{"id":230422,"date":"2025-06-30T05:57:29","date_gmt":"2025-06-30T05:57:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230422\/"},"modified":"2025-06-30T05:57:29","modified_gmt":"2025-06-30T05:57:29","slug":"erinnerung-an-revolte-und-reliquien-halles-landesmuseum-zeigt-spuren-des-bauernkriegs-hallespektrum-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230422\/","title":{"rendered":"Erinnerung an Revolte und Reliquien \u2013 Halles Landesmuseum zeigt Spuren des Bauernkriegs &#8211; HalleSpektrum.de"},"content":{"rendered":"<p>\n29. Juni 2025\t\t<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahrhunderte nach dem gro\u00dfen Aufruhr gegen Adel und Klerus wirft eine neue Sonderausstellung im Landesmuseum f\u00fcr Vorgeschichte in Halle ein arch\u00e4ologisch fundiertes Licht auf eine bewegte Zeit. Unter dem Titel \u201eKl\u00f6ster. Gepl\u00fcndert. In den Wirren der Bauernaufst\u00e4nde\u201c zeigt das Museum erstmals Grabungsfunde aus Kaltenborn, Himmelpforte und Mallerbach \u2013 Orte geistlichen Lebens, die im Bauernkrieg des Jahres 1525 zu Zielscheiben des Zorns wurden.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist Teil der dezentralen Landesausstellung \u201eGerechtigkeyt 1525\u201c, die an verschiedenen Orten in Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen das Gedenken an den ersten gro\u00dfen Volksaufstand deutscher Geschichte wachh\u00e4lt. Im Mittelpunkt der Hallenser Schau steht nicht das gro\u00dfe Panorama revolution\u00e4rer Umw\u00e4lzungen, sondern das stille Zeugnis ausgegrabener Alltagsgegenst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Es sind unscheinbare Objekte, die die gr\u00f6\u00dften Geschichten erz\u00e4hlen. Ein bleiernes Wasserrohr, ein zerschlagener Ofenkachelrest, ein Siegel mit kaum noch lesbarem Wappen \u2013 sie alle verweisen auf ein Klosterleben, das nicht durch Prunk, sondern durch gewissen Komfort gepr\u00e4gt war. Flie\u00dfendes Wasser, geheizte R\u00e4ume \u2013 ein Luxus, der im fr\u00fchen 16. Jahrhundert alles andere als selbstverst\u00e4ndlich war. Und doch: Was einst wie ein feudales Privileg erschien, zeigt sich nun als eher bescheidener Lebensstandard der kl\u00f6sterlichen Gemeinschaften.<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert ist ein Fund aus dem Kloster Himmelpforte bei Wernigerode: ein sogenannter Silberstift \u2013 ein Zeichenstift mit einer feinen Spitze aus Silber. Solche Instrumente nutzten K\u00fcnstler wie Albrecht D\u00fcrer oder Lucas Cranach, um Skizzen auf speziell vorbehandeltem Papier anzufertigen. Auch in der Architektur oder bei feinen schriftlichen Aufzeichnungen fand dieser hochwertige Stift Verwendung. Silberstifte dieser Art sind in Deutschland heute nur noch in wenigen Exemplaren erhalten \u2013 sein Fund macht Himmelpforte zu einem Ort von besonderem kunst- und kulturhistorischem Rang.<\/p>\n<p>Auch die Mallerbacher Kapelle bei Allstedt, die als einer der ersten Schaupl\u00e4tze des mitteldeutschen Aufstands gilt, gibt nun St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ihre Geheimnisse preis. Goldgulden aus Frankfurt, N\u00fcrnberg und Bonn, gefunden in Himmelpforte, zeugen von wirtschaftlicher Aktivit\u00e4t, nicht jedoch von Reichtum im \u00dcberma\u00df.<\/p>\n<p>Die Ausstellung erz\u00e4hlt damit auch von der komplexen Wirklichkeit der damaligen Zeit. Sie l\u00e4dt dazu ein, g\u00e4ngige Vorstellungen vom \u00fcberheblichen, verkommenen Klerus zu hinterfragen. Denn auch historische Quellen sind stets Perspektive, nicht Wirklichkeit. Was als Rechtfertigung f\u00fcr Pl\u00fcnderung und Zerst\u00f6rung diente, ist nun Gegenstand kritischer Forschung.<\/p>\n<p>Begleitet wird die Schau von kleineren Ausstellungen in Sangerhausen und Wernigerode, die das Thema aus regionalen Blickwinkeln vertiefen. An den Ausgrabungsst\u00e4tten selbst werden F\u00fchrungen angeboten, um die Funde dort zu zeigen, wo sie einst verborgen lagen \u2013 ein Ansatz, der das historische Geschehen in die Mitte der Gegenwart holen will.<\/p>\n<p>Denn der Bauernkrieg war mehr als ein Aufbegehren gegen Leibherrschaft und Zehntpflicht. In ihm schwingt auch der Geist des fr\u00fchen Ringens um Gerechtigkeit und Mitbestimmung \u2013 Themen, die auch nach 500 Jahren nicht an Relevanz verloren haben. In der DDR wurde der Aufstand als Symbol der Klassenbefreiung vereinnahmt. Heute geht es um eine ausgewogenere Erinnerungskultur \u2013 darum, das Geschehene weder zu verkl\u00e4ren noch zu verdammen, sondern seine Spuren ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung in Halle l\u00e4uft bis zum 30. November 2025. Der Eintritt in die Vergangenheit ist Dienstag bis Sonntag m\u00f6glich \u2013 und f\u00fcr jene, die Geschichte nicht als toten Stoff, sondern als lebendige Spur der Gegenwart begreifen, unbedingt lohnenswert.<\/p>\n<p><strong>Ausstellung: \u201eKl\u00f6ster gepl\u00fcndert. In den Wirren der Bauernaufst\u00e4nde\u201c<\/strong><br \/>\ud83d\udcc5 28. Juni bis 30. November 2025<br \/>\ud83d\udccd Landesmuseum f\u00fcr Vorgeschichte, Richard-Wagner-Stra\u00dfe 9, 06114 Halle (Saale)<br \/>\ud83d\udd58 \u00d6ffnungszeiten:<br \/>Dienstag\u2013Freitag: 9\u201317 Uhr<br \/>Samstag, Sonntag &amp; Feiertage: 10\u201318 Uhr<br \/>Montag: nur f\u00fcr Gruppen nach Voranmeldung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"29. 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