{"id":228222,"date":"2025-06-29T09:26:18","date_gmt":"2025-06-29T09:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/228222\/"},"modified":"2025-06-29T09:26:18","modified_gmt":"2025-06-29T09:26:18","slug":"oslo-und-amsterdam-machen-es-vor-die-autofreie-innenstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/228222\/","title":{"rendered":"Oslo und Amsterdam machen es vor \u2013 Die autofreie Innenstadt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Es ist 17 Uhr in Berlin, viele Menschen machen Feierabend, aber statt laufender Motoren ist nur gelegentlich eine Fahrradklingel zu h\u00f6ren. Das ist die Vision die Initiatoren der Petition \u201eBerlin autofrei\u201c haben. Sie streben im Berliner S-Bahn-Ring eine weitgehend autofreie Zone an \u2013 der Ring schlie\u00dft die gesamte Innenstadt ein. 2022 legte der Berliner Senat Klage vor dem Berliner Verfassungsgericht gegen den Gesetzesentwurf ein \u2013 er sah eine Verletzung der Verfassungsrechtlichkeit. Dem widersprach das oberste Gericht am Mittwoch. Der Volksentscheid d\u00fcrfe stattfinden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch welche Vor- und Nachteile hat eine \u201eautofreie\u201c Stadt eigentlich? Anne Klein-Hitpa\u00df ist Leiterin des Forschungsbereichs Mobilit\u00e4t am Deutschen Institut f\u00fcr Urbanistik (Difu) in Berlin. Mit Blick auf die Verkehrsstruktur von deutschen St\u00e4dten sagt sie: \u201eViele St\u00e4dte leiden noch unter den Fehlern der Vergangenheit.\u201c In den Jahrzehnten der Nachkriegszeit wurden unsere St\u00e4dte autogerecht umgebaut, dabei sei es immer stark um die Erreichbarkeit mit dem PKW gegangen. \u201eDer Mensch, zu Fu\u00df oder auf dem Rad, geriet dabei buchst\u00e4blich an den Rand\u201c, erkl\u00e4rt die Mobilit\u00e4tsforscherin.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mittlerweile findet ein Umdenken statt. Mehrere europ\u00e4ische Hauptst\u00e4dte bauen ihre Innenst\u00e4dte um, es gibt verschiedenste Modelle. Erst zu Beginn des Jahres hat Paris in einer B\u00fcrgerbefragung entschieden, 500 Stra\u00dfen f\u00fcr Autos zu sperren. Oslos Stadtzentrum ist schon seit Jahren so gut wie autofrei und die Niederlande haben schon in den 1970er-Jahren begonnen, den Autoverkehr in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/amsterdam\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amsterdam<\/a> zu reduzieren. \u201eSt\u00e4dte stehen vor zwei zentralen Aufgaben: Sie m\u00fcssen sich an die Folgen der Klimakrise anpassen und zugleich eine nachhaltige Mobilit\u00e4t sichern\u201c, sagt Klein-Hitpa\u00df und bezieht sich dabei auf die alternde Gesellschaft. Das durch den Klimawandel und seine Folgen eine Verkehrswende n\u00f6tig ist, die die CO2-Emissionen minimiert, ist klar. F\u00fcr Klein-Hitpa\u00df gibt es aber auch heute schon sehr konkrete Gr\u00fcnde, Autos in Innenst\u00e4dten zu reduzieren, gerade die, die parken. <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/panorama\/wissen\/wie-koennen-staedte-hitze-trotzen-diese-machen-es-vor_aid-128647587\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meteorologen rechnen wieder mit einem Hitzesommer, gerade St\u00e4dte heizen sich extrem auf.<\/a> \u201eEin parkendes Auto speichert Hitze \u2013 ein Baum spendet Schatten, verdunstet Wasser und k\u00fchlt die Umgebung\u201c, sagt Klein-Hitpa\u00df.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Wissenschaftlerin zufolge kann Deutschland von den Niederlanden lernen. Auch weil die Niederl\u00e4nder nicht signifikant weniger Autos pro 100.000 Einwohnenden besitzen. Geplant w\u00fcrde dort sowohl f\u00fcr das Auto als auch f\u00fcr andere Fortbewegungsarten. So w\u00fcrde beispielsweise aus dem Auto-Etat auch mal eine Fahrradbr\u00fccke finanziert, die dann wiederum den PKW-Verkehr entlaste: \u201eDie Verkehrsplanung in den Niederlanden ist viel st\u00e4rker integriert\u201c, so Klein-Hitpa\u00df.