{"id":230039,"date":"2025-06-30T02:22:09","date_gmt":"2025-06-30T02:22:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230039\/"},"modified":"2025-06-30T02:22:09","modified_gmt":"2025-06-30T02:22:09","slug":"wurde-der-bumerang-in-europa-erfunden-in-polen-gefundener-bumerang-aus-mammut-elfenbein-ist-40-000-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230039\/","title":{"rendered":"Wurde der Bumerang in Europa erfunden? &#8211; In Polen gefundener Bumerang aus Mammut-Elfenbein ist 40.000 Jahre alt"},"content":{"rendered":"<p>Seltsam auch: \u201eDa an der Fundstelle keine weiteren Elfenbeinfragmente gefunden wurden, muss die Sichel anderswo hergestellt und in die Ob\u0142azowa-H\u00f6hle gebracht worden sein, was ihren besonderen Status unterstreicht\u201c, schreiben die Arch\u00e4ologen. Aber wer hat diese Elfenbeinsichel hergestellt und wozu?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/b\/o\/boomerang_4g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/b\/o\/boomerang_4g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-302955\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/boomerang_4g-300x165.jpg\" alt=\"Aborigine h\u00e4lt zwei Bumerang-Varianten in der Hand\" width=\"300\" height=\"165\"  \/><\/a>Nur die in einem bestimmten Winkel gebogene Bumerang-Variante kommt zum Werfer zur\u00fcck, der flachere \u201cQueensland\u201d-Bumerang hingegen nicht. \u00a9 chameleonseye\/iStock<br \/>\nBumerang ohne Wiederkehr<\/p>\n<p>Jetzt enth\u00fcllen neue Analysen des Fundst\u00fccks: Bei der Sichel handelt sich um einen vollst\u00e4ndig erhaltenen Bumerang. \u201eDas Ob\u0142azowa-Artefakt \u00e4hnelt stark dem Queensland-Typ der australischen Bumerange\u201d, berichten Talamo und ihre Kollegen. Bei diesen Bumerangen handelt es sich um stark gebogene <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/geowissen\/aeltester-wurfstock-der-welt-entdeckt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wurfst\u00f6cke<\/a>, die nicht zum Werfer zur\u00fcckkehren. Wurfexperimente mit einer Nachbildung aus Epoxidharz belegten eine solche Flugbahn auch f\u00fcr die Ob\u0142azowa-Sichel.\n<\/p>\n<p>Die Wurftests zeigten auch, dass die abgeflachte Form den Steinzeit-Bumerang besonders weit fliegen lie\u00df. Das legt nahe, dass die Menschen den Mammutzahn damals absichtlich abflachten, um die Flugeigenschaften dieser Wurfwaffe zu verbessern.\u00a0\n<\/p>\n<p>Ritualobjekt statt Jagdwaffe?<\/p>\n<p>Australische Aborigines nutzen solche \u201eQueensland\u201c-Bumerange seit tausenden Jahren als Jagdwaffe f\u00fcr kleinere Tiere, Multifunktionswerkzeug, als Spielzeug und f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/archaeologie\/aeltestes-kulturelles-ritual-identifiziert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zeremonien<\/a>. Doch welchen Zweck erf\u00fcllte der in Polen gefundene Bumerang? Einen Hinweis darauf liefern dekorative Kerben im Elfenbein und die Farbe des Bumerangs: Er und die anderen Gegenst\u00e4nde in der H\u00f6hle wurden mit einem roten Ocker-Mineral \u00fcberzogen, wie Spuren belegen.\u00a0\n<\/p>\n<p>Aus der Bemalung und der kunstvollen Bearbeitung dieser Gegenst\u00e4nde schlie\u00dfen die Arch\u00e4ologen um Talamo, dass sie h\u00f6chstwahrscheinlich eine rituelle Funktion hatten. Der Bumerang spielte demnach wom\u00f6glich eine wichtige Rolle in steinzeitlichen Ritualen. Ob das Wurfwerkzeug neben seiner symbolischen Bedeutung auch als Waffe oder Jagdwerkzeug diente, ist noch unklar.<\/p>\n<p>Aus anderen Fundstellen von fr\u00fchen Homo sapiens in Europa sind weitere kunstvoll verzierte Waffen und Werkzeuge bekannt, bei denen der prim\u00e4re Zweck umstritten ist. \u201eBeispiele in dieser Diskussion sind durchbohrte Schlagst\u00f6cke, die seit ihrer Entdeckung unterschiedlich interpretiert wurden, als Symbole der Autorit\u00e4t, Zeltpfl\u00f6cke, Speerschleudern oder Werkzeuge zur Seilherstellung\u201c, berichten Talamo und ihre Kollegen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/b\/o\/boomerang_3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/b\/o\/boomerang_3g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-302929\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/boomerang_3g-286x300.jpg\" alt=\"Fotos des Bumerangs aus verschiedenen Perspektiven\" width=\"286\" height=\"300\"  \/><\/a>Der Bumerang aus Mammutsto\u00dfzahn aus der Schicht VIII in der Ob\u0142azowa-H\u00f6hle. \u00a9 Talamo et al., 2025, PLOS One\/<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-by 4.0<\/a>\n<\/p>\n<p>Der vielleicht \u00e4lteste Bumerang der Welt<\/p>\n<p>Um das Alter des Bumerangs aus der Ob\u0142azowa-H\u00f6hle zu bestimmen, hatten fr\u00fchere Arch\u00e4ologenteams bereits die Sedimente, in denen er gefunden wurde, umliegende Artefakte und den Bumerang selbst untersucht. Die Tests lieferten jedoch widerspr\u00fcchliche Ergebnisse, vermutlich wegen Kontaminierungen der Proben. Neue Radiokarbondatierungen und Modellierungen von Talamo und ihren Kollegen ergaben nun ein konkretes Alter des Elfenbein-Bumerangs zwischen 42.290 und 39.280 Jahren.