{"id":230649,"date":"2025-06-30T08:04:11","date_gmt":"2025-06-30T08:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230649\/"},"modified":"2025-06-30T08:04:11","modified_gmt":"2025-06-30T08:04:11","slug":"der-erinnerungsort-an-die-deportation-der-leipziger-juden-soll-deutlich-aufgewertet-werden-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/230649\/","title":{"rendered":"Der Erinnerungsort an die Deportation der Leipziger Juden soll deutlich aufgewertet werden \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal h\u00e4ngen Petitionen sehr lange im Verfahren fest. Auf 18 Monate brachte es eine Petition von Aaron Reichhardt, mit der er eigentlich nur forderte, jenen Erinnerungsort an der Parthe, der seit 1988 an die Deportation der Leipziger Juden durch die Nationalsozialisten erinnert, wieder st\u00e4rker ins Bewusstsein zu r\u00fccken. Aber vielleicht kann man hier sogar noch mehr machen, fanden sechs Stadtr\u00e4t\/-innen und schrieben sogar einen Erg\u00e4nzungsantrag zum Vorschlag des Petitionsausschusses, der die Petition nat\u00fcrlich bef\u00fcrwortete.<\/p>\n<p>Aaron Reichhardt schilderte in seiner Petition kurz, was hier 1938 passierte: \u201eIm Kanal der Parthe an der Pfaffendorfer Br\u00fccke wurden am 9. November 1938 und in den Tagen danach (Novemberpogrome) hunderte j\u00fcdische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Leipzigs vor Ihrer Deportation zusammengetrieben. Ein Mob antisemitischer Schaulustiger begaffte, verh\u00f6hnte und bespuckte sie. Der Ort wurde damit auf tragische Weise zum Schauplatz der Weltgeschichte und sollte eine zentrale Rolle im st\u00e4dtischen Gedenken an die Opfer des Holocaust einnehmen.\u201c<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/c9bdfd7f75a14b11959a8f333dc6b11d.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/06\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/06\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Denkmal_f%C3%BCr_j%C3%BCdische_B%C3%BCrger_in_Leipzig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seit 1988 erinnert ein Gedenkstein daran.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Petition-VII-P-10358.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Petition von Aaron Reichhardt<\/a><\/p>\n<p>Aber eigentlich m\u00fcsste hier mehr m\u00f6glich sein, meinte Aaron Reichhardt und regte an: \u201eDie Stadt lobt einen Gestaltungswettbewerb f\u00fcr den Kanal sowie die angrenzenden Abschnitte der Pfaffendorfer und Parthestra\u00dfe aus, der den Grundstein f\u00fcr die mittel- und langfristige Weiterentwicklung als Bildungs- und Gedenkst\u00e4tte legt.\u201c<\/p>\n<p>Kein Zugriff auf das Parthebett<\/p>\n<p>Der Petitionsausschuss fand dazu einen eher zur\u00fcckhaltenden Vorschlag. Der Grund daf\u00fcr: Die Parthe ist ein Gew\u00e4sser 1. Ordnung, geh\u00f6rt deshalb zur Hoheit der Landestalsperrenverwaltung. Das schlie\u00dft auch das Gew\u00e4sserbett bzw. den hier gemauerten Kanal mit ein. Die Stadt kann hier nicht aus eigener Regie Ver\u00e4nderungen vornehmen.<\/p>\n<p>\u201eDie Petition fordert die Aufwertung des Kanals an der Pfaffendorfer Br\u00fccke als zentrale Holocaust-Gedenkst\u00e4tte. Da dies aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich ist, wird im VSP ein Alternativvorschlag unterbreitet, mit welchem dem Anliegen der Petition Rechnung getragen wird\u201c, <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2025738&amp;refresh=false&amp;TOLFDNR=2168874\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">formulierte deshalb der Petitionsausschuss.<\/a><\/p>\n<p>Und schlug vor: \u201e1. Der Oberb\u00fcrgermeister wird den Gedenkstein und seinen historischen Hintergrund st\u00e4rker ins \u00f6ffentliche Bewusstsein r\u00fccken. Hierzu werden Kooperationspartner wie das Ariowitsch-Haus, die Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit und das Capa-Haus um Unterst\u00fctzung gebeten.<br \/>2. Der Gedenkstein und der historische Hintergrund finden Einbettung in die Plattform Erinnerungskultur, z.B. in einer thematischen Route zum Holocaust und der j\u00fcdischen Geschichte Leipzigs.\u201c<\/p>\n<p>Hier sollte mehr m\u00f6glich sein<\/p>\n<p>Aber das war den Stadtr\u00e4t\/-innen Dr. Sabine Heymann (CDU), Julian Schr\u00f6der (CDU), Dr. Tobias Peter (Gr\u00fcne), Chantal Schnei\u00df (Gr\u00fcne), Christina M\u00e4rz (SPD) und Pia Heine (SPD) zu wenig. Sie wollten die Idee von Aaron Reichhardt, den Ort am Gedenkstein deutlich aufzuwerten, nicht einfach verschwinden lassen und<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2025901&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> verfassten einen gemeinsamen \u00c4nderungsantrag.