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es gibt aber auch starke Gegenstimmen zu Initiativen wie \u201eBerlin autofrei\u201c \u2013 gerade der Einzelhandel sorgt sich, ob noch genug Menschen in die Innenst\u00e4dte kommen, wenn sie nicht direkt mit dem Auto anreisen k\u00f6nnen. So auch der Bundesverband der mittelst\u00e4ndischen Wirtschaft (BVMW). Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Christoph Ahlhaus sagte unserer Redaktion: \u201eDer ideologische R\u00f6hrenblick behindert die Sicht auf die Chancen einer vielf\u00e4ltigen Mobilit\u00e4t f\u00fcr die Zukunft unserer Wirtschaft.\u201c Der BVMW halte wenig von \u201eVerbotsexzessen\u201c, die moderne Volkswirtschaft k\u00f6nne nicht mit dem Lastenfahrrad am Laufen gehalten werden. Auch Stefan Genth, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Handelsverband Deutschland (HDE), ist gegen ein rigoroses Autoverbot. Zwar m\u00fcssten die Innenst\u00e4dte klimaresilient werden, dazu w\u00fcrde auch Entsiegelungen geh\u00f6ren, die die Stra\u00dfengestaltung nachhaltig ver\u00e4ndern werde. \u201eHierf\u00fcr aber einzelne Verkehrsmittel aus allen Zentren zu verbannen, kann nicht die L\u00f6sung sein\u201c, sagte er unserer Redaktion. \u201eInnenstadtbesucher m\u00fcssen mit dem Verkehrsmittel ihrer Wahl bequem ins Zentrum kommen, ob mit dem \u00d6PNV, dem Fahrrad oder dem Auto.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Komplett autofrei sind tats\u00e4chlich weder Amsterdam noch <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/oslo\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oslo<\/a>. Und auch die Initiative \u201eBerlin autofrei\u201c will nicht alle Autos aus dem Ring verbannen. Mit Ausnahme der Bundesstra\u00dfen sollen private Autofahrten auf zw\u00f6lf Fahrten pro Person und Jahr beschr\u00e4nkt werden. Menschen mit Behinderungen, Busse, Rettungswagen, Polizei, Feuerwehr, Taxen und Lieferwagen sollen ebenfalls von der Regelung ausgenommen sein. Aber wie steht es um den Einzelhandel in verkehrsberuhigten Innenst\u00e4dten? Laut Klein-Hitpa\u00df gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, dass der Einzelhandel in verkehrsberuhigten Innenst\u00e4dten leidet, im Gegenteil: \u201eVerkehrsberuhigung macht Innenst\u00e4dte attraktiver \u2013 und wo sich Menschen gerne aufhalten, geben sie auch Geld aus.\u201c \u201eMenschen lehnen Wandel oft reflexhaft ab\u201c, sagt sie. Dabei w\u00fcrden sie aber ihre eigene Anpassungsf\u00e4higkeit untersch\u00e4tzen. \u201eVerkehrsversuche zeigen: Wird Ver\u00e4nderung erlebbar, folgt die Akzeptanz meist schneller als gedacht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nun bleiben noch die Kosten. Parkpl\u00e4tze abbauen, neue an den Randgebieten schaffen, den \u00f6ffentlichen Nahverkehr ausbauen, B\u00e4ume pflanzen \u2013 all das kostet schlie\u00dflich Geld. Das w\u00fcrde drauf ankommen, was man denn aufrechnet. Allein 2021 hat der Bund rund 70 Milliarden Euro f\u00fcr das Stra\u00dfennetz ausgegeben, eingenommen hat er 25 Milliarden. \u201eDiese L\u00f6sungen d\u00fcrfen Geld kosten\u201c, sagt Klein-Hitpa\u00df. \u201eDenn das Auto verursacht selbst Kosten \u2013 f\u00fcr Fl\u00e4che, Bewirtschaftung und Unterhalt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist 17 Uhr in Berlin, viele Menschen machen Feierabend, aber statt laufender Motoren ist nur gelegentlich eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":228223,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,72284,30,35233],"class_list":{"0":"post-228222","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-farina","11":"tag-germany","12":"tag-kremer"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/228222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=228222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/228222\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/228223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=228222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=228222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=228222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}