{"id":22918,"date":"2025-04-11T08:23:09","date_gmt":"2025-04-11T08:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/22918\/"},"modified":"2025-04-11T08:23:09","modified_gmt":"2025-04-11T08:23:09","slug":"berlin-der-boom-von-trash-tv-immer-neue-shows-und-eine-grosse-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/22918\/","title":{"rendered":"Berlin | Der Boom von Trash-TV: Immer neue Shows und eine gro\u00dfe Frage"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Berlin (dpa) &#8211; F\u00fcr Freunde von Trash-TV beginnt in den n\u00e4chsten Wochen die Hochsaison. RTLzwei zum Beispiel hat f\u00fcr einen Klassiker wieder eine bunte Truppe zusammengestellt: Der TV-Haudegen Martin Semmelrogge wird in der neuen Staffel von \u00abKampf der Realitystars\u00bb genauso um 50.000 Euro Preisgeld k\u00e4mpfen wie die Ex-Erotikdarstellerin und fr\u00fchere FDP-Lokalpolitikerin Annina Semmelhaack sowie der \u00abMake Love, Fake Love\u00bb-Gigolo Dennis Lodi, die Dschungelcamperin Linda Nobat, das Reality-Urgestein Frank Fussbroich, sowie 17 andere Stars und Sternchen. Auftakt ist bei RTL+ am 30. April, und bei RTLzwei am 7. Mai.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn C-Promis ihre verflossene Liebe verkuppeln m\u00fcssen<\/p>\n<p>Fast zeitgleich startet am 1. Mai \u00abMatch My Ex\u00bb auf Joyn, wo Pers\u00f6nlichkeiten wie \u00abPromi Big Brother\u00bb-Teilnehmerin Jennifer Iglesias und \u00abProminent getrennt\u00bb-Kandidat Lukas Baltruschat jeweils ihren Ex-Partner verkuppeln. Bei beiden Shows wird wohl wieder geweint, gebr\u00fcllt und gel\u00e4stert.<\/p>\n<p>Bei manchen solcher Sendungen versinkt man aus Fremdscham fast in der Couch. Trotzdem sind Formate wie \u00abDas Sommerhaus der Stars\u00bb und \u00abPromi Big Brother\u00bb Dauerbrenner und erreichen ein gro\u00dfes Publikum. Da bleibt die Frage: Warum schauen sich das \u00fcberhaupt so viele Menschen an?<\/p>\n<p>Klatsch und Tratsch sind in der menschlichen Natur verwurzelt<\/p>\n<p>\u00abDieser Voyeurismus, den Menschen haben, Klatsch und Tratsch, das sind Sachen, die ganz tief in der menschlichen Natur verwurzelt sind\u00bb, sagt Medienpsychologe Benjamin Lange. \u00abSo dieser Klassiker: Autounfall, ich will eigentlich nicht hinschauen und wegschauen kann ich trotzdem nicht.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDa sind andere Menschen, die sich flapsig formuliert zum Affen machen, sich blamieren, peinlich sind\u00bb, sagt Lange. \u00abUnd oft ist es einfach so, dass wir uns selbst besser f\u00fchlen, wenn andere sich blamieren, wenn andere peinlich sind. Dann gibt es einen Kontrasteffekt, denn wir stehen dann gef\u00fchlt weit \u00fcber diesen Menschen.\u00bb<\/p>\n<p>Seichte Unterhaltung bietet Zerstreuung\u00a0<\/p>\n<p>Au\u00dferdem biete diese Medienwelt ein \u00fcberschaubares Gegenst\u00fcck zu der sehr komplexen Wirklichkeit, sagt Joan Bleicher, Professorin f\u00fcr Medienwissenschaft. \u00abEs gibt eine sehr einfache Dramaturgie, mit sehr stereotypen Figuren und sehr vielen Emotionen\u00bb, sagt Joan Bleicher, Professorin f\u00fcr Medienwissenschaft. Zudem k\u00f6nne man sich \u00fcber Trash-TV wunderbar austauschen.<\/p>\n<p>\u00abEinfach Zerstreuung, Entspannung und auch mal seichte Unterhaltung wollen. Man kann sich ja nicht den ganzen Tag mit hochintellektuellen Sachen befassen\u00bb, sagt Lange.<\/p>\n<p>Niemand gibt es zu, aber alle schalten ein<\/p>\n<p>So richtig zugeben, dass man das ein oder andere Dating-Format auch mal ganz gerne schaut, wollen dennoch die wenigsten. Viele konsumieren die Sendungen bewusst ironisch, um sich moralisch zu distanzieren.<\/p>\n<p>\u00abIch will doch einfach nur mal gucken, wie diese Sendung, die eigentlich f\u00fcr andere gemacht ist, wie die aussieht, wie das da l\u00e4uft\u00bb, erkl\u00e4rt Lange die dahinterliegenden menschlichen Gedankeng\u00e4nge.\u00a0<\/p>\n<p>Oder: \u00abIch habe mich den ganzen Tag mit irgendwelchen akademischen Sachen besch\u00e4ftigt. Jetzt komme ich nach Hause und jetzt will ich genau das Gegenteil machen. Das habe ich mir jetzt auch verdient.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Bei menschlichem Verhalten siege oft die Lust, das Bed\u00fcrfnis oder der Impuls. \u00abAber im Nachhinein sind da auch gemischte Gef\u00fchle. Wir wollen uns als moralische Menschen sehen, anst\u00e4ndige Menschen, niveauvoll, intellektuell, gebildet. Und dann schauen wir so eine Sendung an. Da merken wir, das passt irgendwie nicht zusammen.\u00bb<\/p>\n<p>Viele Formate leben von Grenz\u00fcberschreitungen<\/p>\n<p>Viele der Formate lebten von Grenz\u00fcberschreitungen in Sachen k\u00f6rperlicher und psychischer Gewalt, erinnert Bleicher. \u00abSie leben von Auseinandersetzung und sie leben von der tats\u00e4chlichen, h\u00e4ufig auch finanziellen Ausbeutung der Mitwirkenden. Und all das f\u00f6rdern wir mit unserem Konsum.\u00bb<\/p>\n<p>Man solle sich \u00fcberlegen, wie man die ethischen Probleme mancher Formate einsch\u00e4tze und wie man darauf reagieren sollte. Denn: \u00abTabugrenzen werden immer st\u00e4rker erweitert. Wo fr\u00fcher noch Leute aus Formaten etwa wegen Schl\u00e4gereien ausgeschlossen wurden, beh\u00e4lt man sie jetzt drin\u00bb, sagt die Medienpsychologin.<\/p>\n<p>Warum hei\u00dft es eigentlich Trash-TV?\u00a0<\/p>\n<p>Den Hype um solche Sendungen gebe es schon lange. \u00abBereits 2001, nach dem Erfolg der ersten \u00abBig Brother Staffel\u00bb, gab es eine sehr starke Ausdifferenzierung der Formate\u00bb, sagt Bleicher.<\/p>\n<p>Aber woher kommt der Begriff Trash-TV \u00fcberhaupt? \u00abDer Begriff markiert, glaube ich, den niedrigen Anspruch in der Komplexit\u00e4t dieser Formate\u00bb, sagt Bleicher. \u00abZum Trash z\u00e4hlt auch das st\u00e4ndige Br\u00fcllen, Beleidigungen und Beschimpfungen mit denen Konflikte und Diskussionen ausgetragen werden.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; F\u00fcr Freunde von Trash-TV beginnt in den n\u00e4chsten Wochen die Hochsaison. 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