tage k\u00e4mpfen. Zwei Tage Pause. Und wieder zur\u00fcck ins Gefecht.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In dieser Zeit <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/mundo\/europa\/alejandro-guerrero-actor-colombiano-da-detalles-de-su-vida-como-mercenario-en-ucrania-3364731\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mahnten S\u00f6ldnerkollegen<\/a> in lokalen Medien, die Kolumbianer w\u00fcrden als Kanonenfutter missbraucht. Medinas Bataillon war daf\u00fcr bekannt, an schwierigen Fronten zu k\u00e4mpfen. Er habe von Toten erz\u00e4hlt, sagt auch Cielo Paz, von vielen Toten. Und als die Russen schliesslich einen von Medinas besten Freunden t\u00f6teten, beschloss er, zu seiner Familie zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nach acht Monaten k\u00fcndigte er den auf mindestens sechs Monate angelegten Vertrag und kaufte sich ein R\u00fcckflugticket. Um Geld zu sparen, wollte er von Polen \u00fcber Spanien und Venezuela nach Kolumbien fliegen, anstatt direkt von Madrid nach Bogot\u00e1. Wenige Minuten nach der Landung in Caracas wurde er verhaftet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Rund einen Monat sp\u00e4ter kursierten Bilder von Medina auf dem russischen Propagandasender Russia Today. Vorn\u00fcbergebeugt, die Arme mit Handschellen auf dem R\u00fccken fixiert, wurde er vorgef\u00fchrt: \u00abJos\u00e9 Aron Medina Aranda, Ukraine, Bataillon 49 Carpathian Sich\u00bb, sprach er mit br\u00fcchiger Stimme, den Blick auf den Boden gerichtet. Er kritisierte die Ukraine, wohl um sich mit den Russen gut zu stellen: Sie bezahle die L\u00f6hne nicht, und Kolumbianer seien Opfer ihrer Propaganda. Es war das letzte Lebenszeichen, das Paz erhielt.<\/p>\n<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Drei weitere kolumbianische Ex-Soldaten befinden sich wegen S\u00f6ldnertums in russischer Gefangenschaft. Einer von ihnen, Miguel \u00c1ngel C\u00e1rdenas Montilla, wurde im April 2025 als erster kolumbianischer S\u00f6ldner zu neun Jahren Haft verurteilt. Im Juni folgte ein weiterer, Pablo Puentes Borges. Das Urteil: 28 Jahre Haft.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg5\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nicht nur Medina, auch drei weitere M\u00e4nner aus seiner Strasse in San Ignacio reisten 11\u00a0000 Kilometer in den Osten, um f\u00fcr die Ukraine zu k\u00e4mpfen. James Andr\u00e9s Zu\u00f1iga Campo ist wie Medina Ex-Soldat und Sicherheitsmann. Zwei Jahre lang hatte der Nachbar gedient, gegen die Farc-Guerilla und andere bewaffnete Gruppen gek\u00e4mpft. \u00abDoch die Ukraine ist ein anderes Kaliber\u00bb, sagt er auf der staubigen Strasse vor seinem Haus. Neun Monate lang war er dort, sieben davon an der Front. Ein Tag gegen die Russen sei wie ein Jahr gegen die Guerillas. \u00abDu bist immer in Gefahr\u00bb, sagt er. \u00abImmer.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg6\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Jedes Mal, wenn er an die Front ging, waren die Drohnen der Russen schon da. Jedes Mal gab es Tote und Verletzte. Und mindestens einmal h\u00e4tte es auch ihn fast erwischt: Im Juli 2024 filmte er aus einem Wald heraus das Surren am Himmel. \u00abWenn die mich jetzt sehen, t\u00f6ten sie mich\u00bb, kommentierte er leise. \u00abAber das geh\u00f6rt hier zum Alltag\u00a0.\u00a0.\u00a0. Scheisse!\u00bb Campo sprintete los, hechtete hinter einen Blaubeerbusch. Bum!, knallte im Hintergrund eine Granate.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg8\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Campo postete das Video auf Tiktok. Wie viele andere S\u00f6ldner zeigt er dort die brutale Realit\u00e4t des Krieges und hilft anderen Kolumbianern, in die Ukraine zu gelangen.<\/p>\n<p>Auf Telegram f\u00fcr tot erkl\u00e4rt<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wie Medina zog auch Campo aus finanziellen Gr\u00fcnden in den Krieg. \u00abIch sah keine Zukunft mehr\u00bb, sagt er. Jeden Tag habe er mit seiner Familie gestritten.