{"id":230429,"date":"2025-06-30T06:01:10","date_gmt":"2025-06-30T06:01:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230429\/"},"modified":"2025-06-30T06:01:10","modified_gmt":"2025-06-30T06:01:10","slug":"dagmar-schlingmann-eine-frau-muss-besser-sein-um-gesehen-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230429\/","title":{"rendered":"Dagmar Schlingmann: &#8222;Eine Frau muss besser sein, um gesehen zu werden&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/dagmarschlingmann104.webp\" alt=\"Eine Frau mit einer dunklen Brille und einem schwarzen Oberteil schaut l\u00e4chelnd nach vorne. \" title=\"Dagmar Schlingmann im Portr\u00e4t bei NDR Kultur \u00e0 la carte. | Bj\u00f6rn Hickmann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Dagmar Schlingmann verabschiedet sich vom Theater (54 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 30.06.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Dagmar Schlingmann blickt emotional auf ihre Zeit als Intendantin zur\u00fcck, spricht \u00fcber ihren Kampf in der M\u00e4nnerdom\u00e4ne Theater und ihren Einsatz f\u00fcr ein vielf\u00e4ltiges, zukunftsf\u00e4higes Publikum.<\/p>\n<p class=\"\">\nAcht Jahre war sie Intendantin, jetzt gibt Dagmar Schlingmann den Staffelstab weiter an Tobias Wolff. Highlights in ihrer Zeit gab es einige: Als erste Frau in der Intendanz am Staatstheater Braunschweig mischte sie das Programm auf, initiierte das j\u00e4hrliche &#8222;Tanzw\u00e4rts-Projekt&#8220; oder inszenierte eine ganz eigene Version des Fidelio w\u00e4hrend der Corona-Pandemie. Vor allem aber ist es ihr gelungen, das Theater in der Braunschweiger Gesellschaft nachhaltig zu verankern. Dagmar Schlingmann blickt in <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/sendungen\/ndr_kultur_a_la_carte\" title=\"NDR Kultur \u00e0 la carte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NDR Kultur \u00e0 la carte<\/a> mit Janek Wiechers zur\u00fcck auf abwechslungsreiche Theaterjahre.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Es gab vor einigen Wochen eine gro\u00dfe Abschiedsgala f\u00fcr Sie am Staatstheater Braunschweig, ein richtig rauschendes Fest mit ganz vielen G\u00e4sten und diversen Darbietungen. Was macht das Ganze mit Ihnen? <\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Dagmar Schlingmann:<\/strong> Das ist sehr emotional. Ich freue mich nat\u00fcrlich wahnsinnig dar\u00fcber. Gerade wenn Sie von der Abschiedsgala sprechen. Da waren viele Menschen, die auch Wegbegleiter waren. Im Programm haben sie sehr viele Ausschnitte aus Inszenierungen gezeigt, obwohl das wirklich nur ein Teil meines Intendantenberufes ist. Das war unglaublich bewegend zu sehen, was in den vergangenen acht Jahren alles entstanden ist. Es war eine totale \u00dcberraschung f\u00fcr mich, was Mitarbeitende f\u00fcr mich organisiert haben. Ich hatte keine Ahnung. Das ist schon ein Zeichen von Wertsch\u00e4tzung. Ich habe das jedenfalls so empfunden. Ich fand die Reden auch sehr ber\u00fchrend und unglaublich bewegend. Gleichzeitig muss man noch auftreten und etwas sagen. Das mache ich auch sehr gerne, aber man kann sich jetzt auch nicht so ganz und gar den Tr\u00e4nen hingeben, sondern ist immer noch ein St\u00fcckweit in einer \u00f6ffentlichen Rolle. Deswegen kommt das eigentlich immer erst im Nachgang. Jetzt zum Beispiel habe ich die Zeit, das alles vor meinem inneren Auge noch mal Revue passieren zu lassen. Das ist dann fast noch st\u00e4rker, wenn das vorbei ist und man das im Nachgang durchlebt. Das ist jetzt f\u00fcr mich ein Quell der Freude gewesen.<\/p>\n<p>\n            <strong>Video:<\/strong><br \/>\n            Musik-Revue &#8222;Geile Zeit&#8220; im Staatstheater Braunschweig (3 Min)\n        <\/p>\n<p class=\"\"><strong>In der langen Geschichte des Staatstheaters Braunschweig waren Sie die erste Intendantin. Eine Pionierin k\u00f6nnte man pathetisch sagen. Das war in Saarbr\u00fccken und Konstanz, wo Sie auch schon in Leitungsfunktionen waren, \u00fcbrigens ganz genauso. Sie haben mal gesagt, Sie h\u00e4tten sich ihre Position in dieser patriarchalen M\u00e4nnerwelt hart erk\u00e4mpfen m\u00fcssen. Was haben Sie da erlebt? Wie schwer war das?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Schlingmann: <\/strong>Man brauchte schon fast ein gewisses Ma\u00df an Naivit\u00e4t. Der Beruf der Regisseurin war mein urspr\u00fcnglicher Berufswunsch. Ich bin Regisseurin und das war noch schwerer, w\u00fcrde ich sagen, weil man als junge Regisseurin k\u00e4mpfen musste, \u00fcberhaupt wahrgenommen zu werden. Nur wenn Intendanten, ich sage es jetzt bewusst m\u00e4nnlich, die Auff\u00fchrung anschauen und f\u00fcr gut befinden, dann bekommt man neue Auftr\u00e4ge. Und zwar haben alle Theater, wo ich gearbeitet habe, mich auch immer wieder geholt. Ich konnte von dem Beruf sehr gut leben. Aber es war doch sehr deutlich, dass eine Frau besser sein musste, dass man unheimlich viel Energie darauf verwenden musste, gesehen zu werden. Das hat mich auch dazu bewogen, in die F\u00fchrungspositionen einer Intendantin zu gehen. Ich wollte das auch gerne \u00e4ndern und einfach mehr mitgestalten. Es stimmt, ich war in jedem Haus die erste Frau. Ich habe das ein St\u00fcckweit ignoriert. Es war f\u00fcr mich schon als junges M\u00e4dchen ganz klar, dass mir alle T\u00fcren offen stehen, dass ich selbstbewusst bin, dass ich meine Ziele habe und die m\u00f6chte ich auch verfolgen. Da musste man schon ganz sch\u00f6n viel ausblenden. Man kann sagen, ich musste Scheuklappen aufsetzen, weil es so schwer war. Es gab fast keine Regisseurinnen. Trotzdem bin ich es geworden. Es gab die M\u00f6glichkeit, aber man musste auch sehr k\u00e4mpferisch sein.