<\/a><\/p>\n<p>Wesentlicher Kern des Antrags, den Julian Schr\u00f6der in der Ratsversammlung am 25. Juni begr\u00fcndete: \u201eDer Oberb\u00fcrgermeister pr\u00fcft in Abstimmung mit der Landestalsperrenverwaltung umfassend die M\u00f6glichkeiten zur baulichen bzw. gestalterischen Weiterentwicklung des Gedenkortes unter Ber\u00fccksichtigung der Belange des Hochwasserschutzes und legt dem Stadtrat bis zum 4. Quartal 2025 entsprechende Vorschl\u00e4ge vor. Eine Umsetzung der Ergebnisse im Rahmen des \u201aJahres der j\u00fcdischen Kultur in Sachsen 2026\u2018 wird vorbereitet.\u201c<\/p>\n<p>So schnell wird es freilich nicht gehen, denn nat\u00fcrlich kostet auch so etwas Geld. Oberb\u00fcrgermeister Burkhard Jung bat sich deshalb das 2. Quartal 2026 als Zieldatum f\u00fcr m\u00f6gliche Vorschl\u00e4ge aus.<\/p>\n<p>Der Stadtrat ist gefragt<\/p>\n<p>Aber wenn man mit der Landestalsperrenverwaltung zu einer Einigung kommt, ist hier eben mehr m\u00f6glich als nur ein Blick auf den Gedenkstein. Das beschrieben die sechs Stadtr\u00e4t\/-innen in ihrem Antrag auch: \u201eNeben dem Standort der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstra\u00dfe, die als Gedenkort entwickelt und etabliert ist, geb\u00fchrt auch dieser Stelle im Verlauf der Parthe an der Pfaffendorfer Stra\u00dfe gegen\u00fcber dem Zoo ein gr\u00f6\u00dferer Stellenwert im Stadtbild wie im st\u00e4dtischen Gedenken.<\/p>\n<p>Weder das derzeitige Erscheinungsbild \u2013 irgendwo zwischen unscheinbar und unsichtbar \u2013 noch die daraus resultierende missbr\u00e4uchliche Verwendung als Fahrradabstellplatz werden sich nach Einsch\u00e4tzung der Antragsteller dadurch ver\u00e4ndern, dass der Ort einfach in seiner derzeitigen Form in eine virtuelle Plattform eingebunden wird.<\/p>\n<p>Eine Entscheidung \u00fcber eine bauliche bzw. gestalterische Weiterentwicklung ist und bleibt st\u00e4dtische Aufgabe, f\u00fcr die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ein Beschluss des Stadtrats notwendig ist. Diese Entscheidung kann daher letztendlich nicht an die Akteure der Zivilgesellschaft \u00fcbertragen werden; so wichtig deren Expertise und Engagement in so einem Prozess auch ist.<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen sind gr\u00f6\u00dftenteils vorhanden; so befindet sich unmittelbar neben dem Gedenkstein bereits eine Treppe, die einen Zugang zur darunter gelegenen Fl\u00e4che erm\u00f6glichen w\u00fcrde sowie ein farblich hervorgehobener Bereich neben dem Flusslauf, der Ausgangspunkt f\u00fcr die weitere Gestaltung sein k\u00f6nnte oder sogar aus einer vorherigen Intervention oder Nutzung als Gedenkort resultiert.<\/p>\n<p>Eine gewisse Beharrlichkeit gegen\u00fcber einer \u00fcbergeordneten Beh\u00f6rde mag bei diesem Ansinnen erforderlich sein; insofern kann ein gemeinsamer Austausch vor Ort mit Sicherheit zum gegenseitigen Verst\u00e4ndnis und zu einer L\u00f6sungsfindung beitragen.<\/p>\n<p>Der Stadt Leipzig und auch der s\u00e4chsischen Landestalsperrenverwaltung st\u00fcnde es jedoch gut zu Gesicht, sich in Vorbereitung des \u201aJahres der j\u00fcdischen Kultur in Sachsen 2026\u2018 an dieser Stelle gemeinsam f\u00fcr eine Erm\u00f6glichungskultur f\u00fcr ein w\u00fcrdiges Gedenken einzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Auch OBM Jung gestand zu, dass der jetzige Zustand des Ortes nicht wirklich des Gedenkens w\u00fcrdig ist. Und es wurde an diesem 25. Juni ein sehr deutliches Zeichen, sogar erstaunlich einstimmig, was bei der derzeitigen Zusammensetzung der Ratsversammlung durchaus verbl\u00fcfft: Sowohl der \u00c4nderungsantrag bekam die volle Zustimmung aller anwesenden Ratsmitglieder als auch der Beschlussvorschlag des Petitionsausschusses selbst.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Bis 2026 k\u00f6nnen jetzt Vorschl\u00e4ge auf den Tisch kommen, wie dieser Ort, an dem Leipzigs Juden schikaniert wurden, ein w\u00fcrdigeres und sichtbares Gedenken bekommen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manchmal h\u00e4ngen Petitionen sehr lange im Verfahren fest. 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