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg11\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Campo, Kampfname \u00abKiller\u00bb, mag das Soldatendasein. In seinem Bataillon 98 k\u00e4mpfte er vor allem mit Kolumbianern, aber auch mit Ukrainern. Mit Letzteren sprach er \u00fcber Google Translate. An der Front gab es einen Verantwortlichen, der Spanisch und Englisch sprach. Trotzdem gab es immer wieder Informationsl\u00fccken: \u00abIch weiss nicht, wie der Ort heisst, an dem ich an der Front war\u00bb, sagt Campo. Manchmal war er einen ganzen Monat am St\u00fcck an der Front \u2013 oft mit nur einer Mahlzeit am Tag.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"James Andr\u00e9s Zu\u00f1iga Campo war neun Monate in der Ukraine. Mindestens 64 Kolumbianer sind bis im Fr\u00fchjahr 2025 in der Ukraine gefallen.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1500\" height=\"1000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>James Andr\u00e9s Zu\u00f1iga Campo war neun Monate in der Ukraine. Mindestens 64 Kolumbianer sind bis im Fr\u00fchjahr 2025 in der Ukraine gefallen. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" alt=\"Cielo Paz blickt auf die Strasse in ihrem Barrio.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1000\" height=\"1500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/10de28d1-c3d5-4893-a172-6fe4a381733c.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image image__src--grid1of2\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>Cielo Paz blickt auf die Strasse in ihrem Barrio. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" alt=\"Campo zeigt ein Video aus einem russischen Telegram-Kanal.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"667\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/9342bc19-2c8e-4cab-b381-20ececd19bd5.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image image__src--grid1of2\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>Campo zeigt ein Video aus einem russischen Telegram-Kanal. <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg12\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Als nach neun Monaten ein kolumbianischer Kollege im Kampf verschwand, wurde ihm klar: Es ist Zeit, zu gehen. \u00abSeine Familie weiss bis heute nicht, ob er noch lebt\u00bb, sagt Campo.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg13\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mindestens 64 Kolumbianer sind bis Februar 2025 in der Ukraine gefallen. Mindestens 122 gelten als vermisst. Die Ukraine verspricht den Familien 400\u00a0000 Dollar Entsch\u00e4digung im Todesfall. Das Geld gibt es aber erst, wenn die Leiche geborgen oder eine Untersuchung abgeschlossen ist. Bei einer Demonstration in Bogot\u00e1 beklagten einige Familien der S\u00f6ldner k\u00fcrzlich, dass die Ukraine ihnen weder Informationen noch Geld gebe.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg14\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Campo lebt. Und doch holt ihn sein eigener Tod ein: Eine russische Telegram-Gruppe ver\u00f6ffentlichte k\u00fcrzlich seinen Namen samt Wohnort und Tiktok-Profil. \u00abD\u00fcnger f\u00fcr unsere B\u00f6den\u00bb, liest Campo einen Kommentar vor. Er scrollt zu einem Video eines blutverschmierten Panzers, als ein M\u00e4dchen auf der anderen Strassenseite ruft: \u00abPapaaa!\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg15\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abIch komme, mein Schatz\u00bb, antwortet Campo. Die Ukraine habe ihn nicht zum Million\u00e4r gemacht, wie viele hier glauben, sagt er. Aber er habe nun weniger Sorgen und k\u00f6nne endlich f\u00fcr seine Tochter da sein. Jetzt w\u00fcnscht er sich nur noch, dass der Krieg bald vorbei ist \u2013 und dass auch sein Nachbar Jos\u00e9 Aron Medina noch lebt.<\/p>\n<p data-team-nzzas-footnote=\"\" id=\"id-doc-1iujdshhg16\" data=\"[object Object]\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"nzzas-footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent nzzas-footnote nzzinteraction\">\n  Ein Artikel aus der \u00ab\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hunderte kolumbianische Ex-Soldaten k\u00e4mpfen an der Seite der Ukraine gegen Russland. 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