{"id":230176,"date":"2025-06-30T03:40:13","date_gmt":"2025-06-30T03:40:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230176\/"},"modified":"2025-06-30T03:40:13","modified_gmt":"2025-06-30T03:40:13","slug":"grossbritannien-ein-jahr-nach-dem-machtwechsel-wo-bleibt-der-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230176\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien ein Jahr nach dem Machtwechsel: Wo bleibt der Wandel?"},"content":{"rendered":"<p>Es war der gro\u00dfe Moment der Erneuerung. Nach 14 Jahren konservativer Regierungszeit schien die britische Labourpartei nach ihrem Wahlsieg im Sommer 2024 bereit f\u00fcr den Aufbruch. Keir Starmer, der n\u00fcchterne Reformer, zog in die Downing Street Nummer 10 ein \u2013 getragen von einem gro\u00dfen Versprechen: Wandel. Alles sollte besser werden.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter ist davon wenig geblieben. Denn nicht nur von au\u00dfen w\u00e4chst der Druck, auch im Inneren der Partei drohen Probleme. Parteichef und Premierminister Keir Starmer steht schon jetzt vor einer ersten gro\u00dfen Bew\u00e4hrungsprobe. Konkret geht es um Einschnitte bei staatlichen Leistungen f\u00fcr Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, \u00fcber die am kommenden Dienstag im Parlament abgestimmt werden soll.<\/p>\n<p>Labour-Abgeordnete gegen Sparpl\u00e4ne ihrer eigenen Finanzministerin<\/p>\n<p>Finanzministerin Rachel Reeves will sparen, um Spielr\u00e4ume f\u00fcr k\u00fcnftige <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/investition-q4290\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Investition<\/a>en zu schaffen. \u00dcber 120 Labour-Abgeordnete lehnten die Pl\u00e4ne ab, viele \u00f6ffentlich. Zugest\u00e4ndnisse der Regierung konnten offenbar einen Teil von ihnen bes\u00e4nftigen, doch in der Fraktion brodelt es weiter, und das aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden. Denn die Ma\u00dfnahme trifft einen sensiblen Bereich.<\/p>\n<p>Labour ist stark in der sozialdemokratischen Tradition verwurzelt. Die Menschen in der Partei glauben an Armutsbek\u00e4mpfung, an die Verringerung von Ungleichheiten und an grundlegende, auf soziale Gleichheit ausgelegte Ziele. Doch in traditionellen Bereichen wie der Reduzierung von Kinderarmut, die vielen Mitgliedern am Herzen liegen, hat diese Regierung im ersten Amtsjahr praktisch so gut wie nichts unternommen.<\/p>\n<p>Labour rechtfertigt diesen heiklen Kurs mit dem Anspruch, \u00f6konomisch verl\u00e4sslich zu handeln. Die Partei will nach Jahren, in denen ihr wirtschaftspolitische Kompetenz abgesprochen wurde, das Vertrauen der M\u00e4rkte und Unternehmen zur\u00fcckgewinnen. Steuererh\u00f6hungen bei zentralen Abgaben wie der Einkommens- oder Mehrwertsteuer wurden fr\u00fch ausgeschlossen. Statt auf klassische Umverteilung setzt die Regierung auf eine wachstumsorientierte Strategie, in der Stabilit\u00e4t und Haushaltsdisziplin Priorit\u00e4t haben.<\/p>\n<p>Das Problem: Die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde sind schlecht. Eine stagnierende Konjunktur, schwierige globale Rahmenbedingungen und hohe Zinsen erschweren das Regieren. Viele ehrgeizige Versprechen geraten ins Stocken, weil das Geld fehlt. Doch wer mit dem Anspruch angetreten ist, \u00f6ffentliche Dienste wie den nationalen Gesundheitsdienst NHS nach Jahren der Austerit\u00e4t f\u00fcr die Menschen sp\u00fcrbar zu verbessern, muss auch bereit sein, zu investieren \u2013 sonst wird der versprochene Wandel schnell zur Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Labour macht Politik gegen die Stammw\u00e4hlerschaft<\/p>\n<p>Innerhalb der Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst der Unmut: Warum wird gerade im sozialen Bereich gespart \u2013 dort, wo Labour traditionell verankert ist? Starmer bem\u00fcht sich in \u00f6ffentlichen Auftritten, Orientierung zu geben, zu erkl\u00e4ren, dass Wachstum die Grundlage f\u00fcr Investitionen und soziale Gerechtigkeit schaffen soll \u2013 doch die Botschaft verf\u00e4ngt nicht und wird durch Kehrtwenden weiter verw\u00e4ssert. Nach knapp einem Jahr ist den Briten nicht mehr klar, wof\u00fcr Labour noch steht. F\u00fcr sozialen Ausgleich oder Budgetstrenge? F\u00fcr Reform oder Verwaltung?<\/p>\n<p>Labour pr\u00e4sentiere sich in der Regierung weniger als gestaltende Kraft mit eigener Vision, sondern als Gegenmodell zur rechtspopulistischen Reform UK unter Nigel Farage. Klare linke Inhalte treten in den Hintergrund, stattdessen dominiert vorsichtiges, defensives Handeln. Im Bereich Migration \u00fcbernimmt die Labour-Regierung sogar rechte Rhetorik \u2013 ein weiterer Ausdruck ihrer strategischen Anpassung.<\/p>\n<p>Doch wer sich dauerhaft nur durch Abwehr definiert, ohne ein eigenes politisches Projekt voranzutreiben, riskiert langfristig, an Bedeutung zu verlieren. In aktuellen Umfragen legt Reform UK weiter deutlich zu \u2013 ein zus\u00e4tzlicher Hinweis darauf, dass die Rechten gest\u00e4rkt werden, wenn man ihre Botschaften \u00fcbernimmt. Gibt es f\u00fcr Labour einen Ausweg? Eine grundlegende politische Neuausrichtung der Regierung scheint derzeit unwahrscheinlich, wirtschaftliche Erholung k\u00f6nnte zumindest neuen Spielraum verschaffen.<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc81alrvmidf7d1yr1g87\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/politik\/ausland\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war der gro\u00dfe Moment der Erneuerung. 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