{"id":226872,"date":"2025-06-28T20:22:12","date_gmt":"2025-06-28T20:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226872\/"},"modified":"2025-06-28T20:22:12","modified_gmt":"2025-06-28T20:22:12","slug":"wie-die-briten-kriegstuechtig-werden-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/226872\/","title":{"rendered":"Wie die Briten kriegst\u00fcchtig werden wollen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Mehr als drei Jahre nachdem der deutsche Begriff \u201eZeitenwende\u201c Eingang in den britischen Wortschatz gefunden hat, erleben die Briten jetzt einen \u00e4hnlichen Moment. Damals, nach dem \u00dcberfall Russlands auf die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Ukraine\" data-rtr-id=\"acb898af5ea66a22c43878bf8691be74ce4ecd86\" data-rtr-score=\"10.808649755790137\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/ukraine\" title=\"Ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a>, war der britische Premierminister Boris Johnson den Angegriffenen noch rascher und entschiedener beigesprungen als der deutsche Kanzler Olaf Scholz; die sicherheitspolitischen Konsequenzen der russischen Aggression aber r\u00fcckten auf den Britischen Inseln erst allm\u00e4hlich ins Bewusstsein.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Nun aber dokumentieren mehrere staatliche Analysen und die neue NATO-Verpflichtung, die Verteidigungsausgaben auf dreieinhalb oder gar f\u00fcnf Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern, auch im Vereinigten K\u00f6nigreich die dramatische Wende der Sicherheitslage.<\/p>\n<p>Der Gegner schafft schon Grundlagen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die aktuelle strategische Lagebeurteilung, die von der Regierung in der abgelaufenen Woche ver\u00f6ffentlicht worden ist, h\u00e4lt \u201eerstmals seit vielen Jahren\u201c direkte Angriffe eines anderen Staates auf britisches Staatsgebiet f\u00fcr eine wachsende Bedrohung; die offizielle Sicherheitsanalyse h\u00e4lt fest, gegnerische Staaten \u2013 das zielt vor allem auf Russland \u2013 \u201eschaffen schon Grundlagen f\u00fcr k\u00fcnftige Auseinandersetzungen\u201c, indem sie sich in die Lage versetzten, wichtige Energie- und Versorgungsstr\u00e4nge Gro\u00dfbritanniens zu unterbrechen, \u201eum uns davon abzuhalten, gegen ihre Aggression anzugehen\u201c. In den vergangenen Monaten gab es unter anderem h\u00e4ufig Meldungen \u00fcber Aktivit\u00e4ten russischer Spionageschiffe vor den britischen K\u00fcsten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Verteidigungs-Wei\u00dfbuch, das Premierminister <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Keir Starmer\" data-rtr-id=\"4d3584b813c5ce6f5749c283eab20ca2e7c6f41d\" data-rtr-score=\"42.60595556956042\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/keir-starmer\" title=\"Keir Starmer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Keir Starmer<\/a> Anfang Juni pr\u00e4sentierte, empfiehlt die Aufr\u00fcstung aller Teilstreitkr\u00e4fte. Die Royal Navy soll zus\u00e4tzliche Fregatten und U-Boote bekommen, die Royal Air Force ein neues Geschwader mit zw\u00f6lf amerikanischen F-35-Kampfjets, die (amerikanische) taktische Atombomben ins Ziel tragen k\u00f6nnen. Damit erweitern die britischen Streitkr\u00e4fte ihr nukleares Abschreckungsarsenal, das seit 25 Jahren allein aus den Atom-U-Booten der Vanguard-Klasse und ihren Trident-Interkontinentalraketen bestand. Premierminister Keir Starmer begr\u00fcndete diese R\u00fcckkehr in die nukleare Teilhabe mit den Amerikanern mit der Feststellung, es gebe \u201eeine wachsende nukleare Bedrohung\u201c.<\/p>\n<p>Bemannte Systeme liefern nur noch 20 Prozent der Wirkung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die tiefgreifendsten \u00c4nderungen stehen dem britischen Heer bevor. Dessen Generalstabschef Roly Walker legte auf der internationalen Konferenz f\u00fcr Landstreitkr\u00e4fte in London k\u00fcrzlich dar, wie dessen Kampfkraft in den kommenden Jahren vervielfacht werden soll. Das j\u00e4hrliche Londoner Strategietreffen, das an den fr\u00fcheren Charakter der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz erinnert und vom wichtigsten britischen milit\u00e4rischen Strategie-Institut RUSI organisiert wird, befasste sich vor allem mit der Frage, in welchem Ausma\u00df Drohnen k\u00fcnftig das Kampfgeschehen bestimmen werden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Walker zeichnete das Bild einer Armee, in der bemannte Systeme, also gepanzerte Fahrzeuge oder Kampfhubschrauber, zwar weiterhin den Kern der Streitmacht bilden, aber selbst nur noch 20 Prozent der t\u00f6dlichen Wirkung liefern. 