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Theater befinden sich mitten im Generationenwechsel beim Publikum, Stichwort: demografischer Wandel. Das sogenannte Bildungsb\u00fcrgertum schrumpft, demnach m\u00fcssen Kultureinrichtungen auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren. Sie m\u00fcssen weniger elit\u00e4r sein und weniger Blasen bilden. Das Theater sollte in der Gesellschaft verankert werden, so haben Sie es selbst mal gesagt. Was war da Ihr pers\u00f6nlicher Ansatz?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Schlingmann: <\/strong>Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass man f\u00fcr ein spezielles Publikum Programm macht. Das ist nicht mehr m\u00f6glich. Das Stammpublikum oder das sehr treue Theaterpublikum ist ein wunderbares Publikum. Die gehen auch wirklich in alle St\u00fccke rein. Aber diese Menschen reichen einfach zahlenm\u00e4\u00dfig nicht mehr, um unsere H\u00e4user zu f\u00fcllen. Wir m\u00fcssen gucken, wie wir auch parallel neues Publikum aufbauen. Wie gewinnen wir junges Publikum? Wir haben extra eine Sparte, die hei\u00dft &#8222;Junges Theater&#8220;, da haben wir sehr viel Programm. Aber wichtig ist auch zu wissen, was interessiert diese Menschen? Wir m\u00fcssen schon auch mal die Perspektive wechseln und gucken, was sind denn die Themen, was trifft den Nerv einer bestimmten Zielgruppe? Wir arbeiten tats\u00e4chlich auch teilweise f\u00fcr bestimmte Zielgruppen, auch themenbezogen. Wir hatten zum Beispiel einen Abend \u00fcber Demenz und haben im Vorfeld auch ganz stark mit Pflegepersonal und Einrichtungen gearbeitet und haben nat\u00fcrlich auch die ganzen Einrichtungen in diesen Theaterabend eingeladen, auch betroffenen Menschen, die einen Verwandten haben, selber dement sind oder wissen, dass sie dement werden. Das war ein sehr gutes Beispiel, f\u00fcr eine ganz bestimmte Zielgruppe zu arbeiten.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/dagmarschlingmann100.webp\" alt=\"Dagmar Schlingmann im Portr\u00e4t\" title=\"Dagmar Schlingmann im Portr\u00e4t | Staatstheater Braunschweig\/Andreas Rudolph, Andreas Rudolph\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Ihre \u00c4ra am Staatstheater Braunschweig war von vielen neuen Projekten und Herausforderungen gekennzeichnet. Ein R\u00fcckblick.<\/p>\n<p class=\"\">\nWir haben im Musiktheater Auff\u00fchrungen gehabt, die dezidiert ein junges Publikum angesprochen haben. Das tut sich schwer, das kommt nicht sofort. Wir m\u00fcssen auch eine gewisse Z\u00e4higkeit entfalten und d\u00fcrfen nicht gleich aufgeben und sagen, das hat nicht funktioniert, das machen wir nicht mehr. Das sind alles Methoden und Mittel. Wir \u00fcberlegen uns, welche Autoren spielen wir, wie erreichen wir auch ein diverses Publikum? Das ist insbesondere im &#8222;Jungen Theater&#8220; sehr wichtig. Es gibt tausend Gedanken, die wir uns machen, bevor wir einen Spielplan ver\u00f6ffentlichen. Das ist sehr wichtig, dass wir uns sehr viele Gedanken machen und \u00fcberlegen, wie schaffen wir Gemeinschaften?<\/p>\n<p class=\"\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Janek Wiechers. Einen Ausschnitt davon lesen Sie hier, das ganze Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen Sie oben auf dieser Seite und in der <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/sendung\/ndr-kultur-la-carte\/20246234\/\" title=\"NDR Kultur \u00e0 la carte in der ARD Audiothek\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ARD Audiothek<\/a> h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Dagmar Schlingmann verabschiedet sich vom Theater (54 Min) Stand: 30.06.2025 06:00 Uhr Dagmar Schlingmann blickt emotional auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":230430,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1850],"tags":[6429,3364,29,548,663,3934,30,13,8756,14,15,1411,12,12130,94],"class_list":{"0":"post-230429","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-braunschweig","8":"tag-braunschweig","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-intendantin","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-niedersachsen","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-staatstheater","22":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114770797322697012","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=230429"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/230429\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/230430"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=230429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=230429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=230429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}