\n<\/p>\n<p>Damit handelt es sich um einen der bislang \u00e4ltesten Funde eines Bumerangs aus Europa \u2013 m\u00f6glicherweise sogar um den \u00e4ltesten Bumerang der Welt, wie das Team erkl\u00e4rt. In \u00d6sterreich wurde zwar ebenfalls ein Bumerang aus Mammut-Elfenbein aus dem Jungpal\u00e4olithikum gefunden, sein genaues Alter ist aber unbekannt. Der \u00e4lteste bekannte Bumerang aus Holz wurde in S\u00fcdaustralien entdeckt und auf ein Alter zwischen 10.200 und 8.990 Jahren datiert.\n<\/p>\n<p>Wer hat den Bumerang erfunden?<\/p>\n<p>Das hohe Alter des Bumerangs aus Polen unterstreicht, dass schon die ersten Vertreter des Homo sapiens in Europa komplexe und innovative Werkzeuge erschufen. Die Datierung beleuchte sowohl die technischen F\u00e4higkeiten als auch die kognitiven Fortschritte des Homo sapiens bei der Herstellung dieser komplexen Werkzeuge beleuchtet, erkl\u00e4ren Talamo und ihre Kollegen. Da der Bumerang zudem rituelle oder symbolische Zwecke erf\u00fcllte und weit aufwendiger herzustellen war als der simple K\u00f6rperschmuck der ersten Steinzeit-Menschen in Europa, zeugt er auch von fr\u00fchen Innovationen im Kunstverst\u00e4ndnis des Homo sapiens.<\/p>\n<p>Doch wem genau sind diese Innovationen zuzuschreiben? Aus den Artefakten in der H\u00f6hle sowie Tierknochen und einem menschlichen Daumenknochen geht hervor, dass damals Menschen aus zwei fr\u00fchen Kulturen zeitgleich in dieser Region in Mitteleuropa lebten: der Pawlow-Kultur und der fr\u00fchen Aurignacien-Kultur, wie die Forschenden erkl\u00e4ren. Welche dieser beiden Kulturen den Steinzeit-Bumerang erschuf, ist jedoch nicht gekl\u00e4rt, denn in der H\u00f6hle finden sich Hinterlassenschaften von beiden.\n<\/p>\n<p>Mehrfach unabh\u00e4ngig entwickelt?<\/p>\n<p>Klar scheint aber, dass der rund 40.000 Jahre alte Elfenbein-Bumerang auf eine dieser Kulturen zur\u00fcckgeht. Diese Menschen k\u00f6nnten damit vielleicht sogar die Erfinder des ersten Bumerangs \u00fcberhaupt gewesen sein. Die Aborigines und andere Kulturen wie die \u00c4gypter k\u00f6nnten die Bumerang-Form unabh\u00e4ngig davon zu sp\u00e4teren Zeitpunkten f\u00fcr sich entdeckt haben, betont das Team angesichts der insgesamt seltenen Bumerang-Artefakte weltweit.\n<\/p>\n<p>\u201eDie verstreuten Beweise legen nahe, dass der Bumerang zwar kein allgegenw\u00e4rtiges Werkzeug war, seine Pr\u00e4senz in verschiedenen Kulturen jedoch eher auf unabh\u00e4ngige Innovationen als auf eine direkte \u00dcbertragung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, was seine Anpassungsf\u00e4higkeit an unterschiedliche Umwelt- und Kulturkontexte belegt.\u201c (PLOS One, 2025; <a href=\"https:\/\/plos.io\/43ScZex\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi: 10.1371\/journal.pone.0324911<\/a>)\u00a0\n<\/p>\n<p>Quellen: PLOS, Ma\u0142opolska-Kulturinstitut in Krakau<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>30. Juni 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Claudia Krapp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seltsam auch: \u201eDa an der Fundstelle keine weiteren Elfenbeinfragmente gefunden wurden, muss die Sichel anderswo hergestellt und in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":230040,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,72714,72715,72716,548,663,158,3934,3935,13,72717,4714,72718,14,15,72719,72720,3917,12,48437,72721],"class_list":{"0":"post-230039","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-aurignacien-kultur","11":"tag-bumerang","12":"tag-elfenbein","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europaeische-union","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-headlines","19":"tag-homo-sapiens","20":"tag-innovation","21":"tag-mammut","22":"tag-nachrichten","23":"tag-news","24":"tag-oblazowa-hoehle","25":"tag-pawlow-kultur","26":"tag-polen","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-werkzeug","29":"tag-wurfstock"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114769936444629858","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=230039"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230039\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/230040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=230039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=230039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=230039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}