40 Prozent der Kampfkraft soll von automatischen unbemannten Systemen gestellt werden, die eine h\u00f6here Reichweite mit dem h\u00f6heren Risiko in Kauf nehmen, selbst vernichtet zu werden; weitere 40 Prozent sollen von \u201eEinwegsystemen\u201c stammen, die gleichfalls automatisch programmiert oder ferngesteuert w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Walker machte eine Rechnung auf: Man k\u00f6nne beispielsweise die Kampfkraft verdoppeln, wenn man vier statt zwei Kampfhubschrauber zum Einsatz bringe, die dann auf 16 Kilometer Reichweite die zweifache Menge an Gegnern t\u00f6teten. Man k\u00f6nne aber mit dem gleichen finanziellen Einsatz, der zwei Hubschraubern entspreche, abnutzbare Transportdrohnen und Einwegflugk\u00f6rper beschaffen, die dann aus 50 Kilometer Entfernung eine zehnfache t\u00f6dliche Wirkung entfalten k\u00f6nnten. Das sei \u201enachhaltiger und kosteneffektiver\u201c.<\/p>\n<p>Viele Erfahrungen von den Schlachtfeldern der Ukraine<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit der Entwicklung solcher automatisierten Systeme hat die britische Armee begonnen, das Projekt mit dem Namen Asgard soll zun\u00e4chst bei dem in Estland stationierten Kampfbataillon eingef\u00fchrt, getestet und weiterentwickelt werden. Der Generalstabschef stellt in Aussicht, Asgard werde die britische Einheit an der NATO-Ostflanke von einem \u201estrategischen Stolperdraht\u201c in eine Macht verwandeln, \u201edie eine Invasion stoppen kann\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Und Walker deutete an, dass in die Entwicklung dieser Technologie viele Erfahrungen und Erkenntnisse einflie\u00dfen, die von den aktuellen Schlachtfeldern in der Ukraine stammen. Er malte selbst ein Schlachtbild: \u201eWenn russische Soldaten irgendwann in ihre Kasernen am \u00f6stlichen Ufer der Narva zur\u00fcckkehren, dann werden sie dort dieselben t\u00f6dlichen Aufkl\u00e4rungs- und Kampfsysteme vorfinden, die im Donbass solch ein Gemetzel unter ihnen verursacht haben.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Wandel hin zu einer umfassenden Kriegst\u00fcchtigkeit, der sich selbst in der Wortwahl des Armeechefs manifestiert, hat sogar die anglikanische Kirche erfasst. Der Milit\u00e4rbischof der Church of England, Hugh Nelson, sagte der Zeitung \u201eTimes\u201c, er registriere in den Streitkr\u00e4ften die wachsende Sorge vor der Bedrohung \u201edurch einen sehr, sehr ernsten Konflikt, der auch das Vereinigte K\u00f6nigreich betreffen k\u00f6nne\u201c. Und w\u00e4hrend die Kirche alles tun m\u00fcsse, um f\u00fcr Frieden zu beten und darauf hinzuwirken, m\u00fcsse sie sich doch auch vorbereiten auf die Frage \u201ewie wir reagieren, wenn es zum Krieg kommt\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Kirche werde zwar nicht in einen formellen \u201eKriegsmodus\u201c versetzt werden, doch \u201ewollen wir auch nicht in eine Lage kommen, wie wir das \u2013 als Kirche und als Gesellschaft insgesamt \u2013 zu Beginn der Covid-Pandemie waren, die von Fachleuten zuvor immer prophezeit worden war und f\u00fcr die keiner von uns irgendwelche Vorkehrungen getroffen hat\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mehr als drei Jahre nachdem der deutsche Begriff \u201eZeitenwende\u201c Eingang in den britischen Wortschatz gefunden hat, erleben die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":226873,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-226872","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114762858105795593","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226872","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226872"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226872\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/226873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}